17-Jährige spricht von rassistischem Angriff - Polizei räumt Fehler bei Meldung über Attacke auf Jugendliche ein

Mi 09.02.22 | 15:31 Uhr
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Symbolbild: Polizeiauto mit Blaulicht. (Quelle: dpa/Eibner)
Video: rbb|24 | 11.02.2022 | Material: Abendschau | Bild: dpa/Eibner

Nach dem Angriff auf eine 17-Jährige in Prenzlauer Berg hat die Polizei erste Angaben korrigiert. Demnach war der Auslöser für die Attacke nicht wie zuerst dargestellt eine fehlende Corona-Maske. Die Polizei spricht von einer "missverständlichen Formulierung".

Die Berliner Polizei hat im Fall einer 17-Jährigen, die in Berlin von mehreren Erwachsenen krankenhausreif geschlagen wurde, ihre ursprüngliche Pressemeldung korrigiert.

Die Jugendliche habe während des Vorfalls eine Mund-Nasen-Bedeckung getragen, ihre Angreifer hingegen überwiegend nicht, wie die Polizei am Mittwoch mitteilte. Zunächst hatte die Polizei in einer Pressemitteilung am Sonntag mitgeteilt, dass es zu der Attacke gekommen war, "nachdem die Jugendliche auf ihre fehlende Mund-Nase-Bedeckung angesprochen" worden sei. Auf Basis dieser Angaben hatten rbb|24 und andere Medien über den Fall berichtet.

Die Korrektur der Polizeimeldung erfolgte, nachdem die 17-Jährige am Dienstag auf ihrem Instagram-Account öffentlich Stellung zu dem Vorfall genommen hatte. Sie kritisierte, dass der Grund für den Angriff nicht eine fehlende Mund-Nasen-Bedeckung gewesen sei, sondern rassistische Motive.

Polizei: "Strafanzeigen waren missverständlich formuliert"

Die in der ersten Polizei-Mitteilung verwendeten Informationen hätten aus den vor Ort aufgenommenen Strafanzeigen gestammt, die "missverständlich formuliert waren", teilte die Polizei nun am Mittwoch mit. Das hätten die weiteren Ermittlungen gezeigt.

Die 17-Jährige habe beim Ein- und Aussteigen aus der Tram eine Mund-Nase-Bedeckung getragen und diese lediglich bei dem "auf die rassistischen Beleidigungen folgenden Streitgespräch" mit den sechs Erwachsenen kurzfristig nach unten gezogen. Die sechs tatverdächtigen Erwachsenen "trugen überwiegend keine Mund-Nase-Bedeckungen", das hätten Ermittlungen und die Sichtung von Videomaterial ergeben, heißt es in der Polizeimeldung weiter.

Jugendliche: "Zusammengeschlagen, weil ich Ausländerin bin"

Die Jugendliche hatte auf Instagram der ursprünglichen Darstellung der Polizei widersprochen. "Ich wurde gestern in Berlin zusammengeschlagen, weil ich Ausländerin bin", sagte sie in einem Video. Zudem schilderte sie ihre Ansicht, wie sich der Angriff zutrug: Demnach war sie in der M4 Richtung Greifswalder Straße unterwegs, als eine Gruppe Männer und Frauen sie grundlos massiv rassistisch beleidigt und bedrängt hätten. Die Erwachsenen seien betrunken gewesen.

Nachdem sie aus der M4 ausgestiegen sei, habe eine der Frauen an der Haltestelle zu ihr gesagt, sie solle eine Maske tragen - "dabei standen wir draußen und niemand von den ganzen Leuten hatte eine Maske an", so die Jugendliche. Sie hingegen habe in der Bahn die ganze Zeit über eine Maske getragen.

Jugendliche: niemand hat geholfen

Nach Angaben der Jugendlichen wurde sie von den Erwachsenen festgehalten, mehrfach geschlagen und getreten. Auf ihrem Instagram-Account sind auf einem, nach ihren Angaben von ihr selbst gedrehten Handyvideo Szenen zu sehen, die den Angriff zeigen sollen.

