Studie von Krankenkasse - Zahl der Kinder und Jugendlichen mit Depressionen deutlich gestiegen

Mi 23.02.22 | 11:07 Uhr
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Symbolbild: Ein Mädchen sitzt mit hinter dem Kopf verschränkten Händen auf Treppenstufen. (Quelle: dpa/F. May)
Audio: Inforadio | 23.02.2022 | Michael Ernst | Bild: dpa/F. May

Depression ist eine Diagnose, die seit dem Beginn der Pandemie öfter Kindern und Jugendlichen ausgestellt wird. Auch Alkoholmissbrauch und krankhaftes Übergewicht wurden in Berlin und Brandenburg häufiger festgestellt, zeigt eine Studie.

Während der Corona-Pandemie ist die Zahl der neu an Depressionen erkrankten Kinder und Jugendlichenin Berlin und Brandenburg deutlich gestiegen. Das zeigen Zahlen der Krankenkasse DAK-Gesundheit, die am Mittwoch veröffentlicht werden.

In Berlin sei besonders auffällig, dass im ersten Pandemiejahr 2020 bei den 15- bis 17-Jährigen über 17 Prozent mehr Jugendliche als im Vorjahr erstmals mit einer Depression behandelt worden. Bei den Fünf- bis Neunjährigen blieben die Zahlen konstant, bei den Zehn- bis 14-Jährigen gab es demnach hingegen einen leichten Rückgang.

In Brandenburg wurden im selben Jahr rund ein Drittel mehr Mädchen und Jungen erstmals mit einer Depression ärztlich behandelt als im Vorjahr. Besonders betroffen waren Kinder zwischen zehn und 14 Jahren. Bei den Zehn- bis 14-Jährigen war es demnach ein Plus von 33 Prozent, bei den Fünf- bis Neunjährigen von 30 Prozent. Unverändert blieb die Neuerkrankungsquote bei Jugendlichen zwischen 15 und 17.

Daten von mehr als 80.000 versicherte Kindern und Jugendlichen

Der "Kinder- und Jugendreport" der DAK basiert den Angaben zufolge auf Abrechnungsdaten von mehr als 41.000 Kindern und Jugendlichen aus Berlin und rund 40.000 aus Brandenburg, die bei der DAK-Gesundheit versichert sind. Analysiert wurden demnach die Jahre 2019 und 2020. Der Report basiere damit auf Daten von etwa sieben Prozent (Berlin), beziehungsweise zehn Prozent (Brandenburg) aller Kinder und Jugendlichen in den jeweiligen Bundesländern. Hinsichtlich der Alters- und Geschlechtsverteilung sei die Studie repräsentativ, hieß es.

Kinder- und Jugendpsychologin rechnet mit hoher Dunkelziffer

"Das überrascht mich gar nicht", sagte Julia Asbrand, Kinder- und Jugendpsychologin an der Humboldt-Universität zu Berlin mit Blick auf die Zunahme der Depressionen bei Jugendlichen. In ihrem Berufsalltag erlebe sie einen Anstieg der psychischen Erkrankungen bei jungen Menschen. "Da ist ein erhöhter Bedarf in den letzten Jahren, der ständig ansteigt", erklärte sie der Nachrichtenagentur DPA. Dies nur auf Corona zu beziehen, halte sie für zu kurz gedacht. "Es gibt viele Themen, die die Jugendlichen stark umtreiben, die Klimakrise beispielsweise oder globale politische Konflikte."

Tatsächlich, so Asbrand, halte sie die Dunkelziffer bei psychischen Erkrankungen für hoch - auch, weil die Stigmatisierung immer noch ein "ganz großes Problem" in Deutschland sei. Die Expertin forderte mehr niedrigschwellige Angebote besonders in den Schulen - etwa den verstärkten Einsatz von Schulsozialarbeit und Schulpsychologen. "Da ist noch Luft nach oben, wir müssen ganz viel Aufklärung betreiben."

