Silvester in Berlin und Brandenburg - Berliner Polizei zieht positive Bilanz trotz Gedränge und fast 280 Festnahmen

Sa 01.01.22 | 21:24 Uhr
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Polizisten stehen am 31.12.2021 hinter einer Absperrung am Brandenburger Tor, wo sich mehrere hundert Menschen versammelt haben. (Quelle: dpa/Christophe Gateau)
dpa/Christophe Gateau
Video: rbb|24 | 01.01.2022 | Material: TNN, ARD aktuell, rbb|24 | Bild: dpa/Christophe Gateau

Auch wenn Silvester ruhiger verlaufen ist als zu Vor-Pandemie-Zeiten - in Berlin und Brandenburg hatten Polizei und Feuerwehr viel zu tun. In Friedrichshagen verletzten sich elf Menschen bei einer Explosion. In Mitte wurde es eng.

Übersicht
- Polizei und Feuerwehr in Berlin und Brandenburg melden vergleichsweise ruhige Silvesternacht
- fast 280 Festnahmen in Berlin wegen Verstößen gegen Waffengesetz und Abbrennen von Pyrotechnik
- erneut Angriffe auf Polizisten und Rettungskräfte
- elf Menschen in Klinik nach Explosion in Friedrichshagen
- Hunderte drängen sich am Brandenburger Tor in Erwartung eines Feuerwerks

Der zweite Jahreswechsel unter Pandemie-Bedingungen ist nach erster Bilanz der Behörden überwiegend ruhig verlaufen, aber nicht frei von Zwischenfällen.

Die Berliner Polizei twitterte am Neujahrsmorgen, sie blicke auf einen "vergleichsweise ruhigen, aber dennoch fordernden Silvestereinsatz zurück". Die Berliner Feuerwehr teilte am Neujahrsmorgen mit, dass es zum Jahreswechsel knapp über 1.000 Einsätze gegeben habe - zwar rund 160 mehr als vor einem Jahr, aber "dennoch deutlich weniger als in den vorangegangenen Jahren". So seien es vor zwei Jahren mit mehr als 1.520 rund ein Drittel mehr Einsätze gewesen.

Auch die Brandenburger Polizei rückte zu weniger Einsätzen aus als beim vergangenen Jahreswechsel - 507 gegenüber 573. Die Polizei musste wegen mehrerer Auseinandersetzungen und Körperverletzungen einschreiten, auch illegale Böller wurden beschlagnahmt. "Es war eine ruhigere Silvesternacht als in den vergangenen Jahren", bilanzierte der Sprecher des Polizeipräsidiums Mario Heinemann.

Ein Sprecher der Brandenburger Feuerwehr sagte im rbb, es sei der "ganz normale Wahnsinn einer Silvesternacht" gewesen. In Kolkwitz (Spree-Neiße) brannte ein Einfamilienhaus, verletzt wurde niemand. In Wandlitz (Barnim) musste ein Brand in einer leerstehenden Lagerhalle gelöscht werden.

Das Verkaufsverbot von Feuerwerk und die sogenannten Böllerverbotszonen hätten sich positiv auf die Gesamtzahl der Einsätze ausgewirkt, bilanzierte auch die Berliner Feuerwehr. Wie bereits im vergangenen Jahr durften erneut bundesweit keine Böller und Raketen verkauft werden. Damit sollte verhindert werden, dass die Krankenhäuser weiter belastet werden.

Bei einer Silvesterparty in Friedrichshagen im Osten Berlins wurden allerdings laut Feuerwehr elf Menschen bei der Explosion von Feuerwerk so schwer verletzt, dass sie in Krankenhäuser gebracht werden mussten. Darunter mehrere Kinder und Jugendliche. Insgesamt 20 Menschen hätten von Rettungskräften untersucht werden müssen, teilte die Feuerwehr mit.

Das Unfallkrankenhaus Berlin (UKB) berichtete, bis 11 Uhr seien insgesamt 15 Menschen eingeliefert worden, die sich durch Pyrotechnik verletzt hätten; fünf seien sofort operiert worden. Zwei Personen hätten sogenannte Amputationsverletzungen erlitten.