Während des Angriff soll ein älterer, besonders großer Mann sie zusätzlich gewarnt haben: "Ich soll aufpassen, was ich in seinem Land sage", sagte die 17-Jährige weiter. Der Vorfall belaste sie nun auch psychisch. Sie kritisierte zudem das Verhalten der Menschen, die die Tat beobachtet hätten. Niemand habe ihr geholfen, obwohl sie während des Angriffs Menschen an der Haltestelle um Hilfe gebeten habe.

Die 17-Jährige wurde laut Mitteilung der Polizei vom Sonntag nach dem Angriff zur Beobachtung stationär in einem Krankenhaus aufgenommen.

Täter auf Video des Opfers erkannt

Am Sonntag hatte die Polizei mitgeteilt, dass bereits während des Vorfalls am Samstagabend einige der mutmaßlichen Täter gestellt werden konnten. Aufgrund des Handyvideos der Jugendlichen erkannten Polizisten einen der beteiligten Männer aus vorangegangenen Polizeieinsätzen wieder. Er und zwei weitere Tatverdächtige im Alter zwischen 42 und 51 Jahren wurden schließlich in einer nahegelegenen Kneipe vorläufig festgenommen - sie bestritten aber die Tatvorwürfe.

Laut Polizei waren die Männer alkoholisiert, außerdem fand die Polizei bei einem von ihnen Betäubungsmittel. Inzwischen ermittelt der Staatsschutz wegen "rassistischer Beleidigung und Körperverletzung", teilte die Polizei am Mittwoch mit, zudem würden Zeugen gesucht.

Sendung: Inforadio, 09.02.2022, 14 Uhr

64 Kommentare

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  1. 64.

    ....sondern auch beim Verfassungsschutz ;).

    (eigentlich nicht zum lachen sondern einfach nur noch bedrohlich, ich muss da immer an Maaßen, Hilse, Maier und co denken)

  2. 63.

    Ich dachte eigentlich Berlin wäre hip und cool und nicht so rechtsverseucht (wie DD), bin nur manchmal beruflich in Mitte.

    Welche Stadtteile muss man meiden?

  3. 62.

    Warum sind das hier immer die gleichen Personen, die bei solchen Vorfällen die Ermittlungen abwarten wollen aber bei Tatbeteiligungen von Menschen mit Migrationshintergrund sofort meinen sie wüßten bereits alles und den Richter spielen zu müssen?

    Systematischen Rassismus gibt es eben nicht nur bei der Polizei.

  4. 60.

    @ Karsten: im übrigen finde ich es unerheblich, wer in dem Falle keine Maske trug. Sechs(!) Erwachsene schlagen auf eine(!) 17jährige ein. Sagt genug über den Geisteszustand dieser Leute aus.
    Gute Besserung der jugendlichen.

  5. 59.

    @ Karsten: weil die erste Meldung nicht auf Vermutungen basierte sondern auf missverständlich formulierte Strafanzeigen.

  6. 58.

    Richtig, die 6 Erwachsenen trugen keine Maske, während die junge Frau eine trug.
    Was hat das Video noch gezeigt ? Richtig,nichts relevantes.
    Warten wir doch einfach ab,was die Ermittlungen ergeben. Oder wissen sie mehr,Gerd gaudino ?

  7. 56.

    Auszug aus der Pressemitteilung der Polizei vom 09.02.:
    "Im Rahmen der Sichtung vorhandenen Videomaterials sowie weiterer Ermittlungen, konnte nun festgestellt werden, dass die Jugendliche beim Ein- und Aussteigen aus der Tram eine Mund-Nase-Bedeckung trug . . . Die sechs tatverdächtigen Erwachsenen trugen überwiegend keine Mund-Nase-Bedeckungen."
    https://www.berlin.de/polizei/polizeimeldungen/2021/pressemitteilung.1174189.php

    Für Sie trotzdem Anlass genug, mit dem "sensiblen" Verweis auf Ofarim, hier Zweifel an der Aussage des geschädigten Mädchens zu hegen. Die 17-Jährige erlitt mehrere Verletzungen durch Gewalteinwirkung, und die drei identifizierten und z. T. polizeibekannten Männer bestreiten die Tatvorwürfe komplett. Wenn das alles ganz anders abgelaufen ist, und das Mädchen die sechsköpfige Personengruppe angegriffen hat, wäre es doch ein Leichtes gewesen, dies bei der polizeilichen Befragung richtigzustellen, oder "Realist"?!

