Zwischen Treptow und Friedrichshain - Autofahrer bekommen weitere Spur auf der Elsenbrücke

Mi 12.01.22 | 15:04 Uhr
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Die gesperrte Elsenbrücke am Treptower Park im Dezember 2021 (Bild: dpa(Christoph Soeder)
dpa/Christoph Soeder
Video: Abendschau | 12.01.2022 | Dorit Knieling | Bild: dpa/Christoph Soeder

Auf der baufälligen Elsenbrücke zwischen den Berliner Stadtteilen Friedrichshain und Treptow ist am Mittwoch eine neue Behelfs-Überquerung eröffnet worden. Sie soll den bereits abgerissenen Ostteil der Brücke vorläufig ersetzen.

Die 1.500 Tonnen schwere Stahlkonstruktion wird von 20.000 Schraubbolzen zusammengehalten. Sie soll den gesamten Verkehr bis zum Neubau des Westteils der Elsenbrücke aufnehmen, also voraussichtlich bis Ende 2025, heißt es in einer Mitteilung der Verkehrsverwaltung vom Mittwoch.

Fußgängerweg wird noch eingerichtet

Für den Autoverkehr stadtauswärts (in Richtung Friedrichshain) steht mit der Behelfsbrücke eine Fahrspur mehr zur Verfügung, in der Gegenrichtung bleibt es bei einer Spur. Zugleich gibt es auf der Behelfsbrücke einen 2,50 Meter breiten Radweg, der in beiden Richtungen befahren werden kann. Der Rad- und Fußverkehr kann bis Mitte des Jahres auch den alten Westteil der Elsenbrücke nutzen. Danach wird der alte Westteil abgerissen.

Ein Fußgängerweg wird auf der Behelfsbrücke noch eingerichtet, heißt es in der Mitteilung weiter. Für den Fußverkehr über die Spree stehe östlich auch die Parkwegbrücke zur Verfügung.

Die Behelfsbrücke kostete rund 18 Millionen Euro und entstand in 15 Monaten. "Es war eine kluge und vorausschauende Entscheidung, die Behelfsbrücke schon parallel zu den Abrissarbeiten zu beauftragen und herstellen zu lassen. Nur so konnte monatelanges Verkehrschaos auf beiden Seiten der Spree vermieden werden", teilte Verkehrssenatorin Bettina Jarasch (Grüne) mit.

Sperrung für zwei Tage im Dezember

Mitte Dezember hatten optische und akustische Sensoren an der Elsenbrücke angeschlagen. Sie meldeten eine Durchbiegung von 8,2 Millimeter am Nordteil und den Riss von Spannstahllitzen am Südteil. Darufhin wurde die Brücke zwei Tage komplett gesperrt - auch für Fußgänger und den Schiffsverkehr. Anschließend wurde wieder eine Spur pro Richtung freigegeben.

Auf der mehr als 50 Jahre alten Spannbetonbrücke waren vor drei Jahren schwere Schäden festgestellt worden. Laut jüngsten Angaben der Verkehrsverwaltung kann die Elsenbrücke voraussichtlich so lange für den Autoverkehr frei bleiben, wie die Behelfsbrücke befahrbar sei. Der komplette Neubau der Elsenbrücke soll bis 2028 abgeschlossen sein.

Korrektur: In einer früheren Version dieser Meldung hieß es, dass in Richtung Treptow eine Spur mehr zur Verfügung steht. Das ist falsch. Die zusätzliche Spur gibt es Richtung Friedrichshain.

Sendung: Radioeins, Schlagzeilen, 12.01.2022, 7:30 Uhr

20 Kommentare

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  1. 20.

    Eigentlich habe ich zum Ausdruck gebracht was zum Ausdruck zu bringen wäre. >10 Jahre Planungs- und Bauzeit stehen in keiner sinnvollen Relation zur voraussichtlichen Lebensdauer eines solchen Bauwerks. 50 Jahre für die momentane Brücke Vollsperrung und 2 Jahre Bauzeit wären unterm Strich wahrscheinlich deutlich günstiger. Wenn das Ding verkehrstechnisch so wichtig sein sollte, sollte es auch ausreichend Reservekapazitäten geben. Wenn es nicht so wichtig ist kann man es auch Vollsperren.
    Eisenbahnbrücke Küstrin, Straßenbrücke FF Rosengarten, 2 Projekte hier in der Nähe wo man genau das macht. Vollsperrung, Abriss, Neubau, alles in 2-3 Jahren. Planungsphase weiß ich nicht, aber eben keine 10 Jahre bauen. Zügig bauen ist meist auch deutlich billiger.

  2. 19.

    Die Planung beider Brücken begann, nachdem die eine einstürzte, die andere - ebenfall nicht vorhergesehen - gravierende Schäden entwickelte. Da hören die Ähnlichkeiten auf, das nationale Prestigeprojekt mit einer Stadtbrücke zu vergleichen -nur um genau was auszudrücken? - ist schon sehr bemüht.

  3. 18.

    Es ist tatsächlich etwas verwirrend, aber Treptow liegt stadteinwärts und Friedrichshain stadtauswärts - jedenfalls, wenn es um diese Brücke geht.

  4. 17.

    Die Korrektur verwirrt mich : "Stadtauswärts" ist doch nach Treptow und nicht nach Friedrichshain. Oder stehe ich auf der Leitung?

  5. 16.

    Warum bewerben sie sich nicht beim Berliner Senat als Brückenbauingenieur? Da herrscht im Moment Fachkräftemangel.

