Verkehrsanalyse - Berlin und Potsdam unter den Städten mit den meisten Staus in Deutschland

Di 07.12.21 | 19:56 Uhr
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Symbolbild: Stau in Berlin. (Quelle: Michael Sohn/AP/pa)
Video: Brandenburg Aktuell | 07.12.2021 | M. Nowak | Bild: Michael Sohn/AP/pa

Platz zwei und Platz vier: Berlin und Potsdam zählen laut einer aktuellen Studie zu den staureichsten Innenstädten Deutschlands. Mehr als eine Arbeitswoche verbrachten Autofahrer im Schnitt im Stop-and-go-Verkehr. Von Georg-Stefan Russew

Berlin und Potsdam zählen 2021 zu den staureichsten Innenstädte Deutschlands. Nach dem am Dienstag veröffentlichten Inrix Global Traffic Scorecard [inrix.com] verbrachten Kraftfahrender in der Bundeshauptstadt im Schnitt 65 und in Potsdam 46 Stunden im Stau in ihren Fahrzeugen.

Damit belegt Berlin im bundesweiten Ranking Platz zwei. Potsdam ist darin die Nummer vier. Die deutsche Nummer eins ist München mit 79 Stunden, Platz drei in dem Ranking geht an Hamburg mit 47 Stunden.

Staureichste Straßen in Berlin

Einsame Spitze ist Berlin in der Top Ten der am meisten befahrenen deutschen Straßen. Gleich vier tauchen 2021 in dem Ranking auf. Die staureichste Strecke in Berlin ist laut Inrix die B96 im Verlauf des Tempelhofer Damms zwischen Platz der Luftbrücke und Reißeckstraße. Hier mussten laut Studie im fast abgelaufenen Jahr Kraftfahrende täglich sieben Minuten mehr Fahrzeit hinnehmen. Auf das gesamte Jahr hochgerechnet sind es 27 Stunden pro Fahrzeug. Im Bundesranking ist das Platz vier. Im vergangenen Jahr war die B96 noch bundesweiter Spitzenreiter.

Die Berliner Nummer zwei ist die A100 zwischen den Dreiecken Neukölln und Charlottenburg. Pro Tag und Fahrender waren es fünf Minuten mehr. Aufs Jahr gerechnet kamen so 20 Stunden zusammen. Bundesweit ist das Platz sieben.

Die B2 zwischen Alexanderplatz und Caseler Straße ist die Berliner Nummer drei (in Deutschland Nummer acht). Auch hier sammelten Kraftfahrende täglich fünf Minuten mehr ein. Aufs Jahr war es eine halbe Arbeitswoche.

Platz vier in der Bundeshauptstadt geht an die Prenzlauer Allee/Prenzlauer Promenade zwischen Christburger Straße und der A114-Anschlussstelle Pasewalker Straße. Auch hier waren es täglich fünf Minuten mehr. Aufs Jahr gerechnet kamen 20 Stunden zusammen.

Viele Baustellen in Potsdam

Neu in der Top-Ten-Liste ist 2021 die brandenburgische Landeshauptstadt Potsdam. Sie kletterte im Stau-Ranking von Rang 29 auf vier. Hier beeinflussen größere Baustellen und Vollsperrungen wie der Umbau des Leipziger Dreiecks und die Bauarbeiten an der Nuthe-Schnellstraße den Verkehrsfluss maßgeblich.

Verkehrsdichte erreichte noch nicht das Vor-Corona-Niveau

Laut Studie erreichte die Verkehrsdichte in Deutschland nicht das Vor-Corona-Niveau, dennoch war auf den Straßen und Autobahnen sehr viel mehr los. Im ersten Lockdown im April 2020 ging die Verkehrsdichte laut Inrix Traffic Scorecard um 52 Prozent zurück, im Oktober 2021 lag sie in Berlin nur noch fünf Prozent unter dem Wert des Jahres 2019.

