Aktuelle Luftwerte für Berlin - Feinstaub-Belastung zu Silvester deutlich geringer als in Vorjahren

Mo 03.01.22 | 18:37 Uhr | Von Dominik Ritter-Wurnig und Georg-Stefan Russew
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Symbolbild zu Feuerwerk und Feinstaub. (Quelle: Frank May/picture alliance)
Bild: Frank May/picture alliance

Feuerwerk zu Silvester soll böse Geister vertreiben. Durch die diesjährigen Böllerverbote fiel dies zumeist aus - der Luftqualität in Berlin hat das allerdings gutgetan. Von Dominik Ritter-Wurnig und Georg-Stefan Russew

Die Böllerverbote zu Silvester haben - neben anderen Effekten - offensichtlich der Luftqualität in der Bundeshauptstadt gut getan. Der massive Eintrag von Feinstaub durch explodierende Feuerwerkskörper ist nach Messungen des Berliner Senats ausgeblieben.

Beispielhaft für Berlin zeigt sich dies an Werten einer Messstelle in Friedrichshain, Frankfurter Allee auf Höhe der Hausnummer 86b: Zu Silvester 2018 wurde hier ein Wert von über 800 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter in der Luft ermittelt - das ist richtig dicke Luft und Qualm, den man mit bloßem Auge sehen kann. Zum jetzigen Jahreswechsel lag dieser Wert hier bei 99 Mikrogramm pro Kubikmeter, so Messungen der Senatsverwaltung.

Das berlinweit höchste Wert an PM10-Feinstaub, der zu diesem Jahreswechsel erfasst wurde, wird mit 191 Mikrogramm pro Kubikmeter angegeben. Gemessen wurde dieser Wert im Bereich der Schildhornstraße in Steglitz.

Aufs ganze Jahr 2021 gerechnet lag die Belastung mit Feinstaub im Berliner Messnetz bei 20 Mikrogramm pro Kubikmeter.

Berliner Luft zu Silvester 2021 besser als im Jahresmittel

Diese Entwicklung lässt sich an allen Messtellen im Berliner Stadtgebiet beobachten. Die Feinstaubbelastung lag rbb-Berechnungen zufolge zum Jahreswechsel sogar fast 20 Prozent unter dem Jahresmittelwert. Neben dem Verkaufsverbot sowie 56 Berliner Pyro-Verbotszonen dürfte dabei auch das Wetter einen positiven Einfluss auf diese Entwicklung gehabt haben: Meteorologen zufolge war es am 31. Dezember und 1. Januar ungewöhnlich warm, dazu regnerisch und windig. Das sei genau der richtige Mix, damit sich die Luft stark austauscht und somit die Luftverschmutzung sinkt, erklärten Meteorologen rbb|24.

Die folgende Grafik zeigt, wie weit an den Berliner Messstellen die Feinstaub-Belastung zu Silvester unter dem Jahresmittel lag. Beispiel: An der Messstelle 010 Wedding betrug die Feinstaubbelastung zu Silvester 2021 81 Prozent vom Jahresmittel dieser Messstation.

Über Jahre hinweg Spitzenwerte zu Silvester

Lange wurde zu Silvester bzw. Neujahr gewöhnlich die höchste Feinstaub-Belastung des jeweiligen Jahres gemessen. Die Spitzen wurden in der Regel in den Stunden nach Mitternacht gemessen und waren ein Vielfaches über dem Grenzwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter. Dieser Wert darf aber höchstens an 35 Tagen pro Jahr im Tagesmittel überschritten werden. Das Umweltbundesamts (UBA) hat errechnet, dass bundesweit rund 2.050 Tonnen Feinstaub durch das Zünden von Feuerwerk freigesetzt wurden, 75 Prozent davon allein in der Silvesternacht. Diese Menge entspricht knapp einem Prozent der insgesamt in Deutschland freigesetzten Feinstaub-Menge pro Jahr.

Das belegen Auswertungen der Daten aus den Messnetzen der Länder und des UBA. PM10-Feinstaub-Stundenwerte um 1.000 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft waren in der ersten Stunde des neuen Jahres in Großstädten keine Ausnahme. Zum Vergleich: 2018 betrug die mittlere PM10-Konzentration der städtischen Messstationen in Deutschland circa 18 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter [umweltbundesamt.de].

Laut UBA gefährdet das Einatmen von Feinstaub die menschliche Gesundheit – und zwar bei kurzfristig hoher wie auch bei langfristig erhöhter Belastung. Die Folgen reichen demnach von vorübergehenden Beeinträchtigungen der Atemwege über einen erhöhten Medikamentenbedarf bei Asthmatikern bis zu vermehrten Krankenhaus-Aufnahmen wegen Atemwegserkrankungen und Herz-Kreislauf-Problemen sowie einer Zunahme der Sterblichkeit.

