Niedrige Löhne, fehlende Perspektiven - "Werkstätten für Behinderte sind Einbahnstraßen"

So 27.03.22 | 16:57 Uhr | Von Fabian Stratmann
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Ein Mann arbeitet in der Metallabteilung der Lebenshilfe Gera e.V. und bohrt dort ein Gewindestück. (Quelle: dpa/Bodo Schackow)
Bild: dpa/Bodo Schackow

Für Menschen mit Behinderungen ist es oft schwer, auf dem Arbeitsmarkt anzukommen. Werkstätten sollen Übergänge ins Arbeitsleben ermöglichen. In der Realität wird diese Inklusion aber durch das System verhindert. Von Fabian Stratmann

Mit Arbeit im Akkord kennt Lukas Krämer sich aus. Fünf Jahre lang hat der heute 28-Jährige Wasserhähne montiert. Täglich hat er sie zusammengeschraubt, poliert und verpackt. Fünf Jahre lang hat Lukas dafür am Ende des Monats 200 Euro überwiesen bekommen. "Das ist Ausbeutung, davon kann kein Mensch leben", fand Lukas Krämer schon damals. Heute fordert er auf seinem Youtube-Kanal, dass seine ehemalige Arbeitsstelle, eine Werkstatt für Menschen mit Behinderungen, abgeschafft wird.

Portrait von Lukas Stolz. (Quelle: Anne-Sophie Stolz)
Lukas KrämerBild: Anne-Sophie Stolz

Werkstätten sollen Menschen in den Arbeitsmarkt vermitteln

Lukas Krämers Beispiel ist dabei nur eines von vielen. Über 300.000 Menschen arbeiten in Deutschland in Werkstätten für Menschen mit Behinderungen, etwas mehr als 8.000 davon in Berlin. Die Tendenz ist seit Jahren steigend. 99 Prozent der Menschen, die einmal in einer Werkstatt ankommen, lernen im Laufe ihres Lebens keinen anderen Arbeitsplatz mehr kennen. Dabei sind Werkstätten eigentlich nur als Übergangslösung vom Gesetzgeber gedacht.

Menschen, die wegen ihrer Behinderung noch keinen Arbeitsplatz finden, sollen dort gefördert und anschließend in eine reguläre Stelle vermittelt werden. Die Chancen stünden prinzipiell auch gut, immerhin verpflichtet der Gesetzgeber Unternehmen mit mehr als 20 Beschäftigten, 5 Prozent aller Arbeitsplätze mit schwerbehinderten Menschen zu besetzen.

Vorurteile bremsen Einstellung aus

Die Realität stellt sich allerdings anders dar. Zwei Drittel aller Unternehmen in Berlin erreichen die 5-Prozent-Quote nicht, 40.000 Unternehmen in Deutschland haben nicht einen einzigen Arbeitsplatz mit einem schwerbehinderten Bewerber besetzt. Christine Braunert-Rümenapf, Berliner Beauftragte für Menschen mit Behinderungen, sieht darin das Resultat hartnäckig bestehender Vorurteile: "Eine Behinderung wird oft lediglich mit eingeschränkter Leistungsfähigkeit gleichgesetzt. Viele denken immer noch, Menschen mit Behinderungen seien häufiger krank oder unkündbar und stellen deswegen nicht ein. Das ist falsch, und für die Vorurteile gibt es statistisch gesehen gar keine Belege."

Wenn Unternehmen nicht einstellen, drohen ihnen zwar Ordnungsgelder und weitere Strafzahlungen. Für Menschen mit Behinderungen bleiben Werkstätten dann häufig aber trotzdem die einzige Alternative, um überhaupt am Arbeitsleben teilhaben zu können. Der Gesetzgeber definiert Teilhabe dabei explizit auch finanziell. So sollen Werkstätten zwar in erster Linie Menschen auf den regulären Arbeitsmarkt vorbereiten und dorthin vermitteln. Solange sie aber noch in den Werkstätten arbeiten, sollen sie auch an den erwirtschafteten Gewinnen beteiligt werden. Gewinne, die entstehen, wenn Werkstätten zum Beispiel im Auftrag von Unternehmen Wasserhähne verschrauben, prüfen, polieren und verpacken.

