Pläne des Bezirksbürgermeisters - In leerstehendes Wohnhaus in Berlin-Mitte sollen Wohnungslose einziehen

So 19.12.21 | 15:44 Uhr
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Menschen stehen vor einem leerstehenden Wohnhaus in der Habersaatstraße in Berlin-Mitte, das besetzt worden ist. (Quelle: Initiative "Leerstand hab ich Saath")
Audio: Inforadio | 19.12.2021 | Nicola Graf | Bild: Initiative "Leerstand hab ich Saath"

Ein leerstehendes Haus in der Berliner Habersaathstraße ist am Samstag vorübergehend von Wohnungslosen und Aktivisten besetzt worden. Jetzt hat der Bezirk Mitte in Aussicht gestellt, dass dort dauerhaft Menschen wohnen können.

In Berlin-Mitte sollen wohnungslose Menschen in ein seit Jahren leerstehendes Haus einziehen. Das hat Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) am Sonntag dem rbb bestätigt.

Ein genauer Termin stehe noch nicht fest. Unter anderem müsse zunächst geklärt werden, in welchem Zustand die Wohnungen des Hauses in der Habersaathstraße seien. Außerdem gebe es noch Verhandlungen mit dem Eigentümer über eine umfassende Lösung. Noch vor Weihnachten könnten aber mindestens 30 Wohnungslose einziehen.

Haus vorübergehend besetzt

Am Samstag hatten wohnungslose Menschen mit Unterstützung von Mieter-Aktivisten das Wohnhaus vorübergehend besetzt. Nach der Zusage von Dassels, dass die Wohnungen Wohnungslosen zur Verfügung gestellt werden, hatten sie es am Abend wieder geräumt.

"Wir konnten mit dem Eigentümer vereinbaren, dass wir dort eine Lösung für die obdachlosen Menschen finden", sagte von Dassel dem rbb. Details müssten noch besprochen werden. Für wieviele Menschen Unterbringungsmöglichkeiten geschaffen werden könnten, hinge von der baulichen Situation ab.

"Nur wer obdachlos ist, kommt dort unter"

"Wir müssen natürlich auch die Anspruchsvoraussetzungen noch prüfen", sagte von Dassel weiter. "Klar ist: Nur wer wirklich obdachlos ist, kann dort unterkommen."

Der Vermieter habe deutlich gemacht, dass er sich auf keine Lösung einlassen wolle, die weitere Mietverhältnisse begründeten. Deswegen habe der Bezirk eine Beschlagnahmung in Aussicht gestellt, weil die Bewohner dann in der Zuständigkeit des Bezirksamts seien.

Das Wohnhaus in der Habersaathstraße steht seit Jahren leer. Im Herbst 2020 war es schon einmal von wohnungs- und obdachlosen Menschen besetzt worden, wurde aber umgehend wieder geräumt.

Sendung: Abendschau, 18.12.2021, 19:30 Uhr

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93 Kommentare

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  1. 93.

    Eine gute Nachricht wäre, wenn in alldue ueber lange Zeit leer stehenden Häuser, die nur als Spekationsobjek missbraucht werden, Wohnungslose aber auch andere die sonst keine Wohnung bekommen einziehen würden. Es gibt auf unserem Stadtgebiet trotz Wohnungsnot weiterhin solche Objekte und nicht nur im Ostteil der Stadt, die seit Jahren leer stehen. Angeblich jedes Jahr aufs neue abgebrochen, dann aber den Eigentümer wechseln, mit neuen Bauintetesse. Das Spiel beginnt von vorn und der Grundstückspreis steigt. Aber unser Senat macht das ja mit, noch nicht einmal eine verbindliche Zwischennutzung wird erwogen.

  2. 92.

    Mathias (#20) hat vollkommen Recht und sie (Martina?/Boomer [echt lustig]) antworten entweder aus Unwissenheit (auch Dummheit genannt) oder in der Absicht vorsätzlich zu lügen. Warum und in wessen Auftrag?
    Mathias hat beanstandet, dass die von ihm geschilderte Situation vom Senat verursacht wurde. Das sehe ich ganz genauso. Wer macht denn die überteuerten Verträge mit den "Vermietern" von Flüchtlingsunterkünften? Meines Wissens ist das der Senat. Und wenn deswegen Obdachlosen gekündigt wird trägt der Senat eine wesentliche Verantwortung dafür.
    20.12. 08:54/10:48

  3. 90.

    Es wundert doch niemanden mehr, dass Menschen keine Lust mehr auf Vermietung in Berlin haben, bei dem Wild-West und dem Schwarz-Weiss.

  4. 89.

    HorstBerlinSonntag, 19.12.2021 | 20:48 Uhr
    "Es wundert doch niemanden mehr, dass Menschen keine Lust mehr auf Vermietung in Berlin haben, bei dem Wild-West und dem Schwarz-Weiss."

    Ach Herr Horst. Wer Sie schwarz-weiss sind machen Sie hier deutlich. Verteidigen einen der schlimmeren Spekulationsfälle in Berlin und entwerfen dabei das herzige Lügenbild des armen, redlichen Vermieters, der vom bösen Plebs gehänselt und gegretelt wird. Sind Ihnen Ihre eigenen schlichten Propagandageschichtchen nicht selber peinlich? Wissen Sie gar nicht wie aggressiv und respektlos Sie sind? Wenn Sie glauben Ihre Mitmenschen mit derartigen Weihnachtsmärchen auf den Arm nehmen zu können.
    Sie tun auch dem redlichen Kleinvermieter nichts gutes. Soll der in Ihrem Topf für die Spekulationshasadeure sein.