Pauschal auf ganz Deutschland hochgerechnet verbrachten Pendler:Innen 2021 durchschnittlich eine gesamte Arbeitswoche (40 Stunden) im Auto. Das sind 14 Stunden mehr als 2020, aber immer noch sechs Stunden weniger als 2019.

Eine Ausnahme vom Aufwärtstrend bildet der Bahn- und 2021 Busverkehr: In der ersten Jahreshälfte von 2021 beförderte die Deutsche Bahn 57 Prozent weniger Passagiere als 2019 im gleichen Zeitraum.

Im weltweiten Vergleich mit London, Paris oder Brüssel fallen die Stauzeiten in Berlin und Potsdam noch moderat aus. Laut Studie mussten in London Kraftfahrende im fast abgelaufenen Jahr 148 Stunden Stau ertragen. Mit 140 Stunden ist Paris die Nummer zwei und in Brüssel waren 134 Stunden.

Methodik der Studie

Inrix ist ein Anbieter von Verkehrsanalysen und Connected-Car-Services. Das Unternehmen analysierte anonymisierte Daten aus verschiedensten Quellen wie zum Beispiel Datensätze aus Telefonen, Fahrzeugen und Städten. Die verwendeten Daten zeigen das Verkehrsaufkommen der untersuchten Straßenabschnitte über den gesamten Tagesverlauf hinweg. Die Staustudie identifiziert und bewertet Stau- und Mobilitätstrends in mehr als 1.000 Städten in 50 Ländern im Jahr 2021.

Die Global Traffic Scorecard basiert auf der Methodologie der Traffic Scorecard von 2019 und 2020 und misst die Zeit, die ein Pendler durchschnittlich im Stau verbringt. Um noch genauere Ergebnisse zu erzielen, hat das Unternehmen auch Pendlerstrecken über die Stadtzentren hinaus identifiziert und in den Berechnungen berücksichtigt.

Sendung: Inforadio, 07.12.2021, 12:20 Uhr

53 Kommentare

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  1. 53.

    "Ja, wo laufen sie denn?" ließ schon Loriot fragen. Politiker, die den ÖPNV tatsächlich ausbauen wollen, suchte man die letzten Jahre in Berlin vergeblich. Zuerst mangelte es an Geld und dann an einem NVP, den man tatsächlich realisieren will. Entsprechend dürftig war das Ergebnis.

  2. 51.

    Für Elias und Co. mag der BVG-Bus mit seinen 320 PS eine MPU-würdige Genitalverlängerung sein. Dennoch ist der trotz fehlender Busspuren und vielen Halten im Mittel schneller unterwegs als ein Fußgänger und bedeutend witterungsunabhängiger als das typischerweise auf kürzeren Strecken genutzte Verkehrsmittel, auf welches Sie mit Ihrem hier verwendeten Nick hindeuten. Beim MIVen entfallen zusätzlich die Stopps an den Haltestellen, so dass man mit dem PKW legal noch schneller von A nach B kommt.

    Die Kreuzberger Presse straft Sie zudem in Bezug auf die Wassertaxies mit einem Artikel vom 27.06.2019 Lügen. "Berlin ist eine Stadt mit viel Wasser, wie viele andere Metropolen weltweit auch. Dort werden auch die Wasserwege für den öffentlichen Nahverkehr genutzt. Warum führen wir nicht auch in Berlin Wassertaxis ein?" wird sie zitiert. Dass die Idee exklusiv von Pop sein soll, entspringt Ihrer Phantasie. Der Schaum vor Ihrem Mund hat offensichtlich wieder mal Ihren Blick getrübt.

  3. 50.

    Wer eine 320 PS starke Genitalverlängerung in der Stadt braucht, der hat ein ganz anderes Problem wie seine Fortbewegung. Und die Lüge mit den Wassertaxies habe ich letztens schon widerlegt. Da war Frau Pop noch nicht einmal geboren, so alt ist die Idee.

    Wer hier ständig seinen krankhaften Hass gegen Grüne auslebt und mit seiner 320 PS Protzkarre angibt, der sollte schnellstens zum Arzt und zur MPU.

  4. 48.

