Berliner Bäderbetrieben fehlt das Geld - Pläne für Multifunktionsbad in Mariendorf auf Eis gelegt

Di 15.03.22 | 12:20 Uhr
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symbolbild: Leeres Becken mit einer Leiter im Stadtbad Lankwitz. (Quelle: dpa/Britta Pedersen)
Audio: Inforadio | 15.03.2022 | Jan Menzel | Bild: dpa/Britta Pedersen

Der Bau eines geplanten Spaßbads in Berlin-Mariendorf ist erst einmal vom Tisch. Die Berliner Bäderbetriebe nennen eine "schwierige finanzielle Situation" als Grund. Nur der Sanierungsstau bei den Frei- und Hallenbädern mache 400 Millionen Euro aus.

Die Berliner Bäderbetriebe verfolgen den Bau des seit 2015 angekündigten Multifunktionsbads in Mariendorf vorerst nicht mehr. Grund für die Entscheidung seien Baukostensteigerungen und eine insgesamt schwierige finanzielle Situation, hieß es.

Wie aus einer Präsentation des Unternehmens für den Sportausschuss des Abgeordnetenhauses hervorgeht, soll nur noch der Bau eines Multifunktionsbades in Pankow vorangetrieben werden. Der Aufsichtsrat der Bäderbetriebe habe die "Konzentration auf ein Bad" vorgeben, heißt es. Die seinerzeit im Siwana-Investitions-Fonds des Landes eingeplanten Mittel von 60 Millionen Euro für zwei Bäder würden inzwischen nur noch für eins reichen.

Lokalpolitiker sauer

Parteiübergreifende Kritik kommt aus dem Abgeordnetenhaus. Der Tempelhofer SPD-Abgeordnete Lars Rauchfuß, in dessen Wahlkreis das Mariendorfer Bad gebaut werden sollte, spricht von einem "Alleingang der Sportverwaltung und der Bäderbetriebe" und betont, dass "über die Investitionsplanung ja wohl immer noch das Parlament zu entscheiden hat".

Auch der CDU-Sportpolitiker Stephan Standfuß will das Aus für Mariendorf nicht einfach hinnehmen. Die Vereine im Bezirk bräuchten das Multifunktionsbad dringend. Als "Minimallösung" müssten auf jeden Fall die Planungen für das Bad zu Ende geführt werden. "Meine Forderung ist aber nach wie vor, dass das Bad wie versprochen auch gebaut wird", so Standfuß.

400 Millionen Euro Sanierungsstau

Die Bäderbetriebe beziffern allein den Sanierungsstau in ihren Frei- und Hallenbädern auf rund 400 Millionen Euro. Die Kosten für Neu- und Ersatzbauten sind hier nicht mitgerechnet und kommen obendrauf.

Allein für das Wellenbad am Spreewaldplatz sind 42 Millionen Euro veranschlagt. Das Vorhaben ist zwar angemeldet, das Geld steht aber noch nicht im Landeshaushalt. Die Sanierung des geschlossenen Stadtbads Charlottenburg (Kosten 31 Millionen Euro) wurde verschoben auf die Zeit nach 2027. Ebenfalls warten müssen das in die Jahre gekommene Kombibad Seestraße und das Stadtbad Lankwitz. Auch hier lautet die Begründung: "wegen fehlender Finanzierungsaussichten".

Sendung: Inforadio, 15.03.2022

14 Kommentare

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  1. 14.

    Ehrlich gesagt, bin ich gar nicht so unglücklich über das gescheiterte Projekt. Es ist teuer, es ist laut und es überfüllt Mariendorf. Ich habe es gerne ruhig und weniger voll in meiner Wohngegend. Das hätte sich mit dem Bau geändert! In meiner Wohngegend ist aktuell schon relativ laut, weil Baumaßnahmen für neue Wohnungen entstehen. Neue Wohnungen werden benötigt, ein neues Schwimmbad - nach meiner Meinung - nicht.

  2. 13.

    Es wird niemals aufhören : Die Milliarden (früher waren es noch Millionen) werden ständig für irgendwelchen Mist rausgeballert. Und das, was wirklich sinnvoll ist , kann dann nicht bezahlt werden. So ist es mit den Straßen und Brücken ebenso wie mit Schulen oder eben auch Schwimmbädern, und vielem mehr. Alles wird so lange kaputtgespart, bis nix mehr geht.
    Unsere Politiker sind eine Schande ! Gute Nacht Deutschland.

  3. 12.

    Ah echt? Wo denn? An den Preis explodierenden Produkten wie Mehl, Brötchen, Brot (Kornkammer Europas). Kartoffeln? Speiseöl? Fleisch, Futtermittel? Dünger, Holz. Lesen Sie auch mal Nachrichten, bevor Sie irgendwo mitdiskutieren? Essen einfach alle weniger oder wie? Die Preiserhöhungen und die darauf auch proportional steigenden Steuereinnahmen fressen das Sparpotential auf. Es wird ja nicht nur Benzin und Gas teurer.
    Wenn Sie die Heizung runterdrehen, dann sparen Sie nicht, sondern die höhere Rechnung fällt nur weniger hoch aus, aber immer noch höher als sonst.
    2 zum Preis von 1 sparen Sie auch nichts, sondern Sie geben Geld aus, weil Sie sparen wollen. Die billigsten Werbetricks.