Weniger Verletzte im Unfallkrankenhaus

Dass weniger Feuerwerk gezündet wurde, wirkte sich auch anderweitig auf die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger aus: So meldete beispielsweise das Unfallkrankenhaus Berlin (UKB) in Marzahn deutlich weniger durch Knallkörper verletzte Menschen. "Wir haben zum Jahreswechsel 15 Menschen im Zusammenhang mit Feuerwerksunfällen aufgenommen", sagte UKB-Sprecherin Angela Kijewski rbb|24. In Jahren ohne Böllerverbote waren es am 31. Dezember/1. Januar im UKB durchschnittlich 50 bis 75 Verletzte. Im vergangenen Jahr, als das erste Verkaufsverbot aufgrund der Corona-Lage bestand, waren es zehn. "Insofern hat aus unserer Sicht das Verkaufsverbot von Feuerwerk entlastet", betonte Kijewski.

Die Zahlen des UKB flossen nach Kijewskis Angaben auch in die Entscheidungen von Berliner Gerichten zum Böller-Verkaufsverbot ein. Der Bundesverband der Pyrotechnik und Kunstfeuerwerk (BVPK) hatte in der Bundeshauptstadt gegen das Verkaufsverbot geklagt und verloren. Die Pyrotechnik-Branche verzeichnet durch das Verkaufsverbot große Einnahmeverluste.

Allerdings konnten nicht gänzlich schwere Unfälle im Zusammenhang verhindert werden, sagte Kijewski und verwies auf die Detonation einer "Kugelbombe" in Friedrichshagen, wo elf Menschen zum Teil schwer verletzt wurden. "Vier Schwerverletzte versorgen wir aktuell am UKB", sagte die Sprecherin. Wie der Verantwortliche dem medizinischen Personal des UKB mitteilte, sei die "Kugelbombe" - eigentlich einen Höhenfeuerwerk - direkt nach dem Anzünden am Boden am Boden explodiert. Die Lunte sei 80 Zentimeter lang gewesen. Der Verantwortliche soll den Knallkörper schon vor längerer Zeit gekauft haben. Altes Feuerwerk sollte jedoch nicht mehr gezündet werden, sagte ein Sprecher der Berliner Feuerwehr rbb|24.

Auch Feuerwehr sieht positiven Effekt

Auch die Berliner Feuerwehr sprach von positiven Auswirkungen des Verkaufsverbots und von Pyro-Verbotszonen. "Wir haben deutlich einen spürbaren Effekt wahrgenommen", so Landesbranddirektor Karsten Homrighausen im rbb. "Vor diesen Maßnahmen hatten wir mehr als 2.500 Einsätze in elf, zwölf Stunden. Jetzt hatten wir von 19 bis 6 Uhr rund 1.000 Einsätze."

Beitrag von Dominik Ritter-Wurnig und Georg-Stefan Russew

46 Kommentare

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  1. 46.

    Wie bitte? Wo/wann gab es denn ne repräsentative Umfrage zu Feuerwerk ja/nein? Mich hat jedenfalls noch niemand gefragt!
    Mir erschließt sich eh dieser ganze Hype nicht.

  2. 45.

    Lb.Jan,googeln Sie doch mal zu Umfragen Feuerwerk. Seit Jahren wird gestritten,nichts kommt am Ende raus,wenn nicht endlich mal vernünftig entschieden wird. Im Internet existieren übrigens viele Berichte über fantastische,zentral für alle organisierte Feuerwerke, z.B in Sydney.Die brauchen down under auch drumherum keine peinliche TV Show wie vorm Brandenburger Tor,einfach nur ein Feuerwerk der Spitzenklasse,das reicht und alle sind offensichtlich zufrieden.Und anschauen kann es jeder,v.überall.

  3. 44.

    Ein klares Indiz, Traditionen zu überdenken, besser zentrale Feuerwerke und ansonsten ein generelles Böllerverkaufs- und Abbrennverbot. Ich habe meine Tradition geändert (wie viele andere bereits auch) und finde es gut so. An die Verweigerer: seid kreativ und denkt Euch was anderes zu Silvester aus. Tut nicht weh und ist auch schön.

  4. 43.

    "Feinstaub-Belastung zu Silvester deutlich geringer als in Vorjahren"
    Na was für eine Erkenntnis bei den sehr eingeschränkten Böllermöglichkeiten.

    Nächste Schlagzeile bitte:
    Nach Weihnachten gingen die Nadelbaumdiebstähle extrem zurück!

  5. 42.

    Ja nur die deutschen... Aeh... Neun... In Polen das ganze Jahr Feuerwerk erlaubt und nicht nur Kategorie 1 wie bei uns, sondern auch 2 wie an Silvester und sogar 3 und 4 gibts bei uns ( berechtigter weise) nur mit spezieller Ausbildung und Erlaubnis.
    In der Schweiz ebenfalls das ganze Jahr unter bestimmten Bedingungen erlaubt. ... Wie das in anderen Ländern geregelt ist weiss ich nicht. Aber ich glaub deutschland ist da mir verboten und Einschränkungen schon ganz weit vorne.

  6. 41.

    Ja was für ein Wunder...
    Es hat an Silvester GEREGNET ...und der Feinstaub von Feuerwerk ist wasserlöslich...

