Gerichtsreporterin zum Wachmann-Prozess - "Ich habe kein Mitleid mit ihm, aber ich verachte ihn auch nicht"

So 05.12.21 | 09:36 Uhr
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Der angeklagte ehemalige KZ-Wachmann sitzt im Gerichtssaal. (Quelle: dpa/Fabian Sommer)
Audio: Inforadio | 02.12.2021 | Die erzählte Recherche - Jenny Barke mit Lisa Steger | Bild: dpa/Fabian Sommer

Das Verfahren gegen einen mutmaßlichen Wachmann des KZ Sachsenhausen in Brandenburg an der Havel gilt als der wohl letzte große Nazi-Prozess. Ein Recherche-Gespräch mit Gerichtsreporterin Lisa Steger über Schuld, Reue, Verdrängung und Traumata.

Lisa, das Verfahren gilt als eines von internationaler Tragweite, wird bezeichnet als eines für die Geschichtsbücher, als letzter großer Naziprozess. Das, was du da gerade beobachtest, wird mit vielen Superlativen gelabelt. Warum?

Lisa Steger: Es ist sicher einer der letzten großen Naziprozesse, denn alle möglichen Angeklagten sind bis auf ganz Wenige entweder tot oder verhandlungsunfähig. Und außerdem ist Josef S. der bisher älteste Angeklagte. Am 16. November ist er 101 Jahre alt geworden.

Das ist fast ein bisschen irre. Ich muss sagen, ich habe noch bei der Anfahrt zu dem Prozessauftakt im Oktober in Brandenburg an der Havel überlegt, ob das wirklich stattfindet oder ob das im letzten Moment abgesagt wird.

Für den Prozess haben sich Journalisten unter anderem aus Polen, Frankreich, Holland und Russland angemeldet. Es wurde extra eine Turnhalle umgebaut, damit auch unter Corona-Bedingungen bis zu Hundert Leute dort hineinpassen. Und tatsächlich kommen auch jedes Mal 30 bis 40 Zuhörer. In mehr als zehn Jahren habe ich als Gerichtsreporterin so etwas noch nicht erlebt.

Beihilfe zum Mord in über 3.500 Fällen. Allein das ist ja schon eine erschütternde Anklage. Was heißt das denn im Einzelnen? Was wird dem Angeklagten konkret zur Last gelegt?

Im Konzentrationslager Sachsenhausen saßen ab 1936 rund 200.000 Gefangene ein. Der Angeklagte soll rund drei Jahre mit einer kurzen Unterbrechung dort SS-Wachmann gewesen sein, zuletzt im Rang eines SS-Rottenführers. Insgesamt soll er von Januar 1942 bis zum Februar 1945 dort Dienst getan haben. In Sachsenhausen gab es in dieser Zeit Massenerschießungen sowjetischer Kriegsgefangener, es wurden Menschen vergast, sie sind erfroren in den unbeheizten Baracken, wo sie keine Decken und Winterkleidung hatten, sie sind verhungert. Es wurden medizinische Experimente durchgeführt, auch an Kindern.

Die Zahl der 3.518 Morde, zu denen der Angeklagte Beihilfe geleistet haben soll, die ist sogar noch niedrig angesetzt, sagte die ermittelnde Polizistin als Zeugin aus. Es sind viel mehr Menschen in dieser Zeit in Sachsenhausen umgekommen. Wichtig zu wissen ist für diesen Prozess, für überhaupt alle Prozesse dieser Zeit gegen frühere SS-Leute, dass es nicht nötig ist, dem Angeklagten eine konkrete Tat nachzuweisen. Es reicht, dass er Teil der Mordmaschinerie KZ war und dafür ausschlaggebend ist ein Beschluss des Bundesgerichtshofes von 2016.

Ja, was nutzt es... Diese Frage stellt sich eigentlich nicht. Mord verjährt nicht, Beihilfe zum Mord verjährt ebenfalls nicht.

Lisa Steger, Gerichtsreporterin

Was hat sich 2016 juristisch geändert?

