Interview | Juwelenraub aus dem Grünen Gewölbe - Kunstfahnderin glaubt nicht an Wiederentdeckung des Dresdner Schmucks

Sa 29.01.22 | 08:18 Uhr
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Eine Besucherin schaut in die ausgeraubte und nun ausgestellte Vitrine im Juwelenzimmer des Historischen Grünen Gewölbes im Residenzschloss (Quelle: dpa-Zentralbild/Oliver Killig)
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Was geschieht mit Kunstwerken wie dem aus dem Grünen Gewölbe gestohlenen Schmuck? In London wird ein "Art Lost Register" geführt, das solches Diebesgut dokumentiert. Dessen Direktorin, Amelie Ebbinghaus, hat wenig Hoffnung für die Juwelen aus Dresden.

rbb: Frau Ebbinghaus, sind die gestohlenen Juwelen inzwischen digitale Karteileichen? Oder gibt es Hoffnung, dass sie gefunden werden?

Amelie Ebbinghaus: Wir wollen die Hoffnung noch nicht ganz aufgeben. Ich muss aber auch sagen, dass - ein bisschen anders als in vergleichbaren Fällen wie beispielsweise den schwedischen Kronjuwelen - hier mit dem Remmo-Clan eine sehr gut organiserte Bande auf der Täterseite steht. Dadurch sind die Chancen, die Schmuckstücke wiederzufinden, wahrscheinlich eher gering.

Aber warum stiehlt man so Einzigartiges wie diese Dresdener Juwelen? Die kann man ja nicht auf dem Flohmarkt verkaufen und jeder Juwelier recherchiert dann nach - das Ganze ist ja schlecht auf den Markt zu bringen.

Ja, in der Form, in der sie gestohlen worden sind, sind diese Objekte absolut unverkäuflich. Genauso wie auch ein Picasso-Gemälde unverkäuflich wäre. Allerdings haben sie natürlich einen inhärenten Materialwert – man kann die Diamanten aus den Schmuckstücken rausnehmen, umschleifen, und so zumindest einen Bruchteil des Versicherungswertes in irgendeiner Form umsetzen. Und dann wird es auch unmöglich, die Steine wieder zu indentifizieren.

Und damit müssten sie dann irgendwann auch aus Ihrem Register, sozusagen aus Ihrem Fundbüro für verschwundene Kunstwerke, gestrichen werden. Wie viele Kunstwerke sind bei Ihnen registriert?

Wir haben 700.000 Kunstwerke, das sind Gemälde, Uhren, Schmuckstücke und so weiter. Und normalerweise haben wir ein sehr, sehr langes Gedächtnis, das heißt, sowas wird bei uns erstmal nicht gestrichen, solange wir es nicht gefunden haben. Unsere Erfahrung ist, dass Kunstwerke sehr, sehr lange verschwunden bleiben und dann nach 20, 30 Jahren wieder auftauchen.

Ist das alles geklaute Kunst? Oder gibt es noch andere Verlustgründe? 700.000 ist ja ziemlich viel.

Das sind geklaute Kunstwerke, das ist auch Nazi-Raubkunst, also historische Diebstähle, antike Kunstwerke aus Ägypten, Iran, Syrien. Und es sind auch einige Objekte darunter, die gerade Gegenstand von Gerichtsverfahren sind, in Scheidungsprozessen oder in Erbschaftsauseinandersetzungen. Also alles Werke, die ein Problem in der Vergangenheit haben, über das ein potenzieller Käufer informiert werden müsste.

Es schlummern also 700.000 Datensätze in Ihrer Datenbank. Was wird damit gemacht - wer nutzt Ihren Service?

Wir arbeiten vor allem für Auktionshäuser, Kunstmessen, Pfandleiher, Uhrenhändler, also alle, die solche Objekte verkaufen wollen, aber auch Museen und Sammler, die ankaufen wollen. Und jeder hat die Möglichkeit, bei uns ein Kunstwerk, an dem er Interesse hat, gegen diesen Datensatz prüfen zu lassen. Wir prüfen im Jahr etwa 400.000 Objekte.

