Zensus 2022 - So sollen im nächsten Jahr Millionen Menschen bei der Volkszählung befragt werden

Mi 29.12.21 | 11:06 Uhr
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Passanten gehen an einem Geschäft des Discounter Primark am Alexanderplatz vorbei. (Quelle: dpa/Carsten Koall)
Audio: Inforadio | 29.12.2021 | Johannes Frewel | Bild: dpa

Im nächsten Jahr steht ein Großprojekt der amtlichen Statistik an: Am 15. Mai soll mit dem "Zensus 2022" ermittelt werden, wie viele Menschen in Deutschland leben, wie sie wohnen und arbeiten. Für Berlin hat ein Teil der Befragung bereits begonnen.

Im kommenden Jahr wird es in Deutschland wieder eine Volkszählung geben. Elf Jahre nach dem letzten Zensus sollen zahlreiche Daten aktualisiert werden - etwa zur Zahl der Einwohner sowie zu deren Erwerbstätigkeit und Wohnsituation. Vorwiegend sollen vorhandene Verwaltungsdaten genutzt werden, es sind aber auch Befragungen geplant, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte. Für den Zensus arbeiten die Statistischen Ämter des Bundes und der Länder zusammen. Die Daten sollen als verlässliche Planungsgrundlage für Entscheidungen in Bund, Ländern und Gemeinden dienen.

Über 10 Millionen Menschen werden befragt

Stichtag ist am 15. Mai. Ab diesem Datum erhalten rund 10,2 Millionen Menschen per Post die Information, dass sie zufällig für eine Befragung zu Alter, Familienstand, Staatsangehörigkeit sowie Wohn- und Arbeitssituation ausgewählt wurden. Auch Bewohnerinnen und Bewohner von Wohnheimen werden befragt, bei Gemeinschaftsunterkünften wie Altenheimen muss die Leitung Auskunft geben.

Nur ein Teil der Fragen soll in kurzem persönlichen Kontakt geklärt werden, etwa an der Haustür mit Abstand und Maske. Der Rest der Informationen kann online übermittelt werden. "In Zeiten von Corona spielt die Möglichkeit zur kontaktlosen Online-Befragung eine zentrale Rolle", erklärte der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Georg Thiel. Zusätzlich sollen etwa 23 Millionen Eigentümer oder Verwaltungen online Auskunft zu ihren Wohnungen und Wohngebäuden geben.

Vorbefragung zu Gebäude- und Wohnungszählung bereits gestartet

Bereits am 6. September startete für einen Teil der Auskunftspflichtigen in Berlin und Brandenburg die Vorbefragung zur Gebäude- und Wohnungszählung für den Zensus 2022.

Der Fragenkatalog der Gebäude- und Wohnungszählung erfasst beispielsweise, wie viele Wohnungen es gibt, wie groß sie sind, wie hoch die Nettokaltmiete ist, wem sie gehören, das Baujahr und Heizungsart. Zudem müssen Eigentümer Auskunft geben, ob ihre Wohnungen vermietet sind, weshalb und wie lange stehen sie möglicherweise leer und wieviele Zimmer gibt es. Zusätzlich müssen die Namen und die Zahl der Bewohner angegeben werden. Die Angaben sollen unter anderem dabei helfen, den Wohnungsbau zukünftig verlässlicher zu planen.

Infos im Netz

Ehrenamtliche Helfer gesucht

In den Kommunen werden bereits ehrenamtliche Helferinnen und Helfer gesucht, die die Befragungen im kommenden Jahr durchführen sollen. Wesentliche Voraussetzungen für Interviewer sind Zuverlässigkeit, Genauigkeit und Verschwiegenheit sowie die Teilnahme an einer eintägigen Schulung im März oder April.

Zudem werden in der Vorbereitungszeit des Zensus in der Region Erhebungsstellen eingerichtet. Insgesamt gibt es in Berlin und Brandenburg 20 dieser Stellen, die sich um die Anwerbung, Betreuung, Schulung und Koordination der Erhebungsbeauftragten kümmern.

