Trockenheit - Zahl der Waldbrände in Brandenburg hat sich im März verfünffacht

Mi 23.03.22 | 06:06 Uhr | Von Roberto Jurkschat
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Ein Fahrzeug der Feuerwehr Oberhavel fährt auf dem sandigen Weg durch ein Wald (Quelle: dpa-Zentralbild/Soeren Stache)
Audio: Inforadio | 23.03.2022 | Interview mit Waldbrandschutzbeauftragtem Raimund Engel | Bild: dpa-Zentralbild/Soeren Stache

Die Gefahr von Flächenbränden und Waldbränden ist schon seit Anfang März deutlich erhöht. Wenige Monate vor Sommerbeginn fehlen in vielen Waldgebieten Brandenburgs nahegelegene Löschwasserstellen. Von Roberto Jurkschat

Die Gefahr von Wald- und Flächenbränden in Brandenburg ist nach den trockenen ersten Märzwochen landesweit auf die Gefahrenstufe 4 von 5 gestiegen. Das meldete der Landesbetrieb Forst am Dienstag auf seiner Internetseite (mluk.brandenburg.de).

Mitarbeiter des Landesbetriebes, die in engem Austausch mit dem Deutschen Wetterdienst stehen, erwarten "keine durchgreifende Wetteränderung" bis Ende des Monats, wie der Waldschutzbeauftragte des Landes, Reimund Engel, im Gespräch mit rbbl24 sagte. Man gehe davon aus, dass die Waldbrandgefahr in den kommenden Wochen hoch bleibe.

Fast fünfmal mehr Waldbrände als im März 2021

"Im März hatten wir eine Kombination aus Frost, Sonneneinstrahlung und Wind. Das hat viel Feuchtigkeit aus den Böden gezogen", sagt Engel. Insbesondere auf Freiflächen, wo die Verdunstung von Wasser aus oberen Bodenschichten besonders stark sei, könnten sich Feuer rasch ausbreiten. Weil die meisten Bäume im Moment noch keine schattenspendenden Laubkronen tragen, verdunstet die Bodenfeuchtigkeit aber im Moment tagsüber auch in Waldgebieten - obwohl die Temperaturen in der Nacht zuletzt noch vielerorts um den Gefrierpunkt lagen.

Allein seit Monatsbeginn hat der Landesforstbetrieb 18 Waldbrände verzeichnet - fast fünfmal so viele wie im gesamten März 2021, damals wurden gerade einmal 4 Brände registriert.

Bei Bloschwitz (Oberspreewald-Lausitz) brannte vor zwei Wochen Waldboden auf 5.000 Quadratmetern. In Welzow (Spree-Neiße) breitete sich am Sonntag ein Feuer auf einem Hektar Boden aus. Ebenfalls am Sonntag rückten Feuerwehren zu einem Großeinsatz auf einem ehemaligen Flugplatz in Rangsdorf (Teltow-Fläming) aus: Öd- und Grasland waren in Brand geraten, zwischenzeitlich standen 17 Hektar Freifläche in Flammen.

Aufforstung in Gefahr

Ein Grund, weshalb Feuer in Brandenburg seit 2018 eine Fläche von mehr als 3.175 Hektar Wald zerstört haben, ist die Trockenheit in den tiefen Bodenschichten. Der Regen in den Wintermonaten habe am Wassermangel nicht viel geändert, sagt Engel. Ein wirksamer Schutz der Wälder werde dadurch immer schwerer.

Der Landesforstbetrieb habe in diesem Jahr etwa damit begonnen, die großen Kiefernwälder in der Region mit Laubbäumen aufzuforsten. Die derzeitige Dürre könnte diese Bemühungen schon bald zunichte machen. "Wir haben mit großem Einsatz Laubbäume gepflanzt, aber die jungen Bäume leiden jetzt natürlich massiv", sagt Engel. Es sei nicht klar, ob die frisch gepflanzten Laubbaumbestände das trockene Frühjahr überleben.