Also kann nachher keiner sagen, er hätte ja nicht gewusst, dass dieses Bild geklaut ist?

Es ist zumindest schwer zu behaupten, man hätte es nicht gewusst, wenn man nicht vorher bei uns einen Check macht. Es gibt inzwischen Gerichtsurteile, die sagen, man kann sich als Käufer nicht auf Gutgläubigkeit berufen, wenn man vorher nicht ein bisschen Prüfung gemacht hat, sondern da einfach blind reingelaufen ist. Eben dafür gibt es unsere Datenbank.

Also dokumentieren Sie verschwundene Kunstwerke - oder suchen Sie auch aktiv nach solchen Objekten?

Wir suchen auch aktiv, aber eben in der Form, dass wir kooperieren. Wir würden nicht pro-aktiv losrennen und wie ein Detektiv Keller oder Safes durchsuchen, sondern wir suchen nach Objekten, die in irgendeiner Form wieder auf den Markt kommen. Wir arbeiten also mit Marktteilnehmern wie beispielsweise Auktionshäusern wie Christies und Sothebys. Was denen angeboten wird, wird von uns geprüft. Aber auch viele kleinere Häuser, die nicht so bekannt sind, wenden sich an uns.

Frau Ebbinghaus, gibt es für Sie so etwas wie den "traurigsten Eintrag in Ihrer Datenbank"?

Die Einträge, die mich immer besonders betroffen machen, sind Nazi-Raubkunstfälle. Dabei sind die Kunstewerke eigentlich gar nicht so aufregend, beispielsweise Werke von unspektakulären österreichischen Malern aus dem 19. Jahrhundert. Aber dahinter steckt einfach eine unglaubliche Schicksalsgeschichte. Wenn man die dann mit aufarbeitet und mit den Nachfahren spricht, dann sind das schon die emotionalsten Momente.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Michael Castritius, Inforadio

Sendung: Inforadio, 28.01.2022, 10:05 Uhr

11 Kommentare

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  1. 11.

    Antwort auf Ständer

    https://de.wikipedia.org/wiki/Remmo-Clan beschreibt die Familie bzgl. Herkunft, warum sie hier sind und dass staatenlose Mitglieder des Clans dazugehören. Aber nicht destotrotz gilt für alle Menschen, die hier leben, Gesetze, auch für die Outlaws, für die sich einige Mitglieder der Remmo-Clan halten.

    Und was die Arbeitserlaubnis anbelangt: staatlosen Menschen, die immerhin seit Jahrzehnten in Deutschland leben und keine Arbeitserlaubnis angeblich erhalten, ist meist von den Mitgliedern als Alibi gewollt. Jeder Mensch erhält eine Arbeitserlaubnis in Deutschland, wenn er arbeiten möchte, ob als Flüchtling, Asylant oder erst recht, wenn dieser staatenlos ist. Weder der deutsche Staat noch der Arbeitsmarkt verhindert die Initiative, einen Job nachzugehen.

  2. 10.

    Kleine Korrektur: es handelt sich im Interview um das „Art Loss Register“ in London, nicht zu verwechseln mit der „Lost Art -Datenbank“ - dem deutschen Zentrum für Kulturverluste.

    Das führt etwas zur Verwirrung im Text, da dort eine Mischung aus beiden angegeben wird. Also hier der Hinweis, falls jemand recherchieren möchte.

  3. 9.

    Auch, wenn ich Ihren Unmut nachvollziehen kann, beinhaltet Ihre Forderung gleich zwei Fehler. Zum einen sind längst nicht alle Mitglieder der oft mehrere hundert bis tausend Mitglieder zählenden Clans kriminell. Zum anderen sind sie oft staatenlos, was eine Abschiebung de facto unmöglich macht, da kein Staat sie aufnehmen würde. Genau diese Staatenlosigkeit ist auch der Grund dafür, dass sie hier nicht arbeiten dürfen – weshalb einige Mitglieder sich dann für illegale „Erwerbstätigkeiten“ entschieden haben. Ihnen Zugang zu Ausbildungsmöglichkeiten und zum hiesigen Arbeitsmarkt zu ermöglichen, könnte Abhilfe schaffen.