Alkoholmissbrauch drängendes Problem in Berlin

Den DAK-Daten zufolge ist 2020 in Berlin zudem der Anteil der 15- bis 17-Jährigen, die wegen Alkoholmissbrauchs in ärztlicher Behandlung waren, um zwölf Prozent gestiegen. Bundesweit zeigte sich ein entgegengesetzter Trend. Ärztlich behandelter Cannabis-Missbrauch in dieser Altersgruppe nahm sogar um 50 Prozent zu. Bei Adipositas-Erkrankungen war den Daten zufolge bei Kindern zwischen fünf und neun Jahren ein merkliches Plus von 21 Prozent zu verzeichnen.

Adipositas-Erkrankungen in Brandenburg deutlich angestiegen

In Brandenburg wurde 2020 ein deutliches Plus bei Adipositas-Neuerkrankungen besonders bei jüngeren Kindern verzeichnet: Bei Kindern im Grundschulalter zwischen fünf und neun Jahren war es ein Anstieg um 34 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Gleichzeitig ging der Suchtmittelmissbrauch bei Kindern und Jugendlichen zurück.

Detlef Reichel, Landeschef des Berufsverbandes der Kinderärzte/Jugendmedizin, zeigte sich mit Blick auf die DAK-Daten sehr besorgt davon, in welchem Ausmaß psychische und psychosomatische Störungen bei Kindern und Jugendlichen 2020 zugenommen hätten. Er gehe sogar davon aus, dass die Zahlen im Zuge der weiteren Pandemie noch gestiegen seien. Die aufgezeigten Konfliktfelder seien nicht erst durch Corona entstanden, betonte der Experte im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Die Pandemie habe aber wie ein Brennglas gewirkt und diese Probleme noch verstärkt.

Besondere Sorge bereite ihm etwa auch die Entwicklung bei den Adipositas-Erkrankungen. "Wir sehen Kinder und Jugendliche, vor allem aber Kinder, die innerhalb eines Jahres 20 oder 30 Kilo zugenommen haben - zum Beispiel durch Bewegungsarmut und falsche Ernährung", erzählte er.

Sendung: Inforadio, 23.02.2022, 5:30 Uhr

17 Kommentare

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  1. 17.

    Auf die CDU deuten zu wollen, geht überhaupt nicht am Thema vorbei. Bei denen hatte letztes Jahr der Wahlkampf Priorität! Und Spahn war die absolute Fehlbesetzung auf diesem Ministeramt und das nicht erst seit der Pandemie! Und "Freifahrtschein für die Ampel"? Gewohnter Blödsinn ihrerseits.
    Sehen Sie sich diese Sendung an - Hintergrundrecherche, was wo schief gelaufen ist:
    https://www.zdf.de/dokumentation/zdfzoom/zdfzoom-das-corona-chaos-100.html

  2. 16.

    Meine Antwort an Sie wurde mal wieder einkassiert, warum auch immer. Nur soviel: Wenn Sie nicht mal mehr zur Kenntnis nehmen, dass wir Kinder sehr wohl weggesperrt haben, dann liegt der Denkfehler definitiv bei Ihnen. Eine normale Kindheit sieht anders aus und dass wir uns alle einschränken müssen, ist keine Ausrede, dass wir Kinder deutlich stärker eingeschränkt haben, als es gesundheitlich, gesellschaftlich und epidemiologisch notwendig gewesen wäre. Das vollkommen kaputt gefahrene Gesundheitssystem, das Pflegekräfte reihenweise hinwerfen lässt, ist ein anderes Thema.

  3. 15.

    ;-)
    Aber Vorsicht, sonst fragt noch einer wie das ermittelt wurde...
    Die 80/20 Regel gilt auch hier, oder 20/80?

  4. 14.

