Strengere Tierschutz-Hundeverordnung - Warum Berliner Polizeihunde eine Zwangspause erhalten

Mi 05.01.22 | 17:27 Uhr
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Archivbild: Ein Hundeführer läuft am 08.04.2013 mit einem Polizei-Schäferhund auf einem Weg im Polizeitrainingszentrum (Bild: dpa/Jan-Philipp Strobel)
Bild: dpa/Jan-Philipp Strobel

Schutzhunde sind bei der Polizei im Einsatz, wenn es brenzlig wird: Sie fassen Verdächtige und wehren Angriffe ab - oftmals auf Beamte selbst. Wegen einer geänderten Verordnung dürfen die Hunde aber nicht mehr eingesetzt werden.

Die Berliner Polizei kann momentan einen Teil ihrer insgesamt 130 Diensthunde nicht einsetzen. Der Grund dafür ist eine veränderte Tierschutz-Hundeverordnung, die seit Jahresbeginn gilt [bundesrat.de]. Eine Polizeisprecherin bestätigte rbb|24 am Dienstag einen Bericht der "B.Z.".

Betroffen davon sind nach Angaben der Polizeisprecherin alle 49 sogenannten Schutzhunde und deren 49 Hundeführer, darunter auch die Hunde des Spezialeinsatzkommandos (SEK). Wie der Name schon sagt, setzt die Polizei diese Hunde für das Schützen von Personen und das Fassen beziehungsweise Stellen von Straftätern ein.

Strafreize in der Erziehung "nicht tierschutzkonform"

Die Ausbildung solcher Schutzhunde geschieht teilweise unter Einsatz von Gewalt. "Sie müssen einen Straftäter auch dann festhalten, wenn er auf sie einschlägt", sagte ein Polizeibeamter der "B.Z.". In der Ausbildung werden solche Angriffe mit den Tieren trainiert. Um einen Angriff zu beenden, zieht der Hundeführer an einem sogenannten Zughalsband. Dadurch bekommt der Hund kurzzeitig keine oder wenig Luft. Eine entsprechende Diensthundeprüfung müssen die Tiere jedes Jahr ablegen.

Nach der neuen Verordnung, die die damalige Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) 2021 auf den Weg brachte, ist das Anwenden sogenannter Strafreize bundesweit in der Ausbildung von Hunden nicht mehr erlaubt. Das bedeutet: Die eingesetzten Zughalsbänder sind künftig tabu. Wissenschaftliche Erkenntnisse zu Erziehungsmethoden von Hunden beurteilten die Anwendung solcher Strafreize als nicht tierschutzkonform, heißt es zur Begründung in der Verordnung [gesetze-im-internet.de].

Bei der Erziehung eines Hundes absichtlich Schmerzen zu verursachen, ist also künftig verboten - das gilt für Diensthunde in ganz Deutschland. Die neue Regelung wird aber nicht überall gleich ausgelegt. Die Polizei in Brandenburg etwa sieht keinen Handlungsbedarf.

Nicht betroffen von der Zwangspause sind die Spürhunde der Polizei - sie werden beispielsweise für die Suche nach Drogen, Sprengstoff, verschwundenen lebenden oder toten Menschen eingesetzt und haben keinen Kontakt mit Straftätern. "Die Spürhunde werden anders konditioniert, ihre Ausbildung unterscheidet sich von der der Schutzhunde", erklärte die Polizeisprecherin rbb|24.

GdP: "Fatale Auswirkungen auf die innere Sicherheit"

Dass die Gesetzesänderung kommen würde, ist schon seit Monaten klar. Man sei bei der Berliner Polizei von der Verordnung nicht überrascht worden, habe auch schon vorab den Gesetzesentwurf zu lesen bekommen, sagte die Sprecherin. Der Vize-Vorsitzende der Berliner Gewerkschaft der Polizei (GdP), Stephan Kelm, kritisierte die geltende Verordnung am Dienstag. Diese habe fatale Auswirkungen auf die Innere Sicherheit, da Polizeien bundesweit seit Jahresbeginn keine Schutzhunde einsetzen können. "Wir sind absolut offen für innovative Trainingsmethoden, in denen auf Schmerzen verzichtet werden kann", sagte Kalm. Aber aktuell gebe es keine Alternativen.

Nun ist die Berliner Polizei laut eigenen Aussagen in Gesprächen mit der Senatsinnenverwaltung, um das Problem zu lösen. Auch eine Zwischenlösung sei denkbar, sagte die Sprecherin am Dienstag - wie genau eine solche aussehen könnte, dazu ist noch nichts bekannt. Die Innenverwaltung äußerte sich zunächst nicht zu den Gesprächen.