Werkstätten als Einbahnstraßen im Arbeitsleben

Tatsächlich funktioniert die Umsetzung des Auftrages jedoch schon seit langem nicht. "Werkstätten sind Einbahnstraßen. Da kommen behinderte Menschen zwar rein, aber nicht mehr raus. Da wird zum Teil über Jahrzehnte auf Dumpinglohnniveau für große Unternehmen gearbeitet, ohne dass die Menschen von den Gewinnen etwas hätten", kritisiert etwa Sigrid Arnade, ehemalige Geschäftsführerin der "Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e.V.".

Eine erste Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales bestätigt die Kritik. Die Übergangsquoten von Werkstätten in Unternehmen liegen konstant deutlich unter einem Prozent. Die monatlich ausgezahlten Beträge lagen in Berlin zuletzt im Schnitt bei 189,31 Euro. Wie hoch die Gewinne der Werkstätten in derselben Zeit gewesen sind, lässt sich nicht sagen. Offenlegen müssen sie ihre Gewinne nämlich nicht.

Profite auf Kosten der Teilhabe?

Für Sigrid Arnade ist dies schon ein wesentlicher Grund dafür, warum Menschen mit Behinderungen dauerhaft in einer Werkstatt hängen bleiben. "Wenn die Gewinne nicht bekannt sind, sind die Werkstattleitungen doch überhaupt nicht motiviert, ihre besten Leute gehen zu lassen. Die sind schließlich für den finanziellen Erfolg der Werkstätten verantwortlich." Auch Lukas Krämer, der aufgrund einer Hirnhautentzündung im Kindesalter Probleme beim Sprechen, Lesen und Schreiben hat, hat während seiner Zeit in der Werkstatt keine Angebote bekommen, außerhalb der Werkstatt Fuß zu fassen.

"Es wurde mir immer gesagt, wenn Du dir ganz viel Mühe gibst, dann können wir vielleicht mal schauen. Vorher musst du aber unbedingt noch weitere Fähigkeiten entwickeln." So blieb Lukas weitere Jahre in der Werkstatt und stellte seine Fähigkeiten weiterhin beim Schrauben, Prüfen, Polieren und Verpacken unter Beweis. Das Unternehmen, für das er gearbeitet hat, hat er dabei nicht kennengelernt. Druck auf die Werkstatt, Lukas zu vermitteln, gab es von Seiten des Gesetzgebers nicht.

Beschwerden werden lauter

In den Sozialen Medien wurde die Kritik am System Werkstatt, insbesondere an der Ausweglosigkeit und den niedrigen Löhnen zuletzt immer lauter. Dazu äußern wollte sich die Bundesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten auf Nachfrage des rbb zunächst nicht.

Dass die Werkstätten trotz aller Kritik derweil immer größer werden, liegt auch daran, dass viele Seiten davon profitieren können.

Erfüllen Unternehmen die gesetzlich festgeschriebene 5-Prozent-Quote nicht, müssen sie Ausgleichsabgaben zahlen. Bis zu 360 Euro im Monat werden so pro unbesetztem Arbeitsplatz fällig. Eigentlich ein Instrument, um die Quote auch durchzusetzen. Allerdings: Beauftragen Unternehmen Werkstätten mit der vergleichsweise günstigen Produktion, etwa von Wasserhähnen, können sie die in der Werkstatt entstehenden Lohnkosten auf ihre fälligen Ausgleichsabgaben anrechnen lassen beziehungsweise diese umgehen.

Auf diese Weise hat beispielsweise Lukas mit seiner Arbeit in der Werkstatt einem Wasserhahnhersteller über Jahre dabei geholfen, fällige Abgaben zu reduzieren. Abgaben, die der Hersteller ja eigentlich hätte zahlen müssen, weil er Menschen mit einer Behinderung wie Lukas eben nicht einstellen wollte.

Internationale Kritik am deutschen Werkstattsystem

Die Vereinten Nationen haben Deutschland bereits aufgefordert, das System Werkstatt abzuschaffen. Die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am Arbeitsleben werde so dauerhaft verhindert. Noch ist ein Ende allerdings nicht in Sicht. Noch gibt es aber auch keine staatlich organisierte Alternative, die die mehr als 300.000 Menschen vor einem Gang in die Massenarbeitslosigkeit bewahren würde, sollten Werkstätten von heute auf morgen wirklich geschlossen werden.

