Archäologiefund bei Bauarbeiten - Spuren einer der ältesten Straßen Berlins ausgegraben

Mi 19.01.22 | 15:45 Uhr
  12
Ausgrabungen am Molkenmarkt in Berlin Mitte. (Quelle: rbb/Höppner)
Audio: Inforadio | 19.01.2022 | O. Kranz | Bild: rbb/Höppner

Eine mittelalterliche Straße aus Holzbohlen, aber kaum Spuren von Pferden oder Transporten: Am Molkenmarkt haben Archäologen die bislang ältesten Spuren einer Straße in Berlin gefunden. Doch der Fund birgt einige Rätsel.

Archäologen sind bei Umbauarbeiten rund um den Molkenmarkt in Berlin-Mitte auf einen alten Bohlendamm gestoßen. Das Bauwerk sei eine Art Pflasterung eines Weges aus Eichen-, Kiefer- und Birkenstämmen und stamme nach den Erkenntnissen der Wissenschaftler aus der Gründungszeit Berlins im 13. Jahrhundert, teilte der Senat bei der Präsentation des Fundes am Mittwoch mit.

Der Fund könne eine der ältesten Straßen Berlins sein, hieß es. Allerdings fanden die Wissenschaftler kaum Fahrspuren auf den Hölzern. Sie gingen darum davon aus, dass die Straße sehr schnell verschüttet worden war, erklärten die Wissenschaftler bei der Präsentation des Fundes.

Ausgrabung am Molkemarkt in Berlin Mitte. (Quelle: rbb/Höppner)
Bild: rbb/Höppner

Leicht versetzt zur Stralauer Straße

Das hölzerne, aus drei Lagen bestehende Bauwerk liegt leicht versetzt zur Flucht der Stralauer Straße und konnte bislang auf einer Länge von mindestens 50 Metern nachgewiesen werden. Die Breite des Dammes betrage rund sechs Meter, hieß es von der Senatskulturverwaltung. Der Fund belege, dass die Stralauer Straße eine rund 700 Jahre andauernde "Nutzungskontinuität" habe.

Der nun entdeckte Damm befinde sich in unmittelbarer Nähe des historischen Molkenmarktes, etwa 2,5 Meter unter der heutigen Geländeoberkante der Stralauer Straße. Das Bauwerk verdanke seine außerordentlich gute Erhaltung einer mächtigen Torfschicht, die die Hölzer mehr als 700 Jahre lang luftdicht abdeckte. Die Hölzer wiesen nur geringe Spuren einer Nutzung auf, hieß es am Mittwoch.

Großteil der alten Substanz muss für die Bauarbeiten zerstört werden

Anlass der bauvorbereitenden archäologischen Arbeiten ist die die Verlegung von Strom- und Gasleitungen im Rahmen des Straßenumbaus rund um den Molkenmarkt in Berlin-Mitte. Alle Phasen der historischen Konstruktion würden nun dokumentiert, hieß es. Ein Großteil der mittelalterlichen Substanz werde wegen der Bauarbeiten aber anschließend zerstört.

Die aufwändige hölzerne Befestigung der mittelalterlichen Stralauer Straße nahe der Spree sei wegen des hier besonders nassen Untergrundes notwendig gewesen, hieß es weiter. Der Bohlendamm ermöglichte eine sichere Passage vom Mühlendamm in Richtung Stralauer
Tor.

Pressekonferent bei der Ausgrabung am Molkemarkt in Berlin Mitte. (Quelle: rbb/Höppner)

Sendung: rbb Kultur, 19.01.2022, 14:44 Uhr

12 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 12.

    andernorts deckt man sowas ab und baut darüber. gerade, wenn das eh 2,5m tiefer liegt, sollte das doch machbarsein

  2. 11.

    Die älteste Straße Berlins soll unbedingt erhalten bleiben,es ist ein großartiges Zeugnis der Gründerzeit Berlins.Jeder,Jede die sich für ihre Stadt interessiert kann doch nicht wollen das dieses Zeugnis unwiederbringlich zerstört wird.Ich hoffe sehr das eine für alle zufriedenstellende Lösung gefunden werden kann.
    Ihre Mitbürgerinnen dieser wunderschönen Stadt.

  3. 10.

    Finde ich nicht. Eine Stadt ist kein Museum.
    Sie sollte sich ständig neu erfinden, den Erfordernissen immer wieder anpassen.
    Sie ist ein Konstrukt, das in erster Linie funktionieren soll.
    Wenn wir alles Alte (und sei es auch nur, weil es SEHR alt ist) bewahren wollen, stehen irgendwann alle Räder still und wir können nur noch innehalten und schauen, aber kaum noch agieren.
    Ich jedenfalls möchte nicht, dass eventuell irgendeine Notwendigkeit nicht gebaut werden darf, weil ein paar Leute lieber ab und zu irgendwelche Altertümer bestaunen möchten
    Vergangenheit und Zukunft sind wichtig. Aber Priorität sollte immer die Gegenwart haben.

  4. 9.

    Dieses Zeugnis der Berliner Geschichte zu zerstören, wäre an Dummheit, Geschichtsvergessenheit und Ignoranz nicht zu überbieten. Der Bohlendamm muss unbedingt erhalten bleiben!

  5. 8.

    "Allerdings fanden die Wissenschaftler kaum Fahrspuren auf den Hölzern."
    Kann doch auch sein, dass es eine mittelalterliche Fußgängerzone war.

  6. 7.

    Diese 700 Jahre alte Straße scheint in einem besseren Zustand zu sein als so manche Straße die in den letzten 20 Jahren hier in Deutschland gebaut wurde .

  7. 6.

    Es wäre so schön, wenn die Straße vor Ort konserviert und unter Glas oder ähnlichem für jedermann sichtbar erhalten werden könnte.
    So ein tolles Stück Geschichte! Und dann noch so toll erhalten!!

  8. 5.

    Ein so altes Zeugnis aus der Geschichte unserer Stadt und in einem so grandiosen Zustand. Dieser Knüppeldamm sollte an Ort und Stelle konserviert und dort am Originalplatz erhalten werden!

    Moderne hat unsere Stadt genug, Zeugnisse aus der Vergangenheit wurden schon zu oft beseitigt, umgelagert, ins Museum verfrachtet.

    Berlin, leiste es dir, diese historische Straße dort zu bewahren und erlebbar zu machen!!

  9. 4.

    Berlins älteste Straße?
    Jede Wette: Nicht mal DIE hat einen Glasfaseranschluss!

  10. 3.

    Stark.- in Berlin hält eine Straße 700 Jahre...Das kann nur daran liegen, dass der „Holzkrebs zu Betonkrebs mutiert ist“?

  11. 2.

    Die Torfschicht auf dem Bohlendamm würde mich vermuten lassen, dass er nicht verschüttet worden, sondern abgesackt, also quasi im Moor versunken ist, so dass sich in der Folge dann eine weitere Torfschicht obendrauf bilden konnte … Für die Erbauer muss es auf jeden Fall ziemlich frustrierend gewesen sein; all die Arbeit und dann säuft das ganze Ding einfach so ab – föne Feife …

  12. 1.

    Plattenbauten unter Denkmalschutz stellen aber 700 Jahre alte Straßen zerstören. Man könnte doch ein paar Parklets darauf stellen...

Nächster Artikel