  6. 15.

    @Alfred Neumann: Ja, bin ich. R-Gerät in Baukasten-Rasterbauweise bis 102m Stützweite. Zur Not auch mit einer Stütze in der Spree. Das wäre wohl schneller gegangen. Auch wenn es ursprünglich Eisenbahnbrücken waren, waren diese, als Behelfsbrücke (!), auch für die Straße modifizierbar.

  7. 14.

    Nö.
    Auf die Kürze recherchiert hat Berlin es geschafft seit 2018 eine Behelfsbrücke für die Baustelle zu bauen. Die Planung für den Neubau dürfte ja in den Verwaltungsstübchen schon einige Jahre zuvor gelaufen sein. Und man hat die Hälfte abgerissen und durch eine Behelfsbrücke ersetzt. Das ist wirklich nichts rekordverdächtiges. Und nun plant man weitere 6 Jahre Bauzeit.
    Brücken werden eher selten unter Last ausgetauscht. Das erfolgt doch letztenendes immer mit Abriss und Neubau und wenn es nur halbe halbe erfolgt. Also ist der Vergleich nicht fußlahm was auch immer das in dem Zusammenhang bedeutet.
    Der “Abriss“ in Genua ging recht schnell und ungeplant, der Vergleich ist zugegeben etwas unfair.

  8. 13.

    Sind Sie sicher, dass es damals zu NVA-Zeiten Behelfsbrücken in der hier erforderlichen Länge gab? Bedenken Sie bitte, dass die einzelnen Elemente auch gelagert werden müssen. Hier eine Notbrücke, wie sie das THW an der Ahr baut, zu errichten, wäre schwer baurechtlich durchsetzbar gewesen.

  9. 12.

    Noch ein*e Autohasser*in . In Berlin hätte ich auch kein Auto , aber wenn's 10km bis zum Arzt sind und 8 km zum nächsten Supermarkt dann möchte ich sie mal mit dem Wochenendeinkauf auf dem Fahrrad unterwegs sehen. Klug daher reden ist ja so in.

  10. 11.

    "PKWs nehmen schon an die 80% des Verkehrsraums" Und die restlichen 20% teilen sich Fußgänger, Radfahrer, Busse, LKW und Straßenbahnen?

  11. 10.

    Alle "bekommen etwas"... Im positiven wie auch negativen Sinne. Weniger Fahrspuren, keine Busspur, kaum Fußwege, schmaler Radweg, jahrelanger Verkehrslärm, Stau, Abgase, Einschränkungen, lange Fahrzeiten. Da ist für jeden, ob privat oder beruflich, etwas dabei. Und wenn die Berliner Normalität eintritt, wird die Fertigstellung erst nach 2030 sein.

    ... "Entscheidung, die Behelfsbrücke schon parallel zu den Abrissarbeiten zu beauftragen und herstellen zu lassen"... Noch 1989 gab es eine Brückenbaukompanie in Brandenburg. Die hatten einen "Baukasten", um Ersatzbrücken in kürzester Zeit zu bauen. Ein Teil stand auch mal an der A10 in Erkner. An mancher Autobahn sah (oder sieht) man auch abgelegte Behelfsbrücken-Teile. Was ist aus diesen Teilen geworden, wenn dieser Behelfsbau extra angefertigt werden musste? Einen Bauplan zu erstellen, leuchtet mir ein. Aber nicht diese Gesamtdauer eines Brücken-Ersatzbaus. Das ist Steinzeit!

  12. 9.

    Sie vergessen, dass eine Mehrzahl der Menschen in Berlin ALLE Verkehrsmittel nutzt. Also auch ab und an das Auto.

  13. 8.

    "Autofahrer "bekommen" etwas...? Da muss man, in diesen Zeiten, gleich zweimal hinschauen...;-)
    Und dann die Ernüchterung: wenn es nicht anders geht...na dann"

    ja, manche können den Hals eben nicht voll genug bekommen. PKWs nehmen schon an die 80% des Verkehrsraums ein, obwohl sie nur ca. 24% des Verkehrs stellen- aber man nimmt ja gerne noch etwas mehr...

  14. 7.

    Sie haben Recht, es ging mir beim Lesen der Überschrift und des Artikels genauso.

  15. 6.

    Ich gehe davon aus, dass das Szenario Komplettabriss(und damit Totalsperrung) der Elsenbrücke und Neubau eine schnellere Fertigstellung ermöglicht hätte. Jedenfalls ist ihr Vergleich sehr fußlahm.

  16. 5.

    Autofahrer "bekommen" etwas...? Da muss man, in diesen Zeiten, gleich zweimal hinschauen...;-)
    Und dann die Ernüchterung: wenn es nicht anders geht...na dann.

  17. 4.

    Es handelt sich um keinen Druckfehler. Bis 2028 soll der komplette Neubau der Elsenbrücke abgeschlossen sein.

  18. 3.

    Inzwischen dürften auch die Italiener über die Deutschen lachen. Im August 2018 ist die Autobahnbrücke in Genua eingestürzt. Einweihung der neuen Brücke im August 2020. Nächstes Jahr sollen die Radprofis beim Giro über die neue Brücke fahren.

  19. 2.

    Dringend erforderlich wäre sie sofort. Ich glaube nicht, dass 2028 ein Druckfehler ist.

  20. 1.

    "Der komplette Neubau der Elsenbrücke soll bis 2028 abgeschlossen sein." Hoffentlich ist der Termin ein Druckfehler. Fertig bis "2023" ist dringend erforderlich.

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