Berliner Clan-Mitglieder in Dresden angeklagt - Angeklagter bricht Schweigen in Juwelendiebstahl-Prozess

Di 29.03.22 | 19:53 Uhr
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Ein Angeklagter (r) im Prozess um den Juwelenraub im Grünen Gewölbe wird in den Verhandlungssaal geführt (Bild: dpa/Sebastian Kahnert)
Audio: Inforadio | 29.03.2022 | Jessica Wiener | Bild: dpa/Sebastian Kahnert

Seit Ende Januar wird sechs Berliner Clan-Mitgliedern in Dresden der Prozess gemacht. Sie sollen Juwelen aus dem Grünen Gewölbe gestohlen haben. Bisher schwiegen sie - doch nun hat ein Angeklagter ein überraschendes Geständnis abgelegt.

Einer der sechs Angeklagten im Prozess um den Juwelendiebstahl aus dem Historischen Grünen Gewölbe Dresden Ende 2019 hat überraschend sein Schweigen gebrochen. In der am Dienstag im Landgericht von seinem Verteidiger verlesenen "Erklärung zur Sache" gab der 28-Jährige aus Berlin zu, sich an der Vorbereitung des Einbruchs vom 25. November 2019 in das Museum im Residenzschloss beteiligt zu haben.

Er werde sich bei den Angaben zu den Ereignissen nur darauf beschränken, "soweit ich involviert war". Zur Tatbeteiligung Anderer werde er sich nicht äußern, stellte der Rechtsanwalt Kai Kempgens voran. Sein Mandant beantwortete keine Fragen.

Angeklagt sind in Dresden sechs Männer zwischen 23 und 28 Jahren - und zwar wegen schweren Bandendiebstahls, Brandstiftung und besonders schwerer Brandstiftung. Die Deutschen stammen aus einer bekannten arabischstämmigen Berliner Großfamilie.

Angeklagter sollte Mietwagen besorgen

Dem Geständnis nach wurde der 28-Jährige am 20. November 2019 von einem der späteren Täter, "der auch der maßgebliche Tatplaner war", angesprochen. "Er fragte, ob ich mich beteiligen wollte an dem Einbruch", der sei gut vorbereitet, der Plan genial und die Beute fett.

Er habe dann auf Anweisung einen Mietwagen besorgt, mit dem er und zwei Andere dann am Abend nach Dresden fuhren. "Die waren schon länger involviert und kannten sich vor Ort aus." Erst da habe er erfahren, dass aus dem Grünen Gewölbe "Juwelen von großem Wert" gestohlen werden und er dabei "mit Anderen auf der Straße und vor dem Einstiegsfenster agieren" und die Beute verladen sollte.

28-Jähriger streitet Beteiligung in Tatnacht ab

Kurz vor Mitternacht seien sie dann über die Schlossmauer gestiegen, um die Sichtverhältnisse und Fluchtmöglichkeiten am ausgesuchten Einstiegsfenster ins Museum zu checken. Ihm sei erklärt worden, dass das Gitter ein paar Tage zuvor präpariert worden sei.

Am Abend des 24. November fuhr er dann mit Anderen auf dem Weg zum verabredeten Treffpunkt in Berlin-Tempelhof, als das Auto von einer Polizeistreife angehalten, seine und die Personalien der Anderen aufgenommen und Einbruchwerkzeug im Kofferraum festgestellt wurden. "Für mich war klar, dass die Sache damit vorbei war, das Risiko schien mir zu hoch." Er sei dann ausgestiegen. "Die Tat wurde unabhängig von mir und ohne mich begangen."

Beute mit Gesamtwert von über 113 Millionen Euro

Die sechs Angeklagten sollen am frühen Morgen des 25. November 2019 aus dem berühmten barocken Schatzkammermuseum 21 Schmuckstücke mit insgesamt 4.300 Diamanten und Brillanten im Gesamtwert von über 113 Millionen Euro gestohlen und zudem weiteren Sachschäden in Höhe von über einer Million Euro hinterlassen haben. Ihnen wird auch vorgeworfen, einen Stromkasten in der Altstadt sowie in der Tiefgarage eines Wohnhauses ein Fluchtauto angezündet zu haben.

Überwachungsvideo hielt Einbruch fest

Sechs Nächte zuvor haben sich drei Personen fast eine halbe Stunde unbehelligt am späteren Einstiegsfenster zu dem Museum im Residenzschlosses aufgehalten. Auf einem Video der Polizei, das am Vormittag des Verhandlungstages gezeigt wurde, ist zu sehen, wie sie am 19. November 2019 um 2.42 Uhr über die Mauer vor dem Westflügel kletterten - mit großen Taschen. Zu sehen sind in dem Video auch noch andere Personen, allerdings nicht scharf.

Zunächst nähern sich in dem knapp einstündigen Film mehrere Personen zu Fuß vom Theaterplatz, sitzen dann minutenlang auf den Treppenstufen zur Schinkelwache und schauen über die Straße auf den Schloss-Westflügel. Weitere dunkel gekleidete Menschen kommen dazu, gehen wieder weg, bis schließlich drei Personen mit den Taschen auf die Mauer am nordwestlichen Eckturm zugehen, die in die Umzäunung des Schlosses mündet. Erst sind noch ihre Schatten an der Fassade des Fensters zu sehen, dann verschluckt sie die Dunkelheit in der Ecke - bis auf zwischenzeitliche Lichtblitze. Erst um 3.09 Uhr sind sie zurück - und gehen mit vier anderen davon.

Der Prozess wird am 5. April fortgesetzt.

Sendung: rbb24-Inforadio, 29.03.2022, 18:40 Uhr

1 Kommentar

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  1. 1.

    Gut so!
    Schadensersatz - Geldstrafe - Wegsperren
    Alles unsoziale ... - Wie soll man denn Kriminelle sonst bezeichnen ; )
    Kann ja schließlich nicht angehen, dass der gesetzestreue Bürger am Ende der "Dumme" ist.

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