Natürliche CO2-Speicher - Frisches Wasser für alte Moore

Sa 05.02.22 | 13:58 Uhr | Von Thomas Rautenberg
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Ein Luftbild der Möllmer Seewiesen (Bild: rbb/Rautenberg)
Audio: Antenne Brandenburg | 04.02.2022 | Thomas Rautenberg | Bild: rbb/Rautenberg

Moore speichern viele Millionen Tonnen CO2 - wenn sie feucht bleiben. Trocknen sie hingegen aus, setzen sie Unmengen des Klimagases frei. In Brandenburg werden nun einige Moorflächen in ihren natürlichen Zustand zurückversetzt. Von Thomas Rautenberg

Knöcheltief steht das Wasser auf den Möllmer Seewiesen zwischen Oranienburg und Nassenheide. Auf den ersten Blick wirkt das Gelände wie eine Koppel, die zu viel Regen abbekommen hat. Als Weideland wurden die Möllmer Seewiesen tatsächlich lange genutzt. Dabei sind sie ein wertvolles Moor, erklärt Lukas Landgraf, Moorexperte beim Landesumweltamt Brandenburg. Die Oberfläche besteht aus einem schwarzbraunen Verlandungsmoortorf. Darunter ist eine mehrere Meter dicke Mudde, also ein Seesediment, das sich hier abgelagert hat. Der See hat sich dann geschlossen. Ein klassisches Moor, das auf den ersten Blick gar nicht als solches zu erkennen ist.

Moore können riesige Mengen CO2 speichern – oder freisetzen

Die Brandenburger Landesregierung hat sich vorgenommen, bis zum Jahr 2045 klimaneutral zu sein. 42 Millionen Tonnen CO2 müssen dafür jährlich eingespart werden. An den Mooren des Landes kommt dabei keiner vorbei. Nasse, und damit gesunde Moore, können über viele Jahre Millionen Tonnen CO2 speichern und helfen das Klima zu retten. Trockengelegte Moore dagegen setzen ebenso viele Mengen an CO2 frei. Sie werden selbst zu den größten Klimakillern.

Allein der Torf rund um die Möllmer Wiesen gibt, sobald er trockenfällt, jährlich rund 1.700 Tonnen CO2 an die Atmosphäre ab. Deshalb soll das Wasser in der Region nun aufgestaut und das Moor damit revitalisiert werden, sagt Moorexperte Landgraf. "Als erstes werden jetzt einige Pegel gesetzt, um die Auswirkungen auf die benachbarten Ortslagen zu prüfen. Und gleichzeitig werden wir die Landwirte bei der Umstellung auf die nasse Bewirtschaftung unterstützen."

Einsatz von Wasserbüffeln geplant

Etwa 56 Hektar groß ist die Moorfläche nördlich von Oranienburg, die mit dem Stauwasser aus dem sogenannten Hauptgraben vernässt werden soll. Nils Fischer, Geschäftsführer der ansässigen Agrargesellschaft Neuholland, hatte in der Vergangenheit auf den Wiesen zweimal im Jahr Heu gemacht. Mehr schlecht als recht, sagt der 34-jährige Landwirt. "Häufig haben wir hier Schiffe versenken gespielt. Am Rande stand immer ein Traktor mit einem langen Seil, der die Kollegen mit den Erntefahrzeugen bergen musste."

Künftig sollen Fischers Traktoren möglichst draußen bleiben. Stattdessen sollen Wasserbüffel kommen, die den Bewuchs der vernässten Weide in Schach halten und außerdem noch 1A-Fleisch liefern können. "Das könnte sich rechnen", sagt Fischer. Natürlich müsse es gelingen, eine vernünftige Direktvermarktung für das Fleisch aufzubauen. Wenn am Ende eine schwarze Null stünde, wäre das schon in Ordnung, findet der Landwirt. Den Umweltaspekt dürfe man nicht vergessen.