Im vergangenen Jahr verzeichnete das UKB - auch unter den Einschränkungen der Corona-Pandemie - insgesamt zehn Verletzungen, drei davon schwer. An den Jahreswechseln vor der Corona-Pandemie und dem Böllerverbot wurden jedes Jahr zwischen 50 und 75 verletzte Personen ins UKB eingeliefert.

Wie die Polizei bilanzierte, wurden während des Silvester-Einsatzes in Berlin 279 Personen festgenommen. Knapp 340 Ermittlungsverfahren wurden eingeleitet, unter anderem wegen Verstößen gegen das Waffengesetz oder wegen des Abbrennens von Pyrotechnik. Zudem stellten die Einsatzkräfte 92 Schreckschuss-Waffen sicher.

Laut Berliner Polizei wurden Einsatzkräfte teils gezielt angegriffen. 15 Polizisten seien bei den Einsätzen verletzt worden, zwei mussten daraufhin ihren Dienst beenden. In Gesundbrunnen wurde ein Funkstreifenwagen so stark beschädigt, dass er nicht mehr eingesetzt werden konnte. Die Polizei war mit rund 1.600 zusätzlichen Kräften unterwegs, insgesamt sollten es damit rund 2.500 Kräfte sein. Die Feuerwehr war mit knapp 1.500 Kräften im Einsatz.

Auch vonseiten der Feuerwehr hieß es, dass es in der Nacht Angriffe auf Einsatzkräfte gegeben habe. Insgesamt seien zehn Übergriffe, davon acht unter Einsatz von Pyrotechnik, dokumentiert worden. Auch das seien mehr als letzes Jahr (fünf Übergriffe, vier mit Pyrotechnik) - aber deutlich weniger als im Jahr davor (24).

Menschenmenge am Brandenburger Tor in der Silvesternacht 2021/22 (Quelle: AP/Markus Schreiber)
Bild: AP/Markus Schreiber

Am Brandenburger Tor in Berlin schritt die Polizei wegen größerer Menschenansammlungen ein. Offensichtlich hätten die Anwesenden ein Höhenfeuerwerk erwartet, hieß es von der Polizei; es gab jedoch nur ein kleineres Bühnenfeuerwerk für eine Fernsehsendung. Wegen des großen Andrangs wurde der S- und U-Bahnhof Brandenburger Tor zwischenzeitlich geschlossen. Im Laufe des Abends hätten sich Unter den Linden "mehrere Tausend Menschen" zusammengefunden, sagte Polizeisprecher Thilo Cablitz. Einsatzkräfte forderten die Menschen auf, das Gebiet zu verlassen, sagte Cablitz. Seinen Angaben zufolge löste sich die Menschenmenge nach und nach auf. Vereinzelt hätten die Beamten "Zwangsmaßnahmen in Form von Schieben" angewandt.

Polizisten stehen hinter einer Absperrung am Brandenburger Tor (Quelle: dpa/Christophe Gateau)
Quelle: picture alliance/dpa | Christophe GateauBild: dpa/Christophe Gateau

Am Brandenburger Tor hatte in der Vergangenheit oft eine große Party mit Hunderttausenden Menschen stattgefunden. Diesmal sendete das ZDF von dort aber eine reine Fernsehshow - ohne Publikum. Auch Berlins neue Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) hatte einen kurzen Auftritt. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) war per Video zugeschaltet und sagte mit Blick auf die Pandemie, für 2022 sehe er "Licht am Ende des Tunnels".

In der Marzahner Straße in Alt-Hohenschönhausen feierten rund 500 Personen illegal eine Party. Polizisten beschlagnahmten eine Musikanlage und leiteten Ermittlungsverfahren wegen der Durchführung einer illegalen Musikveranstaltung und wegen des Verdachts des Hausfriedensbruchs ein.

In der Graefestraße in Kreuzberg warfen Unbekannte Feuerwerkskörper durch ein beschädigtes Fenster in eine Wohnung und Molotowcocktails auf hinzukommende Sicherheitsmitarbeiter. Laut Polizei wurden nach dem Vorfall diverse selbstgebaute Sprengkörper sowie eine Tasche mit Polenböllern hinter dem Haus gefunden. Die Kriminalpolizei ermittelt.

