Mit blauen Westen unterwegs - Was sich BVG und Fahrgastverband von erkennbaren Kontrolleuren erhoffen

Mo 07.02.22 | 20:35 Uhr
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Berliner U-Bahn. (Quelle: dpa/Christoph Hardt)
Bild: dpa/Christoph Hardt

Signal-Blau statt in Zivil: Die neuen Outfits der BVG-Kontrolleure sind schon länger im Einsatz. Bisher mit positivem Effekt, wie das Unternehmen sagt. Auch der Fahrgastverband begrüßt die Änderung.

Für Fahrgäste sind sie jetzt gut erkennbar. Wer in den U-Bahnhof kommt oder aus der langsam abbremsenden Bahn den vorbeiziehenden Bahnsteig beobachtet, sieht sofort: Gleich wird kontrolliert. Eine große Gruppen von Menschen mit blauen Westen, kaum zu verfehlen, hinten drauf steht "Im Auftrag der BVG".

Seit dem 1. November ist der neue Look schon im Einsatz, insofern verstand man bei den Berliner Verkehrsbetrieben die Aufregung nicht ganz, als das Thema Ende der vergangenen Woche als Nachricht in den Medien auftauchte. "Die Kontrollen laufen weiter und sie laufen weiterhin erfolgreich. Es gab auch Lob von Fahrgastseite, aber es ist nicht so, dass es das Rad neu erfunden hätte", stellt Firmensprecher Jannes Schwentu gegenüber rbb|24 fest.

"War das jetzt wirklich ein Kontrolleur oder bin ich übertölpelt worden?"

Der Wunsch sei ohnehin von den Fahrgästen gekommen, heißt es von der BVG. Die Kontrolleure waren zuvor jahrelang und fast schon traditionell in mal besserer, mal schlechterer Ziviltarnung unterwegs. Die sorgte anscheinend für Verwirrung bei einigen Fahrgästen. Es hätten sich Menschen gefragt: "War das jetzt wirklich ein Kontrolleur, der mich kontrolliert hat oder bin ich übertölpelt worden", erklärt der BVG-Sprecher.

Deshalb sollte direkt erkennbar sein, wer ein offizieller Kontrolleur ist (und wer im Zweifelsfalle nicht). Eine Begründung, die der Fahrgastverband "ProBahn" unterstützt. Dessen Sprecher Peter Cornelius sagte gegenüber rbb|24, er halte es für "positiv, wenn die Kontrolleure gekennzeichnet sind." Die neuen Westen tragen übrigens nur die rund 130 Kontrolleure, die über externe Dienstleister für die BVG unterwegs sind. Die 40 direkt bei der BVG beschäftigten Kontrolleure waren schon zuvor an ihrer Dienstkleidung zu erkennen.

Zunächst werden die Westen auch nur im Berliner U-Bahn-Verkehr eingesetzt. Dort sei der Wunsch der Erkennbarkeit mit den langen Zügen und großen Bahnhöfen am höchsten gewesen, erklärt die BVG. In Bussen gebe es schließlich den Busfahrer, den man im Zweifelsfall fragen könnte, ob es sich um echte Kontrolleure handele. Mehr Menschen in erkennbarer Unternehmenskleidung auf den Bahnhöfen und in den Zügen sollen außerdem für eine "subjektive Sicherheit" bei den Fahrgästen sorgen.

Nicht weniger Menschen ohne Fahrschein erwischt

Auch wenn es gut drei Monate nach Einführung der Signalwesten noch keine umfassende Auswertung der Maßnahme gibt, lässt sich laut BVG zumindest eines festhalten: Die Anzahl an erwischten Menschen ohne Fahrschein (oder auch der "Kontrollerfolg") bleibt unverändert - das sagt zumindest Firmensprecher Schwentu.

Die blauen Westen führen ihm zufolge nicht dazu, "dass die Kontrolleure sofort auf 100 Metern erkannt werden." Die BVG hoffe vielmehr, dass es sogar einen positiven Abschreckungseffekt geben könnte: "Wenn man als Fahrgast auch immer mal wieder Menschen in blauen Westen am Bahnhof sieht, fährt man vielleicht das nächste Mal nicht ohne Ticket, weil man ja weiß, dass kontrolliert wird." Mehr Transparenz für die Fahrgäste soll also hinter den blauen Westen stecken, gleichzeitig sagt die BVG, sie erhoffe sich auch, dass die Signal-Kleidung "deeskalierend" wirke.