Ein Luftbild der Möllmer Seewiesen (Bild: rbb/Rautenberg)
Bild: rbb/Rautenberg

Bund fördert insgesamt drei Moor-Renaturierungen in Brandenburg

Das Bundesumweltministerium stellt für die Wiedervernässung von drei großen Moorgebieten in Brandenburg insgesamt zehn Millionen Euro zu Verfügung. Neben den Möllmer Wiesen bei Oranienburg werden auch im Randowbruch in der Uckermark und im Rhinluch zwischen Fehrbellin und Kremmen ähnliche Pilotprojekte angegangen.

Landwirt Nils Fischer räumt ein, dass es unter seinen Kollegen viele Diskussionen über die geplante Revitalisierung des Moores in den Möllmer Wiesen gab. "Die Skepsis war zunächst groß. Inzwischen wissen wir, dass wir hier mit Experten zusammenarbeiten, die immer nach Kompromissen suchen."

Über zehn Jahre läuft des Förderprogramm des Bundesumweltministeriums. Profitieren sollen nicht nur der Moorschutz und damit das Klima, sondern auch die Landwirte, die sich auf neue Produktionsverfahren in den vernässten Gebieten umstellen müssen. Ein Erfolg könnte auch zögerliche Landwirte andernorts überzeugen mitzumachen, hofft Nils Fischer.

Mehr zum Thema auf Youtube: Wassermangel - Warum Brandenburg so trocken ist

Sendung: Antenne Brandenburg, 04.02.2022, 13.40 Uhr

Beitrag von Thomas Rautenberg

29 Kommentare

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  1. 29.

    <<Die Verantwortlichen brauchen das Rad nicht neu erfinden. Können ja mal zugucken kommen: >>
    Besser?

  2. 28.

    In Bayern gibt es diese Stege schon lange. Sie heißen dort Ochsenklavier, ein Hinweis auf ihre Bestimmung. Darüber wurde das Vieh zur Weide getrieben.

  3. 27.

    Das verstärkt den Auftrag an den rbb beim MLUK mal nachzufragen ob das was der Bund bezahlt alles sein wird oder ob Brandenburg auch selbst etwas machen und auch finanzieren wird. Und nicht erst in 20 Jahren sondern jetzt.

  4. 26.

    Danke für den 9minütigen link. Viel gelernt: trockene Moore sind schädlicher als Fliegen. Nur 3% der Landfläche sind Moore und binden doppelt soviel CO2, wie alle Wälder, die 30% der weltweiten Landflächen bedecken. Spricht also stark dafür die Moore wieder zu vernässen. Eigentlich sollte das prioritär schneller als der Waldumbau gelingen. Noch dazu mit einem 20 mal größerem Effekt, was die CO2 Bindung anbelangt, wenn ich mich da jetzt nicht verrechnet habe.
    Hier nochmal der link für Interessierte:
    www.zdf.de/dokumentation/terra-x/torf-vom-klimaretter-zum-klimakiller-100.html

  5. 25.

    Das "helle Köpfchen" fasse ich als KOmpliment auf. Von ihnen kann man das leider nicht behaupten.

    ""....Tourismus ja - aber bitte schonend und für benachteiligte Menschen wäre doch ein Fahrdienst, z.B. mit Pferdekutsche, in die Kernzonen machbar...." Pferdekutschfahrten in die "Kernzone" eines Moores - aha, wieder was gelernt.
    Das wird ja dann ein Andrang werden. Vmtl. 6 Monate vorher anmelden? Und die Kutschfahrt dann durch das unbefestigte Moor, denn Straßenbau wäre ja wieder nicht nachhaltig.
    Den einzigen Tourismus in eine "Kernzone" den ich ich kenne, ist der in Tschernobyl. Die fahren mit Touris in die ehemalige "Kernzone", begehrt bei vielen Briten."

    So long and have a nice day.

  6. 24.

