Oberlin-Prozess - Pflegekraft zu 15 Jahren Haft wegen Mordes verurteilt

Mi 22.12.21 | 11:29 Uhr
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Archivbild: Ein Polizeifahrzeug steht vor dem Oberlinhaus in Potsdam. (Quelle: dpa/S. Stache)
Video: Abendschau | 22.12.2021 | Tim Jaeger | Bild: dpa/S. Stache

Die Tat erschütterte Potsdam: Eine Pflegehelferin tötete im April mit einem Messer vier Menschen im Oberlinhaus. Nun wurde sie zu 15 Jahren Haft verurteilt - und muss in eine psychiatrische Klinik.

Wegen der Tötung von vier Bewohnern eines Potsdamer Heims für behinderte Menschen ist eine ehemalige Pflegekraft zu 15 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Darüber hinaus ordnete das Landgericht Potsdam am Mittwoch die Unterbringung der Angeklagten in einem psychiatrischen Krankenhaus an.

Die Angeklagte sei des vierfachen Mordes und mehrfachen versuchten Mordes sowie der Misshandlung von Schutzbefohlenen schuldig, urteilte die 1. Strafkammer. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Das Gericht entsprach mit seiner Entscheidung den Forderungen der Staatsanwaltschaft. Die war von einer verminderten Schuldfähigkeit der Angeklagten ausgegangen. Anklage und Verteidigung hatten die Unterbringung der 52-Jährigen in der Psychiatrie beantragt.

Richter: Angeklagte hätte dringend ärztlicher Hilfe bedurft

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Angeklagte Ende April im Wohnheim des diakonischen Trägers Oberlinhaus vier wehrlose Bewohner im Alter zwischen 31 und 56 Jahren mit einem Messer auf ihren Zimmern getötet hat. Eine 43 Jahre alte Bewohnerin überlebte nach einer Notoperation.

Die Angeklagte hätte wegen ihres psychischen Zustandes dringend ärztliche Hilfe bedurft, sagte der Vorsitzende Richter Theodor Horstkötter in der Urteilsbegründung - auch an dem Tattag am 28. April. Wäre die 52-Jährige an diesem Tag - wie es laut Horstkötter richtig gewesen wäre - zum Arzt gegangen, könnten die Opfer noch leben und wären nicht "auf so grausame Weise ums Leben gekommen", so der Richter.

Gutachterin bescheinigt schwere Persönlichkeitsstörung

Die psychiatrische Gutachterin in dem Prozess hatte in der vergangenen Woche über eine schwere Persönlichkeitsstörung der Angeklagten berichtet und empfohlen, die 52-Jährige im Maßregelvollzug unterzubringen. Dort werden psychisch schwer kranke Straftäter untergebracht, die als schuldunfähig oder vermindert schuldfähig gelten. Damit soll sowohl eine Therapie der Straftäter möglich gemacht als auch die Öffentlichkeit vor ihnen geschützt werden.

Die frühere Pflegekraft wurde unmittelbar nach der Tat unter dringendem Tatverdacht festgenommen. Das Amtsgericht hatte sie direkt in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Die Frau hatte sich in dem Prozess in ihrem Schlusswort bei den Angehörigen der Opfer entschuldigt. Es tue ihr leid.

Sendung: Brandenburg aktuell, 22.12.21, 19:30 Uhr

10 Kommentare

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  1. 10.

    .. wie sieht es mit der Verantwortung des Betreibers und der Vorgesetzten aus?

  2. 9.

    Nachdem ich die anderen Artikel auch gelesen habe, möchte ich ergänzen, dass die medizinische Versorgung der Angeklagten mehr als fragwürdig erscheint. Auch da sollte ein Verfahren anschließen. Unverantwortlich!

    Die eingeklagte Abfindung der Kündigungsschutzklage deckt auffällig die Restschuld des Eigenheims.

    Alles sehr heftig, ich möchte in einem solchen Fall nicht Recht sprechen müssen, eigentlich nicht mal zuhören müssen.

  3. 8.

    Schon gerecht. 15 Jahre Maßregelvollzug... mit all den anderen Verurteilten.. und in ständiger Bearbeitung im Stuhlkreis - das ist schlimmer als die geregelte Versorgung und Ruhe im Knast. Das ist definitiv kein Spaß und keine Erfahrung, auf der man ein ruhiges Rentnerleben aufbauen könnte. Gibt auch keine Rentenpunkte. Die Entlassung ist eh fraglich. Da ist das Leben auch vorbei. Ein hartes Urteil.

    Endlich erfahren wir aber auch, WIE hilflos die Betroffenen waren. Vergleichbar mit kleinsten Kindern...

  4. 7.

    In der Tat sind zwar so bezeichnete Behinderte oder praktisch Bildbare nicht mehr hinter hohen Mauern einkaserniert, allerdings wird immer noch eine recht klare Grenze gezogen, wenn es um so bezeichnete Normalbürger geht und diejenigen, die psychisch auf irgendeine Art und Weise eingeschränkt sind. All zu leicht fällt der Begriff der "Klapsmühle", so, als hätte die Allgemeinheit damit nichts zu tun.

    Ich denke, die Grenzen sind da fließend. Frau R. hat sich hoffnungslos in der Situation verstrickt, Andreas Lubitz, der Copilot des Flugzeugs von Barcelona nach Düsseldorf, befand sich in psychischer Behandlung, die nicht verhindern konnte, dass er den Flieger an die Westwand der Alpen steuerte.

    Robert Steinhäuser flog vom Gutenberg-Gymnasium in Erfurt, wegen massiver Störung des Unterrichts und mit einer Pumpgun versuchte er etwas zu lösen, weil er die Welt hinter dem Bildschirm und die Welt davor nicht mehr unterscheiden konnte.

    Exoten - oder die Spitze eines Eisbergs?

  5. 6.

    Psychiater sind für die Medikamente zuständig und eine Zwangseinweisung kann man nicht so einfach veranlassen. Die restliche Therapie erfolgt durch Psychologen, selten durch ärztliche Psychotherapeuten.
    Man muss bei einer Behandlung aber auch mitmachen! Nachdem was hier so berichtet wurde scheint das bei Frau R. nicht funktioniert zu haben. Man merkt schon wenn die Situation kippt und kann sich zumindest vom Hausarzt krank schreiben lassen falls man andere Krisenintervention nicht annehmen kann.
    Sicherlich hat das alles aber auch mit der Stigmatisierung psychischer Krankheiten zu tun. Würden Sie so locker darüber sprechen dass Sie Gewaltphantasien haben?

  6. 5.

    Da muß ich aber deutlich widersprechen. Mein Hausarzt ist Arzt f.Allgemeinmedizin. Er darf bis zum Abwinken jedes Antidepressiva Medikament verschreiben.

  7. 3.

    Ein grünes Polizei-Auto??

  8. 2.

    Nicht nur Frau R müsste bestraft werden. Ihre Aerztin musste man auch bestrafen denn nur Medikamente verschreiben und denken alles wird gut hat mit Aerztlicher Hilfe nix zu tun

  9. 1.

    Das finde ich gerecht.

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