Brandenburger Polizei sieht keinen Handlungsbedarf

Die benachbarte Polizei in Brandenburg zeigte sich unbeeindruckt von der neuen Regelung. Die fast 70 Polizeihunde, darunter 50 Diensthunde, bleiben mit den üblichen Trainingsmethoden im Einsatz. Das hat der Sprecher des Polizeipräsidiums in Potsdam, Torsten Herbst, am Mittwoch Antenne Brandenburg gesagt.

Gemeinsam mit dem Innenministerium habe man die Rechtslage bewertet und sei zu dem Schluss gekommen, dass die neue Verordnung gar nicht auf das Diensthundewesen der Polizei übertragbar sei. Somit dürften Erziehungshalsbänder durch fachlich geschultes Personal weiter eingesetzt werden. Es sei nur verboten, Tieren ohne vernünftigen Grund Schmerzen zuzufügen, erläuterte Herbst.

In der Ausbildung müssten sogenannte Stachelhalsbänder jedoch eingesetzt werden, um einen entsprechenden Reiz zu setzen, wenn sich ein Hund in einen Verdächtigen verbeiße, erklärte der Sprecher. "In der realen Situation lockert der Hund dann den Biss, wenn der Hundeführer ein normales Halsband entsprechend anzieht." In der Ausbildung gebe es zu den "Erziehungs-Halsbändern" keine Alternative. Diese würden jedoch nur von besonders geschulten Beamten für einen kurzfristigen Reiz eingesetzt.

Sendung: Abendschau, 04.01.2022, 19:30 Uhr

45 Kommentare

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  1. 45.

    Wer die Ausbildung eines Diensthundes mit Qual gleichsetzt kennt sich weder mit der Materie an sich noch mit Gebrauchshunden und deren Funktionen aus. Niemand, der die Ausbildung selbst sieht, sollte es wagen sich ein Urteil zu bilden darüber ob Hunde gequält werden oder nicht.
    Das ist doch sehr anmaßend.

  2. 44.

    Das ist Tierquälerei und völlig aus der Zeit gefallen. Als die Pferdestaffel abgeschafft wurde hat die Polizeilobby auch rumgeheult.

  3. 43.

    "Polizeihunde machen eine Ausbildung,um Menschen zu Unterstützen"

    Ähm? Nein.

    "Keiner möchte ,das nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden,um mit Technischen Mitteln, wie Schlagstock oder Waffe Gebrauch gemacht werden."

    Weder macht dieser Satz Sinn, noch ist er wahr. Hunde sind, bspw. in Situationen wie Demos, überhaupt nicht einschätzbar. Das sind manche Beamte zwar auch nicht, aber zumindest müssen sich diese für ihre Taten und eingesetzten Mittel hinterher rechtfertigen. Wenn ein Hund jemanden lebensgefährlich verletzt, kann "nur das Tier etwas dafür". Wer weiß eigentlich, welchen Knacks ein Tier durch solche Ausbildungen bekommt? Ich lehne den Einsatz von Schutzhunden genauso wie den sog. nichtletaler Waffen (Taser etc.) ab.

  4. 42.

    Es ist einfach auf sowas rumzureiten, machen da eins auf Tierschutz ,schauen aber zu wie Schlachttiere auf eine Art und Weise gequält werden! Mit so eine dumme Tur brauchen die Poitiker nicht reiten und die kann man auch nicht Ernst nehmen !
    Wie lange hat das gedauert bis endlich lebende männliche Kücken nicht mehr geschrädert werden dürfen! Die Klöckner hätte das sofort beenden müssen! Wahrscheinlich ist sie geschmiert worden!
    Niemand interessiert von denen Tierschutz die müssen halt irgendwas machen um gut da zu stehen.

  5. 41.

    Super, man kann es nicht besser ausdrücken, danke. Einerseits beschwert man sich über Tierquälerei im Reitsport aber bei der Polizei spielt das keine Rolle oder wie. Da gibt es sicherlich andere Möglichkeiten als Hunde zu quälen.

  6. 40.

    So ist es. Niemand nutzt diese Halsbänder ohne Not. Wenn der Hund aber auf andere Reize oder Kommandos nicht mehr reagiert, was durchaus in seiner Natur liegt, dann ist es unter Umständen leider erforderlich, sie mit bestimmten Mitteln aus ihrem aktuellen Zustand herauszuholen. Das ist aber immer das letzte Mittel. Wenn man sieht, wie Hunde oder Wölfe im Rudel miteinander bei vom ranghöheren Tier nicht gewünschten Verhalten agieren, dann müsste das vom Tierschutzgesetz auch verboten werden.

