Christlich, jüdisch, muslimisch - Berlin bekommt eine Drei-Religionen-Kita

Di 25.01.22 | 18:11 Uhr | Von Carmen Gräf
Kinder balancieren auf dem Spielplatz einer Kindertagesstätte auf einem Brett. (Quelle: dpa/Sebastian Kahnert)
Audio: Inforadio | 25.01.2022 | Carmen Gräf | Bild: dpa-Symbolbild/Sebastian Kahnert

Religiöse Erziehung und Betreuung als ein Miteinander verschiedener Glaubensrichtungen - das ist die Idee einer interreligiösen Kita, die ab 2023 in Friedrichshain entstehen soll. Es ist die bundesweit erste Einrichtung dieser Art. Von Carmen Gräf

Die Zeichen zwischen den Religionen stehen derzeit nicht gerade auf Dialog. "Jude" ist auf vielen Berliner Schulhöfen ein Schimpfwort geworden, Rechtspopulisten wettern gegen den Islam und immer mehr Christen werden von Islamisten weltweit verfolgt. Da staunt man nicht schlecht, dass ab 2023 in Berlin Deutschlands erste Kita für Kinder aus drei Religionen entstehen wird.

Unter einem Dach, aber auf drei Etagen sollen jeweils 45 christliche, jüdische und muslimische Kinder betreut werden. Im Erdgeschoss ist ein Begegnungszentrum für gemeinsames Feiern, Spielen und Lernen geplant. Die Drei-Religionen-Kita wird in der Marchlewski-Straße in Friedrichshain auf einem Grundstück der evangelischen Markus-Gemeinde gebaut.

Drei Träger für die neue Kita

Träger des Projekts sind die Evangelische Landeskirche EKBO, das Deutsche Muslimische Zentrum Berlin sowie der jüdische Bildungsverein Masorti. Die Idee geht auf die Berliner Rabbinerin Gesa Ederberg zurück. Ihr und dem Leitungsteam ist klar, dass sie mit ihrem Projekt vor allem liberal eingestellte Familien erreichen werden und kaum Menschen mit vielen Vorurteilen: "Wir müssen zuerst die, die eigentlich das Richtige denken und wollen, stärken und schulen, damit sie es dann auch umsetzen können im Alltag," sagt sie. Nicht die Bösartigen seien das Problem, sondern die Mehrheit der Menschen, die nicht wüssten, wie man mit Problemen zwischen den Religionen umgehe, die schweige und wegschaue oder verharmlose.

Symbolbild: Kinder in einer Drei-Religionen-Kita. (Quelle: dreireligionenkitahaus.de)

Offen für alle verschiedenen Formen von Familie

Und Iman Andrea Reimann, Vorsitzende des Deutschen Muslimischen Zentrums, betont: "Wir wollen mit unserem pädagogischen Konzept Kinder in ihren eigenen Traditionen stark machen und zugleich für ein Aufeinanderzugehen in einer vielfältigen Gesellschaft befähigen." Sie gehört zum Leitungsteam der Drei-Religionen-Kita, die offen sein soll für alle Arten von Familien - auch für Kinder aus gleichgeschlechtlichen Partnerschaften oder aus nichtreligiösen Familien.

"Wir fahren ein Konzept, das jeden anspricht in unserer Stadt," so Reimann. Auch muslimische Eltern, die für ihre Kinder einen Platz in dieser Kita bekommen wollten, müssten sich mit all den Lebensformen auseinandersetzen, die man dort anträfe.

Symbolbild: Kinder in einer Drei-Religionen-Kita. (Quelle: dreireligionenkitahaus.de)
Bild: dreireligionenkitahaus.de

Mitte 2024 soll das Haus fertig sein

Zum Leitungsteam der Drei-Religionen-Kita gehört auch die evangelische Pfarrerin Silke Radosch-Hinder. "Wir lernen und wir leben miteinander", sagt sie. "Und es ist genau das Großartige, dass wir hier einen Aushandlungsort haben mit sehr hoher Bereitschaft, in Differenz und Gemeinsamkeit, in Freundschaft und in Unterschiedlichkeit miteinander zu leben."

Das Haus entsteht auf einem über 1.700 Quadratmeter großen Grundstück mit viel Platz im Außenbereich zum Spielen und Toben. Das weiße Gebäude mit dem geschwungenen Dach und den perforierten Fassadenplatten wird nach Entwürfen des Berliner Architekturbüros Stark&Stilb errichtet.

Insgesamt sieben Millionen Euro wird das Drei-Religionen-Kita-Haus kosten. Vier Millionen übernimmt dabei das Land Berlin, und der Rest soll durch Spenden und Fördermittel gedeckt werden. Mitte 2024 soll das Haus fertig sein.

Sendung: Abendschau, 25.01.2022, 19:30 Uhr

Beitrag von Carmen Gräf

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