  7. 40.

    Genau ! Nicht nur der Wind, sondern damit im Zusammenhang die weitaus höchsten Temperaturen in einer Silvesternacht ! Es gab in vergangenen Jahren immer Temperaturen unter Null Grad - in diesem Jahr nicht.
    Oder ist die bessere Luftqualität etwa auch auf die diesmal verwendeten Böller zurückzuführen (irgendwoanders herbeschafft), denn auch in der Nähe von gezündeten Raketen/Böllern hat es diesmal nicht gestunken wie in den Jahren zuvor ?

  8. 39.

    Als wenn jemals auch nur EIN Mensch gedacht hätte "Ich darf nicht rausgehen - an Silvester ist die Feinstaubbelastung zu hoch".
    Als Freund von Ruhe, Frieden und Kleintieren bin ich kein Fan irgendwelcher Ballereien außerhalb von Fernsehern und weiß nur vom Zuhören und YouTube-Schauen, dass der Krawall diesmal keinen Deut leiser war als sonst.
    Vielmehr scheinen verstärkt Leute auf Knallkörper gesetzt zu haben, die ordentlich viel Rumms machten.
    Mich erinnert die Debatte um ein Verbot an entsprechende Diskussionen bzw. Maßnahmen bez. Alkohol und Prostitution.
    viel wird wohl nicht dabei herumkommen.
    Und das ist okay, denn das Konzept der Eigenverantwortung ist ein überzeugendes.

  9. 38.

    "Nur wir Deutschen sind so einfältig und fühlen uns gleich in unserer Freiheit beschränkt" und zwar durch Alles und Jeden, Hauptsache jammern und motzen. Ich würde gern die ganzen Schlaumeier hier mal in der Politik erleben ( oder besser nicht .... ?)

  10. 36.

    Wenn Sie "Freiheit" über Feuerwerk definieren, tun Sie mir leid. Es gibt Menschen, die müssen autofahren und fliegen, das ist manchmal unumgänglich, Böllern nicht.
    M. W. findet Feuerwerk in der Luft statt - man muss also in keine Menschenmengen begeben und nicht-Ansprüche des Bühnenprogramm über sich ergehen lassen....

  11. 35.

    GENAU! Und zu Kaiser's Zeiten wusste man gar nicht, was Feinstaub ist und hat auch gelebt!

  12. 34.

    @Jan, und woraus werden Raketen abgeschossen? Richtig, aus Glasflaschen, die dann zerbrochen auf den Bürgersteigen liegen bleiben.

  13. 33.

    Ist doch in Ordnung, nun noch das Fahren von Panzern, Abschuss von Raketen, Waffen aller Art, verbieten, das würde die Luft auch sauberer machen ! Solch ein Gesetzentwurf wäre mal was, aber das traut sich nicht mal Grün.
    Ironie aus-

  14. 32.

    Kugelbombe: Es ist relativ egal wie alt diese ist und wie lang die Lunte ist. Bis auf einen kurzen Abschnitt einer "normalen" grünen Visco Zündschnur besteht der lange Rest aus Schwarzpulver in Papier, welcher unter einer Sekunde zündet und abbrennt. Es bedarf spezieller Abschussvorrichtungen, Verlängerung der Zündschnur und oder elektronischer Zündung.

  15. 31.

    Wir befänden uns un keiner so schlechten Gesellschaft auch wenn die Einschränkungen zu Silvester sehr unterschiedlich ausfallen. Von privates Feuerwerk verboten über Feuerwerksverbotszonen oder Altersbeschränkung bis hin zu Schadstoffbeschränkung oder Lautstärkebeschränkung ist in Europa und anderswo so ziemlich alles dabei. Nur wir Deutschen sind so einfältig und fühlen uns gleich in unserer Freiheit beschränkt wie beim Tempolimit auf Autobahnen.

  16. 29.

    in 2018 war die Belastung in einigen Bereichen kleiner als 2021, kann mich da an kein Böllerverbot erinnern.

  17. 28.

    dass das Feuerwerk an Silvester vielen Menschen viel Freude bereitet und hierdurch u.a. Endorphine ausgeschüttet werden, die für die Gesundheit sehr wichtig sind?"
    Gutes Argument.
    Evtl. sollten dann die Knall-Junkies auf Schokolade umsteigen. Damit belästigt man seine Mitmenschen nicht und Endorphine werden reichlich ausgeschüttet.

  18. 27.

    @Daniela: Mir sind keine Feuerwerkskörper bekannt die Glas enthalten, eigentlich fast nur Pappe enthalten.
    @Folke: Eine representative Forsa-Umfrage aus dem letzten Jahr ergab eine Mehrheit von 80% pro Feuerwerk. Auch haben viele Menschen keine Lust auf Großveranstaltungen wie am Brandenburger Tor, viel zu voll und kein ansprechendes Bühnenprogramm. Außerdem kein Ersatz dafür selber Raketen an Silvester steigen zu lassen.
    Ich hatte Silvester nur Beifall!

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