Vorgaben zum Datenschutz sollen beachtet werden

"Die Ergebnisse des Zensus sind präzise Bevölkerungs- und Wohnungszahlen. Sie dienen als verlässliche Planungsgrundlage für Entscheidungen in Bund, Ländern und Gemeinden", erläuterte die Behörde das Ziel. Vorgaben zum Datenschutz würden beachtet. Die Daten würden nicht an Behörden außerhalb der amtlichen Statistik weitergegeben. Personenbezogene Daten würden zum frühestmöglichen Zeitpunkt gelöscht. Die Daten würden nur anonymisiert ausgewertet. Es gehe nicht darum, etwas über die individuellen Lebensverhältnisse oder Einstellungen der Einwohnerinnen und Einwohner zu erfahren, sondern eine Datenbasis zu erhalten. Die Gesamtkosten gab das Bundesamt mit voraussichtlich 1,5 Milliarden Euro an. Die Ergebnisse werden voraussichtlich ab Ende 2023 vorliegen.

Berlin und Hamburg klagten erfolglos gegen Zensus 2011

Der Zensus findet alle zehn Jahre statt, turnusmäßig wäre dies 2021 der Fall gewesen - der Termin wurde aber wegen der Corona-Pandemie verschoben. 2011 hatte sich herausgestellt, dass in vielen Städten und Gemeinden weniger Menschen leben als angenommen - mit schmerzhaften finanziellen Konsequenzen, da sich die Höhe von Zahlungen aus dem Finanzausgleich an der Bevölkerungszahl bemisst.

Die Stadtstaaten Berlin und Hamburg hatten gegen den Zensus geklagt, scheiterten aber 2018 vor Gericht. Berlin erhielt ab 2013 rund 470 Millionen Euro pro Jahr weniger und musste für 2011 und 2012 noch rund 940 Millionen Euro nachzahlen.

Sendung: Inforadio, 29.12.2021, 06:35 Uhr

52 Kommentare

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  1. 52.

    Wenn es dem Statistischem Bundesamt nicht um persönliche Daten und persönliche Lebensumstände geht, dann sollte es erst gar nicht persönliche Daten erfassen? Beispiel: Xy wohnt in einer 4 Zimmerwohnung ist verheiratet und hat 2 Kinder. Das Einkommen einer jeden und eines jeden liegt im Finanzamt vor. Beim Zoll kann die Halterabfrage samt KFZ Steuer erfolgen. Die Post hat die Daten der Rentner/innen, denn die sind für die Überweisung der Rente zuständig. Und wenn unter der angegebenen Adresse keine Post mehr zugestellt werden kann, wird die Rentenzahlung eingestellt. So viel zum Thema Datenschutz in Deutschland. Und dann gibt es da noch die SV Nummer, wenn noch irgendein Amt und sei es für die Statistik Daten braucht, es ist schon alles schön vermischt. Und natürlich werden alle erfassten Daten so "schnell" wie möglich gelöscht. Ja, ja.

  2. 51.

    Es gibt auch noch einige die Anonymität bestehen, ansonsten können sie auch hier ihr vollständigen Namen, Adresse etc. angegeben. Wollen sie das, ich nehme an, nicht.

  3. 50.

    Meinen Sie die freien öffentlichen Medien, in denen Vertreter der Parteien im Rundfunkrat sitzen? Die Ministerpräsidenten/innen den RundfunkSTAATSvertrag beschließen und die Rundfunkgebühren absegnen? Sie sollten sich mal die Gremien der Landesrundfunkanstalten anschauen. Ein ÖRR, in dem politische Vertreter in den Kontrollgremien sitzen, ist in Ihren Augen natürlich frei. Fragt sich nur von was und von wem?

  4. 49.

    Mein Gott sind wir Deutschen doch bescheuert. Überall wo es was zu holen gibt oder besser noch es etwas umsonst gibt, ein
    Gewinnspiel angeboten wird, machen wir mit und geben all unsere Daten weiter. Nur hier regen sich Einige künstlich auf

  5. 48.

    Die Daten werden nicht umsonst erhoben. Deine Anwältin kann da auch nichts machen. Meine Güte, immer Theater um Kleinigkeiten

  6. 47.

    Das Thema ist halb so wild. Hab selbst mal für den Zensus und daa Statistikamt gearbeitet. Der Datenschutz ist sehr hoch. Die Mieternamen werden ausschließlich für die Bildung statistischer Haushalte und zur internen Ergebnisüberprüfung genutzt und dann wieder gelöscht. Die Bedenken, die hier zu lesen waren, sind unbegründet. Die Daten werden an keine anderen Behörden oder privaten Nutzer weitergegeben. Im Gegensatz zu Diktaturen ist die amtliche Statistik in Deutschland unabhängig und neutral.

