Entschlüsselung von Kryptohandys - Berliner Polizei beschlagnahmt bei Encrochat-Ermittlungen Waffen im Wert von 80.000 Euro

Fr 03.12.21 | 17:13 Uhr
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Polizeibeamte sind im Einsatz bei einer Razzia. Auslöser sind entschlüsselte Daten des Kurznachrichtendienstes Encrochat. (Quelle: dpa/Paul Zinken)
Audio: Inforadio | 03.12.2021 | Sebastian Schlüsselburg, die Linke, Berlin | Bild: dpa/Paul Zinken

Neue Zahlen zeigen: Durch die Entschlüsselung der Software Encrochat konnten die Berliner Ermittlungsbehörden bereits beachtliche Erfolge verbuchen. Mehr als 100 Ermittlungsverfahren wurden eingeleitet - und Waffen in hohem Wert beschlagnahmt.

Nach der Entschlüsselung von Encrochat-Kryptohandys hat die Berliner Staatsanwaltschaft inzwischen 138 Ermittlungsverfahren gegen insgesamt 191 Beschuldigte eingeleitet. Bei Durchsuchungen konnte die Polizei schwere Waffen im Wert von 80.000 Euro beschlagnahmen. Das geht aus der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage des Linken-Abgeordneten Sebastian Schlüsselburg hervor, die dem rbb exklusiv vorliegt.

Im Zusammenhang mit den Ermittlungen wurden nach Angaben der Justizverwaltung bislang 31 Haftbefehle vollstreckt, 21 Beschuldigte sitzen in Untersuchungshaft. Bei 55 Hausdurchsuchungen konnte die Polizei Waffen und Drogen in Wert von rund 650.000 Euro beschlagnahmen. Ermittelt wird hauptsächlich wegen Drogendelikten, Verstößen gegen das Waffen- und Kriegswaffenkontrollgesetz und wegen Geldwäsche.

Berliner Polizei liegen 1,6 Millionen verdächtige Datensätze vor

Insgesamt liegen der Berliner Polizei der Senats-Antwort zufolge rund 1,6 Millionen Datensätze aus den geknackten Encrochat-Kryptohandys vor. Es komme jetzt darauf an, alle Datensätze sorgfältig und zügig auszuwerten und die entsprechenden Strafverfahren einzuleiten, so der rechtspolitische Sprecher der Linksfraktion Schlüsselburg. "Es wäre unverzeihlich, wenn es zu Verjährungen kommen würde." Allein die Sicherstellung von schweren Waffen im Wert von 80.000 Euro zeige, welch enorme Gefahr von der organisierten Kriminalität ausgehe.

Niederländische und französische Behörden knackten Encrochat

Der Polizei in den Niederlanden und Frankreich gelang es im vergangenen Jahr, mehr als 20 Millionen geheimer Nachrichten abzuschöpfen, wie die europäische Justizbehörde Eurojust im Juli 2020 mitteilte. 60.000 Teilnehmer hätten den aufwändig verschlüsselten Chatdienst genutzt. Die Technik galt als nicht zu knacken. Das Eindringen in die technische Infrastruktur des Anbieters habe dann "Schockwellen durch organisierte Verbrecherbanden quer durch Europa" geschickt, hieß es damals von der Justiz. Es gab in verschiedenen Ländern bereits Hunderte Festnahmen, Drogen und Bargeld in Millionenhöhe wurden beschlagnahmt. Auch das deutsche BKA soll Millionen Chatnachrichten zum Auswerten erhalten haben.

Sendung: Abendschau, 03.12.2021, 19:30 Uhr

12 Kommentare

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  1. 12.

    Der Wert der Waffen ist doch letztlich eher nebensächlich. Viel entscheidender ist, dass damit dem System, das diese Waffen schützen und aufrechterhalten sollten, ein Schlag versetzt worden ist. Kleinkriminelle dürften in der Regel wohl eher nicht mit Kriegswaffen durch die Gegend laufen.

  2. 11.

    Seltsame Logik...
    Und warum genau stellt sich die Frage der Herkunft nur bei neuen Waffen?
    Das bedeutet ja im Umkehrschluss, dass die Frage bei gestohlenen Waffen seltener aufkommt, denn - soweit mir bekannt - werden die wenigsten Waffen beim Produzenten gestohlen.

    Beste Grüße

  3. 10.

    Ersteinmal die Menge der Waffen und die Herkunft der Waffen.

    Gebrauchte Waffen sind billiger als neue Waffen.

    Es kann durchaus sein, dass die Waffen fabrikneu sind. Dann stellt sich die Frage nach deren Herkunft.

  4. 9.

    Wenn Waffen, Drogen und illegal erwirtschaftete Güter aufgefunden werden, ist die Quelle ersteinmal egal.

    Wichtig ist, dass diese Dinge aus dem Verkehr gezogen werden.

    Anschließend wird geschaut, wer die Sachen gekauft hat und wem sie tatsächlich gehören. Dann guckt man, wo die Sachen gekauft wurden.

    Ich bin eher erstaunt, dass das Milieu sich noch immer in Sicherheit wähnt.

    Übrigens hoffe ich inständig, dass die Ermittler auf globaler Ebene zusammenarbeiten.

  5. 8.

    "Waffen im großen Wert wurden aus dem Verkehr gezogen. Es handelt sich um Feuerwaffen, ideale Tötungswerkzeuge mit Distanzwirkung."

    Was genau unterscheidet nun Waffen von großem Wert von Waffen von kleinem Wert, solange sie in der Anwendung das gleiche Ziel erreichen sollen (und unter Umständen werden)?

    Sie wollen mir doch nicht etwa erklären, dass eine Verletzung (oder schlimmer) vom Wert der verursachenden Waffe abhängt?
    Bitte seien Sie mir nicht böse, aber ich zweifele etwas an Ihrer Lesekompetenz.

    Beste Grüße

  6. 7.

    Kriegswaffen wurden beschlagnahmt. Warum reden Sie das schlecht? Natürlich wurden auch die kleinen Waffen dabei einkassiert.

  7. 6.

    Leider wird bis zur Bearbeitung der Datenmenge vielfach schon die Verjährungsfrist erfüllt sein.

  8. 5.

    Die Beweiserhebung ist umstritten da die Beweise offenkundig vom Nachrichtendienst kommen und das darf in Deutschland so nicht verwertet werden wegen der NS Vergangenheit von Polizei und Geheimdiensten...

  9. 4.

    Gott sei Dank muss die Polizei nicht solche Milchmädchen-Rechnungen aufmachen, wonach Einsatzkosten gegen den Ertrag aufgerechnet werden.

  10. 3.

    Was schreiben Sie da?

    Waffen im großen Wert wurden aus dem Verkehr gezogen. Es handelt sich um Feuerwaffen, ideale Tötungswerkzeuge mit Distanzwirkung.

    Es mag sein, dass der Einsatz teurer war, na und!

  11. 2.

    Billigere Waffen werden nicht beschlagnahmt ?
    Schade ? Schaden ?

  12. 1.

    Bei aller Anerkenntnis für die Ermittler, was sollen solche Überschriften?
    80k EUR, gut und schön, aber das sagt mal so gar nichts! Aber gut, sei es drum.
    Mir drängt sich die Frage auf, was dieser 80k-"Erfolg" gekostet hat.
    Und so gesehen, sind 80k wohl eher als Kleinigkeit anzusehen.
    Über die Daten aus dem Chat reden wir besser auch nicht, denn deren Erlangung ist zumindest zweifelhaft.

    Beste Grüße

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