Freizeit in der Pandemie - Bootfahren boomt in Berlin

Sa 02.04.22 | 15:00 Uhr
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Motorboote, Segelboote, Wannsee, Berlin (Quelle: Bildagentur-online/Joko)
Audio: Antenne Brandenburg | 03.04.2022 | Lisa Steger | Bild: Bildagentur-online/Joko

Viele Menschen haben das Bootsfahren als attraktive Freizeitmöglichkeit während der Pandemie für sich entdeckt. Jetzt werden Liegeplätze knapp. Die Wasserschutzpolizei plant derweil mehr Kontrollen des dichter werdenden Wasserverkehrs.

Bootfahren wird als Freizeitsport in Berlin immer beliebter. Im vergangenen Jahr absolvierten 6.764 Berliner den Sportbootführerschein, wie der Deutsche Segelverband mitteilte.

In den Jahren vor Corona seien es den Informationen zufolge um die 5.600 Menschen gewesen. "Zu den Zeiten, in denen Prüfungen möglich waren, kamen unsere Prüfungsausschüsse kaum damit hinterher, ausreichend Termine unter Corona-Bedingungen anzubieten", sagte Christiane Perlewitz, Sprecherin des Deutschen Segelverbands, der Deutschen Presse-Agentur am Samstag. Die Nachfrage sei also noch höher gewesen, als die Zahl der Absolventen tatsächlich ist.

Kaum Liegeplätze vorhanden

Ein Problem besteht mittlerweile nicht nur darin, einen Termin für einen Bootsführerschein zu bekommen, sondern auch einen Liegeplatz für das Boot zu finden. In der Rummelsburger Bucht zum Beispiel gibt es eine Warteliste für Liegeplätze. Aus Bootsverbandskreisen ist zu hören, dass es hier Jahre dauern könne, bis ein passender Platz frei wird. "In brandenburgischen Regionen, die weiter von Berlin entfernt sind, findet man vielleicht noch etwas", sagt Daniel Glöckner von der Segelschule Marina Lanke. Er rät Interessierten, sich schon vor dem Bootskauf um einen geeigneten Liegeplatz zu kümmern.

Mehr Kontrollen durch Wasserschutzpolizei

Es muss aber auch nicht immer sofort das eigene Boot sein. Ausbilder Ronald Jurok, ebenfalls von der Segelschule Marina Lanke, empfiehlt Menschen ohne eigenes Boot, sich zunächst eines zu chartern. "So kann man gut sehen, was man in einem Boot haben möchte oder vielleicht nicht braucht", so Jurok. "Ein eigenes Boot lohnt sich wirklich nur, wenn man ganz viel Zeit hat."

Nicht für alle Boote ist auch ein Führerschein notwendig. Wer ein Sportboot mit mehr als 15 PS führen möchte, benötigt laut Seglerverband einen Sportbootführerschein (SBF). Es gibt aber auch Bootsverleihe, die Flöße, Hausboote und Motorboote mit unter 15 PS vermieten.

Das wiederum macht der Wasserschutzpolizei sowohl in Berlin als auch in Brandenburg Sorgen. Beide kündigten für die kommende Saison mehr Kontrollen an. 3.200 Verstöße gegen die Wasserverkehrsregeln hat die Wasserschutzpolizei Brandenburg eigenen Angaben zufolge im letzten Jahr festgestellt. Häufige Verstöße der Wassersportler und Freizeitkapitäne seien die Missachtung von Geschwindigkeits- und Vorfahrtsregeln sowie übermäßiger Alkoholkonsum. Dazu gehörten auch unzulässiges Festmachen am Ufer oder Befahren von Schilfgürteln. 55 Bootsführer hatten Alkohol getrunken.

Auf Berliner Gewässern meldete die Polizei im vergangenen Jahr 2.070 Verstöße, das seien mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr.

Polizei zählt mehr unerfahrene Kapitäne

"Damit hat sich auch die Zahl der unerfahrenen Personen, die sich auf Gewässern bewegen, erhöht", berichtete Maike Schönefeld, Sprecherin der Brandenburger Wasserschutzpolizei. Und das führe häufig zu Problemen. Dies betreffe nicht nur die kleinen Sportboote und Flöße mit Motoren bis zu 15 PS, sondern auch die größeren Charterboote auf bestimmten Gewässern.

"Wir haben es dann oft mit Menschen zu tun, die ohne Führerschein mit den erlaubnisfreien Booten unterwegs sind. Die haben in der Regel wenig Ahnung, was von ihnen als Schiffsführer verlangt wird", so Sprecherin Sabine Schumann von der Wasserschutzpolizei. Wer ein Floß miete, erhalte zwar eine Einweisung. Doch die ist meist kurz und die Gäste an Bord sind oft alkoholisiert und in ausgelassener Partylaune. "Da wird den Schiffsführern eine Menge abverlangt."

Sendung: Antenne Brandenburg, 02.04.2022, 05:39 Uhr

7 Kommentare

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  1. 7.

    "... keinerlei Toiletten an Bord - aber viel Bier im Körper, was raus muss."
    Und, was lernt man daraus?

    Wasser für die Würstchen NIE am Heck schöpfen. ;-)

    Aber in Ernst, im März war es richtig Klasse. Keine Knatterbüchsen, ganz vereinzelt Segler. Rein in die "Gummipelle" und schon mal "ansurfen". Der Wind war zum warmwerden auch ok. Die Ruderer und Kanuten hatten übrigens auch dieses "Ist-das-klasse-grinsen" im Gesicht.

  2. 6.

    Bestimmt aber nur Tret, Paddel,
    Segel und Ruderboot! Bei den heutigen Spritpreisen, eigentlich unmöglich, für einen normalen Arbeitnehmer! Es sei denn, man bekommt Diäten von den Bürgern und schläft im Bundestag!

  3. 5.

    Ja, Bootstourismus boomt - nur die Investitionen in neue Infrastruktur fehlen. Bei uns im Havelland ist es genauso- Radwege und Bootsliegeplätze entlang der Havel und der Havelkanäle fehlen vielerorts.

  4. 4.

    Ja, es ist eng auf den Berliner Gewässern. Partyboote, Huckelberrys aus Potsdam, Miet-Paddelboote, StandUp Paddler, Mietmotorboote, Segler, Angler, Motorboote und mittendrin die richtigen WasserSPORTLER, Ruderer und Kanuten. Unkenntnis der Wasser- und Schifffahrtsordnung, keinerlei Toiletten an Bord - aber viel Bier im Körper, was raus muss. Senatsinterresse? Fehlanzeige! Die Grünen sind im Senat? In Steglitz Zehlendorf regiert eine Grüne! Ein Glück ist Benzin so teuer! Vielleicht hilft's.

  5. 3.

    Ich habe mein Faltboot Pouch RZ 85 verkauft weil wir uns auf unseren Gewässern damit vorkommen wie mit einem Tretroller auf der Autobahn.
    Es macht einfach keinen Spaß mehr.

  6. 1.

    ... bis RGR Brustschwimmerwege, Liegeplatzbewirtschaftung, Fährspuren und schwimmende Betonpoller einführt. Und Deutshce Muscheln enteignet.

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