Sendung: Abendschau, 01.01.2022, 19:30 Uhr

140 Kommentare

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  1. 140.

    Lesen sie sich von den 139 Kommentare wenigstens 75% durch, von unten mit Datum 31.12./01.01. beginnend , dann werden sie feststellen, dass die Kommentare alten Ufa-Heeresberichten ähneln - kann man in Historienkinos noch sehen. Zum Jahreswechsel 21/22 war in einigen Bereichen von Berlin "Krieg", es war "Häuserkampf mit Artillerieeinsatz".
    Wenn man diese Erlebnisberichte analysiert drängen sich Parallelen zu den letzten Maitagen 45 in Berlin auf, kurz vor der Kapitulation. Sorry, aber sind sie sich sicher, dass ihr Kommentar "normal" ist - sind sie sich sicher, dass ihre Denkweise "normal" ist?
    Man muss unterscheiden zwischen einem Feuerwerk und solchen anarchischen Zuständen. Warum das in Berlin so ist wurde in #100 erklärt.
    13:00/14:50

  2. 139.

    Warum wird denn neuerdings so viel Gedöns um das Böllern gemacht? Sowas gab es doch schon immer! Früher wurde viel mehr geböllert als heute und das ging auch. Heutzutage nutzen viele Leute Batterien oder Raketen, Böller selbst sind nicht mehr so "in". Und mal ganz ehrlich, wer sich beim Böllern verletzt, der verletzt sich wohl auch beim Essen mit Messer und Gabel.

  3. 138.

    M.E. ist das nicht die Lösung, was konkret soll das Erscheinen der Polizei bewirken? Natürlich erwarten wir, Schutz, v.a. als in der Regel Unbeteiligte. Aber gegen dieses völlig sinnentleerte Herumgeböllere hilft das auch nicht. Erst einmal muss das eigene Hirn eingeschaltet werden. Gegen buntes Feuerwerk ist wenig einzuwenden. Aber wenn es Personen, egal, wer das ist, vor die Füße oder hinterrücks geworfen wird, gegen Häuserwände oder Fensterscheiben, in Hausfluren o.fahrende Verkehrsmittel usw.; neuerdings gegen Rettungssanitäter/-ärzte -- das ist doch so etwas aus der untersten Schublade: Ohne Hirn und Verstand!
    Daher sollte es so geregelt werden, wie so oft in diesem Forum genannt: Feuerwerk --- z.B. mit den Klängen des großartigen Georg F. Händel (Feuerwerksmusik) für alle. Ich verspreche dem Forum, dass es nichts nicht schöneres geben kann, es sei denn Georg F. Händel sollte musikalisch und ideell übertroffen werden.

  4. 137.

    "Ach wie einfach können die Beispiele sein, wenn man nicht weiß warum........"
    Und wie einfach könnten Diskussionen sein, wenn man vor'm schreiben nachdenken würde, wenigstens etwas.
    Er hat sich auf EMISSIONEN bezogen, den ganzen lieben Kommentar lang, was sie vermutlich wieder nicht mitbekommen haben. Erst vorgestern eine ähnliche Situation.
    11:06/11:40/12:00

  5. 136.

    Machen sie sich nichts draus. Es wird hier langsam Standard, dass Viele ohne nachzudenken schreiben. Die Qualität des Forums leidet darunter.

  6. 135.

    Ach wie einfach können die Beispiele sein, wenn man nicht weiß warum private Feuerwerke in Australien zum Jahreswechsel verboten sind.
    Da ist jetzt Hochsommer…. alles ist knochentrocken…. da wären überall Feuerwerke eine schlechte Idee.

  7. 133.

    Tine:
    "In Kreuzberg wurde geknallt wie blöde und keine Polizei in Sicht!"

    Wissen Sie denn nicht, dass die Polizei nicht immer überall sein kann, zu Silvester sehr viel zu tun hat und sich zuerst um die schweren Notfälle kümmern muss???

  8. 132.

    Toni:
    "Legal, geprüftes Feuerwerk in Deutschland verkaufen. Dann passiert das alles nicht."