Damals hatten sich die Bundesrichter monatelang mit der Frage beschäftigt. Es ging um Oskar Gröning, der in Auschwitz unter anderem die ankommenden Häftlinge bewacht hatte. Und der Bundesgerichtshof stellt fest, dass der Mord im KZ nur möglich war, weil es einen organisierten Tötungsapparat gab. Da ist von einer industriellen Tötungsmaschinerie mit willigen und gehorsamen Untergebenen die Rede. Und die bauten dort eine Drohkulisse auf.

Und so war es auch in diesem Fall: Für eine Verurteilung wegen Beihilfe zum Mord genügt, dass der Angeklagte als SS-Mann dabei war. Der BGH-Beschluss zu Oskar Gröning war eine Wende in der deutschen Rechtsprechung!

Es gab ja schon 2009 ein Urteil des Landgerichts München über den Wächter John Demjanjuk, eigentlicher Iwan Demjanjuk. Aber das ist eben nicht rechtskräftig geworden, denn Demjanjuk starb, bevor der BGH über seine Revision entschieden hatte.

Wie kommt man auf über 3.500 Fälle, die ihm nachgewiesen werden könnten?

Also es waren mehr. Es waren auf jeden Fall an die 10.000 Fälle. Bei den 3.518 Fällen ist man so vorgegangen, dass man geschaut hat: Wann war er in welcher Kompanie? Von wann bis wann? Und wofür war genau diese Kompanie zuständig? Und das ist auch gut dokumentiert. Für das letztendliche Strafmaß ist es nicht entscheidend, ob das jetzt 3.518 Morde waren oder vielleicht über 5.000. Man hat da diese Zahl genommen und bewusst zu niedrig angesetzt. Das sind die Fälle, die ihm, die seinen Kompanien auf jeden Fall zugeordnet werden können.

Eine Frage bewegt viele Menschen bei diesem Prozess: 'Wem nützt es noch?', fragt auch ein Passant in Brandenburg an der Havel, den der rbb interviewt hat. Also, provokativ gefragt: Wem nützt der Prozess jetzt noch?

Solche Fragen werden immer wieder an mich gestellt, seit ich über diesen Prozess berichte. Ob privat, wenn man sich abends trifft, im Kollegenkreis oder in der Nachbarschaft. Und auch die Leserkommentare bei rbb|24 gehen vielfach in die Richtung.

Ja, was nutzt es... Diese Frage stellt sich eigentlich nicht. Mord verjährt nicht, Beihilfe zum Mord verjährt ebenfalls nicht. Und das bedeutet, dass die Staatsanwaltschaft dazu verpflichtet ist, diesen Tatverdächtigen zu verfolgen. Dann, wenn sie Anhaltspunkte hat, dass die Vorwürfe sehr wahrscheinlich stimmen. Ich kann als Staatsanwalt oder Staatsanwältin nicht sagen, den verfolge ich und den verfolge ich jetzt mal nicht. Der ist zu alt und bei dem anderen ist das zu lange her. Nein, die Staatsanwaltschaft muss ein Ermittlungsverfahren in diesen Fällen einleiten.

Der Angeklagte, wenn er denn bestraft wird, ist jetzt 101 Jahre alt. Das bedeutet, dass er wahrscheinlich nicht mehr sehr viele Jahre in Haft sitzen wird oder beziehungsweise miterleben wird, sollte er verurteilt werden. Welche Symbolkraft hat also diese Verfahren?

Es geht nicht um die Länge der Strafe, die er ja wahrscheinlich sowieso nicht mehr gänzlich verbüßen würde. Es geht um den Schuldspruch. Es geht darum, festzustellen, dass das ein Unrecht war und dass man auch mitgewirkt hat, wenn man auch eine untergeordnete Funktion dort bekleidete.

Mit dem Wort Prozess als Symbol, da tue ich mich ein bisschen schwer, immer schon. Ein Strafverfahren ist ja kein historisches Seminar und es ist kein Untersuchungsausschuss. Das sollte auch nicht so sein, dass Prozesse geführt werden, damit sich eine Gesellschaft ihrer eigenen Werte vergewissert, damit sie sich über ihre Geschichte informiert.

Der Angeklagte ist kein Darsteller in einer Inszenierung und kein Ausstellungsstück im Museum. Es muss unter allen Umständen vermieden werden, dass der Eindruck entsteht, wir hätten es hier mit einem Schauprozess zu tun.

