Einzige Kandidatin gewählt - Julia von Blumenthal ist neue Präsidentin der Humboldt-Universität

Di 15.02.22 | 17:46 Uhr
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Archivbild: Die Präsidentin der Europa-Universität Viadrina, Prof. Dr. Julia von Blumenthal bei ihrer Festansprache am 03.10.2020 zu 30 Jahre Deutsche Einheit. (Quelle: imago images/Winfried Mausolf)
Audio: Antenne Brandenburg | 15.02.2022 | Robert Schwaß | Bild: imago images/Winfried Mausolf

Von Frankfurt (Oder) nach Berlin: Julia von Blumenthal wechselt von der Europa Universität Viadrina an die Spitze der Humboldt-Universität. Ihr einziger Konkurrent hat den Weg für sie frei gemacht.

Julia von Blumenthal ist die neue Präsidentin der Humboldt-Universität zu Berlin (HU). Das Konzil der Hochschule wählte sie am Dienstagvormittag mit klarer Mehrheit ins Amt, sie war die einzige Kandidatin. Von abgegebenen 58 Stimmen entfielen 44 Stimmen auf Blumenthal, 12 Präsidiums-Mitglieder stimmten gegen sie und zwei Stimmen waren ungültig. Die 51-Jährige leitet bisher die Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder). Dort hört sie zum Ende des kommenden Sommersemesters auf, um ihre neue Stelle in Berlin anzutreten. Laut der HU könnte sie zum Wintersemester 2022/23 starten, der genaue Zeitpunkt stehe aber noch nicht fest.

Von Blumenthals Mitbewerber hatte in der vergangenen Woche seine Bewerbung zurückgezogen. Joybrato Mukherjee, Präsident der Universität Gießen, war seiner Aussage zufolge aus dem Wahlverfahren ausgestiegen, weil er nicht einem rein männlichen Präsidium vorsitzen wollte.

Nach dem Rücktritt von Sabine Kunst war die Stelle der HU-Präsidentin frei geworden. Diese wollte mit ihrem Abschied gegen die Reform des Berliner Hochschulgesetzes protestieren und hatte eine Verfassungsbeschwerde im Namen der HU auf den Weg gebracht.

Von Blumenthal kündigt neue Personalstrukturen an

Von Blumenthal ist nun für etwa 38.000 Studierende in 171 Studiengängen verantwortlich, dazu 440 Professuren und mehr als 5.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie ist in 112 Jahren HU-Geschichte die dritte Frau an der Spitze der Universität. "Ich danke dem Konzil und dem Kuratorium der Humboldt-Universität für das in mich gesetzte Vertrauen. Ich freue mich darauf, diese verantwortungsvolle Aufgabe zu übernehmen. Als Universität ist es unsere Aufgabe, Studierenden das Wissen und die Fähigkeiten zu vermitteln, die sie brauchen, um die Gesellschaft der Zukunft mitzugestalten", ließ sich sich die neue Präsidentin in einer ersten Mitteilung zitieren.

Auf der HU-Website heißt es, von Blumenthal halte neben den notwendigen Anpassungen des Berliner Hochschulgesetzes auch etwa die Entwicklung moderner Personalstrukturen für den wissenschaftlichen Bereich für wichtig." Sie verfolgt klar gesetzte Ziele und anspruchsvolle Vorhaben. Damit hat sie das Kuratorium bereits in der Findungsphase sehr überzeugt", sagte Edelgard Bulmahn, Vorsitzende des Kuratoriums der Universität, kurz nach der Wahl zur neuen Präsidentin.

Reaktionen aus der Politik

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) gratulierte von Blumenthal am Dienstag zu ihrer Wahl und dankte ihr für ihre bisherige Arbeit an der Europa-Universität: "Es war eine Freude, mit ihr zusammenzuarbeiten. An der Viadrina in der Doppelstadt Frankfurt (Oder)/Słubice wird sie eine Lücke hinterlassen." Brandenburgs Wissenschaftsministerin Manja Schüle (SPD) bezeichnete von Blumenthal als "Brückenbauerin", die in den vergangenen Jahren wichtige Impulse gesetzt habe. Auch die Berliner Wissenschaftssenatorin Ulrike Gote (Grüne) gratulierte von Blumenthal zur Wahl und nannte sie eine "exzellente Besetzung".

Frankfurts Oberbürgermeister bedauert die Rückkehr von Blumenthals an ihre alte Wirkungsstätte, sieht diesen Schritt aber auch als Chance. Schließlich unterstütze von Blumenthal Frankfurts Bewerbung für das Zukunftszentrum - und das könne sie auch von der Hauptstadt aus, so Wilke: "Ich weiß ganz genau, dass uns Julia von Blumenthal als Unterstützerin der Stadt, als Partnerin und als Freundin erhalten bleibt. Aber hier vor Ort wird sie uns auch fehlen."

