Wassermangel in Brandenburg - "Das Problem ist wirklich massiv"

Sa 04.12.21 | 12:26 Uhr
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Trockene Landschaft in Brandenburg (Bild: dpa/Paul Zinken)
dpa/paul Zinken
Audio: Inforadio | 03.12.2021 | Interview mit Fred Hattermann | Bild: dpa/paul Zinken

Google kann im ostbrandenburgischen Neuenhagen kein Rechenzentrum errichten, weil es dort zu wenig Wasser gibt. Zwar gebe es im Land viele Seen, erklärt der Potsdamer Forscher Fred Hattermann - das bedeute aber nicht, dass die Region reich an Wasser sei.

Pläne des US-Unternehmen Google, ein Rechenzentrums in Neuenhagen (Märkisch-Oderland) zu bauen, sind gescheitert. Grund dafür ist, dass das Rechenzentrum nicht mit ausreichend Wasser hätte versorgt werden können. Das haben Recherchen des rbb ergeben.

Der Wasserverband Strausberg Erkner (WSE) hat ein Veto gegen eine Ansiedlung des Internet-Konzerns eingelegt. Es gebe nicht genug Wasser in der Region. Deshalb hatte der WSE am Mittwoch auch entschieden, dass das Wasser für Bürger künftig rationiert werden soll.

Niederschläge lösen das Problem nicht

Fred Hattermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung hält den Wassermangel in Brandenburg für ein ernstes Problem, wie er am Freitag im Gespräch mit dem rbb sagte. "Das Problem ist wirklich massiv, gerade wenn man die ganze Landschaft betrachtet", so Hattermann. Die Niederschläge des vergangenen Sommers hätten das Problem nicht entspannt. Die Dürre habe sich über lange Jahre aufgebaut, besonders von 2018 bis 2020.

Brandenburg sei zwar reich an Seen, aber trotzdem wasserarm. "Das liegt eben daran, dass wir eine sehr flache Region haben, in der gar nicht so viel Niederschlag fällt, aber das Wasser eben auch nicht so schnell abfließt", so Hattermann.

Infrastruktur nicht an Klimawandel angepasst

Erschwerend dazu kämen ein erhöhter Wasserbedarf und eine Infrastruktur, die nicht an den Klimawandel angepasst sei, kritisiert der Klimafolgenforscher. "Im Sommer bewässern die Leute mehr oder sie füllen ihre Swimmingpools." Gleichzeitig bräuchten dann aber auch die Pflanzen mehr Wasser, erklärt Hattermann.

Aus Ländern, die schon länger mit Trockenheit zu kämpfen haben, könne man sich einige Innovationen abschauen. "Wir müssen dafür sorgen, dass mehr Grundwasser gebildet wird", sagt Hattermann. "Die Wasserwerke Potsdam betreiben Waldumbau. Das bedeutet, dass man Nadelwald zu Laubwald umwandelt." Laubwald könne mehr Grundwasser speichern, erklärt der Forscher. Auch ein neues Baurecht könne helfen, das Wasser zu speichern. Wenn das Wasser, was aufs Dach fällt, vor Ort versickert und nicht mehr in die Kanalisation fließt, könnten Sturzfluten vermieden werden und neues Grundwasser gebildet werden.

Das vollständige Inteview mit dem Klimaforscher Fred Hattermann können Sie auch im Audio-Player nachhören.

Sendung: Inforadio, 03.12.2021, 15:25 Uhr

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73 Kommentare

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  1. 73.

    "Er muss nur sein Mikado-Spiel beenden und sich bei der Sanierung maroden Brunnen dreißig Jahre nach der Wiedervereinigung bewegen..."

    Aber Herr Neumann, durch die Sanierung "maroder Brunnen" wird es weder mehr Niederschlag geben noch wird dadurch die Grundwasserneubildungsrate erhöht.
    Zudem hatten wir diese Themen schon vor Monden in den Grundsatzdiskussionen im Herbst 2019 durchdiskutiert.

  2. 72.

    „Bekanntlich trägt dabei aber eine gewisse versiegelte Fläche mehr zur Grundwasserneubildung bei als der Status Quo ante.“ Herr Neumann wie oft wollen sie noch in penetranter Weise all diesen offenkundigen Unsinn verbreiten. Ich nehme an, ihnen schwebt vor, ganz Brandenburg zu entwalden, den Oberboden abzutragen und die Oberfläche lückenlos mit Beton zu überziehen. Vergessen sie nicht ein paar Löcher im Beton zu lassen, damit das Wasser versickern kann.
    Ich gebe zu, sie sind mit diesem Gedankengut nicht allein. Sie haben anscheinend noch ein paar Mitstreiter. Da es heutzutage üblich solche Querdenker wie sie einen typischen Gruppennamen zu verpassen, schlage ich vor eine neue Kategorie aufzumachen. Was halten sie von „Trotzköpfiger Sonderling“?

  3. 71.

    Alle die glauben Kiefdernwälder wären gut für den Boden sollten mindestens 1 Versuch machen:

    1 mal Laubblätter kompostieren und 1 mal Kiefernnadeln. Der Unterschied ist deutlich....