Ja, er ist ein altersschwacher Mann. Aber entscheidend ist, dass er geistig noch ganz klar ist und die Fragen beantworten kann. Damit ist er verhandlungsfähig.

Lisa Steger, Gerichtsreporterin

Wie hat er sich selbst denn bisher zu den geäußerten Anklagen und den Vorwürfen aus den Zeugenstand geäußert?

Er hat zu den Kriegsjahren anfänglich gar nichts gesagt. Nicht, wo er war, nicht, was er gemacht hat. Er wollte in Litauen gewesen sein und nicht in Deutschland. Jetzt am 13. Verhandlungstag präsentierte er eine neue Version: Jetzt will er doch 1941 von seiner Heimat Litauen nach Deutschland umgesiedelt worden sein und hier habe er in verschiedenen Umsiedlungslagern gelebt. Bis zum Kriegsende: Da habe man ihn als Zivilarbeiter nach Kolberg ins heutige Polen geschickt.

Diese Erklärung hat sein Verteidiger vorgetragen und der Vorsitzende Richter hatte zu dieser Darstellung viele Fragen, weil ja zahlreiche Dokumente dieser Darstellung widersprechen. Daraufhin hat der Angeklagte wirre Antworten gegeben: Länder, Jahreszahlen, alles ging wild durcheinander. Der Anwalt musste für den alten Mann sprechen, der 101-Jährige konnte nicht selbst auf die Fragen antworten.

Ab 1947 hat der Angeklagte Josef S. in Brandenburg gelebt. Die Stasi wusste um seine düstere Vergangenheit. Wieso hat man ihn nicht in der DDR angeklagt?

Ganz einfache Antwort: Weil sie das bei anderen auch nicht gemacht hat. Es gibt da ein Schreiben des Ministeriums für Staatssicherheit vom Oktober 1979, in dem genau drin steht, wer er war, was er getan hatte. Die DDR beziehungsweise die Sowjetunion, die ja ab 1945 das Sagen hatten, hat sich auf die Nazi-Anführer konzentriert.

Es gab 1947, den Sachsenhausen-Prozess im Rathaus Pankow, das war zwei Jahre vor Gründung der DDR in der SBZ, also der sowjetisch besetzten Zone. Das waren Schauprozesse mit drakonischen Strafen. Aber schon 1948 erklärten die Sowjets dann die Entnazifizierung in der SBZ als beendet. Die Männer wurden ja für den Wiederaufbau gebraucht.

Man sieht Josef S. auf den Bildern des Prozesses als gealterten, klapprigen Mann mit einer Gehstütze, mit seinen Kopfhörern. Welche Rolle spielt sein Alter bei dem Verfahren?

Mehrere Ärzte mussten begutachten, ob er verhandlungsfähig ist, das war sehr aufwändig. Er ist nur zwei bis drei Stunden und nur zwei Mal die Woche verhandlungsfähig. Ja, er ist ein altersschwacher Mann. Aber entscheidend ist, dass er geistig noch ganz klar ist und die Fragen beantworten kann. Damit ist er verhandlungsfähig.

Der rbb-Podcast

Dieser Mensch hat mutmaßlich unaussprechliche Gräueltaten verübt. Und trotzdem sieht man bei dem Prozess ein altersschwacher Mann. Seine Töchter sollen sich im Zuge der Ermittlungen von ihm abgewendet haben, den Kontakt zu ihm abgebrochen haben. Wie geht es dir mit diesem inneren Konflikt? Hast du Mitleid mit diesem Angeklagten?

Nein, ich habe kein Mitleid mit ihm, aber ich verachte ihn auch nicht. Ich bewerte Angeklagte nicht. Das ist nicht meine Aufgabe. Das mache ich mit anderen Angeklagten ja auch nicht. Ich muss die Gefühle da raushalten. Das ist in diesem Fall besonders schwer, aber es ist auch in anderen Fällen schwer. Aber ich sehe meine Rolle so, dass ich da eine Distanz einnehmen muss. Das Gericht urteilt über den Angeklagten und nicht der Reporter oder die Reporterin.

Welche Rolle spielen die Nebenklägerinnen und Nebenkläger in dem Prozess?