Waldbrandüberwachung im März gestartet

Nach den schweren Waldbrandjahren 2018 und 2019 ist Brandenburg technisch inzwischen besser gegen Waldbrände gewappnet. Seit März 2021 überwachen 108 Sensor-Kameras in Forstgebieten, wann und wo eine Rauchwolke über den Baumwipfeln aufsteigt. Die Daten werden automatisiert in die neu eingerichteten Waldbrandzentralen in Eberswalde und Wünsdorf übermittelt. Auch in diesem Jahr haben die Zentralen ihre Arbeit im März begonnen.

Außerdem hat die rot-schwarz-grüne Landesregierung zuletzt 35 spezielle Tanklöschfahrzeuge an Feuerwehren des Landes übergeben. Das Land überwies den Kommunen für die Anschaffung der Fahrzeuge achteinhalb Millionen Euro, wie das Innenministerium auf Anfrage von rbbl24 erklärte.

Ausbau von Löschwasserbrunnen läuft schleppend

Allerdings haben die schweren Fahrzeuge der Einsatzkräfte immer wieder Schwierigkeiten, mit Löschfahrzeugen durch das unwegsame Gelände zu den Brandorten vorzudringen. Deshalb sollen in den nächsten Jahren deutlich mehr befestigte Waldwege durch den Landesforst gebaut werden.

Ein anderes Problem, mit dem die Feuerwehren in den vergangenen Jahren zu kämpfen hatten, ist die Versorgung mit Löschwasser. Immer wieder mussten Leitungen über mehrere Kilometer gelegt werden. Damit Feuerwehren im Notfall überall Löschwassernachschub aufnehmen können, müssen deutlich mehr Brunnen gebaut werden. Im Gespräch mit rbbl24 sagte der Waldschutzbeauftragte, Reimund Engel, der Landesforstbetrieb habe in den Wäldern einen Bedarf von 700 weiteren Löschwasserstellen ermittelt, idealerweise sollten Brunnen mit einer Tiefe von 20 bis 30 Metern entstehen.

Der Ausbau des Brunnennetzes gehe derzeit aber nur langsam voran, weil Waldbesitzer - meist Kommunen oder Privatpersonen - für den Bau finanziell in Vorleistung treten müssen. Ausgaben werden durch die EU erst rückwirkend erstattet.

135 Brunnen in landeseigenen Wäldern geplant

"Wir müssen sehen, wie wir den Ausbau dieser Schutzmaßnahmen in Zukunft gestalten, denn viele Waldbesitzer können diese fünfstelligen Beträge für den Brunnenbau nicht mal eben zahlen", sagt Engel. "Inzwischen haben wir auch sehr viele Besitzer von kleinen Waldstücken. Die fragen sich auch, warum ausgerechnet sie einen Brunnen in ihrem Forstgebiet bauen sollen. Das ist natürlich auch schwer zu vermitteln."

Wichtig sei deshalb, dass das Land den Bau neuer Löschwasserentnahmestellen in den eigenen Waldgebieten möglichst schnell umsetze. Von den 700 geplanten Anlagen befinden sich 135 in den landeseigenen Wäldern.

Der Bau dieser Brunnen werde zwar ebenfalls durch die EU gefördert, allerdings sei das Procedere zum Teil sehr bürokratisch, sagt Engel. "Das sollte in Zukunft ein bisschen vereinfacht werden. Letztlich geht es darum, das Land vor schweren Katastrophen zu schützen."

Sendung: Brandenburg aktuell, 23.02.2022, 19:30 Uhr

Beitrag von Roberto Jurkschat

10 Kommentare

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  1. 10.

    Schade, dass Sie sich die Antragsunterlagen von Tesla im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung nicht angeschaut haben haben. Darin wird nämlich nachgewiesen, dass dem Boden jetzt mehr Wasser zugeführt wird als das vorher in dem grundwasserschädlichen Kiefernnutzforst der Fall gewesen ist. In Bezug auf Tesla-eigenen Brunnen sind Sie einer bewussten Falschinformation aufgesessen. Die "entziehen" im laufenden Betrieb selber gar nichts.

  2. 9.

