Datenauswertung - So alt sind die Menschen in den Brandenburger Gemeinden

So 20.02.22 | 21:45 Uhr | Von Götz Gringmuth-Dallmer und Wanda Bleckmann (Grafiken)
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Passanten gehen am frühen Abend in der Brandenburger Straße. (Quelle: dpa/Soeren Stache)
Video: Brandenburg aktuell | 20.02.2022 | Sebastian Schiller | Bild: dpa/Soeren Stache

Wo in Brandenburg leben mehr junge und wo leben mehr alte Menschen? rbb|24 hat Daten zum Durchschnittsalter der Bevölkerung ausgewertet und kennt nicht nur die jüngste und die älteste Gemeinde im Bundesland. Von Götz Gringmuth-Dallmer und Wanda Bleckmann (Grafiken)

Die Brandenburgerinnen und Brandenburger sind im Schnitt wieder etwas älter geworden. Das zeigt eine rbb|24-Auswertung der so genannten Bevölkerungsfortschreibung*.

Demnach lag das Durchschnittsalter der Einwohnerinnen und Einwohner im Land Brandenburg auf Basis des Zensus vom 11. Mai 2011 im Jahr 2020 bei 47,2 Jahren. 2010* waren es noch 45,7 Jahre. Laut amtlicher Bevölkerungsstatistik [regionalstatistik.de] haben nur Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Sachsen-Anhalt ein noch höheres Durchschnittsalter. Zum Vergleich: Das Flächenland mit dem niedrigsten Durchschnittsalter ist Baden-Württemberg mit 43,8 Jahren, das jüngste Bundesland ist Hamburg mit 42,1 Jahren.

Abwanderung nach der Wiedervereinigung

Ein Grund für die überdurchschnittlich alten östlichen Bundesländer ist für Demografie-Forscher Frederick Sixtus vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung, dass in den Jahren nach der Wiedervereinigung viele junge Leute in die westlichen Bundesländer abgewandert sind.

Außerdem habe die Geburtenziffer Anfang der 1990er Jahre im Osten auf einem historischen Tiefstand gelegen, so Sixtus gegenüber rbb|24: "Die Kinder, die damals nicht geboren wurden und die Kinder derer, die damals abgewandert sind, bekommen heute keine Kinder in Brandenburg."

Große regionale Unterschiede

So wie in ganz Deutschland gibt es auch innerhalb von Brandenburg regionale Unterschiede. Dabei steigt das Durchschnittsalter der Menschen in den Landkreisen mit der Entfernung zu Berlin.

Das Durchschnittsalter in der Landeshauptstadt Potsdam liegt mit 42,71 Jahren leicht unter dem von Berlin mit 42,9 Jahren. Im Südosten des Landes im Landkreis Spree-Neiße lag das Durchschnittsalter im Jahr 2020 bei 49,95 Jahren, gefolgt von Elbe-Elster mit 49,86 und Oberspreewald-Lausitz mit 49,71 Jahren.

Mit Blick auf die Bevölkerungsentwicklung der vergangenen Jahre stellt Demografie-Forscher Sixtus fest: "Man sieht, dass es vor allem die Gemeinden rund um Berlin sind, die wachsen. Es sind vor allem jüngere Leute im Familiengründungsalter, die rausziehen, weil sie im Grünen wohnen wollen oder sich die Miete in Berlin nicht mehr leisten können." Für die meisten abgelegenen Regionen bedeute es aber, dass sie in Zukunft voraussichtlich weiter altern werden, so Sixtus.

Gemeinde Schönefeld am jüngsten

Noch größer als zwischen den Landkreisen und kreisfreien Städten sind teilweise die Unterschiede zwischen einzelnen Gemeinden.

Nimmt man die Bevölkerungszahl der Gemeinden als ein Vergleichskriterium, könnte man die jüngste Gemeinde, Schönefeld in Dahme-Spreewald, zum Beispiel mit Guben im Landkreis Spree-Neiße vergleichen. Guben hatte 2020 16.656 Einwohnerinnen und Einwohner, 2010 lebten hier noch 19.320 Menschen. Damals betrug das Durchschnittsalter 49,8 Jahre, jetzt sind es 52,6. Etwa die Hälfte der Menschen, die hier leben, ist älter als 57 Jahre alt.

In Schönefeld ist das Durchschnittsalter 40,9 Jahre, 2010 lag es bei 40,7. Etwa die Hälte ist jünger als 42 Jahre, die anderen sind älter.

