Kaum Niederschlag im März - "Man erkennt den Trockenstress zuerst oben im Baum"

Mi 23.03.22 | 06:06 Uhr | Von Oda Tischewski
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Symbolbild: Bäume im Park. (Quelle: dpa/Hauke-Christian Dittrich)
Audio: Inforadio | 23.03.2022 | Oda Tischewski | Bild: dpa/Hauke-Christian Dittrich

Nach einem endlos scheinenden, grauen Winter scheint seit einigen Tagen endlich die Sonne. Aber nicht alle freuen sich über den wolkenlosen Himmel: Leidtragende sind knapp eine Million Bäume in Berliner Straßen und Grünanlagen. Von Oda Tischewski

Strahlend blauer Himmel über dem Kleinen Tiergarten in Moabit. Noch sind die Äste der Bäume im Park kahl, doch langsam werden die Knospen grünlich und schwellen an. Der Frühling steht kurz vor dem Ausbruch – und er ist schon jetzt zu trocken.

"Das erste, was der Baum macht, wenn er neu austreibt, ist, Wasser in die Knospen zu pumpen und die werden dann so richtig dick. Und wenn dann die Blätter kommen, dann kann man erst sehen, ob der Baum Trockenstress hat", sagt Christian Hönig, Fachreferent für Baumschutz beim Berliner BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland): "Ob und wieviel Trockenstress er hat, das hängt unter anderem mit seinem Standort zusammen. Steht er frei in der Sonne, ist da vielleicht eine Glasfassade von einem Gebäude nebenan, die das Sonnenlicht reflektiert, führt da ein Fallrohr von der Regenrinne lang, aus dem Wasser kommt – das kann man nicht so pauschal sagen."

Woran man erkennt, ob Bäume Wassermangel haben

Die Trockenheit über die vergangenen Jahre hat den Wasserreserven Berlins zugesetzt. Und für die Straßenbäume ist das Streuen mit Salz - das kaum verdünnt im Boden landet - eine zusätzliche Belastung. Die reagieren unter anderem mit Reduzierung der Photosynthese - also des Energiebedarfs. In der Folge bilden sie weniger und kleinere Blätter aus, die Krone wird durchsichtig, oder auf den Blätter weisen rostrote Flecken auf eine zu hohe Salzkonzentration hin. Wer nun die Birke oder den Japanischen Schnurbaum vor dem Balkon beobachtet, fragt sich vielleicht: Braucht der jetzt meine Hilfe?

"Man erkennt Trockenstress am besten ganz oben im Baum, da fängt es an, dass der Baum weniger Blätter trägt, die kleiner und heller sind, eingerollt und mit der Zeit betrifft das dann den ganzen Baum", erklärt Christian Hönig. Acht bis zehn Eimer Wasser, einmal die Woche - so viel sollte es schon sein, wenn man dem Baum wirklich etwas Gutes tun will. "Der Boden muss richtig durchfeuchtet sein", so Christian Hönig, "denn das Problem mit Straßenbäumen ist, dass sie ohnehin schon sehr oberflächliche Wurzeln haben. Zu wenig Wasser schadet daher eher."

Wie man den Bäumen in seiner Straße helfen kann

Wer sich nun um den Baum vorm eigenen Fenster kümmern möchte, kann sich zunächst im Internet informieren, zum Beispiel auf der Seite "Gieß den Kiez" [externer Link]. Die Initiative hat eine Karte entworfen, in der ein Großteil der Bäume auf öffentlichen Berliner Flächen eingezeichnet sind, mit Art, Alter und Wasserbedarf.

"Über 2.000 aktive Gießerinnen und Gießer haben berlinweit über 5.000 Bäume über die Anwendung adoptiert und bislang schon 780.000 Liter Wasser vergossen – das ist eine ganze Menge!", erzählt Julia Zimmermann, die als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei "Gieß den Kiez" arbeitet. Demnach wurde auch eine Chatfunktion eingerichtet, wo jeder beitreten kann. "Wir beobachten, dass sich Anwohner austauschen, wer wo gegossen hat, wo eine Pumpe ausgefallen ist oder ähnliches. Wir würden uns wünschen, dass auch die Verwaltung das nutzt und dass man die Aktivitäten aufeinander abstimmt", so Zimmermann. Es nütze nichts, wenn an einem Tag das Grünflächenamt gieße und am nächsten der Anwohner auch nochmal. "Das ist für den Baum nicht gesund. Man kann auch zu viel gießen!"

