Sturmmarathon - Ylenia, Zeynep, Antonia - Berliner Feuerwehrchef: "Alles bisher Dagewesene wurde überschritten"

Mo 21.02.22 | 16:34 Uhr
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Karsten Homrighausen, Berliner Landesbranddirektor. (Quelle: Christoph Soeder/dpa)
Video: Abendschau | 21.02.2022 | Arndt Breitfeld | Bild: Christoph Soeder/dpa

Die Berliner Feuerwehr zieht ein erstes Fazit der vergangenen Sturmnächte, in dem viele Superlative vorkommen. Feuerwehrchef Homrighausen spricht von einer "Mammutaufgabe" für die Kameraden - und von Rekordzahlen bei den Einsätzen.

Die Berliner Feuerwehr war durch die Stürme der vergangenen Tage zeitweise überlastet. Das habe für den Bereich der sogenannten technischen Gefahrenabwehr gegolten, sagte Feuerwehrchef Karsten Homrighausen am Montag im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses.

Dabei gehe es etwa um die Sicherung und Entfernung umgestürzter Bäume und weiterer Gefahren. Homrighausen sprach von einer "Mammutaufgabe" bei Böen mit bis zu 120 Stundenkilometern. Die Leistungsgrenze sei erreicht worden. "Wir waren also hier ausgelastet, wir waren zeitweise auch vollständig und an manchen Stellen auch etwas überlastet", sagte er.

15.000 Notrufe in 88 Stunden - Rekord

Die Berliner Feuerwehr sei wegen der Stürme seit Donnerstag zu 4.000 Einsätzen ausgerückt. 15.000 Notrufe seien in 88 Stunden eingegangen, was einen Rekordwert bedeute. Sonst seien es 2.500 Notrufe in 24 Stunden. Zeitgleich habe man in der Spitze 1.000 Feuerwehrleute im Einsatz gehabt, darunter viele Helfer der Freiwilligen Feuerwehren. Knapp 150 Feuerwehrfahrzeuge seien besetzt gewesen. Das Ausmaß habe "alles bisher Dagewesene überschritten", so Homrighausen.

Einsatzszenarien mit Blick auf Wetterveränderungen verändern

Bei der technischen Gefahrenabwehr habe man die Grenze der Leistungsfähigkeit erreicht, sagte Homrighausen den Abgeordneten. Insgesamt habe die Feuerwehr seit Donnerstag dreimal den Ausnahmezustand ausgerufen. Dabei habe man die Einsätze priorisieren müssen, am Wochenende habe die Zahl der noch abzuarbeitenden Einsätze zeitweise bei bis zu 600 gelegen. Der Grundschutz bei der Rettung von Menschen oder Bränden sei aber immer sichergestellt gewesen. Homrighausen dankte insbesondere den ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern der Freiwilligen Feuerwehr und anderer Hilfsorganisationen.

Mit Blick auf eine mögliche Wetter-Veränderung sagte er: "Wir beobachten, dass sich die Einsatzszenarien deutlich verändern." In der Vergangenheit habe man diese Art von Stürmen alle zwei oder drei Jahre erlebt. Nun nehme die Häufigkeit und Stärke zu. Zuletzt habe es erst im Januar einen heftigen Sturm gegeben.

Leitstellen in Ostbrandenburg nach wie vor sehr gefragt

Der Sturm in der Nacht zu Montag hat bisher in Ostbrandenburg keine größeren Schäden angerichtet. Allerdings gehen die Notrufe erst jetzt verstärkt ein, sagte ein Sprecher der Regionalleitstelle Nord-Ost in Eberswalde am Montagmittag dem rbb. In Joachimstal und Chorin würden sich Meldungen über umgestürzte Bäume derzeit häufen.

Die Einsatzkräfte hätten auch am Wochenende noch viele Schäden der vorausgegangen Stürme beseitigen müssen. So seien Dachziegel zum Beispiel in Booßen bei Frankfurt herabgestützt und zahlreiche Bäume haben Straßen blockiert. In Frankfurts polnischer Nachbarstadt Slubice war mehrere Tage lang der Strom ausgefallen, hieß es.

Im Nordwesten hat sich Lage ebenfalls beruhigt

In der Prignitz und im Ruppiner Land wurden durch "Antonia" ebenfalls weitaus weniger Schäden verursacht als durch ihre Vorgängerinnen. So musste in Neuruppin (Ostprignitz-Ruppin) ein Lasterfahrer einem Baumstamm ausweichen und blieb im Grünstreifen stecken. Ansonsten hatten Polizei und Feuerwehr über keine nenneswerten Schäden informiert.

Wie die KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen in Oranienburg mitteilte, bewege sich der Schaden der umgestürzten Mauer im sechsstelligen Bereich. Hier war in der vergangenen Woche die Begrenzungsmauer auf 200 Meter Länge durch den Sturm eingestürzt.

Sendung: Inforadio, 21.02.2022, 14 Uhr

28 Kommentare

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  1. 28.