    Interessanter Bericht. Aber lässt sich die Lage dieses Gebiets etwas genauer beschreiben? Wenn ich versuche, das Titelfoto mit den Luftbildern im bb-viewer abzugleichen, scheint es sich um die Lichtung im Wald zwischen Dameswalde und Freienhagen zu handeln (https://bb-viewer.geobasis-bb.de/?projection=EPSG:25833&center=383494.91609381686,5853447.0415603&zoom=8&bglayer=4&layers=). Nach Umschalten auf die Kartenansicht wird dort auch der Flurname „Möllmer Wiesen“ angezeigt. Aber den im Artikel erwähnten Hauptgraben finde ich nicht. Der Bach, der da lang fließt, heißt laut der Karte „Fließgraben Freienhagen“.

  7. 23.

    Nach brauchen solltest Du zu gebrauchen, sonst brauchst DU brauchen überhaupt nicht zu gebrauchen

  8. 22.

    Die 10 Mio sind nun für 3 Projekte gedacht. Vielleicht trägt sich das später durch Mehreinnahmen.
    Entscheidend ist aber das dies noch lange nicht ausreichend ist, für die offiziellen Ziele des Landes. Daher die Frage was plant Herr Vogel aus eigener Kraft. Beim Thema Trinkwasser müssen ja nun die Landkreise und Versorger das Heft in die eigene Hand nehmen, wenn aus Potsdam vom zuständigen Ministerium wenig bis gar nichts konkretes kommt. Vielleicht wartet man ja auch diesbezüglich auf Gelder vom Bund.
    Gibt es irgendetwas konkretes aus dem MLUK außer Studien, Ideen und fremdfinanzierte Projekte?

  9. 21.

    Oh, so bekommt das Leuchten eines „hellen Köpfchens“ eine ganz eigene Bedeutung. Also „Heidekind“ hat, im Gegensatz zu Ihnen, die Diskussion nach vorne gebracht. Es zeigt, dass es außerhalb Brandenburgs Erfahrungen gibt. Und weil es diese Erfahrungen gibt, kann man von einem „Woidschken Brandenburger Weges“ nur abraten... aus gutem Grund.

  10. 20.

    Vll. mal aufstehen, Tür öffnen und sich in der Umwelt so umsehen - soll auch schon geübte Frustologen geheilt haben. Bohlenwege in Kernzonen gibt es sogar strahlungsfrei. Hier z.B:
    https://www.lueneburger-heide-attraktionen.de/wandern-pietzmoor-wanderung-schneverdingen.php
    ... und das ist nicht der einzige in diesem Land. Was spricht technisch dagegen, solche Wege breiter anzulegen? Sogar in Großstadtnähe gibt es was ganz feines - https://www.komoot.de/highlight/1176296
    Ich wünsche dann viel Spass in Tschernobyl, bleiben sie gesund und einen schönen strahlungsfreien Sonntag.

  11. 19.

    "....Tourismus ja - aber bitte schonend und für benachteiligte Menschen wäre doch ein Fahrdienst, z.B. mit Pferdekutsche, in die Kernzonen machbar...." Pferdekutschfahrten in die "Kernzone" eines Moores - aha, wieder was gelernt.
    Das wird ja dann ein Andrang werden. Vmtl. 6 Monate vorher anmelden? Und die Kutschfahrt dann durch das unbefestigte Moor, denn Straßenbau wäre ja wieder nicht nachhaltig.
    Den einzigen Tourismus in eine "Kernzone" den ich ich kenne, ist der in Tschernobyl. Die fahren mit Touris in die ehemalige "Kernzone", begehrt bei vielen Briten.

  12. 18.

    Oh, so weit vor geguckt hat im Vogel-Ministerium vermutlich keiner. Ob die überhaupt nachfragen? Die waren scharf auf die Kohle...und irgendeine Panne beim ausfüllen der Förderanträge ist gewiss.
    Und #Mattias fragt nach den Brandenburger Anteil = 0...(!?)

  13. 17.

