Gutachten Infrastrukturausschuss - Acht stillgelegte Gleisstrecken in Brandenburg könnten sich wieder lohnen

Do 13.01.22 | 18:27 Uhr
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Die im Jahr 2004 stillgelegte Eisenbahnstrecke zwischen Wiesenburg und Güsten, auf dem Foto bei Reetz (Landkreis Potsdam-Mittelmark). (Quelle: imago images/Volker Hohlfeld)
Bild: imago images/Volker Hohlfeld

Ein Gutachten des Infrastrukturministeriums in Brandenburg kommt nach der Analyse von 35 stillgelegten Bahnstrecken zu einem klaren Ergebnis: Acht davon hätten das Potenzial, wieder in Betrieb zu gehen.

Acht stillgelegte Bahnstrecken in Brandenburg haben das Potenzial, wieder ans Netz gebracht zu werden. Das ergab ein Gutachten, das heute im Infrastrukturausschuss des Brandenburger Landtages vorgestellt wurde. Insgesamt haben sich die Experten 35 Strecken und 35 Halte näher angeschaut.

Untersucht wurde unter anderem, wie sich Verkehrsströme im Falle einer Reaktivierung verlagern würden, in welchen Zuständen die Strecken aktuell sind und wie viele Fahrgäste über die Haltestellen auf den Bahnstrecken potenziell erreicht werden könnten.

Am Ende hätten nur vier der Strecken einen sehr hohen Nutzen:

Vier Strecken mit hohem Nutzen

  • Rathenow nach Rathenow Nord
  • Falkenberg nach Herzberg
  • Hoppegarten nach Altlandsberg
  • Fredersdorf nach Rüdersdorf.

In die nähere Auswahl für eine Reaktivierung kommen außerdem die Strecken von

  • Werneuchen nach Wriezen,
  • Uckro nach Lübben
  • Wustermark nach Ketzin
  • Müncheberg nach Müncheberg-Stadt

In der Analyse wurde auch untersucht, welche Haltepunkte im bereits bestehenden Bahnnetz wieder angefahren werden könnten, um ein besseres Angebot für die Fahrgäste zu schaffen. Auch hier wurden vier Haltepunkte benannt:

  • Heidefeld
  • Kiekebusch
  • Bornim-Grube
  • Haida

Ob die Strecken und Haltepunkte tatsächlich wieder reaktiviert werden ist aber ungewiss. "Wenn wir diese Strecken reaktivieren möchten, dann müssen wir gucken, dass wir Fördermittel des Bundes bekommen", sagte der brandenburgische Infrasktrukturminister Guido Beermann (CDU) dem rbb. Nächste Schritte sind nun Machbarkeitsstudien und eine Kosten-Nutzen-Untersuchung. Die Ergebnisse der Untersuchung sollen in den neuen Landesnahverkehrsplan 2023-27 einfließen. "Wir sind hier am Anfang eines Prozesses", so Beermann.

Doch nicht überall ist man glücklich mit dem Tempo beim Ausbau des Nahverkehrs. "Das Land hat immer noch ein sehr weites Zeithorizont. Das entspricht weder der dringend notwendigen Verkehrswende noch dem Wunsch unserer Region, die sehr schnell wieder an Berlin angebunden werden möchte", sagte Steffen Blunk vom Verein "Initiative Wriezener Bahn" dem rbb.

Sendung: Antenne Brandenburg, 13.01.2022m, 18:00 Uhr

53 Kommentare

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  1. 53.

    Mein einer Sohn lernte dort im alten IHP Feinmechaniker und machte auch das Abi nach. Sein Facharbeiterstück war eine Lackfilterpatrone aus V2A. Die Lacke zur Beschichtung altern ja und diese "Krümel" müssen raus. Dann studierte er Feinwerktechnik-Optik und ist heute auch in der Forschung tätig. Wir verstehen uns fachlich ziemlich gut.

  2. 52.

    Sie unterstellen mir nur Mist. Ab Fürstenwalde fährt man bald mit Wasserstoff. Ziel erst mal weiterhin nur bis Klinikum in Bad Saarow. Hoffentlich bald weiter nach Beeskow. Besuchen Sie doch mal die Saarow-Therme. Mal raus aus Beton und Mief.

  3. 51.

    Naja wenn Sie sich mal einige der Strecken genauer anschauen, liegen dort einige Logistikzentren direkt am alten Gleis. Daraus kann man sich schon mit den geeigneten Fahrzeugen auch einiges an Güterverkehr im Verteilsektor ausdenken.
    Umgebaute Ferkeltaxe zum Umschlagplatz in der Stadt und von dort mit Kleinfahrzeug, Fahrrad, Drohne etc für den letzten km. Schon hat man die großen Laster raus aus der Stadt.
    Diverse heutige 100% RB Strecken kenne ich als Kind noch mit Güterzügen. War sicher nicht verkehrt.