    Die Fehler haben nicht nur die aktuelle und die Vorgängerregierungen gemacht, sondern auch alle Landesparlamente. Hier quasi auf die CDU deuten zu wollen, geht am Thema vollkommen vorbei. Da hängen alle relevanten Parteien in Deutschland mit drin. Der Ampel hier einen Freifahrtschein ausstellen zu wollen, ist reine Ablenkung. Corona-Politik ist in erster Linie Ländersache!

  5. 13.

    Das "Die meisten Eltern fordern auch was..., reden viel..., essen gemeinsam..., erkennen die Stärken... und lenken behutsam aber stetig..." dürfte heutzutage eher die Ausnahme sein. Ich sehe junge Mütter mit kinderwagenschiebend auf's Smartphone starren, während das Kind vergeblich versucht, mit Blicken und Gesten zu kommunizieren.... Schon kleinste Kinder bekommen zur "Beruhigung" ein Handy mit einem albernen Filmchen in die Hand und dann fällt Schule oder Kita aus und die Mama kriegt n Nervenzusammenbruch, weil sie plötzlich 24/7 das Kind bespaßen muss. Oder: beide Eltern sind berufstätig, na, viele müssen das, man sieht sich abends und am Wochenende, Probleme? Erzähl mir Sonntag davon.... Vieles ist hausgemacht und wurde sicher durch die Pandemie verstärkt, aber Corona und die Politik sind NICHT an allem schuld.

  6. 12.

    Was v.a. sichtbar wurde sind die Konsequenzen eines seit Jahren fehlgeleiteten Gesundheitssystems.
    Außerdem waren in kaum einem anderen Land die Schulen so lange geschlossen, wie in Deutschland.
    Ähnlich verhält es sich mit der Maskenpflicht an Schulen. In den meisten Ländern gab es die nicht.
    Sportvereine geschlossen, Kontaktbeschränkungen.....
    Informieren Sie sich doch bitte bei den Kinderärzteverbänden, die schlagen seit Monaten Alarm.
    Nun haben wir schön die Vorerkrankungen der kommenden Generationen gezüchtet, alles im Sinne der Gesundheit.

  7. 11.

    Sie schreiben ja scheinbar zu fast jedem Thema irgendeinen unreflektierten Quatsch zusammen. Es wurden und werden keine Kinder "weggesperrt", und es ging auch nicht darum, dass sich die vulnerablen Gruppen nicht einschränken müssen. Wir mussten und müssen uns alle einschränken. Aber wir tun dies für Gesundheit und Leben unserer Mitmenschen. Selbstverständlich stellt die Pandemie für Kinder eine enorme Belastung dar. Allerdings werden zu einem erheblichen Teil die Konsequenzen einer Fehlentwicklung sichtbar, die bereits lange vor der Pandemie begonnen hat. Und Panikmache wird eigentlich nur einseitig betrieben, nämlich von den sogenannten Querdenkern und Spaziergängern, BASIS-Partei usw...

  8. 10.

    Auch die Altersstufe 18 und älter dürfte davon betroffen sein. Kann ja nur hoffen, das sie auch unterstützt werden und in den Alltag zurück finden.

  9. 9.

    Fortsetzung: Und die meisten Fehler hat ja wohl von Anfang an die Vorgängerregierung gemacht. Kein Wunder, dass in anderen Ländern die Bevölkerung ihren Regierungen mehr vertraut als bei uns. Die Ampel hatte einen schweren Start und kaum die Gelegenheit, Versäumnisse wieder auszugleichen.
    Außerdem: Warum sind denn bei uns nach meinem Kenntnisstand von den U60-Jährigen erst 60 % geboostert und 16,8 % erst einmal geimpft? Bei den Ü60-Jährigen sind das mehr.
    Eines werden die Kinder von heute jedenfalls lernen: Dass es Ereignisse wie Naturkatastrophen und Krieg geben kann, in denen Meschen sich einschränken müssen. Fragen Sie mal die über 80-Jährigen. Die hatten damals keine Therapieangebote.

  10. 8.