Der Grund für diese Entwicklung dürfte sein, dass Schönefeld seit 2010 um gut ein Viertel gewachsen ist. Damals lebten hier noch 13.256 Menschen, Ende 2020 waren es 17.017. "In Schönefeld liegt der Flughafen, da gibt es viele Jobs und die Bedingungen sind sehr gut, das zieht natürlich auch Menschen an, die hier wohnen wollen", sagt Sixtus.

Bei kleinen Orten verhageln ein paar mehr oder weniger die Statistik

Ganz anders sieht es aus, wenn man sich die älteste Gemeinde Brandenburgs anschaut. In Gräben in Potsdam-Mittelmark lebten 2010 580 Menschen, nach den aktuellen Daten sind es noch 498 mit einem der Altersdurchschnitt von 56,1 Jahren.

"Bei so wenigen Einwohnern macht jede Familie, die kommt oder geht oder jeder Mensch, der geboren wird oder stirbt schon einen Unterschied", so Forscher Sixtus.

Das zeigen zum Beispiel auch Schwerin und Alt Zauche-Wußwerk, beide in Dahme-Spreewald. Alt-Zauche-Wußwerk hatte 2010 551 Einwohner:innen und ein Durchschnittsalter von 46,2 Jahren, 2020 lebten dort noch 465 Menschen mit einem Durchschnittsalter von 52,5 Jahren. In Schwerin lebten Ende 2010 630 Menschen mit einem Duchschnittsalter von 50,6 Jahren. 2020 waren es 905, Durchschnittsalter 47,2.

Von ein paar Ausnahmen abgesehen werden die Gemeinden älter, je weiter sie von Berlin weg sind. Laut der Erhebung Brandenburger Sozialindikatoren [lasv.brandenburg.de] betrug der Unterschied beim Durchschnittsalter zwischem dem Berliner Umland und dem sogenannten weiteren Metropolenraum im Jahr 2019 3,1 Jahre.

Etwas feiner aufgelöst zeigt sich jedoch, dass es auch jenseits des Berliner Umlands Gemeinden gibt, die deutlich unter dem Durchschnittsalter des Landes liegen. Die Top drei aus einem Landkreis, der keine Grenze zu Berlin hat, sind alle im Landkreis Uckermark: Schönfeld mit einem Durchschnittsalter von 43,7 Jahren, Carmzow-Wallmow mit 44,3 und Pinnow 45,3 Jahren.

Die Gründe für die Ausreißer nach unten liegen wohl auch hier im Zuzug. So berichtete die PNN 2019, dass zum Beispiel nach Carmzow-Wallmow in der Vergangenheit Menschen aus Berlin, Thüringen und Süddeutschland gezogen sind.

Noch ein paar Zahlen: 114 Gemeinden sind jünger als der Landesdurchschnitt, fünf genauso alt, 298 älter, 94 Gemeinden haben ein Durchschnittsalter von 50 und darüber.

Die möglichen Folgen davon, dass einige Brandenburger Gemeinden immer älter werden, beschreibt Forscher Sixtus so: "Das verändert das Zusammenleben vor Ort. Eine ältere Bevölkerung hat andere Bedürfnisse. Und eine schrumpfende Einwohnerzahl kann sich auf die Versorgungslage auswirken. Wenn weniger Menschen den Bus benutzen, dann fährt der vielleicht irgendwann nicht mehr, wenn es keine Kinder mehr gibt, muss vielleicht die Schule schließen. Dann droht eine fatale Abwärtsspirale, weil der Ort immer unattraktiver wird."

Das Problem dürfte Schönefeld so schnell nicht bekommen. Wie die "MAZ" [Bezahlschranke] Ende Januar berichtet hat, fehlen alleine der Oberschule am Airport Schönefeld bis 2026 etwa 150 Plätze. Der Bau, so der Bericht weiter, müsste eigentlich in zwei Jahren fertig sein. Bislang gäbe es noch nicht mal ein Grundstück.

Anteil der jungen Menschen bleibt stabil

Die Zahlen zeigen jedoch auch noch eine andere Seite. So ist der Anteil der unter 20-Jährigen an der Gesamtbevölkerung in Brandenburg von 16,1 Prozent im Jahr 2010 auf 18,3 Prozent im Jahr 2020 gestiegen.