Es sind 16 an der Zahl, ein Überlebender und ansonsten Nachkommen. Einige haben ihre Väter verloren. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Aussage eines 92 Jahre alten Überlebenden. Emil Farkas wurde mit 15 Jahren nach Sachsenhausen verschleppt und wurde dem Schuhläufer-Kommando zugeteilt. Das heißt, er sollte Soldatenstiefel testen und einlaufen, musste täglich 40 Kilometer laufen mit schwerem Gepäck und bei jedem Wetter. Viele waren unterernährt und sehr schwach. Die wurden auf der Stelle von hinten in den Kopf erschossen. Emil Farkas ist nach Israel ausgewandert und hat erst nach dem Tod seiner Frau damit begonnen, von seinem Erlebten zu erzählen.

Den Nebenklägern ist auch egal, wie viele Jahre der Angeklagte bekommt. Sie wollen, dass gerichtlich festgestellt wird, dass ihnen Unrecht widerfahren ist, wie man sich das schlimmer nicht vorstellen kann.

Lisa Steger, Gerichtsreporterin

Wie beeinflussen diese Traumata das Leben der Opfer und ihrer Familien noch heute?

Es gab diese Zeit des Schweigens und Verdrängens. Und jetzt erst in den letzten Jahren kommt bei den unmittelbaren Zeugen, aber auch bei ihren Hinterbliebenen alles wieder hoch. Sie wollen jetzt einfach genau erfahren, was da los war, auch wenn das außerordentlich schwer für sie ist. Sie erhoffen sich von dem Prozess Gerechtigkeit. Denen ist auch egal, wie viele Jahre der Angeklagte bekommt. Sie wollen, dass gerichtlich festgestellt wird, dass ihnen Unrecht widerfahren ist, wie man sich das schlimmer nicht vorstellen kann.

Kann man zu dem jetzigen Zeitpunkt schon eine Prognose abgeben?

Ich glaube, er wird verurteilt, weil seine Identität auch geklärt ist. Es hat keinen Sinn mehr, das zu bestreiten. Ich denke, er wird eine Haftstrafe bekommen. Er wird sie aber nicht verbüßen. Wahrscheinlich geht er in Revision. Dann muss sich der Bundesgerichtshof damit befassen. Das kann schon mal ein halbes Jahr dauern, vielleicht auch länger.

Es ist ja keine, wie man so sagt Haftsache. Also der Angeklagte ist nicht in Untersuchungshaft, er ist zu Hause. Und dann, wenn das Urteil rechtskräftig ist, dann ist noch einmal die Frage, ob er überhaupt haftfähig ist. Es ist etwas anderes, für zwei oder drei Stunden für zwei Mal die Woche verhandlungsfähig zu sein, als rund um die Uhr haftfähig zu sein. Da wird auch wieder ein neues Gutachten gemacht. Und vielleicht stirbt er auch, bevor das entschieden ist. Also es kann wirklich sein, dass er eine Strafe bekommt, die er dann eben nicht antritt.

Das Recherche-Gespräch ist eine redaktionell gekürzte Fassung des rbb-Podcasts "Die erzählte Recherche". Geführt wurde das Interview von Jenny Barke. Alle Folgen des Podcasts gibt es auf inforadio.de.

Sendung: Inforadio, 03.12.2021, 09:25 Uhr

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14 Kommentare

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  1. 14.

    Guten Abend, "ein Mensch!
    Im Podcast geht es um diese Frage ab Sendeminute 17.40.
    Beste Grüße
    Lisa Steger

  2. 13.

    "Es ist sicher einer der letzten großen Naziprozesse,..." Nein, es ist nicht "groß", wenn sich die Justiz heute - nach allem, was geschehen ist - an einem Mittäter der wohl unteren Kategorie noch einmal abarbeiten. Es ist auch nicht der "letzte große" Prozess, weil das begrifflich die Existenz anderer großer Pozesse voraussetzt. Richtig ist, dass die deutschen Gerichtssäle voll mit Nazis ganz anderer Kategorie waren, aber eben nicht auf der Anklagebank, sondern auf der Richterbank. "Groß" wäre es gewesen, wenn diese Richter wenigstens irgendwann auf die Anklagebank gewechselt wären, und nicht noch bis an ihr Lebensende fette Pensionen bekommen hätten.

  3. 12.

