Nach Encrochat-Ermittlungen - Polizei vollstreckt zwei Haftbefehle und suspendiert einen Polizisten

Do 09.12.21 | 18:42 Uhr
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Symbolbild: Festnahme eines Mannes durch die Berliner Polizei. (Quelle: dpa/P. Zinken)
Bild: dpa/P. Zinken

Spezialkräfte der Berliner Polizei haben am Donnerstag zwei Personen wegen des Verdachts des Rauschgifthandels verhaftet und einen unter Verdacht stehenden Polizisten vom Dienst suspendiert.

Außerdem ziehen sie Vermögen im Wert von 2,8 Millionen Euro ein, wie die Berliner Generalstaatsanwaltschaft am Morgen auf Twitter mitteilte. Hintergrund sind demnach Ermittlungen infolge der Entschlüsselung von Encrochat-Mitteilungen. Sie stammen aus einem Netzwerk, das vor allem von Kriminellen genutzt wurde.

Polizist unter Verdacht

Wie die Berliner Polizei am Donnerstagabend via Twitter mitteilte, waren im Zuge des Einsatzes die Räume eines Berliner Polizeibeamten durchsucht worden. Er stehe im Verdacht, in den Systemen der Berliner Behörden "unberechtigt Daten abgefragt und diese gegen Bezahlung an einen der Beschuldigten weitergegeben zu haben". Die Polizei suspendierte den Beamten nach eingenen Angaben vom Dienst und teilte mit: "Die Entlassung wird vorgereitet, sämtliche Zugriffsrechte auf polizeiliche Abfragesysteme sind ihm entzogen worden."

Hintergrund sind Encrochat-Ermittlungen

Der Polizei in den Niederlanden und Frankreich gelang es im vergangenen Jahr, mehr als 20 Millionen geheimer Nachrichten abzuschöpfen, wie die europäische Justizbehörde Eurojust im Juli 2020 mitteilte. 60.000 Teilnehmer hätten den aufwändig verschlüsselten Chatdienst genutzt. Die Technik galt lange Zeit als nicht zu knacken. Nachdem es französischen Ermittlern gelungen war, das Netzwerk zu infiltrieren, stellte Encrochat den Betrieb ein.

Es gab in verschiedenen Ländern bereits Hunderte Festnahmen, Drogen und Bargeld in Millionenhöhe wurden beschlagnahmt.

Auch das deutsche BKA soll Millionen Chatnachrichten zum Auswerten erhalten haben. Die Berliner Staatsanwaltschaft hat aufgrund dieser Daten nach eigenen Angaben schon über 130 Ermittlungsverfahren eingeleitet und mehr als 30 Haftbefehle vollstreckt. Es wurden schwere Waffen und Drogen beschlagnahmt. Ermittelt wird hauptsächlich wegen Drogendelikten, Verstößen gegen das Waffen- und Kriegswaffenkontrollgesetz und wegen Geldwäsche.

Sendung: Inforadio, 9.12.2021, 17:00 Uhr

6 Kommentare

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  1. 6.

    Tja Arnold, ich habe nachgedacht und werde garantiert auch keine Hasskommentare provozieren. Ich nicht! Ich habe auch keine Verdächtigungen erfunden, sondern nur aus dem Artikel entnommen. Über Herkunft oder Zugehörigkeit habe und kann ich auch nicht Vermutungen anstellen. Und dass es sich über kriminelle Strukturen ( Klientel )handelt bzw. eine Suspendierung und ein Kündigungsverfahren für den Polizeiangehörigen eingeleitet wurde, ist ja wohl nicht zu leugnen. Man kann ja letztendlich, jeder für sich, aus jedem Beitrag das heraus lesen, was man möchte.

  2. 5.

    Polizisten sind eben n icht per se bessere und fehlerfreie Menschen und es ist zu erwarten, dass es in einem vergleichbaren Verhältnis wie in der restlichern Bevölkerung zu Fehlverhalten Einzelner kommt. Da über nahezu jeden dieser Fälle berichtet wird (was okay ist, da ein öffentliches Interesse besteht), häufen sich die Einzelfälle gefühlt, jedoch nicht statistisch relevant. Polizisten sind nun mal weder Heilige, noch Serienstraftäter.

  3. 4.

    Bitte mal nachdenken:
    Selber nichts über den Polizisten wissen, aber schon Vorurteile und Verdächtigungen über Herkunft und Zugehörigkeit veröffentlichen.
    Solche spontane unüberlegte Kommentare provozieren geradezu Hasskommentare.

  4. 3.

    nicht aus dem gleichen Klientel stammt"
    Offensichtlich besteht eine gewisse Nähe bzw. Sympathie für das kriminelle Milieu.
    Falls Sie das mit "Klientel" gemeint haben sollten.

  5. 2.

    Die Polizei hat aber ganz schön viele Einzelfälle, nicht wahr?! Und das sogar in verschiedenen Bereichen.

  6. 1.

    Ich will nur hoffen, dass der suspendierte Polizist nicht aus dem gleichen Klientel stammt wie die festgenommenen. Das würde uns zu Denken geben. Ich hoffe, dass es sich nur um einen Einzelfall handelt.

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