Wie passt das nun damit zusammen, dass die Bevölkerung zwar altert, gleichzeitig aber der Anteil der unter 20-Jährigen stabil bleibt? Bevölkerungsforscher Sixtus erklärt diesen Umstand damit, dass es seit ein paar Jahren einen kleinen Babyboom in Deutschland gebe.

"Die Kinder der Babyboomer bekommen jetzt Kinder. Es gibt gerade einfach mehr Frauen im Familiengründungsalter. Die Geburtenziffer ist außerdem zwischenzeitlich leicht gestiegen. Viele Frauen bekommen ihre Kinder später im Leben. Und es sind viele Familien zugewandert, die durchschnittlich etwas mehr Kinder bekommen. Der Anteil der jungen Leute an der Gesamtbevölkerung hat sich einigermaßen stabilisiert, wenn auch in Brandenburg auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau", so Sixtus.

Das sah vor einigen Jahren noch anders aus. Da fanden sich in den Zeitungen der Region Schlagzeilen wie diese zuhauf:

"Ende der Grundschule besiegelt", (MOZ)
"Grundschule offiziell aufgelöst", (MAZ)
"Am Aus führt kein Weg vorbei", (MAZ)


In diesen Berichten ging es um Schulschließungen in Brandenburg. Es kamen einfach zu wenige Kinder zur Welt. Die Auswirkungen zeigten sich dann in der Bevölkerungsstatistik.

Anteil der Menschen über 65 Jahre wird wohl weiter steigen

So hat sich auch die Anzahl der Grundschulen in den einzelnen Regionen unterschiedlich entwickelt. Wurden laut Regionalstatistik.de in Spree-Neiße zwischen den Jahren 2000 und 2020 neun Grundschulen geschlossen, so gibt es im Landkreis Oder-Spree im gleichen Zeitraum sechs Grundschulen mehr. In Potsdam sind es sogar dreizehn.

Auch wenn wieder mehr Schulen gebraucht werden, der Anteil der Menschen, die über 65 Jahre alt sind, wird wohl weiter steigen. 2020 waren es im gesamten Land Brandenburg noch 25,2 Prozent. Die amtliche Bevölkerungsvorrausschätzung [lbv.brandenburg.de] geht davon aus, dass der Anteil im Jahr 2030 im Mittel auf 30 Prozent steigen wird. Eine mögliche Ursache könnte demnach sein, dass sich immer mehr Berlinerinnen und Berliner schon aufgrund der steigenden Mieten ihren Alterswohnsitz in Brandenburg suchen.

Dann werde, so die Schätzung, auch das Durchschnittsalter in Brandenburg wieder ein wenig angestiegen sein. Von den am Anfang erwähnten 47,2 auf 48 Jahre.

Hinweis zur Erhebung der Daten

* 2010: Ergebnisse der Bevölkerungsfortschreibung auf Basis des Einwohnerregisters der DDR, Stand: 3. Oktober 1990

* 2011 bis 2020: Endgültige Zahlen der Bevölkerungsfortschreibung auf Basis des Zensus vom 9. Mai 2011

Sendung: Brandenburg Aktuell, 18.02.22, 19.30 Uhr

Beitrag von Götz Gringmuth-Dallmer und Wanda Bleckmann (Grafiken)

10 Kommentare

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  1. 10.

    Es liegt an der zu/um/verteilenden Einstellung, die bei bestimmten politischen Farben besonders oft vorkommen. Es fehlt da, dass dienende und fleißige „Türklinkenputzen“ um sein Land attraktiv für Chancen zu machen. Wenn die „Kernkompetenz“ im Ausfüllen von Fördergeldanträgen liegt, gewöhnt man sich an das Ausgeben fremden Geldes. Besonders fatal ist es, wenn man bei Misserfolg nicht zurückzahlen muss. Wenigstens aufrechte Rücktritte vor Scham findet man gar nicht. Und Konsequenzen, bei falscher Verwendung sind nicht zu befürchten. Darum dürften die „Kohlemilliarden“ nicht in die „klebrigen“ „Zuteilhände“ brandenburger Politiker, die Infrastruktur davon bezahlen, wofür sie eh zuständig wären.

    Da hilft es nicht, wenn in einem Bahnhof eine Vinothek als StartUp alibigefördert wird. (Satire?)

  2. 9.

    Sie haben dabei, aber noch die andere Seite von Brandenburg vergessen - Monokulturen gespickt mit tausenden Windrädern und gedüngt mit Ackergiften. Da wäre noch sehr viel Veränderungsbedarf in Brandenburg, in punkto Infrastruktur, Industrie und modernem Leben.

