Berliner Landgericht - SUV-Fahrer nach Unfall mit vier Toten zu Bewährungsstrafe verurteilt

Do 17.02.22 | 10:38 Uhr
Ein zerstörter Pkw steht zwischen Trümmern auf einem Grundstück. (Quelle: dpa/Paul Zinken)
Video: Abendschau | 17.02.2022 | Norbert Siegmund | Bild: dpa/Paul Zinken

Ein Auto rast in der Berliner Innenstadt in eine Fußgängergruppe - vier Menschen sterben, darunter ein dreijähriges Kind. Gut zwei Jahre danach ist der Fahrer des SUV verurteilt worden - das Gericht ging über das geforderte Strafmaß hinaus.

Nach einem Unfall mit vier Toten in der Berliner Innenstadt ist der angeklagte Autofahrer zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt worden. Das Landgericht Berlin sprach den SUV-Fahrer am Donnerstag der fahrlässigen Tötung und Gefährdung des Straßenverkehrs schuldig. Das Gericht ging damit über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinaus.

Zwei Jahre Führerscheinsperre und 15.000 Euro Strafe

Der 45-Jährige war trotz einer Epilepsie-Erkrankung und einer Gehirnoperation Auto gefahren. Der schwere Wagen des Mannes war am 6. September 2019 über die Gegenfahrbahn hinweg von der Invalidenstraße abgekommen. Der SUV überschlug sich und tötete vier Menschen auf dem Gehweg - einen Dreijährigen und seine Großmutter im Alter von 64 Jahren sowie zwei 28 und 29 Jahre alte Männer.

Das Gericht entzog dem 45-Jährigen die Fahrerlaubnis und verhängte eine zweijährige Führerescheinsperre - zudem 15.000 Euro als Auflage. "Er hätte erkennen können und müssen, dass er sich nicht hinter das Steuer setzen durfte", so das Gericht. Der Fall hatte bundesweit für Entsetzen gesorgt - und schnell eine Diskussion um die Gefahren im Straßenverkehr ausgelöst.

Staatsanwalt: Fahrer hätte nicht am Steuer sitzen dürfen

Anfangs stand dabei die Frage im Zentrum, ob SUV-Fahrzeuge besonders gefährlich sind. Im Prozess war jedoch die Frage nach der Fahrtauglichkeit des Angeklagten zentral, und ob ein epileptischer Krampfanfall für ihn vorhersehbar war. Vermutlich wäre es auch bei einem Kleinwagen zu einem schrecklichen Unfall gekommen, hieß es im Prozess. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft hätte der Unternehmer wegen einer strukturellen Epilepsie und einer Gehirnoperation nur einen Monat vor dem Unfall nicht am Steuer sitzen dürfen. Sie hatte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung beantragt.

Nach Auffassung der Anwälte, die Hinterbliebene als Nebenkläger vertraten, hat der 45-Jährige bewusst gegen ärztliche Auflagen verstoßen. Der Angeklagte hatte zu Prozessbeginn Ende Oktober 2021 erklärt, er sei zutiefst verzweifelt über das Leid, das sein Unfall verursacht habe. Er habe im Mai 2019 erstmals einen epileptischen Anfall gehabt. Mit einer Tumor-Operation und mit einer Medikation habe er danach alles getan, um einen zweiten Anfall auszuschließen.

Sendung: Inforadio, 17.02.2022, 10 Uhr

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