    Gibt es. https://www.ardmediathek.de/video/quarks/suv-und-co-warum-werden-unsere-autos-immer-groesser/wdr/Y3JpZDovL3dkci5kZS9CZWl0cmFnLTg1Yjg5NjIxLTlkZjItNGI2MC1iYWYwLWI1Mjg5M2Y4YjUyNw/

  5. 47.

    sind wir mal ehrlich. Autofahrer und Nichtautofahrer werden bei diesem Thema nur ein gemeinsamen Nenner haben, nämlich den, dass alle stressfrei, schnell und sicher durch die Stadt kommen wollen. Ich meine, jeder sollte doch sein Fortbewegungsmittel wählen können das er für richtig hält. Dabei muss durch die Politik für alle Lager das entsprechende Optimum angestrebt werden. Die Leute werden sich dann schon selbst entscheiden, was für sie jeweils das Beste ist. Eine Stadt funktioniert weder ohne Individualverkehr, noch ohne gut ausgebauten ÖPNV. Wenn man sich die Kommentare hier so durchliest, ist immer nur die Rede von Verboten und alles muss teurer werden, vor allem für die Autofahrer. Wen wundert es dann, dass die Politik genauso handelt. Siehe EEG, CO2-Steuer etc. Was habe die denn ehrlich gesagt gebracht, außer uns das Geld aus der Tasche zu ziehen? Signifikat mehr (sinnvolle)erneuerbare Energien die ohne nicht möglich gewesen wären oder weniger CO2? Ich glaube kaum

  6. 46.

    Sie haben einen falschen Eindruck vom Stadtverkehr. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass ich mit dem 320 PS-Diesel trotz mangelhafter Infrastruktur meist schneller in der Stadt unterwegs bin als Eliud Kipchoge.

  7. 45.

    In Wien war man intelligenter und hat zuerst angefangen, den ÖPNV auszubauen und erst dann weitere Maßnahmen ergriffen. Hier in B. lässt die SenUVK lieber von an der Verkehrswende in Kopenhagen gescheiterten externen Beratern Radschnellwege *durch* das Brandenburger Tor konzeptionieren und schiebt den ÖPNV-Ausbau auf die lange Bank. Auch Frau Jarasch hat ja angekündigt, dass bei ihr Projekte Priorität haben, die sich bis zum Ende der Legislatur abarbeiten lassen. Schon Busspuren auszuweisen dauert aber i.d.R. länger.

  8. 44.

    Eine Cityaut und/oder Anwohnervignette außerhalb des S-Bahn-Rings für n 10´er im Monat finde ich völlig in Ordnung.

  9. 43.

    Nicht ohne Grund gab es auch von Frau Pop den Vorschlag, in Berlin Wassertaxies einzuführen. Hier wird gebaut und die lang vorgeplante Tram-Trasse auf den St.-Nimmerleinstag verschoben. Nicht ohne Grund nahm in den letzten Jahren die Anzahl der PKW pro Einwohner in Berlin wieder zu: Lieber MIVend im Stau stehen als im Bus keinen Stehplatz bekommen.

  10. 42.

    Also ein Auto zu besitzen bedeutet, sich Lebenszeit zu klauen.
    Mit dem Auto brauche ich für 12 km zur Arbeit in Wannsee 26 Minuten, zu Fuß 2 Stunden, mit dem Fahrrad 42 Minuten und mit Bus und Bahn 56 Minuten, sofern nicht wieder was ausfällt. Gestern ist mal wieder ein Bus ausgefallen, 12 Minuten gewartet und mit Maske in den proppevollen Eindecker gequetscht. Da bin ich mit dem Auto schon in....
    Aber richtig ist, würde ich in der Innenstadt arbeiten oder einmal quer durch auf der anderen Seite, würde ich die Öffis nehmen, das ist dann trotz allem das kleinere Übel.

  11. 41.

