Auszeichnung für Flughafenseelsorger am BER - Zwischenlandung für die Seele

Do 20.01.22 | 11:36 Uhr
Ökumenische Flughafenseelsorger am Flughafen BER (Quelle: Christina Brath)
Bild: Christina Brath

Ob für Flugreisende oder das Personal: Wer am Flughafen BER Beistand braucht, kann sich an die Flughafenseelsorge weden. Das Team wird am Donnerstag mit dem Ökumenepreis 2022 ausgezeichnet. Von Carmen Gräf

Schon von Weitem sind die Flughafenseelsorger:innen erkennbar. Sie tragen lila Westen - in der christlichen Kirche die Farbe der Einkehr und der Spiritualität. Zum Team gehören der katholische Jesuitenpater Wolfgang Felber und die evangelische Pfarrerin Sabine Röhm als Festangestellte. Sie werden von 30 Ehrenamtlichen unterstützt.

"Wir sind für alle da"

Am Donnerstag wird die Flughafenseelsorge mit dem Ökumenepreis des Ökumenischen Rates Berlin-Brandenburg (ÖRBB) ausgzeichnet, worüber im Team große Freude herrscht. Er würdige nicht nur sie, sondern auch die vielen Ehrenamtlichen, die ohne große öffentliche Aufmerksamkeit eine wichtige Arbeit machen würden, heißt es in der Begründung der Jury.

Diese versteht ihn "als (kleines) Zeichen gegen alles Schlechtreden." Der Preis solle den Blick auf das richten, was gut am BER läuft: die Flughafenseelsorge – und das in ökumenischer Geschwisterlichkeit und in langer Tradition: zuerst in Tempelhof, später in Tegel und Schönefeld und jetzt am BER.

"Wir agieren aus unserem Christsein heraus, aber wir sind für alle Menschen da, die das möchten", sagt die Pfarrerin Sabine Röhm. "Zu uns kann jeder kommen, der Hilfe braucht." Flughafenseelsorge ist ein wichtiger seelsorglicher Dienst, meint die Ökumenepreis-Jury, quasi eine "Zwischenlandung für die Seele".

Religion oder Konfession spielen keine Rolle

Oft werden die Flughafenseelsorger:innen von Angestellten der Security, der Information, vom Empfang oder vom Check-in angerufen, wenn Passagiere seelischen Beistand brauchen könnten, berichtet Wolfgang Felber. Dann macht sich der Jesuitenpater sofort auf den Weg.

Wolfgang Felber vermittelt Vertrauen und Verständnis mit seiner ruhigen Art. Er ist seit 2012 Flughafenseelsorger, seine evangelische Kollegin Sabine Röhm seit Februar 2019. Religion oder Konfession spielen dabei keine Rolle. Manche Gespräche dauern nur kurz, manche Stunden. Dabei geht es um die unterschiedlichsten Anliegen. "Manche wollen einen Segen, wenn sie in die Türkei fliegen oder nach Israel, manche sind gestrandet, haben Geld und Pass verloren, sind bestohlen worden oder haben ihren Flug verpasst", erzählt Wolfgang Felber.

Entlastung auch für Mitarbeitende schaffen

Das Team der Flughafenseelsorge ist aber auch für die Mitarbeitenden des BER da. Gewissermaßen als Betriebsseelsorge, sagt die evangelische Pfarrerin Sabine Röhm. Es gehe in erster Linie darum, Entlastungen zu schaffen.

Gerade seit Beginn der Pandemie hätten viele Angst, ihren Arbeitsplatz zu verlieren, da der Flugverkehr immer wieder stark eingeschränkt wurde. Auf dem leeren Flughafen sei es manchmal gespenstisch gewesen. Zugleich hatte das Seelsorge-Team mehr Zeit, mit dem Personal ins Gespräch zu kommen.

"Was wir persönlich als sehr bereichernd empfinden", betont die Pfarrerin, "weil da auch Kontakte entstehen und man immer wieder anknüpfen kann. Das macht im Grunde die Arbeit aus, dass wir uns da auch sehr wohlfühlen am Flughafen."

Einsatz mit vielen Herausforderungen

Dennoch ist für sie der Einsatz immer wieder herausfordernd. Zum Beispiel, als vor kurzem eine Maschine in Berlin notlanden musste. Während des Fluges war ein Mann gestorben. Er war mit seiner gesamten Familie unterwegs gewesen. "Und das war sehr bewegend, als der Leichnam aus dem Flugzeug geholt wurde", erzählt die Pfarrerin.

Für die Familie sei das schrecklich gewesen. Das Team habe sich um sie gekümmert und sie in ein Hotel gebracht. Ein Einsatz, der recht lange dauerte und der die Flughafenseelsorgerin berührt hat, da die Familie sehr verzweifelt und sehr traurig gewesen sei: "So etwas lässt einen nicht kalt, das macht schon auch was mit einem." Hilfe und Halt, um mit solchen Belastungen umzugehen, finden beide Flughafenseelsorger in ihrem Glauben.

Sendung: Inforadio, 20.01.2022, 09:10 Uhr

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