  4. 70.

    Herr Neumann, ich habe gehört, dass Tesla in Grünheide gar keine Fahrzeuge herstellen möchte, sondern nur Akkus.
    Können Sie das in irgendeiner Form bestätigen?

  5. 69.

    "Schliesslich hatte ich Ihnen mehrfach dargelegt, warum E-Autos das kleinere Übel im Vergleich zu Ihren geliebten Verbrennern sind und ich es für besser halte, dass die hierzulande gebaut werden und nicht wie Sie es bevorzugen..."

    Aber doch nicht wenn wir dafür unsere Wälder vernichten und unser Trinkwasser vergiften.
    Warum baut man die E-Autos nicht einfach dort wo man zuvor die Verbrenner gebaut hat?

  6. 68.

    Herr Neumann, wenn das ihre Meinung ist, dann gehen sie gefälligst gegen die LEAG vor. Wenn ich mit Tesla fertig bin helfe ich ihnen. Es ist ihre widerliche Art zu meinen, wenn irgendwo auf der Welt in brutalster Weise das Leben auf der Erde zerstört wird, dann darf das Tesla auch in Freienbrink auf genau so üble und brutale Weise praktizieren. Es ist einfach nur schäbig, wie sie hier auf der rbb24 – Plattform mit solch demagogischer Propaganda auf Dummenfang gehen.

  7. 67.


    "...wollen Sie jetzt nach Ihrer tief im Wald lebenden Coronella Phantastica und dem heimlich auf hunderten ha entfernten Unterholz auch noch behaupten, dass dort ein Mischwald stand?"

    3x Ja!
    Ja, dort stand ein im Umbau zu Mischwald begriffener Wald.
    Ja, an einigen Stellen wurde das Unterholz entfernt.
    Ja, auch die Coronella austriaca (Schlingnatter) war dort heimisch.
    Herr Neumann, fragen Sie ruhig weiter, wenn Sie etwas nicht richtig verstanden haben.
    Gern bin ich bereit, ihre Wissenslücken immer wieder aufs Neue aufzufüllen.

  8. 66.

    Tief in solchen Forsten leben allerdings nur die unter Kryptozoologen und den Gerhard bekannte Coronella Phantastica. Der Rest ist unbelegt, mögen Sie das noch so ist schreiben.

    Ich meine die Aussagen von Forstfachleuten zur Grundwasserneubildingsrate in Kiefernforsten. Falls Sie dem RBB glauben schenken wollen, der hat hier auf der Seite einen Artikel dazu verlinkt.

  9. 65.

    In einem Bericht, wurde ein Förster interviewt, der seit Jahrzehnten den Wald bewirtschaftet und auch den Wald Umbau begleitet hat. Genau diesen Wald Umbau in mischwald, den sie Herr Neumann, vehement leugnen. Die vielen Jahre Arbeit, waren nun mit dreißig Harvestern und einer Woche gewaltrodung verpufft. Die Enttäuschung stand dem Herrn ins Gesicht besser in die Augen geschrieben.

  10. 64.

    Das Argument, dass in der Bundesrepublik der Vorhabenträger die Gutachten beibringen sowie die auch bezahlen muss und die deshalb wenig glaubwürdig sind, hatten wir ungefähr Anfang 2020 das erste Mal om Zusammenhang mit Tesla. Der Herr, der das vorgebracht hatte, hatte sich dabei weder das erste noch lange nicht das letzte Mal in Widersprüche verwickelt. Sie kennen aber bestimmt Gegengutachten, oder?

  11. 63.

    Für die Neuzugänge im Forum: Coronella austriaca = Schlingnatter, das "Industriegebiet" war ein Hotspot des Vorkommens dieser streng geschützten Tiere, wurde alles weggemäht bei der 5-tägigen Rodungsorgie im Febr. 2020. Nicht mal eine einzige hat das Massaker überlebt, wie bei den Zauneidechsen wenigstens eine "männliche adulte" - aber auch damit wäre sie ausgerottet, die gesamte ehemalige Population hier.
    Welche älteren Aussagen von Forstfachleuten meinen Sie ? Abholzen und versiegeln - habe ich vor Tesla nie gehört, zumindest nicht von Forstfachleuten.

  12. 62.

    ..und es geht weiter... siehe moz Bericht hat der “demokratische“ Bürgermeister von Grünheide erste Details preisgegeben zum Neubau vom Bahnhof fangschleuse. Noch mehr Versiegelung zur “schnellen neubildung“ von Grundwasser, noch weniger“schädlicher“ Wald. Also weiter wie bisher....

  13. 61.

    Alles richtig was Sie da geschrieben haben. Ich füge noch hinzu, dass auch unsere Bürgermeisterin zu der Truppe gehört. Die bekommt aber heutige Dinge / Probleme nicht gebacken. Die wollen aber 1700 Wohnungen bauen-für Teslabeschäftigte ? Hier wuchsen einst 11 wunderschöne Rotkastanien. Jetz sind noch 3 halbwegs gesund. Eine in 2021 letztverstorben. Das interessiert niemanden vom Amt. Die Türen sind verrammelt-nur mit Termin...Bürgermeister werden nach Einwohnerzahl bezahlt.