Jürgen Dusel, der Bundesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen, hat der Bundesregierung im vergangenen Jahr vorgeschlagen, den Druck auf die Unternehmen zu erhöhen, ihren Pflichten zur Einstellung auch nachzukommen: "Für mich gilt da wirklich eine Null-Toleranz für Null-Beschäftiger. Wir müssen die Ausgleichsabgaben wirklich deutlich erhöhen und gegebenenfalls auch konsequent Ordnungswidrigkeitenverfahren einleiten." Eine Ausgleichsabgabe in Höhe von 750 Euro hat Dusel der Ampel-Koalition vorgeschlagen. Beschlossen ist das noch nicht. Fraglich bleibt auch, ob eine höhere Ausgleichsabgabe am Ende nicht dazu führt, dass Unternehmen in einem noch größeren Umfang Aufträge an Werkstätten mit Behinderungen vergeben, um die fälligen Abgaben wieder zu reduzieren.

Alternativen entstehen nur langsam

In Berlin haben sich unterdessen erste Alternativen zu Werkstätten entwickelt. Das Berliner "Netzwerk für Betriebliche Integration und Sozialforschung" (BIS e.V.) setzt beispielsweise von Beginn an auf Kontakte zwischen Unternehmen und Menschen mit Behinderungen. "Unser Lernort ist eben nicht mehr die große Werkstatt, sondern der Betrieb selbst. Wir haben beispielsweise eine junge Frau, die wir in einer Bibliothek schulen. Hier lernt die Frau vor Ort, wie so ein System funktioniert, wo Bücher einsortiert werden müssen, und das im direkten Kontakt mit Kollegen", beschreibt Saskia Perthel von BIS e.V. den Ansatz ihrer Arbeit. Das sei auch wichtig, um Ängsten auf Seiten der Arbeitgebenden begegnen zu können. "Viele stellen auch nicht ein, weil sie Angst haben, am Ende überfordert und allein zu bleiben. Wir können da helfen und gemeinsam einen Weg beschreiten. Gemeinsam mit den Unternehmen und den Menschen mit einer Behinderung. Auch die haben ja oft Ängste, wenn sie seit der Schule nur unter ihresgleichen aufgewachsen sind."

Zentraler Baustein bei BIS: Jobcoaches, die Menschen mit Behinderungen in Betriebe begleiten. "Wenn die Unternehmen wissen, dass es feste Ansprechpartner gibt, die auch erreichbar sind, falls etwas nicht gleich klappt, gehen die Türen oftmals weit auf. Dann lassen sich viele Unternehmen viel schneller auf eine Reise ein, in der geschaut werden kann, wo Tätigkeiten auch von Menschen mit Behinderungen übernommen werden können."

Das Geld für die Jobcoaches und die Vermittlungsarbeiten des Vereins kommt unter anderem von den Agenturen für Arbeit. Geld, das bislang in aller Regel noch an Werkstätten überwiesen wird. Der Weg bis zur offiziellen Anerkennung des Vereins sei schwer, lang und voller bürokratischer Hürden gewesen. Die Vermittlungsquote könne sich nun aber sehen lassen. Mehrere Kleingruppen habe BIS e.V. bislang begleitet. Über 70 Prozent von ihnen seien nun in einem Unternehmen angekommen.

Sendung: Abendschau, 23.03.2022, 19:30 Uhr

Bezahlung in den Werkstätten

Rechtlich gesehen handelt es sich bei Werkstätten für Menschen mit Behinderungen nicht um Arbeitgeber im eigentlichen Sinne, sondern um Fördereinrichtungen. Diese werden beispielsweise von den Agenturen für Arbeit oder der Rentenversicherung finanziert (Eingliederungshilfe). Etwa fünf Milliarden Euro fließen so jährlich in das System - große Teile als direkte Rücklage für die Rente von Menschen mit Behinderung.