    Hierzulande vermutlich mehr, denn Waldbrände aufgrund von Blitzeinschlägen dürften nicht soooo häufig sein und aktive Vulkane gibt es zumindest in Mitteleuropa auch nicht massenhaft (hab im Grunewald nachgekuckt).
    Doch auf welche Weise meistens?

  3. 8.

    85 Prozent aller Wandbrände sind Bzw werden von den Menschen selber erzeugt

  4. 7.

    Und dann kommt Elon Musk und baut Tesla und entzieht dem Boden noch mehr Grundwasser und alle freuen sich.

  5. 6.

    Bei uns im Havelland sind weite Flächen mit Monokulturen der Forst- und Agrarindustrie bepflanzt - die den Boden zusätzlich austrocknen. Westwind ist die Hauptwindrichtung in Berlin und Brandenburg - das heißt, warme trockene Luft aus Prignitz, Ostprignitz-Ruppin und Havelland verteilt sich über ganz Berlin-Brandenburg.

  6. 5.

    So schwarz wie Sie würde ich nicht sehen. Die anthropogenen Steppen, die gerade zum Feierabend mit enorm viel Wasser versorgt werden, werden hoffentlich nicht zu extrem zunehmen. Dabei sollten Sie den schädlichen Einfluss der brandgefährlichen Kiefernmonokulturen auch nicht außer Acht lassen. Wer wegen der geringeren Erträge seinen Kiefernforst nicht umbauen will oder kann, muss dann eben in Löschbrunnen investieren. Hierzu gehören aber die Förderverfahren vereinfacht.

  7. 4.

    Bitte nicht vergessen: kein Handynetz - kein Anruf bei 112. Es gibt bei uns Stellen, da geht nichtmal nen Notruf! Und WER soll da hinkommen, wenn seit Pandemie dauernd die FW-Ausbildung verboten wird? Sind das die neuen Friseure? Jetzt versuchen wir, bis Sommerferien alle Newies durch den Truppmann zu prügeln, damit sie dann im Sommer mit dürfen. Bevor wieder alles verboten wird. Online-Wache ersetzt nämlich keinen Unterricht am Gerät... Läuft bei uns - leider zu oft gegen die FFW :-/

  8. 3.

    Sie verwechseln da etwas: Es sind die Kiefernmonokulturen, die die Trockenheit befeuern und brandgefählich sind.

    Bei den schön grünen Rasenflächen kann man dabei in der Tat den Eindruck bekommen, dass es Wasser ohne Ende gibt. In Kalifornien malt man den Rasen lieber an als Unmengen von Wasser darüber verdunsten zu lassen..

  9. 2.

    Elon Musk sagt: "There is lots of water everywhere" und nutzt die letzten Tropfen der zukünftigen Savanne namens Brandenburg für die Wirtschaftsbelebung. Nicht das Tesla am Drama noch was ändern könnte. Die Brandenburger feierten ihn gestern innig und schimpften auf die lebensmüden, arbeitsscheuen Aktivisten auf der A10. Die nächsten Waldbrände werden den Mob weiterhin nicht zum Denken anregen. Ist doch so schön, wie die Sonne jeden Tag scheint, fast wie in Nordafrika.

  10. 1.

    In diesem Artikel ist viel von feuerbegünstigenden Faktoren die Rede.
    Was ich jedoch darin vermisse, sind die BrandURSACHEN.
    Ich gehe oft in Berlins Wäldern spazieren und sehe dort natürlich auch andere Spaziergänger.
    Und ich kann mich nicht entsinnen, dass davon jemals auch nur EINER geraucht oder irgendwer irgendwo illegal gegrillt hätte.
    Was also sind in Deutschlands Wäldern die hauptsächlichen Brandursachen?
    Lagerfeuer? Brandstiftung?
    Und wie sollte man sich verhalten, wenn man derlei bemerkt?
    Wie kann man Polizei oder Feuerwehr den jeweiligen Standort melden, wenn man ihn nicht genau kennt und es womöglich nichtmal eine Telefonverbindung gibt?

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