  7. 39.

    Ja klar, die Notaufnahmen sind ja deshalb auch voll von Opfern mit Hundebissen von Polizeihunden. Ach nee, doch nicht.

  8. 38.

    Hunde haben seit Hunderten von Jahren ihre Aufgaben.Polizeihunde machen eine Ausbildung,um Menschen zu Unterstützen..Arbeit und Spiel sind Motivation mit ihren Mensch zu Kommunizieren.Keiner möchte ,das nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden,um mit Technischen Mitteln, wie Schlagstock oder Waffe Gebrauch gemacht werden.Hunde der Polizei erleben ein besseres Leben ,als Hunde die im Tierheim landen.Moralappostel sind in der jetzigen Gesellschaft,eine neue Erscheinung.Predigen,Alternativlos

  9. 37.

    „Strafreize“ = Zughalsband ? Gewagt, weil das Schmerzempfinden von verschiedenen Faktoren abhängig ist und nicht darauf eingegangen wird. Ein Beleg dafür ist: Strafreize sind aus wissenschaftlicher Sicht zu unterlassen. Das suggeriert in diesem Zusammenhang vorgetragen, das ein Zughalsband ein Strafreiz überhaupt darstellt, was es sein kann oder aber auch nicht.

  10. 36.

    Was hier so manches Schreiberlein außer Acht läßt:
    Selbst eine gewaltfreie Ausbildung der SCHUTZhunde bedeutet im Einsatz nicht, dass gegen sie von den StraftäterInnen keine Gewalt ausgeht. Auf diese Gewalt müssen sie vorbereitet und ihr Fluchtinstinkt unterdrückt werden.
    Im übrigen ist das Zughalsband tatsächlich das letzte Mittel, damit der Hund ablässt. Und HundeführerInnen sind auch keine verkappten Sadisten, die in ihrem Berufsalltag nichts besseres zu tun haben, als die ihnen anvertrauten Hunde zu quälen.

  11. 35.

    @ Dermulla, welche Erfahrung haben Sie in Bezug auf die Ausbildung und den Einsatzbereich dieser Hunde? Wenn Sie die Ausbildung dieser Tiere mit der normalen Hundeschulausbildung vergleichen, kommen wir nicht weit. Diese Hunde sind keine Kuscheltiere und leben seltener mit ihren Hundeführern im gemeinsamen Haushalt. Diese Hunde dürfen im Einsatz auch nicht vor Gegenwehr zurückschrecken. Und die Verwendung dieser Halsbänder erscheint mir im Einzelfall auch gerechtfertigt um den Einsatz zu beenden.
    Ich bin für artgerechten Umgang mit Tieren. Aber
    ich finde es immer wieder erschreckend und bigott, wieviel Leid und Schmerz Fleischesser mitverantworten, aber bei z.B Polizeihunden oder Reittieren das Tierwohl fordern.

  12. 34.

    Ihr meckert alle über diese Querdenker Demos die aus den Ruder laufen. Ab jetzt kann fast jede grosse gewaltbereite Demo ausser Kontrolle laufen. Auch bei sogenannten Risiko Fussball spielen wo eine große Menge an Hooligans unterwegs sind, wurden die schutzhunde eingesetzt. In erster Linie auf die optischen und akustischen Reize der sogenannten Problem Menschen um sie von ihrem Vorhaben abzubringen. Nur als wirklich vorletztes Mittel nach mehreren Warnungen wird der Schutzhund eingesetzt. Auch ich habe einen Hund bekommen der nur so erzogen wurde das er alles machen darf was er will. Hunde Trainer haben gesagt dieses Tier muss eingeschläfert werden. Durch negative und postive Ausbildung lernte das Tier sich unterzuordnen und wurde kontrollierbar. Im übrigen möchte ich Mal sehen wie der VDH nun die Hunde prüft auch hier bei den Prüfungen sind sogenannte Kette Halsbänder ( zughalsbänder ) vorgeschrieben.

  13. 33.

    @ Klaus, ich glaube Ihr Kommentar fußt wohl eher auf Ihrer generellen Abneigung gegen die Polizei, als auf fundiertem Wissen.
    Frage: welche Art Waffen werden bei Demos eingesetzt? und in welchen Situationen?
    In den überwiegenden Fällen reagiert die Polizei auf bestehende Gewalt, die eigentlich allein vom Staat ausgehen darf.
    Aber vielleicht müssen Polizisten und Polizitinnen in Ihrer Weltsicht sich verprügeln, bespucken, beschimpfen, beschmeißen, besprühen und verletzten lassen und als Staatsgewalt vorführen lassen.
    Vielleicht reicht ja Ihr Appell, dass auf Demonstrationen zukünftig sich die Demonstrationsteilnehmer alle friedlich verhalten. Dann freuen sich auch die Polizisten und Polizistinnen.