Weniger Streitigkeiten um Ticketkontrollen, dank bunter Westen? Peter Cornelius von Pro Bahn hält es durchaus für möglich, dass auch die Kontrolleure von ihrer neuen Uniform profitieren: "Vielleicht ist das auch für die Kontrolleure positiv, dass sie direkt als Auftragnehmer der BVG erkennbar sind. Für die Fahrgäste ist dann auf einen Blick ersichtlich, dass eine Kontrolle stattfinden wird."

Westen sollen erstmal ohne Frist bleiben

In der Vergangenheit sahen sich allerdings auch die BVG und von ihr beschäftigte Kontrolleure immer wieder dem Vorwurf ausgesetzt, bei Kontrollen Fehlverhalten an den Tag zu legen. Vor etwa einem Jahr startete sogar eine Petition gegen Diskriminierung durch Fahrscheinkontrolleure, die von fast 40.000 Menschen unterzeichnet wurde (externer Link: change.org). Mit solchen Vorwürfen hätten die Westen nichts zu tun, teilt das Unternehmen mit. "Erstmal die Feststellung: Es sind wenn dann Einzelfälle. Aber wir gehen natürlich jedem Einzelfall nach. Im Gespräch mit dem betreffenden Kontrolleur oder den jeweiligen Chefs. Das Tragen einer Weste hat damit aber nichts zu tun", sagt Firmensprecher Schwentu. Schulungen zum richtigen Umgang mit Fahrgästen gebe es ohnehin, mit oder ohne Weste.

Der neue Signal-Look soll den Kontrolleuren erstmal erhalten bleiben. Eine feste Test-Zeit hat sich das Unternehmen nach eigenen Angaben nicht gesetzt. Damit "fahre man ganz gut", heißt es. Eine Absprache mit der S-Bahn scheint es in der neuen Transparenz-Offensive übrigens nicht gegeben zu haben. Auf Nachfrage, ob die Kontrolleure innerhalb des Tarifbereichs jetzt einheitlich erkennbar seien, teilt die BVG nur mit, dass das Sache der Deutschen Bahn sei, die ja bekanntlich das S-Bahn-Netz betreibt. Die Antwort der Bahn stand am frühen Abend noch aus.

Sendung: Fritz, 05.02.2022, 10 Uhr

19 Kommentare

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  1. 19.

    Sehr geehrter Herr Rosenauer,
    es sind meistens Mitarbeiter von Gegenbauer (dessen Vertrag aufgrund mehrerer Beschwerden gegenüber den Mitarbeitern vorzeitig aufgelöst wurde), Sasse und anderen Sicherheitsfirmen die einen Vertrag mit der BVG haben um in deren Auftrag Fahrausweiskontrollen durchzuführen (deshalb: Fremdfirmenmitarbeiter im Außenkontrolldienst; erkennbar im Dienstausweis mit Lichtbild mit: Im Auftrag der BVG). Direkte BVG-Mitarbeiter die in Dientkleidung (Uniform) unterwegs sind, bezeichnet man als Betriebsinterne Mitarbeiter im Außenkontrolldienst. Und die sind vom Auftreten das genaue Gegenteil derer der Fremdfirmen.
    Mit freundl. Grüßen

  2. 18.

    Ich habe es schon mehrfach erlebt wie sich die Fremdfirmenmitarbeiter im Außenkontrolldienst ordentlich daneben genommen haben.

  3. 17.

    RBB, danke für meine Kommentarveröffentlichung.
    Dem geneigten Foristen empfehle ich zur weiteren Info die Internetseite "Hochbahnwache.de"

  4. 16.

    Falls Sie es nicht wissen, sind Jogginghosen in Berlin und dem Rest der Welt ein Mega Trend und Bomberjacken werden von den teuersten Designerlabels produziert. Also Fazit....der Kontrolleur ist dem Trend entsprechend gekleidet.
    Und wenn Sie sehen das kontrolliert wird dann brauchen Sie doch niemanden ansprechen, sondern einfach die gültige Fahrtberechtigung vorzeigen.

  5. 15.

    Von erkennbaren Kontrolleuren erhofft sich die BVG, dass die Schwarzfahrer eine reelle Chance bekommen, sich rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. Sicherlich auf Druck der Gratisfahrerlobby in Berliner Regierungskreisen.

  6. 14.

    Ein Anzug ist doch auch nur eine neumodische Ritterrüstung für Menschen die keine "Eier" haben. Es wird Zeit dass Dresscodes gänzlich abgeschafft werden. Eine Armbinde oder Veste sollte reichen. Ich fand die Zivis gut, da war der Überraschungseffekt goldgelb.

  7. 13.