  4. 50.

    Im neuen IHP bin ich hin und wieder mal dienstlich zu Gast. Das alte kenn ich als Abrissobjekt noch ein wenig.
    Leider außerhalb von Fachkreisen ziemlich unbekannt, auf welchem Level dort geforscht wird. Durchaus etwas womit sich Deutschland offensiver darstellen könnte.
    Bahnhof am Rande der Stadt kenn ich aus meiner Kindheit zur Genüge. In Seelow hab ich als Jugendlicher reichlich Fuß km gesammelt, um zum Bahnhof zu laufen und von dort zur Ausbildung oder zum Jugendtanz in die Dörfer oder nach FF ins Kino zu fahren. Da erklärt sich das aber weil die Stadt nunmal auf dem Berg liegt und die Bahn an der Bruchkante entlang fährt. Buslinie gab es nicht. In der Bahnhofskneipe hat keiner nach dem Ausweis gefragt, wenn man Alkohol gekauft hat.
    Aber weiter als ein paar m läuft heute wohl kaum noch jemand.

  5. 49.

    Dieser Ausbau wird wohl kommen. Die Züge sind stets gut besetzt. Aber der "schwarze Zug" von Rüdersdorf nach Fredersdorf über Petershagen ist ja schon Jahrzehnte eingestellt. Früher stand dort Nähe Bahnhof auch ein Zementwerk ( Nassverfahren- Firma Guttmann ). Daraus wurde Z 1 zu DDR-Zeiten; abgerissen nach Bau von Z3. Auch diese Dreckschleuder ist weg; dort steht heute das Postzentrum. Alles per LKW über die Autobahn.

  6. 48.

    Die Sinnhaftigkeit der hier angekündigten Machbarkeitsstudien ist zunächst eine Grobplanung mit mehreren Varianten wie sie z.B in Rahmen des Projektes i2030 für die S-Bahn über die Havel gerade auch auf rbb24 vorgestellt wurde. Der folgen dann NKV-Untersuchungen. Man kann natürlich auch wie Sie per se dagegen sein und weiter auf den Verbrenner-PKW setzen.

  7. 47.

    Für Menschen in Ausbildung und Beruf ist die Reisezeit durchaus ein wichtiges Kriterium. Die Reiseströme setzen sich nun einmal vom Mo-Fr vornehmlich aus Arbeitnehmern und Schülern zusammen und am Wochenende aus Touristen, die ein Ziel am Weg haben, aber eben nicht den Weg als Ziel. Es muss dafür ein ausreichendes Fahrgastpotential geben, dass sich die Subventionen lohnen. Auch die DB müsste in erster Linie wirtschaftlich handeln. Hier z.B. untersucht deshalb das Land in einem mehrstufigen Verfahren, ob es sich volkswirtschaftlich lohnt, die Reaktivierung von Strecken zu fördern. Bei Nostalgiefahrten mit einer Dampflok ist das oft anders. Sie können aber ja mal bei der DRE nachfragen, was die von Ihrer Idee hält und ob die Ihnen Kontakte zu interessierten EVU vermitteln kann.

  8. 46.

    Das Problem ist aber nicht auf Brandenburg limitiert. Wenn man so die Diskussionen in Berlin verfolgt ist man dort immer noch „überrascht“ dass die Stadt aus allen Nähten platzt und quält sich die verbundenen Probleme zu lösen. Die daraus resultierende Verdrängung in den Speckgürtel war also wahrscheinlich auch aus Berliner Sicht nicht absehbar. Oder anders weil Berlin seine Wohnungsprobleme nicht gelöst bekommt, muss nun seit einigen Jahren der Speckgürtel herhalten.
    Landesentwicklung an den brandenburgischen Rändern ist dann schon nicht verkehrt, um die Konzentration auf Berlin und Umland zu dämpfen.
    Siehe Wasserproblematik, rund um Berlin kämpft man um jeden Tropfen und weiter weg guckt man recht entspannt zu.

  9. 45.

    Sie sind eben superklug und ich kenne den Lärm eines Güterzuges so ganz direkt in Erkner. Bin da dann so 3 m von entfernt.

  10. 44.

    Die Landesentwicklung in Brandenburg geschah noch nie auf realistischen Grundlagen. In den 90er Jahren wünschten sich Landesplaner die Entwicklung berlinferner Zentren und vernachlässigten den sogenannten Speckgürtel. Während Landflucht zunahm, verdoppelten Städte wie Falkensee jedoch ihre Bevölkerung. Die S-Bahn fehlt trotzdem immer noch. Infrastrukturentwicklung besteht weitestgehend aus Straßenbau, Ortsumgehungen Verteilen und Abgreifen von Fördermitten. Aber Plan hat das nicht.