  3. 8.

    Dann schauen Sie sich die Karte von Land Brandenburg mal genauer an, mehr als die Hälfte sind Naturparks, Biosphäreresenreservate, Seenplatte und Landschaftswiesen. Meines wissens nach, ist dies der Stolz der Brandenburger.

    Für die Politiker ist der Handlungsspielraum für innovative Vorhaben und Schaffung von industriegerechten Strukturen stark eingeschränkt. Als Lehrstück für die Politik kann durchaus die Tesla-Ansiedlung dienen, die mit massiven Protesten gespickt ist.

    Der Tourismus wäre hier die Alternative, aber das wäre Dienstleistung an Menschen zu erbringen, und diese Arbeitsplätze überlässt man gerne den Ausländern.

  4. 7.

    In Brandenburg wird sehr oft nach dem Bund gerufen, irgendeiner muss ja die Schuld für einseitige Wirtschaftspolitik bekommen, die komplett nur auf den Teil von Brandenburg ausgerichtet ist, der bis zu 100 Kilometer an Polen grenzt. BER und Umfeld, Cottbus und Lausitz und jetzt auch noch das gesamte Tesla-fabrik Umfeld. Dabei wird auch noch verschwiegen, das der Eigenanteil vom Land Brandenburg, bei all diesen Spaßprojekten in die Milliarden ging und weiterhin geht. Das ist die Weiterführung der DDR Wirtschaftspolitik, die auch nur, die Nähe zu Polen und zur ehemaligen Sowjetunion suchte. Milliarden für wenige Regionen und der Rest, altert im Rekordtempo, da Kitas,Schulen und moderne Infrastruktur fehlen. !!!

  5. 6.

    Dann lassen Sie uns doch den "Woidschken Brandenburger Weg" weitergehen und ein "Erfolglosgipfel" nach dem anderen abhalten um dann festzustellen: "Nun ist aber der Bund gefordert" oder so ähnlich?

  6. 5.

    Ein anderes Problem was damit zusammenhängt, ist doch schon seit Jahrzehnten bekannt !!! Die Landesplanung blockiert kleinere Kommunen in ihren Bauvorhaben, Damit - auch bei wichtigen Investitionen in moderne Infrastruktur. Und das, Berlin und Brandenburg, Milliarden Euros, für den BER und seinem Umland bereitstellen- und das seit Jahrzehnten, wird wohl bei Wachstum, Schrumpfung und damit verbundener Alterung einfach auch vergessen - oder Wie ??? Seit Jahrzehnten konzentrieren wir uns komplett, auf den BER und Alles Drumherum- und wundern uns seit 1990, warum der große Rest von Brandenburg schrumpft und altert - wenn er nicht innerhalb von der A10 bzw. im ABC Tarifbereich liegt ??? Ketzin/Havel liegt 5 Kilometer ausserhalb der A10, aber die Infrastruktur- wie fehlende Bahnanbindung und marode Straßen, sieht mehr nach ,,Sibirien wie nach Bundesrepublik Deutschland aus,,. 25 Kilometer von Potsdam/Berlin bzw. BER entfernt, soll wohl die bewohnte moderne
    Welt aufhören ???

  7. 4.

    Brandenburg vergreist und stirbt aus. Nichts Neues.

  8. 3.

    Der Info-Bedarf von Statistikern und was sie alles daraus lesen ist ein anderer als der von weitsichtigen Politikern, wenn es die überhaupt gibt:
    So ist es nicht für alle interessant: "Unterschied beim Durchschnittsalter zwischem dem Berliner Umland und dem sogenannten weiteren Metropolenraum im Jahr 2019 3,1 Jahre"
    aber
    wie der Bedarf an Schulen und Lehrern sein wird aber schon...; obwohl, der Zustand heute... lässt Rückschlüsse zur verfehlten Bildungspolitik durchaus zu und lässt auch erkennen, dass man die Statistik nicht will...? Oder aber man nutzt sie um genau das nachzuweisen.

  9. 2.

    Wenn schon alles bekannt ist, wozu dann noch die Volkszählung Mitte des Jahres in Brandenburg bzw. MOL?

  10. 1.

    Was macht man für die 40, 60 u. 80jährigen, die eine große Mehrheit bilden? Und die Zahlen eignen sich gut für langfristige Planungen, wenn man nicht "Politik nach Kassenlage" machen will. Was gilt wohl in Brandenburg seit über 30 Jahren...?

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