BUND will Hilfe für Straßenbäume zu Beginn der Austriebsphase

Der Berliner BUND fordert schon seit einiger Zeit einen "Frühjahrsdienst" für die Berliner Straßenbäume, eine Art Extra-Pflegeeinheit mit Dünger und Wasser zu Beginn der Austriebsphase, erklärt Christian Hönig. "Damit würde man den Bäumen einen guten Start ins Jahr ermöglichen."

Sendung: Abendschau, 23.03.2022, 19:30 Uhr

Beitrag von Oda Tischewski

14 Kommentare

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  1. 14.

    Ich gebe nur eine Antwort auf die Steile These, dass was nicht mit dem Klima stimmt. In den 50ern gab es drei Jahre hintereinander so trockene Perioden wie sie jetzt aktuell herrscht. Drei Jahre Trockenheit sind doch schon irgendwie Klima, oder? Sagt man ja auch über heißen Sommer 2018 und 2019…

  2. 13.

    Sie schreiben hier was von zeitlich und örtlich stark begrenzten Wetterereignissen und fragen nach klimatischen Änderungen oder stellen diese dadurch in Frage - reife Leistung.

  3. 12.

    Die Wetterstation in Berlin-Tempelhof hat folgende Niederschlagmengen vom 22.2. bis 23.3. gemessen:
    Jahr 1952: 6mm
    Jahr 1953: 8mm
    Jahr 1954: 7mm
    Jahr 1959: 4mm
    Jahr 1972: 6mm
    Jahr 1984: 7mm
    Jahr 2021: 32mm
    Jahr 2022: 5mm

    Es gab schon immer ziemlich trockene Frühjahre in Berlin. Hat schon immer etwas nicht mit dem Klima gestimmt?

  4. 11.

    Wenn Sie nichts beitragen können oder wollen könnten Sie einfach schweigen. Der Verweis auf Steuern ist für die Bäume relativ wenig hilfreich

  5. 10.

    "Ne intakte Schwengepumpe am Straßenrand (ohne Kette..) könnte da ihren Reiz haben"

    Bei "Giez den Kiez" sind auch die öffentlichen Pumpen (inkl. Status ob der Funktionstüchtigkeit) erfasst.

  6. 8.

    Die Empfehlung ist im Gegenteil - und natürlich nur soweit vorhanden - einen Straßenbrunnen der Notversorgung (also die Wasserpumpe um die Ecke) zu nutzen.

  7. 7.

    Ne intakte Schwengepumpe am Straßenrand (ohne Kette..) könnte da ihren Reiz haben, wer eiert schon gern mit 2 vollen Eimern aus dem DG 3 Etagen nach unten? (*meineKnie*)

  8. 6.

    Es ist eine stabile Omega-Wetterlage. Sowas gab es immer schon. In Athen ist es derzeit kälter als hier, letztes Wochenende hat es dort sogar geschneit.

  9. 5.

    Sinnvoller ist das Gießen allemal. Greenwashing, in dem man den „Nachbarn“ vorschreiben will, wie er zu leben hat, um sich selbst besser zu fühlen oder andere, die man nicht kennt, als NIMBY zu betiteln, ist ja nicht umsonst ein schnell zu durchschauender Charakterzug.

  10. 4.

    Na klar, ich schleppe den mit Wassere voll gefülleten 20 Liter Eimer aus dem 4. Stock Altbau ohne Fahrstuhl nach unten auf die Straße um einen Baum zu gießen. Selten so gelacht. Wofür bezahle ich meine Steuern? Da muss die Bewässerung für das Grün in der Stadt mit drin sein. Sind schließlich hoch genug.

  11. 3.

    Ich kenne noch aus den 70ern wie die Stadt Bäume mit wasserwagen gegossen hat. Warum wurde das eingestellt????
    Das Wetter hat sich nicht geändert, nur die wirtschaft !!! (...)

  12. 2.

    Das etwas mit dem Klima nicht stimmt, das ist jedem klar. Nur helfen diese ganzen Berichte niemanden, denn mal ist es zu heiss, dann zu kalt, wieder ein anderes Mal zu feucht, gefolgt von viel zu mild bei zu wenig Sonne usw.. es wird von allen Seiten immer nur eine Szenario bzw Horror Szenario gezeichnet, aber Maßnahmen dafür bzw. dagegen zeigt keiner ernsthaft auf.

  13. 1.

    Man liest es mit Traurigkeit. Alle ran an die Wassereimer! Es werden ohnehin so viele Bäume gefällt....

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