    Zu Anfang des Prozesses kam Leon Schwarzbaum, ebenfalls 100 Jahre alt und Überlebender des Grauens, zum Prozess. Seine Worte (im Internet unter Zeit.de zu finden) waren "Es ist der letzte Prozess für meine Freunde, Bekannte und meine Lieben, die ermordet worden sind, bei dem der letzte Schuldige noch verurteilt wird, hoffentlich". Wenn man sich seine Geschichte anschaut (es gibt einen Film, eine Doku), dann wird dieser Schmerz fühlbar. Alle(s) zu verlieren, was einem lieb war. Der Schmerz geht nie wieder weg. Auch nicht heute, da kann man 100 werden. Diese unersetzbaren Menschen sind tot, sie hatten keine Chance. Die (Mit-)Täter hatten in Ost wie West alle Chancen, konnten (weiter)leben wie zuvor.
    Lisa Steger fasste es gut zusammen: "Sie wollen, dass gerichtlich festgestellt wird, dass ihnen Unrecht widerfahren ist, wie man sich das schlimmer nicht vorstellen kann". Denn auch eine Haftstrafe über 100Jähriger kann nichts wiedergutmachen. Nur noch feststellen, dokumentieren.

  4. 11.

    "Diese Lüge aus der rechtsextremen Szene ist längst widerlegt, das NS Regime hat Weigerungen an Morden teilzunhemen nie verfolgt, man hatte kein Interesse daran." Natürlich niemals! Befehlsverweigerer sind im Dritten Reich in den Streichelzoo gekommen!

  5. 10.

    Der Mann hat nicht in der BRD gelebt, sondern in der DDR. Also haben die Juristen der alten BRD damit gar nichts zu tun. Betreiben Sie hier bitte keinen Whataboutism. Außerdem ist es keinesfalls seltsam, dass so ein alter Mann vor Gericht kommt. Es geht hier um Beihilfe zu tausendfachem Mord. Wie Sie im Artikel lesen können, verjährt sowas niemals, egal wie alt jemand ist. Das ist geltendes deutsches Recht. Probleme haben eigentlich nur diejenigen damit, die keine Mordvorwürfe oder gar Schuldsprüche an Alt-Nazis hören wollen.

  6. 9.

    Nein, traurig ist dass hier manche mehr Mitleid mit dem Täter haben als mit seinen Opfern. Der Mann wußte was er tat, er ist freiwillig der SS beigetreten und hat seinen Mordjob voll erfüllt.

    Das alles auch noch mit der DDR zu vergleichen ist eine Verhöhnung der Opfer und Verharmlosung der NS Verbrechen. Die DDR war eine Diktatur aber hat nie industrialisiert massenhaft Menschen ermordet!

    "Für alle die Möchtegern Widerständler der heutigen Zeit, die genau wissen, dass eine Verweigerung der Beteiligung an der Wachmannschaft eines KZ unbestraft erfolgt sein soll, sie liegen falsch. "

    Diese Lüge aus der rechtsextremen Szene ist längst widerlegt, das NS Regime hat Weigerungen an Morden teilzunhemen nie verfolgt, man hatte kein Interesse daran.

    "Es gab damals und gibt bis heute keinen einzigen nachweisbaren Fall, in dem einem SS-Mann, der einen Mordbefehl verweigert hatte, selbst Gefahr für Leib und Leben drohte."

  7. 8.

    Die Gerichtsreporterin hat den entscheidenden Unterschied bei der Verfolgung von Nazi- und Kriegsverbrecher nach 1945 herausgestellt. In der alten BRD fehlte der politische Wille, solche Verbrechen zu verfolgen. Jeder kennt die Beispiele, wo "Täter" wieder in exponierte Stellungen gelangten. Erst jetzt will die Strafjustiz jahrzehntelang Versäumtes schnell noch nachholen. Da fragt man sich schon, warum die "Rechtskonstruktion " der Beihilfe erst jetzt "entdeckt" wurde.Das ging auch schon ab 1945

  8. 7.

    Zu Ihrer Frage, warum zu DDR-Zeiten nichts unternommen wurde:
    Zitat:"Aber schon 1948 erklärten die Sowjets dann die Entnazifizierung in der SBZ als beendet. Die Männer wurden ja für den Wiederaufbau gebraucht."