    Ökologisch heißt immer , weniger Ertrag auf gleicher Fläche! Ich bin da ganz bei Ihnen, aber die Realisierung ist fast unmöglich!
    Ich halte zwei Stämme Hühner, habe 3 Gänse und einen Gemüsegarten!
    Alle federn den gesamten Tag durch den Garten, Baden im Teich!
    Wenn mir die Tiere mal die Erbsen wegsnacken oder die Schnecken den Kohl holen, dann geh ich in den Laden und kaufe zu! Alles kein Problem, aber ich zahle zu, hab jeden Tag Zeit zu investieren und frage mich was wäre, wenn ich davon leben müsste?

  14. 16.

    Die Verantwortlichen brauchen das Rad nicht neu erfinden. Können ja mal gucken kommen:
    https://www.lueneburger-heide.de/natur/artikel/15684/moore-in-der-l%C3%BCneburger-heide.html
    Einfach klasse - aber bitte nicht den Fehler aus Niedersachsen wiederholen. Mit diesen wertvollen und wunderschönen Landschaften ging auch die touristische Erschließung einher. Nun haben wir dort stellenweise ein Freizeitmüllproblem. Negativbeispiel wäre z.B. das Pietzmoor und die Gegend am "Grundlosen Moor" / "Grundloser See". So mancher Dööskopp schert sich 'n Schiet ums Naturschutzgebiet. Tourismus ja - aber bitte schonend und für benachteiligte Menschen wäre doch ein Fahrdienst, z.B. mit Pferdekutsche, in die Kernzonen machbar. Nicht überall muss 'n ortsnaher Parkplatz sein. Nach zehn Jahren und 10 Mio sollten die Örtlichkeiten doch im Groben ökölogisch stabil sein und sich selbst weitestgehend tragen. Aus den möglichen Einnahmen liessen sich doch der Pflegeaufwand zum Teil finanzieren.

  15. 15.

    Tja wieder kein Wort dazu welchen Anteil das Land Brandenburg dabei trägt.
    Brandenburg möchte seine CO2 Bilanz verbessern aber möglichst nur mit den Mitteln vom Bund oder fehlen nur ein paar Infos im Artikel?

  16. 14.

    @ Frau Hermann.....
    Ich sprach von einem gesamtwirtschaftlichen Schaden vieler Betriebe, die jeder mitbezahlt. Hühner und Schweinemast ganz vorne genannt.
    Ja wie soll das gehen? Zum Beispiel mit Verzicht auf Fleisch oder Reduzierung des ungesunden durchschnittlichen Fleischkonsums des Bundesbürgers. Oder Einkaufen nach Bedarf. Ökologischer Landbau ist auch großflächig möglich. Ein Moor beklatschen ist einfach, wenn es keinen persönlichen Verzicht bedeutet. Jeder sollte sein Konsumverhalten mal überdenken.

  17. 13.

    Solange Lebensmittel weggeworfen werden kann es nicht so schlimm sein. Es ist also mehr als genug da!

  18. 12.

    So verkauft man sich, wenn der Bund fast 10 Mille zahlt und man jetzt schon weiß, dass nach 10 Jahren das fremde Geld alle sein wird. Und dann? Trockenlegung bzw. Nichtstun? Die Erfahrungen anderer sind nix wert? Was sagen die Lüneburger? Es stört gewaltig, wenn „Brandenburg will... werden“ und andere dafür zahlen sollen. Fehlt noch: Wir haben bereits...Eine Gute Sache ist in dem Fall viel zu wenig eigene Leistung!

  19. 11.

    Warum keine Förderung für Projekte dieser Art in ganz Deutschland?
    Geld wäre genug da, man muss es nur nicht den Kohlekonzernen hinterher schmeißen.
    Dazu passt gut das die Leag ab 22 den Fluss Kochsa bei Spremberg nicht mehr bespannen will. Das mit Millionen geförderte Naturschutzgebiet ist in Gefahr und die Leag hinterlässt den Schaden, einen von vielen!!!

  20. 10.

    Und wie bitte wollen Sie die Versorgung einer Millionenmetropole wie z.B. Berlin sonst gewährleisten?
    Ich bin gespannt auf Ihre Vorschläge!

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