Monatlich erhalten Beschäftigte in der Werkstatt einen fixen Grundbetrag von etwa 100 Euro, der einem Ausbildungsgeld entspricht. Aufgestockt wird der Betrag mit einem Steigerungsbetrag, einer Art Gewinnbeteiligung. Im Durchschnitt waren das zuletzt knapp 100 Euro. Um den Lebensunterhalt zu bestreiten, sind die Beschäftigten in Werkstätten dann zusätzlich auf steuerfinanzierte Grundsicherung angewiesen. Ob und wie in Werkstätten der Mindestlohn eingeführt werden kann, lässt das Bundesministerium für Arbeit und Soziales derzeit prüfen.

 

Beitrag von Fabian Stratmann

60 Kommentare

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  1. 60.

    Die Menschen mit Beeinträchtigungen haben das Recht für Ihre geleisteten Arbeit auf eine gute Bezahlung. Ihnen sollen eine menschenwürdiges Leben ermöglicht werden.

  2. 59.

    Beate, Alternativen werden doch sogar erwähnt. Es würde dann schon helfen, auch einmal zu lesen. Schön, wenn Sie meinen, der Steigerungsbetrag sei abhängig von der Leistung und dem Verhalten. Wie wird denn das "Verhalten" berechnet? Unübersehbar ist doch die Tatsache, dass bundesweit die Beträge kaum über Hundert Euro pro Person liegen. Wie viel Gewinne haben die Werkstätten denn in derselben Zeit gemacht? Ich frage für einen Freund.

  3. 58.

    Was wäre dann die Alternative zu Werkstätten? Eine Massenarbeitslosigkeit behinderter Menschen. Die Praxis der Arbeitgeber ändert sich nie. Denn Behinderte Menschen müssen dann auch die gleichen Qualifikationen wie alle anderen Mitarbeiter haben.

    Jeder Mitarbeiter in einer wfbm bestimmt die Höhe seines Entgelts selbst. Der Steigerungsbetrag ist abhängig von der Leistung und dem Verhalten.

    Es gibt außerdem keinen Akkord in einer wfbm. Die Aussage des Mannes ist Unsinn.

  4. 57.

    Mich ärgert dieses unqualifizierte Gemecker sehr. Um überhaupt eine Empfehlung zur Aufnahme in eine wfbm durch den Fachausschuss zu bekommen, wurde genau geprüft, ob es andere Möglichkeiten zur Teilhabe gibt.

    Außerdem gehen immer mehr wfbm zu qualifizierten Tätigkeiten über. Buchhaltung, Programmierung, Digitalisierung, Kreditvorbereitung für Banken ect.

    Darüber hinaus gibt's sehr oft Außenarbeitsplätze in Privatfirmen mit dem Ziel der Übernahme, wenn der Mitarbeiter geeignet ist .

  5. 56.

    Dann sitzen Sie halt Zuhause rum. Warum suchen Sie sich keinen Job, wenn Sie sich für fit halten?

    Werkstattbeschäftigte kommen mit EM Rente, Grundsicherung und Gehalt auf etwa 1200 Eur netto. Dazu noch eine sehr gute Altersrente...

  6. 55.

    Birgit, Sie reden Unsinn. Die wfbm hat als Eingliederungshilfe nichts mit der Pflege zu tun. Etwas mehr Sachkenntnis täte Ihnen gut.

    Es steht jedem behinderten Menschen frei, sich selbst einen Job auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu suchen.

    Sie zerreißen ein System, welches vielen Menschen eine Beschäftigung mit Sinn und Zukunft bietet. Außerdem ist nix mehr mit einfachen arbeiten. Immer mehr Werkstätten haben Arbeitsplätze in der Buchhaltung, Programmierung ect..

  7. 54.

    Sie vergessen, dass immer mehr Beschäftigte in einer wfbm Vorversicherungszeiten haben. Fakten abzutun, hilft nichts.

    Sie tun 1 Rentenpunkt ab? Eine Kassiererin bei Aldi bekommt in Vollzeit keinen Punkt pro Jahr.

    Ich bin selbst Anleiter. In meiner Abteilung ist selbst mit Förderung kein Mitarbeiter in der Lage, auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu arbeiten. Viele wollen es auch nicht.

    Übrigens: eine Beschäftigte ging nach 15 Jahren wfbm und Vorversicherung mit 1400 Eur brutto in Rente....

  8. 53.