  4. 11.

    Ganz ihrer Meinung Herr Lindner nimmt pro Liter Diesel 0,91 Cent und bei Benzin 1,08 Euro an Steuern ein. Für den hoch verschludeten Flughafen Berlin/Brandenburg werden Milliarden rausgeschmissen aber für Schwimmbäder ist kein Geld vorhanden ARMES Berlin was für eine Schande. So lernen unsere Kinder bestimmt schwimmen ohne Schwimmbäder.

  5. 10.

    Bricht das Kartenhaus langsam zusammen?

  6. 9.

    Die Rechnung, dass der Staat durch die Spritpreiserhöhungen „dumm und dämlich“ verdient, geht nicht ganz auf. Mitbürger, die jetzt fürs Tanken tiefer in die Tasche greifen müssen, werden sehr wahrscheinlich an anderer Stelle den Konsum drosseln. Die MwSt-Einnahmen werden sich folglich nicht unbedingt erhöhen. Bleiben höchstens die Mehreinnahmen bei der Mineralölsteuer.

  7. 8.

    Nicht nur ihre Bomber auch die Spinnereinen der Grünen und Linken.

  8. 7.

    Wir brauchen mehr Radwege (auf Straßen statt auf 30m breiten Gehwegen) und Betonpoller. Das sind die Bringer. Infrastruktur war gestern.

  9. 6.

    Cool!! Berlin möchte auch F-35 kaufen?? Na Mensch!

    Das wird ein Spaß für unsere Berliner PolizistInnen. In Überschallgeschwindigkeit quer über Berlin.
    Mit dem Landen am Einsatzort wird es zwar schwer, aber darüber sollen sich andere Gedanken machen.

  10. 5.

    F-35 sind wichtiger!

  11. 4.

    Das ist bei den Mieten doch genau dasselbe, will aber keiner wahrhaben. Wohnen kostet aber. Der Senat betreibt Preisdrückerei an allen Enden und dann soll sich das wirtschaftlich darstellen. Offensichtlich ein Traum. Ob Wohnungsgesellschaften, BVG, Bäder.. alles hoch verschuldet, trotz Subventionen.
    Wir leben fett über unseren Verhältnissen und haben uns in diesem Zustand bequem eingerichtet und vor Angst auf Abwahlen wird die Politik daran auch kaum etwas ändern.
    Ich höre Lindner, der durch die Benzinpreise Milliarden zusätzlich einnimmt rumjammern, eine Senkung um 10 Cent brächte ihm 550 Mio "Verlust" eine unverschämte Veräppelung nenne ich das bei den Mrd an Mehreinnahmen durch die hohen Preise.
    Der Preis ist um fast 1 € gestiegen. 2/3, also rund 60 Cent davon gehen auf "seine" Kappe und nun jammert er, dass er davon 10 nicht mehr MEHR bekommt, sondern nur noch 50 MEHR hat.

  12. 3.

    Niemand zwingt die Landesregierung auf die Forderungen der Bürgerinitiative einzugehen und die Enteignung voranzutreiben. Wenn sich vor allem aber die Linke und nachfolgend auch die Grünen für dieses Unterfangen stark machen, müssen sie auch mit den Konsequenzen leben.

    Das man hier aus diversen Gründen in eine bodenlose Kostenfalle läuft, weiß letztlich auch jeder. Der Sanierungsbedarf für die Wohnungen ist gegeben und die Entschädigungszahlungen für die Immo-Unternehmen werden nach langen Prozessen vom Gericht festgelegt und vermutlich nicht den absurden Forderungen der Initiative entsprechen. Alles in allem eine absehbare Milliarden-Verschuldung für das Land Berlin.

  13. 2.

    Was soll man dazu sagen? Der Staat fordert billige Mieten, billige Eintrittspreise, billigen ÖPNV... (selbst aber bei den Spritpreisen rumzicken) scheinbar funktioniert diese Mentalität nicht.

  14. 1.

    So kommts halt, wenn man am falschen Ende - hier Wartung und Instandhaltung spart.
    Am Ende verfällt "das Alte" und man hat kein Kapital "fürs Neue", weil man mit unattraktiven, abgewirtschafteten Bädern weniger Usatz / Gewinn macht.

    Aber die "öffentliche Hand" kann das ja hervorragend, da freut man sich auf die herabzuwirtschaftenden Wohnungen, wenn "Deutsche Wohnen & Co enteignen" greift und tausende Wohnungen unter öffentliche Verwaltung fallen.

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