  4. 8.

    Wie ausnahmslos den Kommentaren zu entnehmen ist, gibt’s grundsätzlich einhellige Meinungen zu den Arabern, die das hiesige Wertesystem ignorieren und nur das ihrige anwenden. Und bzgl. der Justiz besteht auch ein gravierender Dessins, wie hoch die Strafen für Clan-Kriminalität für schwerste Straftaten bemessen sein sollte. Und auch über die Option möglicher Ausweisungen für Ausländer nach der Verbüßung, auch wenn sie die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen, muss diskutiert werden dürfen.

  5. 7.

    Diese Clans gehören komplett hinter Gitter oder besser noch, aus dem Land geschmissen.

  6. 6.

    Wie hilflos unsere deutsche Justiz und auch die Politiker sind hat man oft an lächerlichen Urteilen und Sanktionen bemerkt. Ehre kennen diese Typen absolut nicht ggü.unserem Land. Sie wollen nur Beute machen und auf unser aller Kosten arbeitsfrei leben. Beschämend das sie auch unsere Staatsangehörigkeit besitzen.

  7. 5.

    Ehre zählt für diese Klientel immer nur persönlich oder für den eigenen Clan. Während die eigene Ehre stets mit allen Mitteln verteidigt wird, zählt die von Anderen kein bisschen. Bei den Diebstählen, Überfällen und anderen Straftaten geht es ausschließlich ums Geld. Der Preis, dass junge Clanmitglieder dafür ein paar Monate bis wenige Jahre hinter Gittern sitzen, ist explizit eingerechnet. Für die Zeit danach ist bereits alles vorbereitet und organisiert. Dann kommt die nächste Generation dran, die wieder mehrheitlich dem milden Jugendstrafrecht unterliegt. Für die Clans bleibt das ein lukratives Vorgehen, welches bewusst die Schwächen unseres Rechtssystems ausnutzt, welches auf organisierte Kriminalität im Allgemeinen überhaupt nicht angemessen vorbereitet ist. Unser Staat wirkt da absolut hilflos und die Clans führen uns das voller Verhöhnung immer wieder vor Augen. Der Diebstahl im Grünen Gewölbe ist da der vorläufige Höhepunkt.

  8. 4.

    Die Clans reden ja immer von Ehre. Wer sich so an der deutschen Kultur und Geschichte vergreift, hat absolut keine Ehre!

  9. 3.

    Aktiv aufgefundene Schätze, sind jeden eingesetzten Steuereuro wert.

  10. 2.

    Diese Schwerkriminellen sind scharf auf Geld, das sie dann frisch gewaschen verprassen und legal anlegen. Ob Überfälle auf Geldtransporte, Gold oder Klunker. Es geht nicht um irgendeinen ideellen oder kulturellen Wert. Es wird eingeschmolzen und zerlegt. Und das so schnell wie möglich. Dann wird verkauft. Und die Klunker haben vielleicht 10% des benannten Wertes eingebracht, was dann immernoch über 10 Millionen sind. Die Kunstwerke sind verloren. Das einzige, was hilft sind bei diesen Leuten lange Haftstrafen mit der Möglichkeit früherer Haftentlassung, wenn geplaudert wird über den Verbleib und Rückzahlung erfolgt.

  11. 1.

    Selbstverständlich tauchen diese wunderbaren Stücke nicht mehr auf. Da muss man kein Experte sein. Teile dieses Clans haben kein Interesse an der Geschichte und Kultur dieser Schätze. Wird halt zum Teil eingeschmolzen und dann verhökert. Auf der Anklagebank sitzen dann in der Regel möglichst junge Mitglieder des Clans und binden sich halt 2 Jahre Jugendstrafe ans Bein. In diese Zeit wird dann schon wieder der kommende Plan von den Älteren draußen ausbaldowert. Sie verhöhnen unsere Gesellschaft.

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