    Das ist Unsinn. Niemand wird gezwungen. Eine Empfehlung ist kein Zwang und hat auch keine Sanktionen zur Folge.

    Wenn Sie lieber den ganzen Tag auf dem Sofa sitzen, ist das ihre Entscheidung. Wenn jemand in einer Werkstatt arbeitet, dann macht er es freiwillig

  9. 52.

    Niemand muss in einer wfbm arbeiten. Jeder behinderte Mensch hat die Möglichkeit, sich selbst eine Ausbildung oder einen Job zu suchen.

    Fakt ist, dass fast kein Mitarbeiter einer wfbm den Anforderungen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt folgen kann. Natürlich muss auch ein behinderter Mensch die Norm in einer normalen Firma erfüllen.

    Viele Werkstätten verfügen über Außenarbeitsplätze und Kooperationen mit Firmen. Dort arbeiten Beschäftigte, die den Absprung schaffen könnten.

  10. 51.

    Unsinn. Es gibt keinen Zwang, eine Tätigkeit in einer wfbm aufzunehmen. Ebenso gibt's keine Kürzung. Schauen Sie ins Gesetz...

  11. 50.

    Sorry nein, da muss ich widersprechen. Niemand geht nach Lust und Laune in eine Werkstatt. Es wird von den für dich zuständigen behördlichen Stellen „empfohlen“. Und entweder gehst du oder bekommst finanzielle Kürzungen. Der einzige Weg raus, den ich kenne, zu langsam sein. Daraufhin wurde ich „entlassen“ und sitze nun seit 4 Jahren Zuhause. Perspektiven gibt es nicht. Doch durch meine körperliche Einschränkung bin ich halt nicht so schnell im Tippen oder Zusammenstecken, Kleben ect.

  12. 49.

    Natürlich stimmt es, dass Werkstätten für viele ein scheinbarer Schutzraum sind. Es geht ja aber hier um die Wahlfreiheit. Es kann ja nicht sein, dass mit dem Verweis auf Werkstätten für alle immer nur bequemste Weg gewählt wird. Am Ende läuft das doch immer aufs selbe hinaus. Leute sind Jahre in Werkstätten, machen immer wieder dieselben Arbeiten und dann kommen am Ende Leute, die sagen, der und der könnte ja ohnehin nie in einem Unternehmen arbeiten. Stimmt, weil er in den Werkstätten von ANFANG AN ÜBERHAUPT NICHT darauf vorbereitet wird. Das ist ein Zirkelschluss in der Argumentation und mehr als ärgerlich. Ich begrüße es SEHR, dass hier endlich mal die Zusammenhänge erläutert werden, statt immer nur plakativ mit den 1,35€ Stundenlohn um die Ecke zu kommen. Das wäre polarisierend. Zu sagen, dass Werkstätten Einbahnstraßen sind, ist nicht polarisierend, sondern faktisch richtig. Lässt sich ja prüfen.

  13. 48.

    Es ist erstaunlich zu sehen, wie hier wieder ganz offensichtlich Vertreter des Werkstattsystems unhinterfragt Kommentare a la "alle sind da freiwillig" hinterlassen. Eben nicht! Das ganze Netz ist voll von Beispielen, die das belegen. Es ist doch viel mehr so, dass jetzt endlich mal ein System hinterfragt wird, dass jahrzehntelang unbehelligt Milliarden verwalten konnte, ohne dass mal jemand geschaut hätte, ob die ihren Auftrag eigentlich erfüllen. Das Argument mit zusätzlichen Leistungen zieht auch nicht. Wer auf Pflege angewiesen ist, bekommt Leistungen und Hilfen dafür auch außerhalb der Werkstatt. Rentenpunkte. Ein Punkt. Wird in den Werkstätten immer und immer wieder angeführt, um die Leute zu verunsichern. Fakt ist doch: Die Menschen gehen dann nach zwanzig Jahren mit einer durchschnittlichen Rente und verschwinden wieder in der Unsichtbarkeit. Glückwunsch.

  14. 47.

    Unsinn. Niemand wird stigmatisiert

    Niemand ist gezwungen in einer WfbM zu arbeiten.

    Warum sollten Eltern unter bestimmten Bedingungen nicht unterhaltspflichtig sein?
    Etwas mehr Sach+ und Rechtskenntnis taten Ihnen gut

    Wieder wird etwas zerredet, was vielen behinderten Menschen hilft.