  5. 88.

    Hab jetzt mal alles aufgedröselt und auch bei Twitter alles gefunden. Ist schon ein ziemlich dicker Hund. Da ich auch Erfahrungen sammeln musste meine Zustimmung und Unterstützung.

  6. 87.

    "Wild-West und dem Schwarz-Weiss." Damit haben sie das Verhalten des Eigentümers/Vermieters treffend umschrieben.

    https://www.iz.de/unternehmen/news/gebaeudeverwalter-fundatis-curanis-insolvenzantraege-en-masse-106937?crefresh=1

    https://www.cafetelaviv.de/deutschland/herausgeber-juedische-rundschau-hetzt-gegen-merkel/

    https://wem-gehoert-moabit.de/wp-content/uploads/2016/01/Offener-Brief-an-den-Regierenden-Bu%CC%88rgermeister-von-Berlin-und-Senatoren.pdf

  7. 86.

    Es wundert doch niemanden mehr, dass Menschen keine Lust mehr auf Vermietung in Berlin haben, bei dem Wild-West und dem Schwarz-Weiss.

  8. 85.

    Falsche arrogante Denkweise. Der ÖRR wird von der öffentlichen Hand über unsere Gebühren finanziert und ist zur politisch neutralen Berichterstattung verpflichtet.
    Verstöße werden verfolgt.

  9. 84.

    Pawlow und Darwin haben mit der Nazi - Ideologie sehr wohl zu tun, und mit Ihnen wohl auch.

    Vom Wahlrecht bin ich nicht betroffen, aber von Naziverbrechen an meiner Familie schon.
    Ergo, gegen die AfD bin ich immun.

  10. 83.

    Auf den ersten Blick ein ungewöhnlich sozialer Zug von von Dassel. Aber auf den zweiten Blick wird klar, dass für Wohnungslose keine dauerhafte Lösung gefunden werden wird; dass es weder um Housing-First-Projekte noch um betreute Wohnformen geht; dass mit dieser Aktion die lokale Zentrierung prekären Wohnens verstärkt wird und dass die Miet-Aktivist*innen wenig erreicht haben mit dieser AKtion, da es keinerlei Auswirkungen auf den Mietmarkt haben wird.

    Bleibt also, dass weder für die Wohnungslosen über kurzfristige Maßnahmen hinaus noch für die Mietlage in der Stadt etwas gemacht wird. Lediglich Vermieter*in und Bezirksbürgermeister prägen von sich ein vermeintlich soziales Bild.

    Soziales Wohnen für alle ist aber möglich. Dazu fehlt es jedoch am nötigen politischen Willen, die Regulierung des Mietmarkts sowie die Angleichung aktueller sozialer Verhältnisse an menschenrechtliche Mindeststandards durchzuführen.

  11. 80.

    Genau das mit dem Denken ist das Problem. Die Redewendung wie ein pawlowscher Hund hat nichts, rein gar nichts mit Nazis zu tun, denen sie als AfD Wählerin sowieso näher stehen als ich.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Pawlowscher_Hund

  12. 79.

    "Jetzt könnte diesen letzten Bewohnern durch die Politik/Aktivisten ohne Abfindung verdrängt werden, da sie aufgrund ggf. unzumutbarer Zustände „freiwillig“ ausziehen.

    Mir tun die jetzigen Bewohner leid! Spielball der Aktivisten und Politiker. " Ihre Heuchelei ist schnell durchschaut, außerdem solidarisieren sich die letzten Bewohner mit der Aktion.

  13. 78.

    "Jetzt könnte diesen letzten Bewohnern durch die Politik/Aktivisten ohne Abfindung verdrängt werden, da sie aufgrund ggf. unzumutbarer Zustände „freiwillig“ ausziehen.

    Mir tun die jetzigen Bewohner leid! Spielball der Aktivisten und Politiker. " Ihre Heuchelei ist schnell durchschaut, außerdem solidarisieren sich die letzten Bewohner mit der Aktion.

  14. 77.

    Genau deswegen ist es notwendig, dass man aktiv handelt. Wenn man solche Bedingungen toleriert und einfach nur zur Kenntnis nimmt, wird sich unser Staat zunehmend von rechtsstaatlichen Pribzipien verabschieden und den Rechten wird kampflos das Feld überlassen.

  15. 76.

    Was hat ihr neuer Link mit meinen Einwand auf ihren Pawlowschen Hund zu tun?
    Gar nichts.
    Sie bedienen sich dieses Vokabulars, und ich denke mir mein Teil da zu.

  16. 75.

    ...da wohnen schon noch ein paar wenige Leute, die sich bislang nicht haben vertreiben lassen. Deren Weihnachten ist nun vielleicht sogar besonders schön, weil es vielleicht jetzt Hoffnung gibt, dass sie auch bleiben können. Und ebenso für jeden Wohnungslosen, der dort einziehen kann.

  17. 74.

    „Das soll diesmal anders sein: Nach langen Verhandlungen vor und in dem Haus gab es die Einigung. Mit Mittes Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) wurde abgemacht und schriftlich festgehalten, dass zunächst 30 Wohnungen zur Verfügung gestellt werden; möglicherweise auch noch mehr. Einziehen können die Besetzer:innen, die tatsächlich wohnungslos sind, und Mitglieder der „Plattengruppe“, einer Gruppe von auf der Straße lebenden Menschen aus dem Umfeld der Initiative. Die Be­set­ze­r:in­nen müssen zunächst das Haus verlassen, sollen aber am Montag einziehen können, nachdem sie sich beim Sozialamt gemeldet haben.“ TAZ

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