Landgericht Berlin - Angeklagter im Kannibalismus-Prozess zu lebenslanger Haft verurteilt

Fr 07.01.22 | 18:44 Uhr
Strafkammer 32, Saal 501 Delikt : Mord Dem Angeklagten Stefan Rubly 41 wird ein Mord zur Befriedigung des Geschlechtstriebes und sonst aus niedrigen Beweggründen zur Last gelegt. (Bild: imago images/Olaf Wagner)
Audio: Inforadio | 08.01.2022 | M. Bartsch | Bild: imago images/Olaf Wagner

Schlusspunkt im Mordprozess um den "Kannibalen von Pankow": Das Landgericht Berlin hat den angeklagten 42-jährigen Lehrer zu lebenslanger Haft verurteilt. Außerdem wurde die besondere Schwere der Schuld festgestellt.

Im Prozess um einen Kannibalenmord an einem 43-jährigen Mann in Berlin hat das Landgericht der Hauptstadt den Angeklagten zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Das Gericht sprach den 42-jährigen Lehrer Stefan R. am Freitag des Mordes und der Störung der Totenruhe schuldig. Er habe gemordet, "um Kannibalismusfantasien umzusetzen" und damit einen Geschlechtstrieb zu befriedigen, hieß es im Urteil.

Neben den Mordmerkmalen der Heimtücke und der Tötung zur Befriedigung des Geschlechtstriebes sei auch das Mordmerkmal zur Ermöglichung einer anderen Straftat, nämlich der Störung der Totenruhe, erfüllt.

Die Richter stellten zudem die besondere Schwere der Schuld des Angeklagten fest, was eine vorzeitige Haftentlassung praktisch ausschließt. Sie folgten mit ihrem Urteil dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die zuvor lebenslange Haft wegen Mordes und die Feststellung der besonderen Schuldschwere beantragt hatte. Die Verteidigung hatte hingegen einen Freispruch gefordert.

Leichenteile an verschiedenen Orten abgelegt

Laut Anklage hatte sich das Opfer am 6. September 2020 über eine Datingplattform zu einem Sextreffen mit dem Angeklagten verabredet. In seiner Wohnung soll dieser den Mann mit einer Droge sediert, ihm die Kehle durchgeschnitten und seine Genitalien abgetrennt haben, um sie zu essen. Die Leiche soll er zerstückelt und die Teile an verschiedenen Orten in Pankow abgelegt haben.

Das Verbrechen wurde im November 2020 nach dem Fund menschlicher Knochen im dem Bezirk entdeckt. Untersuchungen ergaben, dass es sich um Leichenteile des schon seit mehreren Wochen vermissten 43-Jährigen aus Berlin handelte. Aufwändige weitere Ermittlungen, darunter die Auswertung der Handydaten des Toten, führten dann zur Wohnung des Verdächtigen.

Angeklagter voll schuldfähig

Dort stießen Polizisten unter anderem auf Blut, weitere Leichenteile und verdächtige Werkzeuge. Der Angeklagte wurde unmittelbar nach der Durchsuchung seiner Wohnung festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Er ist einem Gutachter zufolge voll schuldfähig. Nach anfänglichem Schweigen äußerte er sich zwar im Prozess, wies den Tötungsvorwurf aber zurück. Der Prozess war zuletzt in einem Streit über ein erneutes rechtsmedizinisches Gutachten ins Stocken geraten.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig und kann per Revision angefochten werden. Der Angeklagte bleibe aber weiter in Untersuchungshaft, teilte das Gericht mit.

Sendung: Abendschau, 7.1.2022, 19:30 Uhr

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