Seit 2014 - Mindestens 60 Babys kamen in Berlin "vertraulich" zur Welt

Sa 12.02.22 | 12:53 Uhr
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Ein Baby im Krankenhaus. (Quelle: imago images/Cavan Images)
Bild: imago images/Symbolbild/Cavan Images

Seit acht Jahren sind in Deutschland sogenannte vertrauliche Geburten möglich - das heißt: Schwangere werden medizinisch betreut, können das Kind aber trotzdem anonym zur Welt bringen. Auch in Berlin haben sich seitdem einige Frauen dazu entschieden.

In Berlin sind bis Ende 2021 mindestens 60 Babys bei so genannten vertraulichen Geburten auf die Welt gekommen. Das geht aus Zahlen der Senatsverwaltung für Gesundheit ab 2014 hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegen. Zudem gab es in dem Zeitraum 29 anonyme Geburten, und in Babyklappen wurden 42 Säuglinge abgelegt.

"Das Angebot der vertraulichen Geburt spricht sich immer mehr herum. Inzwischen legen auch viele Krankenhäuser den Müttern diese Möglichkeit als Alternative zur anonymen Geburt nahe", berichtet Regina Ruhm vom Adoptionsdienst Berlin.

Daten werden bei Bundesbehörde hinterlegt

Vertrauliche Geburten sind in Deutschland seit 2014 möglich. Der Unterschied zu einer völlig anonymen Geburt: Die verzweifelten Mütter können während der Schwangerschaft und Geburt medizinisch versorgt werden. Die Anonymität der Frauen bleibt trotzdem weitgehend gewahrt - sie können unter einem Pseudonym gebären.

Ihre Daten werden aber beim Bundesamt für Familie hinterlegt. Nach ihrem 16. Geburtstag
haben die Kinder dann das Recht, den Namen der leiblichen Mutter zu erfahren. Diese kann aber auch dauerhaft anonym bleiben, wenn andernfalls ihr Leben oder ihre persönliche Freiheit bedroht ist.

Für die Krankenhäuser bestehe ein Vorteil darin, dass der Bund die Kosten für die Geburt übernehme. Dies sei bei gänzlich anonymen Geburten nicht der Fall, erklärt Ruhm. Auch eine medizinische Begleitung in der Schwangerschaft sei möglich, da auch hier die Kosten übernommen werden. "Die vertrauliche Geburt ist die einzig legale Form, ein Kind anonym zur Welt zu bringen", betont die Adoptionsvermittlerin. Babyklappen und anonyme Geburten seien nicht legal und würden lediglich geduldet.

Sendung: Inforadio, 12.02.2022, 08:50 Uhr

6 Kommentare

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  1. 6.

    Das ist sehr gut und müsste noch mehr bekannt werden. Jedes ausgesetzte Baby ist eines zu viel. Hier wird für die Gesundheit von Mutter und Kind in schwierigen Situationen gesorgt. Dank an Alle, die das ermöglichen.

  2. 5.

    Ups, da fehlt etwas in meinem Satz.
    Es hing darum, einen Brief dem Neugeborenen mitzugeben, welches es zu gegebener Zeit bekommt. Darin kann die Mutter erklären, warum sie das Kind "freigegeben" hat.

  3. 4.

    Gut, dass es für Mütter in der Not diese Möglichkeit gibt. Gut auch, dass die Kinder grundsätzlich die Chance haben, die Namen der Mutter zu erfahren und ggf. Kontak aufnehmen zu können.
    Ich weiß ja nicht, ob es erlaubt ist, aber sicher würden sich auch die meisten Kinder freuen, wenn sie an einem bestimmten Alter erfahren würden, warum ihre "Bauchmutter"*diesen Weg gewählt hat. Dies würde sicher auch nicht die Beziehung zur "Herzmutter"* beeinträchtigen.

    * Diese Begriffe hat eine Freundin für ihre beiden Mütter gewählt.

  4. 3.

    Sind Sie sich so sicher, dass die Möglichkeit einer vertraulichen Geburt wirklich allen Schwangeren in Not bekannt ist? Ich habe durch den Artikel zum ersten Mal davon erfahren. Das Argument "es geht nur ums Geld" ist sicher zutreffend, allerdings für Krankenhäuser durchaus wichtig. Irgendwer muss ja Aufenthalt und Betreuung ja bezahlen. Und wenn bei der vertraulichen Geburt auch Beratung und Betreuung während der Schwangerschaft gesichert ist, dann kommt das sehr wohl Mutter und Kind zugute. Ich finde dieses Angebot sehr, sehr wichtig und richtig.

  5. 2.

    Warum? Wie es aus dem Artikel hervorgeht, geht es ausschließlich um Geld, nicht etwa um Mutter und Kind. Die grundsätzlichen Wege und Verfahrensweisen sind der Zielgruppe doch lange vorher bekannt.

  6. 1.

    Es wäre wünschenswert, wenn die Möglichkeiten mehr publik gemacht werden würden, damit Schwangere in Not nicht auf strafbare Wege ausweichen...

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