Präsidentin bei Frankfurter Studierenden beliebt

Im Oktober 2018 trat von Blumenthal ihr Amt an der Europa-Universität an, mit dem Ziel, die Stahlkraft der Viadrina zu erhöhen. Doch ein Großteil ihrer Amtszeit wird von der Corona-Pandemie beherrscht, die die Uni vor ganz neue Herausforderungen stellt: Online-Lehre und ein deutlicher Rückgang der Studierendenzahlen. Die Studierenden schätzen das Engagement der Präsidentin für ihre Belange während der Pandemie. Einer von ihnen ist der Wirtschaftsstudent Shawkot Hossain. "Ich kann das nicht glauben, dass sie weg geht an andere Uni, weil für uns war sie ganz wichtig. Während Corona hat sie gezeigt, sie ist auf unserer Seite." Auch Ira Helten, Studentenvertreterin vom AstA, bedauert, dass sich die 51-jährige nach dem Sommersemester in Richtung Hauptstadt verabschiedet: "Es gab auch immer ein bisschen dieses ungeschriebene Wort, dass man immer erst redet, bevor man sich in der Öffentlichkeit angeht. Das ist ja an anderen Unis nicht immer so der Fall. Das heißt wir konnten durch diese Zusammenarbeit auch ein paar Projekte verwirklichen."

Auch von Blumenthal konnte trotz Pandemie einige Viadrina-Vorhaben umsetzen. Unter anderem die 2020 eröffnete European New School of Digital Studies, ein Gemeinschaftsprojekt der Viadrina und der Adam Mickiewicz Uni in Poznan. Julia von Blumenthal, so schien es am Dienstag, verlässt die Europa-Universität trotz Freude über die neue Aufgabe in Berlin, auch mit einem weinenden Auge. "Die Leitung der Viadrina ist eine wunderbare Aufgabe, das ist eine ganz besondere Aufgabe, weil sie auch eine Mission hat in der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit, in der Vermittlung nach Mittel- und Osteuropa. Und das ist in diesen Zeiten wichtiger denn je."

Die Europa-Universität sucht nun eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger, noch ist aber nichts über mögliche Kandidaten bekannt.

Rückkehr an die HU

Julia von Blumenthal wurde 1970 im hessischen Marburg geboren und studierte Politikwissenschaft, Rechtswissenschaft und Slavistik in Heidelberg und Hamburg. Sie lehrte in Lüneburg, Gießen und an der Humboldt-Universität zu Berlin. Dort war sie Dekanin der Kultur-, Sozial- und Bildungswissenschaftlichen Fakultät und Professorin am Institut für Sozialwissenschaften. Ihre Arbeitsgebiete sind unter anderem Parlamentarismus, Föderalismus und normative Fragen des Regierens. Im Oktober 2018 wurde sie zur Präsident der Viadrina in Frankfurt (Oder) ernannt.

Sendung: Antenne Brandenburg, 15. 02. 2022, 9 Uhr

5 Kommentare

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  1. 5.

    Das führt zu der Frage, inwieweit es unsolidarisch ist, wenn man seine Möglichkeiten n i c h t genügend nutzt, um ein sehr guter und besserer Einzahler in das Solidarsystem zu sein/werden?

  2. 4.

    Warum wird hier nicht absolut gründlich auf den Rücktritt der Vorgängerin eingegangen ? Es ist doch wohl von Interesse zu erfahren welch Auswirkungen das Bestreben der Frau Prof. Kunst hätte. Wer heute an der Humbo Physik studiert wird zum Ideologen unter der neuen ? Sagt doch mal was da Phase ist.

  3. 3.

    Kann nun mal nicht jeder Maurer oder Installateur werden.
    Gut dass es Menschen in diesem Land gibt deren Intellektueller Anspruch eben etwas höher als der Allgemeine ist.
    Deutschland Land der Dichter und Denker, bitte wenigstens noch ein bisschen.

  4. 2.

    Na bloß gut, dass das völlig unerheblich ist für ihre Befähigung als HU-Präsidentin.

  5. 1.

    "studierte Politikwissenschaft, Rechtswissenschaft und Slavistik in Heidelberg und Hamburg. " Naja, "Rechtswissenschaft", kann sie beispielsweise als Anwältin arbeiten? Oder allgemeiner gefragt, was macht man mit so einem Studium, wenn man nicht an einer (Hoch)Schule unterkommt?
    Was könnte sie als "Slavistikerin" machen?

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