"Raum für Anteilnahme schaffen" - Stadt und Kirche in Senzig halten Gedenkfeier für tote Familie ab

Do 09.12.21 | 20:10 Uhr
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Vor dem Einfamilienhaus in Senzig, einem Ortsteil der Stadt Königs Wusterhausen im Landkreis Dahme-Spreewald, stehen am 05.12.2021 Kerzen. Die Polizei hat dort fünf Tote in einem Wohnhaus gefunden. (Quelle: dpa/Fabian Sommer)
Video: rbb24 | 09.12.2021 | Tim Jaeger | Bild: dpa/Fabian Sommer

Der Schock über die fünf tot aufgefundenen Familienmitglieder in Senzig (Königs Wusterhausen) sitzt tief. Die Stadt und die Kirchengemeinde haben deshalb am Donnerstag eine Gedenkfeier abgehalten.

Nach dem Fund von fünf Toten in einem Wohnhaus haben die Stadt Königs Wusterhausen, die Kirchengemeinde im Stadtteil Senzig und Anwohner eine Gedenkfeier abgehalten. Die Veranstaltung startete am Donnerstagabend in der evangelischen Kirche in Senzig - nur rund zweieinhalb Kilometer von dem Wohnhaus der Familie entfernt. Auch die Bürgermeisterin der Stadt, Michaela Wiezorek (parteilos), war unter den Trauernden.

"Wir wollten einen Raum schaffen für Anteilnahme, da es viele erschüttert, was passiert ist", sagte Boris Witt, Pfarrer der evangelischen Kirche in Senzig zum Auftakt des Gedenkens. "Es geht uns um Gemeinschaft, Solidarität - wenn uns das gelingt, das wäre schön."

Zuvor hatte die Stadtverwaltung mitgeteilt, dass am Donnerstag von 18:30 bis 20 Uhr eine Gedenkveranstaltung in Senzig stattfinden werde. Demnach wird die Gedenkfeier durch die Kirchengemeinde organisiert.

Polizisten fanden die fünfköpfige Familie am Samstag tot in ihrem Wohnhaus im Königs Wusterhausener Ortsteil Senzig - darunter drei tote Kinder im Alter von vier, acht und zehn Jahren.

Menschen im Umfeld der Familie von Psychologen betreut

Mitarbeiter von Hort und Kita, die die Kinder der Familie besucht hatten, sowie die Eltern der dort betreuten Kinder werden nach Angaben der Stadt von Psychologinnen und einer Notfall-Therapeutin begleitet. "Im Mittelpunkt steht dabei der geschulte Umgang mit traumatischen Erfahrungen und Trauer", teilte die Stadt mit. Bürgermeisterin Wiezorek unterstütze alle Aktivitäten, die notwendig seien, um mit den Geschehnissen umgehen zu können, hieß es weiter.

Nach den derzeitigen Ermittlungen soll der Mann erst die drei Kinder und seine Frau und anschließend sich selbst mit einer Schusswaffe getötet haben. Die Fahnder hatten einen Abschiedsbrief des 40-Jährigen im Haus gefunden. Darin hatte er seine Sorge vor einer Verhaftung mitgeteilt, weil er das Impfzertifikat seiner Frau habe fälschen lassen. Auch habe er befürchtet, man werde ihm die Kinder wegnehmen.

Tatverdächtiger Vater soll Impfnachweise gefälscht haben

Bezüglich der Frau war zuletzt bekannt geworden, dass der Arbeitgeber der Familienmutter, die Technische Hochschule Wildau, dem angeblich gefälschten Impfzertifikat der Frau nachgehen wollte. Aus dem vorgelegten Dokument ergaben sich Nachfragen, zu denen die Mitarbeiterin um Stellungnahme gebeten wurde, wie das brandenburgische Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur (MWFK) am Mittwoch mitteilte.

Die Fahnder ermitteln weiter zu den Hintergründen der Tat. Die schriftlichen Ergebnisse der Obduktion stünden noch aus - sie lägen erst in einigen Wochen vor, sagte Oberstaatsanwalt Gernot Bantleon. Auch sei noch nicht sicher, dass die gefundene Waffe auch die Tatwaffe gewesen sei.

Sendung: Brandenburg Aktuell, 09.12.2021, 19:30 Uhr

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