    Also am 21.2. war die Feuerwehr scheinbar nicht mehr überlastet. Da rauschte ein Gerätewagen mit 6 Mann Besatzung und 3 Polizisten im Schlepptau bei einem Haus an, deren Dach in der Nacht vom Freitag auf Samstag abgedeckt wurde, um Sicherungen zu überprüfen. Diese wurden bereits am Samstag von einem Notdienst begonnen.
    Die Feuerwehrleute standen auf Dach nur rum Warteten auf einen Vorgesetzten. Dieser war äußerst putzig und weigerte sich mit dem Dachdeckermeister über weitere Maßnahmen zu reden.

  2. 27.

    Und dann gibt es doch tatsächlich noch Geistesgestörte, die Feuerwehrleute angreifen und deren Arbeit verhindern wollen!

  3. 26.

    Tiefdruckgebiete könnten doch nach Politikern, auch internationalen, benannt werden.
    Für die Hochdruckgebiete könnten doch Namen von Feuerwehrleuten, Ärzten, Lehrern, Erziehern, Pflegern, Krankenschwestern und so genommen werden. Fänd ich fair.

  4. 25.

    Und Meteorologen, Polizisten, Mediziner, Technische Hilfswerker, freiwillige Helfer, Klempner, Apotheker, Elektroinstallateure, Bauarbeiter, Journalisten, Hilfs- und Arzneimittelhersteller, Telekommunikationsanbieter, Seelsorger und garantiert auch noch eine Menge anderer Leute.

  5. 24.

    Tut es leider nicht, aber danke für den Hinweis.

    @ JustABerliner
    Was die vorbelasteten Namen betrifft (Zählen Walter, Erich und Margot übrigens auch dazu?), bin ich frohen Mutes.
    Aber wozu sollte man sich den Namen eines Hoch- oder Tiefdruckgebietes als Nicht-Meteorologe merken?

  6. 23.

    Vielen Dank , liebe Feuerwehrmänner/Frauen !!!!

  7. 22.

    Für die Hochs und Tiefs kann man unter met.fu-berlin.de gegen Entgelt eine Patenschaft kaufen. In diesem Jahr werden für die Tiefs Frauennamen genommen, im nächsten Jahr stellen Frauennamen wieder die Hochs. Obwohl die Sache nicht ganz preiswert ist, steht man offenbar Schlange, wenn man seiner/seinem Liebsten ein Wetter schenken möchte.

  8. 21.

    Früher hatten wir auch schon Stürme! Hören Sie auf mit der Panikmache"
    Und früher hatten wir auch einen Kaiser!!!!!!!!!!!!!!!!!!
    Also keine Panik.
    42

  9. 20.

    Hauptsache, die für Hoch- und Tiefdruckgebiete genutzten Vornamen werden nicht mit historisch "vorbelasteten" Personen in Verbindung gebracht...
    Deren Verwendung müsste man ja dann ablehnen!

    Man könnte die Wetterlagen einfach durchnummerieren ... "Tief 17 wird vom bei den Azoren liegenden Hoch 22 verdrängt"
    - Ist aber auch unübersichtlich und schwer zu merken...

  10. 19.

    Schauen Sie mal auf der Website vom Institut für Meteorologie der FU. Dort bei Wetterpatenschaften. Da finden Sie wunderbar die Historie. Wann, wer, warum und auch Aktuelles. Wenn es Sie denn interessiert.

  11. 18.

    „Früher hatten wir auch schon Stürme!“

    Früher war mehr Lametta!

  12. 17.

    … die Feuerwehr rettet Leben und ist nicht für Holzbeseitigung auf Privatgrundstücken verantwortlich. Abgesehen davon gibt es dafür Versicherungen.

  13. 16.

    Warum soll das die Allgemeinheit bezahlen?! Als Hausbesitzer hat man nun mal mit solchen Kosten zu rechnen wenn man keine Versicherung hat!

  14. 15.

    Früher hatten wir auch schon Stürme! Hören Sie auf mit der Panikmache!

  15. 13.

    Klimawandel = mehr Energie in der Atmosphäre = extremeres Wetter.

  16. 12.

    Ein riesengroßes Lob und Danke an die Einsatzkräfte, die ohne viel Aufhebens davon zu machen, diese Mammutaufgabe gemeistert haben. Ich war echt erschrocken ob der Verwüstung "meiner" 5 Laufparks hier in Dahlem. Das war am Samstag, wo bereits einiges sorgfältig zersägt und beiseite geräumt war. Da ist jetzt sicherlich noch mehr dazu gekommen.
    Hoffentlich gabe es nicht die üblichen Behinderungen durch Gaffer, Lebensmüde und Angriffige.

  17. 11.

    Gern. Da Wetterphänomene keine Personen sind, schlage ich Nummern und Buchstaben vor (z. B. "H" für Hochdruckgebiet, gefolgt von der jeweiligen Zahl).
    Es ist doch albern, sich immer wieder irgendwelche Vornamen für meteorologische Ereignisse einfallen zu lassen (zumal deren Anzahl in Bezug auf Q und die letzten drei Buchstaben des Alphabets ziemlich überschaubar sein dürfte).
    Nebenbei: Auf welchen Namen ist Ihr Toaster getauft?

  18. 9.

    "Aber Vornamen für Wetterlagen sind beknackt."
    Ja, man muss einfach viel höflicher zu Stürmen sein. Erscheint Ihnen "Frau Lehmann" oder "Herr Schmidt" für eine Wetterlage passender? ;)
    Vorschläge werden sicher gern gehört..

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