Transparenz, Spendensiegel, Widerrufsrecht - So erkennen Sie seriöse Spendensammler

So 05.12.21 | 07:48 Uhr
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Symbolbild: Spende (Quelle: dpa/Andrea Warnecke)
Bild: dpa/Andrea Warnecke

Weihnachtszeit ist auch Spendenzeit. Doch manchmal landet das Geld nicht bei Bedürftigen, sondern in den Taschen der Spendensammler. Um auf diese Trickser nicht hereinzufallen, gibt es einige gute Tipps.

Wer spenden will, fährt am besten, wenn er sich eines fest vornimmt: Sich nicht überrumpeln oder von Gefühlen leiten zu lassen. Traurige Schicksale, mitleiderregende Bilder oder emotionsgeladene Aufrufe sollten kein Spendengrund sein. Sie sind vielmehr oft Zeichen unseriöser Werbung, darauf weist die Verbraucherzentrale Brandenburg (VZB) hin. Klare Informationen und transparente Einblicke stehen hingegen für Glaubwürdigkeit.

Werden Sie in der Fußgängerzone oder auf der Straße angesprochen, lassen Sie sich den Mitgliedsausweis des Spenden­sammlers zeigen. Auf dem Ausweis sollte der Name des Samm­lers und ein Hinweis zu etwaigen erfolgs­abhängigen Vergütungen zu lesen sein. Bitten Sie, wenn Sie interessiert sind, um Broschüren zum Thema. Dann können Sie in Ruhe zu Hause entscheiden, wie Sie vorgehen wollen.

Latenter Druck ist ein Zeichen dafür, dass hier jemand eher an Ihrem Geld als an echter Spendenbereitschaft interessiert ist. Fühlen Sie sich belästigt, ist dies ein Grund, Nein zu sagen.

Seriöse Organisationen räumen Widerrufsrecht ein

Vorsicht gilt ebenfalls, wenn Sie um Dauerspenden gebeten werden oder gleich Fördermitglied werden sollen - inklusive monatlicher Überweisung. Hier wird ein Großteil des Geldes häufig für Ausgaben wie Werbung und Verwaltung verwendet, nur ein Bruchteil landet beim Hilfsprojekt. Oder schlimmer: Es handelt sich um komplett unseriöse Spendensammler.

Natürlich kann eine Dauer­spende auch sinnvoll sein, in dem Fall sollten Sie die Empfängerorganisation aber noch genauer unter die Lupe nehmen. "Seriöse Organisationen räumen Ihnen bei Vertrags­schluss ein 14-tägiges Widerrufs­recht ein", erläutert "Finanztest". Für Fördermitgliedschaften, Dauer­spenden oder Patenschaften mit konkretem Zweck sollten "während der Lauf­zeit Kündigungs­fristen gelten, die die Dauer eines Monats nicht über­schreiten".

Bevor Sie spenden

Informieren Sie sich über die jeweilige Organisation - egal, ob gerade Vertreter vor Ihrer Haustür stehen, Sie in der Einkaufsstraße ansprechen oder im Internet um Aufmerksamkeit buhlen. Schauen Sie beispielsweise im Impressum wer dahintersteckt, und prüfen Sie die Nachrichtenlage - auch bei Organisationen, von denen Sie in der Vergangenheit schon Gutes gehört haben. Vielleicht gab es mittlerweile Veruntreuungsskandale, Gutachten, Prozesse, die die Organisation in einem neuen Licht zeigen?

Bitten Sie die Spendensammler um einen sogenannten Jahresbericht der Organisation, seriöse Sammler senden ihn auf Anfrage zu, rät die Verbraucherzentrale Brandenburg. Hier sollten Werbe- und Verwaltungskosten getrennt ausgewiesen sein, und Sie sehen, wie viel Geld wirklich bei den Projekten landet.

DZI führt Positiv- und Negativliste

Auch mithilfe des vom Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) vergebenen Spendensiegels [dzi.de] können Sie sich orientieren. Das Siegel zeichnet förderungswürdige Organisationen aus. Allerdings kann es "nur von gemeinnützigen Organisationen beantragt werden, die jeweils mindestens 25.000 Euro Geldspenden in den zwei jüngsten abgeschlossenen Geschäftsjahren erhalten haben", so das DIZ. Außerdem müssen die Organisationen sich selbst beim DZI für eine Prüfung melden und die Kosten hierfür zahlen.

Kleine Vereine und Organisationen können aber natürlich auch förderungswürdig sein - hier sollten Sie aber auf Berichte in der Tagespresse Wert legen oder das direkte Gespräch mit den Organisatoren suchen, um zu einer Einschätzung zu gelangen.

Wenn Sie Zweifel an der Organisation haben, können Sie ebenfalls beim DZI nachsehen. Das Institut führt auch eine Negativliste dzi.de], in der Organisationen gelistet sind, die das DZI als "nicht förderungswürdig" erachtet. Vollständig ist diese Liste allerdings nicht.

Nicht alle Spenden von der Steuer absetzbar

Wenn Sie sich entschlossen haben zu Spenden, bietet "Finanztest" in einem umfangreichen Dossier weitere Tipps. So kann es beispielsweise sinnvoll sein, nicht zweckgebunden zu spenden, weil die Organisation überschüssiges Geld dann für ähnliche Hilfs­projekte einsetzen kann, "die kaum öffent­liche Schlagzeilen machen".

Auch die Höhe der Spende entscheidet darüber, wie viel Geld am Ende wirklich beim Zielprojekt landet. Daher verteilen Sie Beträge bis zu 150 Euro am besten nicht auf verschiedene Spendenempfänger - so geht weniger Geld für Verwaltungsaufwände drauf.

Eine Spendenbescheinigung für das Finanzamt ist seit dem Steuer­jahr 2021 erst ab einem Spendenbetrag von 300 Euro nötig, für alle Beträge darunter akzeptiert das Finanzamt den Nachweis über den Kontoauszug. Aber Achtung: Spenden können nur abgesetzt werden, wenn sie an steuerbegünstigte Organisationen gehen.

Sendung: Supermarkt, 6.12.2021, 20:15 Uhr

3 Kommentare

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  1. 3.

    Es ist wieder Advent und der Spendenterror geht, wie alle Jahre wieder, los. Bei mir kommt nichts in irgendeine Klingelbüchse, wenn ich spende geht es an die Opfer der Flut im Ahrtal.

  2. 2.

    Es geht wieder los mit den Bettelbriefen von namhaften Stiftungen u.Vereinen im Briefkasten. Meine kleinen Spenden gehen an die Ausgestoßenen, die Obdachlosen. Bin schon zweimal jetzt zur Bahnhofsmission um dort Kleidung, Schuhe zu spenden. Auch gebe ich nun häufiger Kleingeld an Bedürftige ab die auf der Straße leben.

  3. 1.

    Kein normaler Mensch spendet doch noch irgendetwas auf der Straße oder an unbekannte im Netz. Vom € für den Obdachlosen mal abgesehen. Wenn ich spenden möchte informiere ich mich entweder lange vorher, oder noch besser, so halte ich es, ich kenne das Projekt persönlich. Wildfremde kriegen von mir kein Geld, ist doch ganz einfach.

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