Bundesinnenministerium - Tötungsdelikt von Senzig wird auch als antisemitische Straftat eingestuft

Fr 18.02.22 | 17:35 Uhr
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Viele Kerzen brennen am 06.12.2021 vor auf einem Gehweg vor einem Einfamilienhaus in einem Ortsteil der Stadt Königs Wusterhausen im Landkreis Dahme-Spreewald. (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
Bild: dpa/Patrick Pleul

Das Tötungsdelikt in Königs Wusterhausen im Dezember wird laut Bundesinnenministerium und Brandenburger Polizei auch als antisemitisches Verbrechen eingeordnet. Das Motiv ergebe sich nach ausgewerteten Handychats des Tatverdächtigen.

Das Tötungsdelikt in Königs Wusterhausen im Stadtteil Senzig im Dezember vergangenen Jahres wird auch als antisemitisches Verbrechen eingeordnet. Das geht aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine kleine Anfrage der Linken-Abgeordneten Petra Pau hervor, die dem rbb vorliegt. Zuerst hatte der "Tagesspiegel" berichtet.

Die Erkenntnisse zu dem antisemitischen Motiv hat die Brandenburger Polizei gewonnen, nachdem sie die Chatverläufe der sichergestellten Chats des Familienvaters untersucht hat, teilte Polizeisprecher Torsten Herbst am Freitag mit.

Am 4. Dezember soll der tatverdächtige Vater zuerst seine Frau, dann seine drei Töchter im Alter von vier bis zehn Jahren und dann sich selbst getötet haben. Laut derzeitigem Kenntnisstand des Bundesinnenministeriums und der Brandenburger Polizei war der Tatverdächtige überzeugt davon, dass der Staat mit der Impfkampagne einen "bösen" Plan verfolge und die Weltbevölkerung um die Hälfte reduzieren und eine neue Weltordnung unter jüdischer Führung gründen wolle.

"Die Einordnung der Tat als 'antisemitisch' ergibt sich aus der Ansicht des TV, dass es eine jüdische Weltverschwörung gebe", heißt es in der Antwort des Bundesinnenministeriums.

Opferperspektive fordert lückenlose Aufklärung

Die Opferperspektive Brandenburg - Beratungsstelle für Betroffene von rechter Gewalt - äußerte sich erschüttert. Diese Tat zeige, welche enorme Gefahr von antisemitischen Verschwörungserzählungen innerhalb der Coronaleugner-Bewegung ausgehe, sagte Judith Porath, Geschäftsführerin der Opferperspektive. Dass sie durch die Ermittlungsbehörden offiziell als antisemitisch motiviert gewertet werde, sei ein wichtiger Schritt. Da es jedoch kein Gerichtsverfahren geben könne, werde eine öffentliche und lückenlose Aufklärung gefordert, wie es zu der Tat kommen konnte. Es müsse auch untersucht werden, inwiefern coronaleugnende sowie rechte Netzwerke an der Radikalisierung des Täters beteiligt waren.

Zahl antisemitischer Straftaten auf neuem Höchststand

Insgesamt ist die Zahl der antisemitischen Straftaten nach Angaben des Bundesinnenministeriums auf einem neuen Höchststand seit 2001. Nach vorläufigen Erkenntnissen habe es im Jahr 2021 3.028 Straftaten mit antisemitischen Hintergrund gegeben. Darunter seien 63 Gewalttaten und 327 Propagandadelikte.

Im Jahr 2020 zählte das Bundesinnenministerium 2.351 Fälle antisemitischer Straftaten - somit bedeutet das einen Anstieg von 30 Prozent innerhalb eines Jahres [bmi.bund.de]. Auch die Zahl der Gewaltdelikte ist innerhalb eines Jahres angestiegen.

Sendung: Brandenburg aktuell, 18.02.2022, 19:30 Uhr

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