    "eine Reduzierung von Parkplätzen"

    Das geht aber erst, wenn bereits weniger Autos unterwegs sind. Wenn das so Knall auf Fall passiert, kurven endlos viele Autos auf der Suche nach einem Parkplatz durch die Nebenstraßen und der Verkehr ist eben nicht minimiert. Und da Autofahrer oft stur sind, lassen sie sich von fehlenden Parkplätzen nicht verbieten, trotzdem zu fahren.

    Ich würde stattdessen, auch wenn es riesenteuer ist, so viele (zu bezahlende, damit wieder Geld dafür reinkommt) Tiefgaragen wie möglich bauen. Dann wären die Autos aus dem Stadtbild und man hätte mehr Platz für Fahrradwege/spuren/breitere Bürgersteige. Dem Lieferverkehr muss man dann eben alle 50m oder so einen/zwei Kurzzeit-Parkplätze einrichten.
    Zusätzlich würden durch die fehlenden/weniger geparkten Autos die Straßen und Kreuzungen besser einsehbar sein und es gäbe weniger Unfälle, auch mit/zwischen Radfahrern/Fussgängern.
    Utopisch, ich weiß. Aber schöne Vorstellung.

  12. 40.

    Ich glaube der Robinson hat das etwas überspitzt formuliert. Eine Enteignung will hier niemand. Aber eine moderate 25 Euro/Tag Innenstadt-Maut ohne Ermäßigung für Anwohner oder eine Reduzierung von Parkplätzen um 50% würden niemanden enteignen, dafür aber den Verkehr reduzieren und damit auch für Autofahrer freie Fahrt und weniger Stress bedeuten.

  13. 39.

    Sie sind also für eine Art der Enteignung? Und Ihre Formulierung, dass "Berliner" dann keine Autos mehr fahren dürfen, ist mehr als dürftig. Man sollte bitte mal nicht nur bis zum Brett denken und seine Engstirnigkeit auf die Allgemeinheit zu übertragen versuchen.

  14. 38.

    Ich hoffe, Ihre positive Einstellung zu einem Nebeneinander strahlt auch auf andere aus. Auch wenn Nebeneinander in vielen Fällen bedeuten wird, dass der motorisierte Individualverkehr Flächenanteile abgeben muss.

  15. 37.

    Nein, müssen sie nicht. Es braucht nur vernünftige Konzepte, den Individualverkehr zu minimieren. Ihrer Logik zu folgen frage ich mich, wie sonst die Versorger und Entsorger unterwegs sein dürfen, ebenso wie Polizei und Feuerwehr. Aber dafür haben Sie bestimmt die Lösung parat. Ich bin gespannt.

  16. 36.

    Zitat aus der Tagesschau "Im Jahr 2020 gaben 40 Prozent von ihnen an, für Strecken unter fünf Kilometern normalerweise mit dem Auto zu fahren."
    Meine Güte, das kann man doch wohl locker mit dem Fahrrad fahren, es sei denn man ist bequem. und davon haben wir zuviele.

  17. 35.

    Es braucht keine höhere Besteuerung, es reicht doch zu die Anwohner Parkplätze ab zu schaffen. Wenn Berliner keine Autos mehr fahren dürfen sind die Straßen auch leer. In Berlin gibt es eine gute Infrastruktur für öffentlichen Verkehr. Und die paar Brandenburger die dann wegen der fehlenden Infrastruktur mit Auto rein müssen verursachen kaum noch Stau.

  18. 34.

    ", denn je mehr Menschen mit ÖPNV oder Rad und je weniger Auto fahren, desto weniger Stau haben wir und desto schneller kommen wir alle durch die Stadt!"

    Theoretisch ja. Der Haken an der Sache ist bloß: Je schneller wir alle wieder durch die Stadt kommen, desto eher steigen die Leute wieder in ihre Autos. Und alles geht von vorne los.

    Ansonsten haben Sie glaube ich Volker falsch verstanden. Er beschwert sich eher über die Hindernisse, die ihm als Autofahrer absichtlich in den Weg gelegt werden, um ihn zum ÖPNV zu bewegen. Und das wäre ja nun mal die absolute persönliche Apokalypse.

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