  14. 60.

    Sieht düster aus in Brandenburg:
    Google kommt nicht. Ein Automoobilteilelieferer macht dicht(4.500 Arbeiter), die Braunkohle geht (ca. 60.000 Arbeiter) und die Unentwegten wollen TESLA verhindern.
    Und die Politik? Nur Sonntagsreden, getrieben von Minderheiten und "Aktivisten".
    Sieht schlecht aus in Brandenburg.
    Ergebnis der letzten Wählen.

  15. 59.

    Sie warten auf sachliche Argumente und erklären selber zuerst den B-Plan willkürlich für ungültig. Weil Sie damit nicht durchgekommen streuen Sie jetzt mit Verve den Verdacht, dass er gefälscht sei. Dass dabei zig Gemeindevertreter und Mitarbeiter auf Kreisebene involviert gewesen sein müssten, übergehen Sie immer wieder nonchalent. Geflissentlich ignorieren Sie auch die Hinweise auf BauGB §8, demnach eben nicht ein FNP zwingend vor den B-Plan erstellt werden muss. Von 10.05.2021 bis 11.06.2021 lag dessen 4. Änderung übrigens öffentlich in Grünheide aus.

  16. 58.

    Machen Sie doch Anzeige bei der Staatsanwaltschaft gegen die Autoimporteure. Außerdem tauschte ich den kleinen Verbrenner gegen einen kleinen Hybrid. Der macht 50 km per e-Antrieb. Hier sind 2 Ladesäulen ganz in der Nähe. Wallbox kommt im Februar ran. Was meckern Sie hier über Autos, die kein Politiker mag. Die brauchen ganz dicke mit 4 Ringen, Stern oder Brosche in blau-weiß. Sie fasen; welche Brunnen sind es ? Die an der Spree nach Neuzittau ? Die ganze Teslaplanungsmisere kotzt mich an. Warum soll ich mir falsche Entscheidungen reinziehen ? Wir brauchen hochwertige Arbeitsplätze-aber keine TESLAS. Ich bin an einem See groß geworden mit Kahn, Bude bauen und Fische angeln und ---im Garten meiner Eltern. Ich kenne alle Krabbeltiere und kann sogar Wildkaninchen fangen. Arm aber ein Naturkind. Und Sie ?

  17. 57.

    Die "Gutachten", aus denen Sie meinen entnehmen zu können, dass versiegelte Flächen besser für die Grundwasserneubildung sind als Kiefernwälder, können Sie getrost als bezahlte Gefälligkeitsgutachten (für Tesla) einordnen. Glauben Sie alles, was Sie irgendwo lesen?
    Und beachten Sie dabei auch, dass das Regenwasser, das im Umkreis der Fabrik anfällt, erstmal eine Wasseraufbereitung durchlaufen muss, bevor es versickert werden darf.

  18. 56.

    Berliner Förster hatten schon rund um den Abschluss des Dauerwaldvertrages vor über 100 Jahren den schädlichen Einfluß Brandenburger Kiefernmonokulturen erkannt, wenn auch aus der Sicht der Artenvielfalt. Grundwasser war damals noch kein Thema.

  19. 55.

    Der Großteil an Kiefernwald ist um die 50-100 Jahre alt. Früher regnete es mehr und der Wald war insgesamt gesünder als heute. Dann kam die Zeit des "sauren Regens"- Auch das Problem wurde erkannt und behoben. Wir können jetzt nicht den Altbestand vernichten und verschleudern. Es ist bestimmt genug noch Zeit wirklich richtige und ökologische Schritte einzuleiten. Es gibt Waldgebiete mit ausreichend Wasser. Kann mich noch gut daran erinnern wie man in der GRANITZ auf Rügen die besten Buchen umlegte- für den Export nach Westdeutschland. Die Fehlstellen finde ich heute noch.

  20. 54.

    Als Strausberger, der direkt von den WSE -Plänen betroffen ist und die Auswirkungen von Trockenheit und Klimakrise hinsichtlich sterbenden Straussee, Niedrigwasser im Bötzsee, verlandenden Herrensee (NSG), trockenfallenden Annatal etc. direkt vor Augen hat, kann ich über die in meinen Augen hier teilweise wirklich sinnfreien Kommentare nur noch den Kopf schütteln. Der Großteil des Grundwassers des WSE wird in Strausberg und Eggersdorf in 4 Wasserwerken abgepumpt. Andererseits drehen Bürgermeister speziell von Kommunen näher an Berlin, allen voran Altlandsberg, Hoppegarten und Neuenhagen weiter am großen Rad des Wachstums in allen Belangen. Alleine Altlandsberg will direkt östlich an der A10 die noch freien Flächen komplett mit Gewerbe zubauen lassen. Jede Kommune will immer noch mehr. Dem ordnet sich bisher alles unter. Solange dieses rein extensive Denken nicht endlich aufhört und nicht auch mehr Solidarität der Kommunen untereinander erwächst, ist alle andere Diskussion Makulatur.

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