  11. 43.

    Will man nun eine Verkehrswende oder will man nur darüber reden, wie es wäre eine Verkehrswende durchzuführen. Wenn man beim Autobahnbau oder der Stillegung von Straßenbahn- und Eisenbahninfrastruktur sich genauso viel Zeit gegönnt hätte, wie jetzt bei den Überlegungen möglicherweise 5 km Bahn wieder aufzubauen oder wieder mit der Straßenbahn nach Steglitz oder Spandau zu fahren,bräuchte es gar keine Verkehrswende. Es gäbe noch die notwendigen Bahnstrecken und den überzogenenen Straßenbau nicht

  12. 42.

    Was definitiv nicht angeboten wird, kann folglich auch keine Nachfrage nach sich ziehen. Ich rede hier nicht von riesigen Fahrgastströmen, sondern von überhaupt nicht nachfragbaren Fahrgastströmen, jedenfalls soweit ein Mensch nicht ein Dutzend Mal umsteigen will.

    Mit Sightseeing hat das nicht zentral etwas zu tun, wohl aber damit, der Hysterisierung der Zeitabläufe ein Stück weit zu entgehen, wie es eben geht. Wer Umbrüche im Zeitablauf nur rein technisch sieht und die Veränderungen in der Umgangskultur ausblendet, hat dies allerdings nicht auf der "Agenda".

    Derartige Alternativen von vornherein auszublenden und das riesige Streckennetz nur in puncto Schnelligkeit zu überprüfen, ist jedenfalls eine recht verengte, um nicht zu sagen, entlang der Zeitökonomie eine totalitäre Denkweise.

  13. 41.

    Als selbst ehemaliger Anwohner einer viel befahrenen Gleisstrecke, muss man sagen, dass Personenzüge, auch der ICE doch relativ leise sind. Lärmend sind vor allem Güterzüge, auch weil die besonders viel in der Nacht fahren. (Ich wohnte an der auch von ICE befahrenden Strecke Fulda-Leipzig)

  14. 40.

    Naja Nachfrage muss schon auch da sein. Wenn dann attraktives Angebot auf hohe Nachfrage trifft, dass wirklich BürgerInnen zu hauf auf ÖPNV umsteigen, erst dann hat die Umwelt ihren nutzen...

  15. 39.

    Rheintal- herrlich. Aber ganz dicht am Gleis wohnen Menschen. Beitrag im TV. Lauter als in Erkner-Thälmannstr. RE-1 Strecke.

  16. 38.

    FF/O wäre fast meine 2. Heimat geworden. Sie kennen bestimmt das IHP- damals noch in der Korsingstr. Wenn ich heute nach Berlin möchte geht das mit Bus 950 bis Erkner - 12 min und dann mit dem RE-1 weiter. Der ist in 20 min am Alex und bis Hbf. dauert es nur 10 min mehr. Zum Forum in Köpenick geht es erst in die TRAM von hier und dann 5 min mit der S3. Der alte Bahnhof Rüdersdorf liegt weit weg vom Zentrum. Früher fuhr der 950 dort lang nach Strausberg. Bus 951 nach Fredersdorf alle Stunde von hier.

  17. 37.

    Erklären Sie mir die Sinnhaftigkeit. Ich kenne alle Gegebenheiten und hier schrieb auch ein Bürger aus Petershagen. Ist Berlin überall sinnvoll ÖPNV-isiert ?

  18. 36.

    Dieses Gutachten ist aus meiner Sicht ein realistischer Beitrag zur lange währenden Diskussion über Sinn und Unsinn der Wiederbelebung stillgelegter Bahnstrecken. Träumereien und Wunschlisten muß man zur Kenntnis nehmen. Die Landesentwicklung sollte aber auf bewertbaren Grundlagen erfolgen. Somit kann man allen, die einem unrealistischen Wunschdenken anhängen nur sagen: Willkommen in der Realität!

  19. 35.

    Jeder verdammte Gleiskilometer, der technisch reaktiviert werden kann sollte reaktiviert und im 10 Minuten-Takt bedient werden … Jeder Beitrag zählt und gute Infrastruktur bringt Ansiedlung bzw. verhindert Landflucht … Da kann es ja wohl überhaupt keine Fragen mehr geben !

  20. 34.

    Hallo
    Mir würde es schon genügen wenn die S Bahn Strecke wenigstens bis Fredersdorf für den 10 min Verkehr ausgebaut werden würde

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