    Oder waren Sie in Hamburg? Alle Kontrolleure in einheitlicher Dienstkleidung, bestimmt aber freundlich.
    Bei unserem letzten Vor-Corona - Besuch erlebten wir in der U-BAHN auf der Strecke nach Britz eine Kontrolle, sorry, schnodderig und anmaßend.
    Das hat nichts mehr mit Berliner Herz und Schnauze zu tun.


  8. 12.

    Ja, ganz Ihrer Meinung. Die „anonymen“ Kontrolleure haben sich immer erst zu erkennen gegeben, wenn die Bahn angefahren ist und sie sind zu zweit (einer vorne einer hinten) eingestiegen. Aber der Trend geht ja zu „Sei nett zu Straftätern“!

  9. 11.

    Ich fahre U-Bahn, TRAM und S-Bahn und ich habe noch nie „FAHRAUSWEISKONTROLLE“ gehört, immer ein freundliches „Die Fahrkarten bitte“.

  10. 9.

    Na, ob das eine gute Idee ist? Dann werden doch viele Schwarzfahrer "entkommen". Wenn ich in der Bahn sitze und beim Einfahren in die Station die Kontolleure schon erkenne, würde ich die Bahn an dieser Station schnell verlassen und auf die Nächste warten. Somit werden sie mich nicht entdecken und ich steige einfach in die nachfolgende Bahn ein. Viele Schwarzfahrer werden sie somit garnicht erwischen.

  11. 8.

    Bei mir schallt noch das "FAHRAUSWEISKONTROLLE" direkt neben mir im Ohr, mit der Erwartung, dass dann alle im U-Bahn Waggon gehorchen ;)
    Freundliche Ansprache, wäre ein größerer Fortschritt vor allem für die Stammkunden!
    Selten gehört „Die Fahrkarten bitte!“ War das in der S-Bahn?!

  12. 7.

    also ich hatte in Berlin letzte Zeit nur Kontrolleure, welche eher nach Penner und Schlägertyp aussahen....
    ich fragte die auch, ob sie überhaupt echt sind...

  13. 6.

    Es hat noch einen Nutzen. Für Leute, die ihr Ticket immer auf dem Smartphone haben. Oft lese ich gerade. Wenn ich vorher sehe, jetzt wird kontrolliert, kann ich noch in Ruhe eine Markierung setzen und zur BVG app gehen.
    Vermeidet Hektik. Auch für den Kontrolleur
    - nix Gender, sind immer Männer- der nicht warten muss, bis Fahrgästin ( Gender) die richtige app auf hat.

  14. 5.

    Wäre es endlich kostenlos (würde ich trotzdem Auto fahren), aber dann wären Kontrolleure, Ticketautomaten und Entwerter inklusive Wartung und Verbrauchsmaterialien mit all ihren Kosten gar nicht mehr nötig. Auch gut fürs Klima irgendwie. Berlin hat dazu schon so viele Chancen verstreichen lassen wie etwa die Nutzung der City-Tax die zwar "nur" gut 50 Mio. im Jahr aus macht aber auch angepasst und ausgebaut werden könnte. Dazu die Einnahmen der Parkraumbewirtschaftung, Parktickets und der Blitzerindustrie.. etc pp. Aber das wird eher dazu gebraucht das Wahlgeschenke-Wettrennen und Klientelpolitik zu finanzieren statt einen echten Quantensprung für alle Berliner und Touristen zu ermöglichen.

  15. 4.

    Back to the roots BVG...

  16. 3.

    Ich denke, das einzige was sich ändert ist, das die Kontrolleure jetzt nicht mehr rufen müssen „ Die Fahrkarten bitte!“ Aber das was wahrscheinlich zu billig!

  17. 1.

    Ok, zu gewissen Berufen gehört gewisse Kleidung - und ein Kontrolleur in gefühlt ausgebeulter schwarze Jogginghose mit muffiger schwarzer Bomberjacke ist in MEINEN Augen eine Zumutung - auch hinsichtlich seiner Glaubwürdigkeit! Wer Fahrscheine fälschen kann, kann auch Kontrolleur-Ausweise fälschen, oder Corona-Tests oder Impfausweise. Da kann ja jeder kommen... und btw: ein Namensschild gehört in meinen Augen auch an jede Uniform, nicht ne Nummer, oder Rufnummer, oder so, sondern eigentlich ein Dienstausweis MIT Bild! Ich würde auch gerne einen "Herrn Wachmeister" lieber mit Polizeiobermeister Sauerbier anreden, wenn ER schon meinen Namen aus meinen vorgezeigten Ausweispapieren kennt! Da ist das Prinzip der "Gegenseitigkeit" echt bitter nötig, sonst ist es ein Prinzip der "Herablassung"....

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