  15. 46.

    Es ist erstaunlich, wieviele Menschen in einer Traumwelt leben. Die Vorteile einer Beschäftigung in der Werkstatt sind nicht bekannt. Ebenso wenig wie das Rentenprivileg.

    Außerdem ist eine Tätigkeit in der Werkstatt freiwillig und ohne Zwang. Wem die Bedingungen nicht passen, kann sich ja was anderes suchen

  16. 45.

    Träumen Sie weiter. Erkennen Sie lieber die Realität.

    Niemand wird in einer WfbM ausgebeutet. Jeder ist dort freiwillig tätig.

    Außerdem sehen Sie die Vorteile nicht. Jeder beschäftigt bekommt pro Jahr 1 Rentenpunkt, der eine gute Altersrente sichert

    Auf dem freuen Arbeitsmarkt muss man für 1 Rentenpunkt etwa 34000 Eur brutto verdienen.

    Also nicht meckern, sondern die Vorteile und die Freiwilligkeit der Tätigkeit erkennen

  17. 44.

    Werkstätten widersprechen dem Gedanken der Inklusion - richtig. Aber wir werden dieses Angebot auch in Zukunft für jene Menschen benötigen, die entweder aufgrund ihrer Behinderung den Sprung auf den ersten Arbeitsmarkt nicht schaffen und für diejenigen, die sich einen geschützten Arbeitsplatz wünschen, der Struktur und Halt im Leben gibt. Wir sollten nur überlegen, wie wir die Übergänge zwischen Werkstatt und 1. Arbeitsmarkt besser gestalten können, um all denjenigen, die den Wunsch haben zu wechseln, Unterstützung anbieten zu können. Hier gilt es die Arbeitgeber mit im Boot zu haben, viel Aufklärungsarbeit zu leisten, die bürokratischen Hürden in der Antragstellung deutlich zu reduzieren und über Angebote zu informieren(Bsp. Budget für Arbeit).

  18. 43.

    Da stimme ich Ihnen voll zu. Niemand wird gezwungen in einer behindertengerechten Werkstatt zu arbeiten. Ich bin sehr froh darüber dass meine Erwachsene Tochter in einer Behindertenwerkstatt arbeitet. Auch für wenig Geld. Dort wird Rücksicht auf die Körperlichen und Seelichen belange Rücksicht genommen. Was auf dem freien Arbeitsmarkt kaum möglich ist. Dort hat sie aber einen strukturierten Arbeitstag und wird anerkannt. Und noch etwas, die Arbeitsbeschaffung ist auch nicht gerade einfach.

  19. 42.

    Ich habe mit dieser Umgehung der Unternehmen die Gelegenheit genutzt auf die Umgehung der Inklusion in den Schulen hinzuweisen, die von der staatlichen Seite verübt wird und Kinder in frühen Schulalter betrifft.
    Kein gutes Beispiel des Staates, von Unternehmen zu verlangen, was man selbst nicht zu erfüllen bemüht ist.

  20. 41.

    ... wahrscheinlich müsste erstmal Druck aus "der Wirtschaft" genommen werden, damit Bedingungen für Behinderte und Nicht-Behinderte besser werden. Und solange "behindert" noch als Schimpfwort benutzt wird, ist es mit Inklusion noch lange hin. Da ich selber behindert bin aber nach vielem Überlegen auf den SB-Ausweis verzichtet habe: welcher Arbeitgeber will mit einem Integrationsamt Personalentscheidungen besprechen? Was nützt Behinderten der Kündigungsschutz, wenn man eventuell Fehlverhalten unterstellt bekommt, falls ein Arbeitgeber einen loswerden will? Wäre eine allgemeine solidarische Finanzierung und unkompliziertere (!!) Bereitstellung von technischen Hilfen, Assistenz etc. nach Gutachten z. B. durch die KV nicht besser als noch eine Behörde und noch einen Antrag, um am Ende das Billigste vom Billigsten zu bekommen? Und das auch nur, wenn der Arbeitgeber einen unbefristet anstellt oder von vorneherein nach Ende der Befristung die Weiterbeschäftigung garantiert?

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