Getötete Familie in Senzig - Tatverdächtiger Vater soll Impfnachweise im größeren Stil gefälscht haben

Mi 08.12.21 | 19:24 Uhr
Viele Kerzen brennen vor auf einem Gehweg vor einem Einfamilienhaus in einem Ortsteil der Stadt Königs Wusterhausen im Landkreis Dahme-Spreewald. (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
Audio: Antenne Brandenburg | 08.12.2021 | Bild: dpa/Patrick Pleul

Angst vor einer Verhaftung gab der mutmaßliche Täter von Senzig in einem Abschiedsbrief als Grund dafür an, dass er seine Familie und sich selbst tötete. Er hatte nach rbb-Informationen Impfpässe gefälscht. Die Vorstellungen des Mannes bezeichnete der Staatsanwalt als "verquer".

Im Fall der getöteten Familie in Königs Wusterhausen soll der tatverdächtige Vater im größeren Stil Impfpässe gefälscht haben. Das erfuhr der rbb aus Ermittlerkreisen. Der genaue Umfang ist demnach noch nicht bekannt.

Zuvor war bekannt geworden, dass der Arbeitgeber der Familienmutter, die Technische Hochschule Wildau, dem angeblich gefälschten Impfzertifikat der Frau nachgehen wollte. Aus dem vorgelegten Dokument ergaben sich Nachfragen, zu denen die Mitarbeiterin um Stellungnahme gebeten wurde, wie das brandenburgische Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur (MWFK) am Mittwoch auf Nachfrage mitteilte. Zunächst hatte die "Bild"-Zeitung berichtet.

Nach rbb-Informationen soll ein Disziplinarverfahren oder sogar eine Entlassung im Raum gestanden haben. Die Ehefrau soll in dieser Woche aus diesem Grund einen Termin in der TH gehabt haben.

"Die TH Wildau hat nach Einschätzung des MWFK alles richtig gemacht", hieß es von Seiten des Ministeriums. "Nach dem aktuellen Infektionsschutzgesetz des Bundes gilt seit dem 24. November 2021 eine 3G-Regelung am Arbeitsplatz. Die Einhaltung dieser Regelung müssen die Arbeitgeber sicherstellen. Das hat die TH Wildau in diesem Fall getan", so das Ministerium weiter.

Oberstaatsanwalt: Vorstellungen des Mannes waren "völlig verquer"

Nach Angaben der Justiz hatte der 40-jährige tatverdächtige Vater in seinem Abschiedsbrief Angst vor einer Verhaftung geäußert. Dazu äußerte er die Befürchtung, dass man ihm und seiner Frau die Kinder wegnehmen könne. Er schrieb den Angaben zufolge, dass er ein Impfzertifikat für seine Frau habe fälschen lassen. Ihr Arbeitgeber habe dies erfahren.

Die vom Vater in dessen Abschiedsbrief angegebenen Befürchtungen bezeichnete Oberstaatsanwalt Gernot Bantleon als "völlig verquer". Der 40-Jährige sei weder polizeilich bekannt gewesen noch sei die Familie beim Jugendamt aufgefallen, sagte Bantleon am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa. "Eine Haftstrafe bei einem Ersttäter, das ist völlig undenkbar. Ebenso die Wegnahme der Kinder." Es komme in dem Brief zum Ausdruck, dass der Mann vermutlich eher psychische Probleme gehabt haben müsse, da seine Vorstellungen mit den Tatsachen nichts mehr zu tun hätten, so Bantleon.

Gesetzgebung wurde erst kürzlich verschärft

Die Gesetzgebung zum Anfertigen oder Vorlegen eines gefälschten Impfnachweises war vor zwei Wochen erst verschärft worden. Seitdem ist der "Gebrauch unrichtiger Gesundheitszeugnisse" allgemein strafbar. Der entsprechende Paragraf des Strafgesetzbuchs sieht dafür eine Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr vor.

Auf Grundlage der Gesetzesänderung muss man nun auch als Privatperson mit rechtlichen Konsequenzen rechnen, wenn man einen Impfnachweis fälscht. Das war zuvor eine juristische Grauzone. Das Fälschen kann ebenfalls mit einer Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr bestraft werden.

Tatzeitpunkt wohl Nacht zu Freitag

Inzwischen wurde auch bekannt, dass die fünfköpfige Familie aus Königs Wusterhausen seit der Nacht auf Freitag tot in dem Einfamilienhaus im Ortsteil Senzig lag. Das ergab die Obduktion, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Cottbus am Mittwoch dem rbb auf Anfrage mitteilte. Außerdem handele es sich bei der im Haus gefundenen Schusswaffe um die Tatwaffe. Nach bisherigen Ermittlungen soll der Vater erst die Kinder und seine Frau und anschließend sich selbst mit einer Schusswaffe getötet haben. Laut Staatsanwaltschaft war der 40-Jährige nicht im Besitz eines Waffenscheins.

Von Seiten der Stadt Königs Wusterhausen ist ein Gedenken geplant. Weitere Details will die Stadt am Donnerstag mitteilen.

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Sendung: Brandenburg aktuell, 08.12.2021, 19:30 Uhr

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