  8. 55.

    Welcher "Staatsschutz"? Bundesamt oder Land Berlin - wegen Extremismusverdacht?
    Sollte sich der Verdacht bestätigen ist es immer wieder traurig wozu sich Menschen hinreißen lassen.
    Politischer Populimus und soziale Ignoranz tun da wohl ihr Übriges.

  9. 54.

    Das ist nicht der "echte" Immanuel, sondern ein Rechtsextremist der hier ständig und gleichzeitig mit etlichen Namen auftritt, der gerne auch mal die Namen von Prominenten mißbraucht. Oder eben Nicks von anderen Kommentatoren.

  10. 52.

    In offizieller Funktion würde ich selber sogar als Präsident höchstpersönlich einen Besuch machen, um zu unterstreichen, dass solche Vorfälle "in meinem Land" überhaupt nicht geduldet werden, und dass insbesondere bei solchen Fällen konsequente Strafverfolgung mit Forderung der höchstmöglichen Strafe durch die Staatsanwaltschaft.

    Und dies mag mancher zwar als ob PR-Aktion verstehen. Aber eben so nicht mal wirklich viele Aussagen aus Reihen der Politik wenn solcher Vorfall nicht gerade in irgendeine deren Agenda passt, bzw. weil dort alle die Hosen voll haben oder komplett ohne Interesse außer schön Diäten abzufassen, sowas ist eben weit weg von Konsequenz bei den Aufgaben bei welchen auch Parlament teilweise eine Rolle hat.

  11. 50.

    Was heißt hier "aufbauschen"? Ist Ihnen schonmal aufgefallen, dass es im Bereich Polizei-rassistische Straftaten immer wieder zu "Pannen", "Missverständnissen" und "Fehlinformationen" kommt? Oder sind das nur tausende "Einzelfälle"? Bitte erkennen, dass Struktur dahinter steckt!

  12. 49.

    Sehr gut kommentiert. Dies rät sogar die Polizei, wenn es zu einer brenzlichen Situation kommt.

  13. 48.

    Zum neuesten Stand:
    "Drei verdächtige Männer im Alter von 42, 44 und 51 Jahren konnten von der Polizei bereits kurz nach der Tat am Samstagabend in einer Kneipe festgenommen werden. Ein Polizist hatte einen der Männer auf einem Video, das die junge Frau von den Tätern gemacht hatte, wiedererkannt. „Wir suchen aber weiterhin nach den drei Frauen, die an der Tat ebenfalls beteiligt gewesen sein wollen“, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag. Bisher seien sieben Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen. „Die arbeiten wir nun ab. Außerdem werten wir Zeugenvideos und Aufnahmen aus Überwachungskameras der BVG aus, um die Verdächtigen zu identifizieren“, so der Polizeisprecher."
    Quelle: https://www.berliner-zeitung.de/news/polizeibericht-berlin/pruegel-attacke-auf-17-jaehrige-video-des-opfers-hat-sieben-millionen-aufrufe-li.211152

  14. 46.

    Eine Gruppe betrunkener Berliner mittleren Alters, die Menschen beschimpfen, die auch nur im Entferntesten anders aussehen - das klingt für mich nach einem ganz normalen Abend in Berlin. Hoffentlich dauert es nicht mehr lange, bis diese Generationen aussterben. Ich bin froh, dass das Mädchen auf diese Story aufmerksam gemacht hat.

  15. 45.

    Also egal was da vorgefallen ist, Gewalt geht gar nicht. Schon gar nicht 6 gegen 1. Trotz allem, warum hat die junge Frau das Video zur Klärung nicht gleich der Polizei gezeigt? Ist es cooler es hochzuladen?

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