  7. 46.

    Ich verfüge also ausschließlich über 2 Parzellen einer Gartenkolonie. Ansonsten habe ich kein Eigentum an Häusern etc. Bei der digitalen Beantwortung konnte ich dieses garnicht angeben.
    Ich frag mich, woher haben die ihre Informationen, kann ja nur aus Grundbucheintragungen kommen und da hätten sie sehen müssen, dass es sich um eine Gartenkolonie handelt.
    Datenschutz hin oder her, es ist eine Datenschutzverletzung was hier betrieben werden soll. Sollte ich befragt werden, antworte ich nicht.

  8. 45.

    ?? Wo haben Sie DAS denn gelesen?? Haben Sie den Fragebogen schon gesehen? Oder ist das wieder mal nur Stimmungsmache?

  9. 44.

    Ich bin dieses Jahr durch Zensus angeschrieben worden mit der Aufforderung, meine Eigentumsgebäude zu definieren. Dazu gab es in dem Schreiben Codes zum einloggen in Ihr System. Sie drohten mir an, wenn ich nicht bis zu einem gewissen Termin diese digital ausfülle, mit einem Strafgeld zu rechnen habe.
    Ich habe die Codes eingegeben und musste feststellen, dass keins der Objekte stimmte.
    Ich bin nämlich Mitglied in einer MiteigentümerGesellschaft von 2 Gartenkolonien. Siehe 2. NACHRICHT

  10. 43.

    „Intim genug“ waren sie uns schon . Sind aber auf dem Befragung-Tool des Mitarbeiters/ des Erhebenden pseudonymisiert erfasst.

  11. 41.

    Na da sind doch die nächsten Demos der Dauermeckerer schon vorprogrammiert. Das diese Zahlen für viele , uns alle betreffenden Entscheidungen wichtig sind, sollte eigentlich jeder verstehen, für den 1+1 keine höhere Mathematik ist.

  12. 40.

    @ Momo, dann prüfen Sie sicher bei jeder Internetseite das Impressum und die Macher, die hinter der jeweiligen Seite stehen.
    Dann können Sie auch sicher zwischen Information und Desinformation unterscheiden.
    Geht ja ziemlich einfach mit Faktenchecks bei freien Journalisten, die die meisten Fakenews untersuchen und öffentlich machen.
    Ich empfehle da https://correctiv.org/faktencheck/
    Dann wissen Sie ja, dass es gerade die öffentlichen Medien sind, die frei sind.

  13. 39.

    Statistische Erhebungen machen schon einen Sinn und helfen die Zukunft besser zu gestalten.

  14. 38.

    "......das Zauberwort ist dann wohl Medienkompetenz."
    Ist für mich ganz normal - Demokratie - freie Medien - frei Bildung, freie Meinung!
    NOCH!!! ist dies wohl erlaubt!

  15. 37.

    "Viele haben sich bei Google angemeldet. Sonst könnten Sie hier nicht Ihre Kommentare schreiben."
    Viele vielleicht, aber sicher nicht alle.....
    Also, Vorsicht mit solchen Aussagen!


  16. 36.

    Die Angaben braucht man die schuf, die ständig und in meinen Augen unberechtigterweise abgefragt wird, damit man Verträge bei Telekommunikationsanbietern abschließen kann.

  17. 35.

    Allein das Befassen unnd Kommentieren haben Sie Ihre wertvolle Zeit verbrannt. Ganz zu schweigen von vielen anderem nutzlosen Dingen, die im Internet Zeit kosten. Na? Merken Sie wat?

  18. 33.

    Es ist richtig, dass statistische Daten erforderlich und wichtig sind. Es kann aber nicht sein, dass ein umfangreiches Datenschutzwerk geschaffen wird, welches dann vom selben Gesetzgeber sogar unter Androhung von Pressalien unterlaufen wird. Selbstverständlich kann jeder seine persönlichen Daten freiwillig rausgeben. Es sollte aber bedacht werden, dass ein Missbrauch auch staatlich stattfindet.

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