    Im übrigen hatte die Stasi kein Interesse, ihr Wissen mit anderen Diensten zu teilen, weder vor noch nach der Wende. Im Gegenteil, es wurden im größtmöglichen Maße die bestehenden Akten vernichtet.
    Die Rentenversicherung ist auf die Angaben der Antragsteller angewiesen, er selber dürfte daran kein Interesse gehabt haben und schiebt jetzt die Schuld an den fehlerhaften Angaben im Rentenantrag auf die aufnehmende Stelle, siehe auch weitere Artikel zu diesem Prozeß.

  9. 6.

    Es ist wirklich traurig, das nicht gegen die Juristen der BRD ab 1950 ermittlet wird, die verhindert haben, dass gegen Tatbeteiligte ermittelt wurde. Bis 2010 galt: Befehlsgewalt... Also ist es mehr als seltsam, dass nun ein 101 jähriger vor ein Gericht gezogen wird.
    Falls die gleiche juristische Auffassung 1945 gegollten hätte, dann wäre die gesamte deutsche Bevölkerung hinter Gittern verschwunden... Für alle die Möchtegern Widerständler der heutigen Zeit, die genau wissen, dass eine Verweigerung der Beteiligung an der Wachmannschaft eines KZ unbestraft erfolgt sein soll, sie liegen falsch.
    Und zuletzt wieso wird diese Rechtsprechung nicht auf DDR Unrecht angewendet??? Gilt sicher auch erst ab 2059, da dann alle weggestorben sind, mal sehen welchen Aufseher aus Bautzen oder Hoheneck vor Gericht gezogen wird.

  10. 5.

    @Elbezet

    Guten Abend!
    Der Podcast behandelt diese Frage ab Sendeminute 20.49: Die rechtlichen Voraussetzungen für eine Verfolgung durch die Justiz lagen nicht vor, was die kleineren Befehlsempfänger anging, und dies änderte sich erst vor einigen Jahren.
    Sie können das Audio hören, indem sie das Lautsprechersymbol in dem obigen Foto anklicken.

    Mit freundlichem Gruß
    Lisa Steger

  11. 4.

    "Ab 1947 hat der Angeklagte Josef S. in Brandenburg gelebt. Die Stasi wusste um seine düstere Vergangenheit. Wieso hat man ihn nicht in der DDR angeklagt?
    Ganz einfache Antwort: Weil sie das bei anderen auch nicht gemacht hat. Es..."
    Und nach Vereinigung verschwand im Untergrund, von wem bekam er Rente das die Dienste konnten ihn finden nicht?

  12. 3.

    Zitat:"Es geht nicht um die Länge der Strafe, die er ja wahrscheinlich sowieso nicht mehr gänzlich verbüßen würde. Es geht um den Schuldspruch. Es geht darum, festzustellen, dass das ein Unrecht war und dass man auch mitgewirkt hat, wenn man auch eine untergeordnete Funktion dort bekleidete.

    Dies sollten nun auch endlich die begriffen haben, die solche Prozesse als Steuerverschwendung oder unmeschliches Vorgehen ansehen.

  13. 2.

    Soweit ich das sehe gilt hier im Sinne der Radbruchschen Formel:
    „Das Gesetz findet dort seine Grenze, wo [...] der Widerspruch des positiven Gesetzes zur Gerechtigkeit ein so unerträgliches Maß erreicht, daß das Gesetz als »unrichtiges Recht« der Gerechtigkeit zu weichen hat."
    BGHZ 3, 94 (107)
    Das damalige Recht war eigentlich Un-Recht.
    Allerdings maße ich mir nicht an zu sagen ich hätte Damals als 16 - 25 Jähriger(1936-1945)und unter den damaligen Verhältnissen anders gehandelt.
    Trotzdem ist dieser Prozess wichtig und richtig, als Aufarbeitung für den Täter und Symbol der klaren Ablehnung und Verfolgung begangenen Unrechts.

  14. 1.

    Soviel sollte ergänzend erwähnt werden dürfen: Auch in der DDR konnten um ein vielfaches einflussreichere Nazi-Personen ungeschoren und protegiert Karriere machen:
    https://www.mdr.de/geschichte/ddr/politik-gesellschaft/entnazifizierung-nazis-in-der-ddr-100.html

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