Porträt | Neue HU-Präsidentin - Die Rückkehrerin

Di 15.02.22 | 10:15 Uhr | Von Andreas Heins
  7
Julia von Blumenthal auf dem Campus Nord. (Quelle: Philipp Plum/HU)
Video: Brandenburg aktuell | 15.02.2022 | Rainer Unruh | Bild: Philipp Plum/HU

Mit Marburg als Startpunkt hat Julia von Blumenthal eine vorbildliche akademische Karriere hingelegt, jetzt folgt der vorläufige Höhepunkt mit ihrem neuen Spitzenposten an der HU Berlin. Doch ein glatter Durchmarsch war das nicht. Von Andreas Heins

Geboren 1970 und zur Schule gegangen ist sie im hessischen Marburg, dem Ort in Deutschland mit der vielleicht engsten Verflechtung von Stadt und Universität. Ein Drittel der Einwohner sind, entweder als Mitarbeiter oder als Studenten, mit der Universität verbunden. Da war Julia von Blumenthal vielleicht schon eine akademische Karriere in die Wiege gelegt. 1989 studierte sie dann Politikwissenschaft, Rechtswissenschaft und Slavistik in Heidelberg und Hamburg. Dort wurde sie auch 2007 an der Universität der Bundeswehr promoviert.

Nach zwei Vertretungs-Professuren 2007 in Lüneburg und 2008 in Gießen erfolgt dann ein Ruf als Professorin für Politikwissenschaft an die Universität Gießen. Ein Jahr später schon gab sie diese Stelle zugunsten einer Stelle an der Humboldt-Universität in Berlin auf. Sie wurde Professorin am Institut für Sozialwissenschaften.

2012 erfolgte die Ernennung zur Dekanin der Philosophischen Fakultät III, spätere Kultur-, Sozial- und Bildungswissenschaftliche Fakultät. Ihre Forschungsgebiete lagen im Bereich des Parlamentarismus und Föderalismus, später auch in der Integration von Flüchtlingen an Hochschulen.

Auf dem Weg in die Viadrina

2016 gab es dann den ersten Bruch in Ihrer akademischen Kariere: Sie zog ihre Kandidatur zur Vizepräsidentin für Studium und Lehre an der Humboldt-Universität zurück. Die Vertreter der Studierenden hatten signalisiert, ihr keine Stimme geben zu wollen. Laut der Verfassung der Humboldt-Universität braucht es mindestens eine Stimme aus dem Lager der Studierenden, um in das Amt des Vizepräsidenten für Studium und Lehre gewählt zu werden. Die Ablehnung betraf aber wohl das Nominierungsverfahren um die ganze Gruppe von Kandidaten und Kandidatinnen.

Im Oktober 2018 wurde sie zur Präsidentin der Europa Universität Viadrina ernannt. Sie trat ihr Amt an mit der Absicht, die Sichtbarkeit der Viadrina als Europa Universität zu erhöhen. Trotzdem verlor die Universität, sicher auch Corona geschuldet, weiterhin Studierende. Lob erhielt sie für ihren Umgang mit der Corona-Krise, die den größten Teil ihrer Amtszeit prägte. Sie habe stets die schwierige Situation der Studierenden im Blick gehabt, hieß es.

Zurück zu Humboldt

Im Januar 2022 wurde ihre Kandidatur für das Amt der Präsidentin der Humboldt-Universität bekannt. Nach dem Rücktritt von Sabine Kunst war die Stelle vakant geworden. Diese wollte mit ihrem Abschied gegen die Reform des Berliner Hochschulgesetzes protestieren und hatte eine Verfassungsbeschwerde im Namen der HU auf den Weg gebracht.

Julia von Blumenthal sieht - "unabhängig von notwendigen Anpassungen des Berliner Hochschulgesetzes und vom Ausgang der Verfassungsbeschwerde" - als eine ihrer ersten Aufgaben, für die Universität "moderne Personalstrukturen für den wissenschaftlichen Bereich zu entwickeln." Eine ihrer Aufgaben als Präsidentin wird aber auch sein, das Vertrauen der Studierenden wieder zu erlangen.

Studierende erklärten sie für unwählbar

Nach dem Rücktritt ihres einzigen Gegenkandidaten Joybrato Mukherjee und aus Kritik an ihrer Bewerbungsrede, erklärten die Studierendenvertreter im Konzil der HU sie für unwählbar. Das Konzil könne jetzt nur eine Bewerberin "abnicken", teilte Bengt Rüstemeier, Sprecher der Studierendengruppe im Akademischen Senat und Konzil mit [refrat.hu-berlin.de]. Die eigentliche Wahlentscheidung sei schon zuvor in der Findungskommission getroffen worden, "einem intransparenten Gremium", so Rüstemeier.

Sendung: Antenne Brandenburg, 15. Februar 2022, 8 Uhr

Beitrag von Andreas Heins

7 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 7.

    Googlen Sie doch einfach. Bei über 170 Studiengängen wird möglicherweise auch was außer Geisteswissenschaften im Angebot sein, kein Grund für Komplexe.

  2. 6.

    Das ist mir schon bei der Frau Kipping aufgefallen. Die hat RBB neulich als "Sozialwissenschaftlerin" bezeichnet. Aber davon hatte sie lt. Wikipedia nichts studiert., sonder schlicht "Slavistik". Was ja kein Fehler ist, wenn man davon leben kann. Auch hier "studierte sie (die Frau v. Blumenthal) dann Politikwissenschaft, Rechtswissenschaft und Slavistik". Tolle Sache, sie hat gleich drei Berufe, könnte man meinen. Welchen Abschlus hat denn Frau v. Blumenthal erworben in den Fächern Slavistik und Rechtswissenschaften? Da steht in ihren Eigendarstellungn nichts.

  3. 5.

    "Die Digitalisierungs-Lücken der Uni (gemeint ist jetzt die HU) will sie schnell schließen" sagte die Politikwissenschaftlerin (Tsp).
    Übrigens, "Recht" in dem Sinne, dass man danach ein Anwaltsbüro eröffnen könnte, hat Frau von Blumenthal nicht.

  4. 4.

    Wir reden von Frauen- und Migrantenquoten, leisten uns einen Ostbeauftragten, um erneut eine Spitzenposition an einer ostdeutschen Uni mit einer Westfrau zu besetzen. Ich finde das mehr als unsensibel.

  5. 3.

    Hat die HU nur Geisteswissenschaften im Angebot, oder kann man da auch Recht, um mal als Rechtswanwalt zu arbeiten oder Informatik studieren, ob in der aufstrebenden Internet-Industrie eine Stelle zu finden?

  6. 2.

    Man muss anscheinend eine westdeutsche Biografie haben, um solche Stellen zu besetzen. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass so wenige Präsidenten an den Universitäten aus dem Osten kommen.

  7. 1.

    Warum die Ablehnung? Als Kritik am Auswahlverfahren vielleicht gute Leute scheitern zu lassen ist gewagt...oder gibt es andere Gründe?

Nächster Artikel