  14. 32.

    Statt über das neue Gesetz zu jammern, sollte man sich lieber mehr mit dem Tier beschäftigen. Man kann jeden Hund ohne gewalttätige Methoden ausbilden. Nicht jeder Hund mag aufgrund seines Naturells zum Schutzhund befähigt sein, das sieht man erst während der Ausbildung. Vielleicht sollte zuerst mal die Ausbildung der Hundeführer im Fokus stehen. Dann klappts vielleicht auch mit der Ausbildung der Hunde ohne schmerzhafte Methoden. Das ist zwar zeit- und kostenintensiver bringt aber letztlich bessere Resultate.

  15. 31.

    Diensthundeführer die ihre Freizeit in die Ausbildung Ihrer Hunde investiert haben können einem nur leid tun. Auch die Hunde die ausgebildet wurden tun mir leid. Die wissen nicht warum Sie nun nicht mehr arbeiten dürfen. Im übrigen ist auch die Ausbildung von Suchhunden nicht immer nur kuscheln.

  16. 30.

    Sowas kann nur jmd behaupten, der Polizeihunde als elementar für die innere Sicherheit findet. Die Behauptung, dass sie nur als vorletzte Wahl im schlimmsten Fall eingesetzt wird, ist völlig realitätsfern. Genau wie alle Waffen der Polizei, die vor allem bei Demos regelmäßig völlig unverhältnismäßig und leider oft genug auch leidenschaftlich gern eingesetzt werden. Gibt genug Beweise dafür. Hören Sie auf, solche Lügen in die Welt zu setzen. Mehr Polizei bzw. mehr Bewaffnung hat noch nie zu mehr Sicherheit (was ohnehin ein sehr dehnbarer Begriff ist) geführt, wohl aber deren bessere Ausbildung und fortwährende Schulung.

  17. 29.

    Ihre Kommentare zeugen leider von recht wenig Ahnung, aufgefüllt mit persönlicher Meinung. Richtiger wird es deshalb auch nicht. Ja, Schutzhunde werden in gefährlichen Situationen extra angefordert, wenn die Polizisten die Situation nicht anders beenden können. Oder sie werden aufgrund des Einsatzstichwortes direkt mit angefordert, treffen aber in aller Regel später ein, als die regulären Streifenpolizisten. Polizeihunde sind eines der letzten eingesetzten Mittel, um Täter zur Aufgabe zu bewegen oder im Ernstfall unter Kontrolle zu bringen. Danach bleibt quasi nur noch der Gebrauch der Schusswaffe. Jedem Hundeführer ist sehr bewusst, dass er eine Art Waffe an der Leine führt, die nur im absoluten Ernstfall eingesetzt wird, um Polizisten vor gefährlichen Tätern beim Zugriff zu schützen. Den Einsatz dieser Hunde zu verbieten, ist sehr wohl ein klarer Rückschritt in der inneren Sicherheit.

  18. 28.

    Braucht kein Mensch- solche tierquälerischen Trainings für den ,, Ernstfall".
    Die betreffenden Hunde sollten doch bei ihren Hundeführern bleiben können, um nicht noch die Bezugspersonen zu verlieren. Das ist doch dann ein gutes Beispiel, um Tierwohl umzusetzen, ja natürlich sollte das auch zügig auch für alle anderen relevanten Bereiche umgesetzt werden, da es ja entsprechende Gesetze gibt.
    Massentierhaltung, Qualzucht , illegaler Handel....
    Jeder, der mit einem/ mehreren Tieren lebt ,spürt immer , dass Tiere Wesen sind, die Schutz brauchen, da sie es ja selbst für sich nicht tun können.

  19. 27.

    Die Luft abschneiden ist eine elementare Bedrohung des Lebens, das Gefühl zu ersticken
    einem Hund das jede Woche, jeden Monat, jedes Jahr, bis Dienstende anzutun ohne Mitgefühl lässt tief blicken und muss verboten werden

    Folter verändert das Opfer und den Täter

  20. 26.

    Warum müssen Tiere (Pferde, Hunde) in menschliche Angelegenheiten reingezogen werden?

    Hunde sind nicht für menschliche Gewalt verantwortlich, haltet diese da raus

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