Berliner Kammergericht - Urteil im "Tiergartenmord"-Prozess soll Mittwoch fallen

Di 14.12.21 | 13:33 Uhr
Beamte der Spurensicherung stehen am 23.08.2019 an einem Faltpavillon am Tatort eines Mordes an einem Tschetschenen im Kleinen Tiergarten. (Quelle: dpa/Christoph Soeder)
Audio: Inforadio | 14.12.2021 | Ulf Morling | Bild: dpa/Christoph Soeder

Mitten in Berlin ist im Sommer 2020 ein Georgier erschossen worden. Der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter belastet die deutsch-russischen Beziehungen. Am Mittwoch soll das Urteil gegen den angeklagten Russen fallen.

Gut zwei Jahre nachdem ein Geogier tschetschenischer Abstammung mitten in Berlin erschossen wurde, will das Gericht am Mittwoch sein Urteil sprechen. Das gab der Vorsitzende Richter Olaf Arnoldi am Dienstag nach dem Plädoyer der Verteidigung bekannt.

Der sogenannte Tiergartenmord-Prozess läuft seit Oktober 2020 unter strengen Sicherheitsvorkehrungen. Das Urteil könnte die deutsch-russischen Beziehungen erschüttern.

Tat soll im Auftrag russischer Stellen verübt worden sein

Angeklagt ist ein 56 Jahre alter Russe, der am 23. August 2019 den Georgier in der Parkanlage Kleiner Tiergarten erschossen haben soll. Der 40-Jährige, der seit Ende 2016 als Asylbewerber in Deutschland lebte, war von russischen Behörden als Terrorist eingestuft worden. Der Mann hatte im Tschetschenien-Krieg gegen Russland gekämpft und galt dort nach Angaben der Anklage als Staatsfeind.

Nach Ansicht der Bundesanwaltschaft wurde die Tat im Auftrag staatlicher russischer Stellen verübt. Sie hat lebenslange Haft beantragt. Zudem beantragte sie, die besondere Schwere der Schuld festzustellen, was eine Haftentlassung nach 15 Jahren nahezu ausschließt.

Der Fall belastet die Beziehungen zwischen Deutschland und Russland stark. Erste Konsequenzen hatte die Bundesregierung schon gezogen, nachdem der Generalbundesanwalt vor zwei Jahren die Ermittlungen aufgenommen hatte und der russischen Regierung mangelnde Kooperation vorwarf.

Bundesanwalt Nikolaus Forschner warf der russischen Führung im Prozess vor dem Berliner Kammergericht in seinem Plädoyer eine "radikale Missachtung rechtsstaatlicher Prinzipien" vor. Durch die Tat auf deutschem Boden seien die Souveränität und das Gewaltmonopol der Bundesrepublik infrage gestellt worden.

Zeuge identifiziert Angeklagten

Der Beschuldigte selbst hatte zu Beginn des Prozesses vor rund einem Jahr über seinen Anwalt erklären lassen, er heiße Vadim S., sei 50 Jahre alt und Bauingenieur. Nach Überzeugung der Ermittler hat er jedoch einen anderen Namen und ist inzwischen 56 Jahre alt.

Der mutmaßliche Mörder wurde kurz nach der Tat gefasst und sitzt in Untersuchungshaft. Nach Deutschland soll er erst kurz zuvor mit Alias-Namen eingereist sein.

Zuletzt hatte Ende Oktober 2021 ein Zeuge den Angeklagten als seinen Schwager identifiziert. "Ja, das ist er", hatte der Unternehmer aus der Ukraine vor dem Kammergericht in Berlin ausgesagt.

Sendung: Radioeins, 14.12.2021, 06:40 Uhr

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