    Unsinn! Wo ist der Nachweis der behauüpteten Kausalität?
    Auch ohne Verkaufsverbot haben sich Menschen, denen das verkaufte Feuerwerkzeug zu harmlos war, solches Feuerwerkzeug selber gebastelt.

  9. 131.

    Polizei und Zoll können nicht überall sein. Nur in Notdkorea wäre das möglich. Und mit diesem Staat wollen wie uns doch nicht. messen.

  10. 130.

    In Kreuzberg wurde geknallt wie blöde und keine Polizei in Sicht!

  11. 128.

    Ich wohne ziemlich zentral (Nähe Frankfurter Tor), und hier war es merklich ruhiger als in den Jahren vor den beiden letzten Silvestern. Es wurde ca. eine dreiviertel Stunde viel weniger intensiv als sonst geknallt und dann war weitestgehend Ruhe. Das 'Böller'-Verkaufsverbot hat sich m. E. deutlich ausgewirkt, was ich als angenehm empfand.

  12. 127.

    Zitat: "Polizei und Rettungseinsätze wie vor Coronazeiten. Hat ja geklappt mit den Verkaufsverboten, die völlig absurd waren, wenn sich jeder der wollte grenznah eindecken konnte."

    Hä?! Die Berliner Feuerwehr gibt an, dass es zum Jahreswechsel gut ein Drittel weniger Einsätze als bsw. bei dem von 19/20 gab. Und das UKB berichtet von 15 Patienten (bis heute 11 Uhr), wobei es in den Jahren vor der Pandemie immer 50 bis 75 Fälle waren, Debbie.

  13. 126.

    Das war mal wieder eins der schlimmsten Sylvesternächte.Von Böllerverbot keine Spur.Feuerwerkskörper,Böller und heftige Detonationen.sogar noch morgens zwischen 4 und 6 Uhr.
    Böllerverbotszonen sollten auch auf den Bereich Rudower Straße , Neuköllner Straße und Krankenhaus Neukölln ausgeweitet werden, um die Patienten im Krankenhaus zu schützen .
    Wann können sich die politischen Verantwortlichen endlich darum kümmern?Von wegen Innensenatorin Spranger ist mit den Böllerzonen zufrieden, das stimmt doch nicht!

  14. 125.

    Nun können Haustiere ja auch therapeutischen Zwecken dienen, eingeschränkten Personen das Leben erleichtern und manche können auch einfach keine Katzenvideos sehen oder dürfen sich kein Lallkohol hinter die Binde kippen. Irgendwie hinkt ihr Vergleich also. Allerdings könnte eine Knallkörpertherapie durchaus vorteilhaft sein um die Hirnwindungen mal so richtig durchzupusten. Ja - die Welt kann einfach sein.

  15. 124.

    Spaß gehabt, Frauen und Kinder auch. Das war in Friedrichfelde.Pech gehabt, ein paar Glieder weg. War ja jwd und dann noch Osten, UVK auch nur 15, ein paar Schwerbehinderte mehr. Da wird kein Wort drüber verloren.
    Pech gehabt, aber es hat schön geknallt.

  16. 123.

    E-Autos werden in spätestens 5 Jahren Geschichte sein und die Generationen nach uns werden über uns und unsere Dummheit den Kopf schütteln.
    Die Zukunft gehört Miniaturreaktoren mit Technologien der kalten Spaltung und dem Wasserstoff.
    Beides wird bei uns nicht verfolgt, weshalb Deutschland in den nächsten Jahrzehnten ins Abseits rutschen wird.

  17. 122.

    Jeder verantwortungsvolle Mensch müsste ein Aus Tier- und Umweltschutzgründen ein Verbot des Haltens von Haustieren begrüßen. Außerdem braucht es keiner und alle, die es vermissen, schauen sich im Fernsehen eben „Lustige Katzenvideos“ an und trinken einen Likör dazu. Mein, wie einfach die Welt doch ist.

  18. 121.

    Mal ehrlich - bis 60 Mio. E-Autos in diesem Land am Stecker hängen sind wir beide Kompost - jede Wette.

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