    Sorry, finden Sie nicht auch, dass Sie ziemlichen Blödsinn schreiben? Zeitliches Zusammenfallen von Pandemie und steigenden Zahlen bei psychischen Erkrankungen, Adipositas und Alkoholmissbrauch bei Kindern und Jugendlichen sagt noch lange nichts über einen ursächlichen Zusamenhang aus. Komasaufen, Fastfoodernährung und Mobbing in der Schule und auf social networks, einschließlich dadurch bedingter Suizide, gab es alles vorher schon. Und die Träume sind auch keine pathologische Erscheinung. So arbeiten die Gehirne von höheren Säugetieren nun mal, dass nachts die Tageserlebnisse verarbeitet werden, um entweder im Gedächtnis gespeichert oder vergessen zu werden. Es liegt doch an den Eltern, ob sie bereit und in der Lage sind, die Kinder seelisch aufzufangen.
    An diesem Zustand sind auch nicht die verhängten Maßnahmen Schuld, sondern bedingt nur die Politiker insofern, als dass mehr Rücksicht auf das Geschwurbel der Freiheitsrechtle als auf die Rechte der Kinder genommen wurde. Ff.

  11. 7.

    Interessiert Herrn Lauterbach nicht!! Nur Corona ist wichtig!! Gibt ja nichts anderes mehr!!!! Dafür scheint ein anderer Gesundheitsminister zuständig zu sein!!

  12. 6.

    Wenn es nach Herrn Lauterbach geht, liegt es ja an der Pandemie selbst und nicht an den Maßnahmen selbst.

    Ich sage nur Geimpft + täglich getestet und dennoch Maske und Abstandsgebot während wir erwachsenen uns bald wieder unter 2G+ Bedingungen hautnahe "Tanzorgien" liefern dürfen. Echt schlimm

  13. 5.

    Nein, die Kinder leiden schlicht und ergreifend darunter, dass ihnen die normale soziale Entwicklung seit zwei Jahren "aus Solidarität zu den Alten" verwehrt wird. Im Übrigen, eine Solidarität, die so gar nicht existiert. Wir sperren unsere Kinder weg, um vulnerable Gruppen zu schützen, damit eben vulnerablen Gruppen sich möglichst wenig einschränken müssen. Bei den Kindern entsteht dadurch ein Schuldreflex, an Corona Schuld zu tragen und Oma und Opa zu gefährden. Diese Last kann keine Kinderseele ohne Schaden aushalten und es gibt allein in meinem persönlichen Umfeld Beispiele, bei denen Kinder psychisch Schaden genommen haben, teilweise nachts schreiend aufwachen und davon brabbeln, dass Oma und Oma an Corona sterben müssen. Diese andauernde Panikmache von Politik, Medien und auch vielen Erwachsenen hinterlässt bereits heute schlimme Spuren!

  14. 4.

    Die Pandemie hat uns viel abverlangt. Wenn aber gerade bei Kindern, dass Handy das einzige Spielzeug ist mit welchem sie sich verstehen zu beschäftigen, dann ist der psychologische Zustand für mich nicht verwunderlich.

  15. 3.

    „ Was sind wir für ein armes Land.“
    Oh nein, das Land ist sehr reich, sonst hätten die Menschen in der Pandemie nämlich nicht geschützt und Firmen finanziell unterstützt werden können. Nur einige wenige Menschen fehlt es an etwas, Empathie und Verständnis. Darunter leiden die Kinder.

  16. 2.

    Was sind wir für ein armes Land. Drücken seit 2 Jahren unseren Kindern eine völlig ungesunde, immunschwächende Lebensweise auf und nennen das dann auch noch Solidarität. Erwachsene haben Kinder zu schützen, nicht umgekehrt.

  17. 1.

    Ist das nicht auch ohne Studien klar und warum das so ist? Auch hier gilt die 80/20-Regel. Die meisten Eltern fordern auch was..., reden viel..., essen gemeinsam..., erkennen die Stärken... und lenken behutsam aber stetig...

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