Straßenbäume in Berlin - Der unerträgliche Gestank des Ginkgo-Baums

Mo 25.04.22 | 06:09 Uhr | Von Matthias Bartsch
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Blätter eines Ginkgobaumes (Quelle: dpa/F. Hecker)
Audio: rbb 88.8 | 25.04.2022 | Matthias Bartsch | Bild: dpa/F. Hecker

Berlin verliert pro Jahr mehr als 1.000 Straßenbäume. Umso wichtiger ist es, für ihren Erhalt zu sorgen, wo es geht. Doch in Tegel sind die Anwohner in der Berliner Straße ziemlich genervt von den dort gepflanzten 56 Ginkgo-Bäumen. Von Matthias Bartsch

Antje Sage fängt gleich an zu lachen, als sie auf das Stink-Problem im Herbst angesprochen wird. "Man kann es gar nicht anders beschreiben - es riecht wie Kotze". Sage ist Geschäftsführerin eines Sanitätshauses in der Berliner Straße im Berliner Stadtteil Tegel. Sie hat sich an den üblen Geruch mittlerweile gewöhnt.

Im Herbst fallen die mirabellenähnlichen Früchte der weiblichen Ginkgo-Bäume auf die Berliner Straße und die Gehwege. Platzen die Früchte auf, fängt es an zu stinken: nach Erbrochenem, sagen die einen, nach ranziger Butter die anderen. Auf jeden Fall ziemlich eklig. Ein paar Wochen lang spritzt Antje Sage im Herbst den Gehweg mit einem Wasserschlauch sauber. Es gebe Schlimmeres, sagt sie. Aber schön wäre es schon, wenn man das Problem lösen könnte.

Auch im türkischen Lebensmittelmarkt nebenan kennen alle den Geruch. "Gut, dass Frühling ist", sagt ein Verkäufer und hält sich lachend mit Daumen und Zeigefinger die Nase zu.

Neben Gestank auch Rutschgefahr

"Das Stinken stört mich gar nicht so doll", sagt Petra aus Konradshöhe. Die ältere Dame besucht regelmäßig die Berliner Straße mit ihren vielen kleinen, alteingesessenen Geschäften. "Viel schlimmer ist, dass ich schon fast hingefallen bin, weil die Früchte den Gehweg rutschig machen. Dit is' richtig jefährlich", berlinert sie.

Eigentlich sollten die Ginkgo-Bäume den Tegeler Ortskern schöner machen. Sie sind Teil einer Initiative des Berliner Aktionskünstlers Ben Wagin. Vor über 30 Jahren ließ er von Moskau bis zum bayrischen Vilshofen 50.000 Ginkgo-Bäume pflanzen. Der Ginkgo, der ursprünglich aus China stammt, zählt zu den ältesten Bäumen der Erde und gilt als widerstandsfähig. Zum Jahrtausendwechsel hatte das "Kuratorium Baum des Jahres" den Ginkgo biloba, wie der Baum botanisch korrekt bezeichnet wird, als Mahnmal für Umweltschutz und Frieden sowie zum Baum des Jahrtausends ernannt. Der Ginkgo sei ein lebendes Fossil, hieß es. Zur Blütezeit sieht er auch sehr schön aus - wenn die Geruchsbelästigung nicht wäre.

Ginkgo-Bäume in einer Straße in Berlin-Tegel (Quelle: rbb/Matthias Bartsch)Die Ginkgo-Bäume in der Berliner Straße

Auffangnetze als mögliche Lösung

In der Bezirksverordnetenversammlung waren die Ginkgo-Bäume schon mehrfach Thema. Wirklich passiert ist aber nichts. Die Berliner Stadtreinigung (BSR) sollte die heruntergefallenen Früchte vom Gehweg entfernen. Das erwies sich als kaum hilfreich. Eine Reinigung in den entscheidenden Wochen müsste täglich erfolgen. Dazu stehen parkende Autos im Weg.

Der Reinickendorfer Bezirksverordnete Felix Schönebeck (CDU) hat vor kurzem einen Antrag gestellt und das Bezirksamt zum Handeln aufgefordert. Eine Idee schob er gleich hinterher: Die Früchte sollen erst gar nicht herunterfallen können, sondern vorher gepflückt werden. Alternativ könnten auch spezielle Auffangnetze das Herunterfallen verhindern. Im Ausschuss für Grünflächen, Natur und Umwelt konnte Schönebeck die meisten überzeugen. Sein Antrag wurde beschlossen. Die Chancen stehen also gut, dass es an der Berliner Straße in Tegel im Herbst endlich nicht mehr stinkt.

Sendung: rbb 88.8, 25.04.2022, 5:50 Uhr

Beitrag von Matthias Bartsch

36 Kommentare

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  1. 36.

    Entweder man gewöhnt sich dran, dass es 2 - 3 Wochen im Jahre stinkt und freut sich die übrige Zeit an den wunderschönen Bäumen, oder man kommt aus den Puschen und sammelt bzw fegt, können sich ja alle Hausbewohner beteiligen Uppa , da bin ich jetzt wohl etwas aus der Zeit gefallen das war ja früher.

  2. 35.

    Da hilft nur eins: Früchte ansammeln, vom Fruchtfleisch befreien (mit Maske und Handschuhe - ist ja auch immer dabei) und danach die leckeren Kerne rösten.
    Guten Appetit

  3. 33.

    Hier noch eine Ergänzung zur Widerstandsfähigkeit des Ginkgos: Ein Ginkgobaum stand nur ungefähr 800 m entfernt vom Zentrum der Atombombenexplosion in Hiroshima. Trotz dieser alles Leben zerstörenden Bombe wuchs aus dem alten, total verdorrten Wurzelstock dieses "toten" Baumes ein neuer Spross.
    Daraufhin wollten Botaniker und Mediziner diese besondere Kraft erforschen, mit der der Ginkgo sogar einer Atombombe trotzen konnte.
    Arznei auf der Basis von Ginkgo gibt es inzwischen ja.

  4. 32.

    Oje, vielleicht gibt es ja bald auch Bäume aus dem 3D-Drucker .... ist dann aber kein "lebendig Wesen" mehr darunter, wie Goethe einst verliebt dichtete:
    https://www.goethe-museum.de/de/gedicht-ginkgo-biloba

  5. 31.

    Manche Leute haben Probleme,anstatt sich zu freuen das es noch Bäume gibt.

  6. 30.

    Unerträglicher als JEDER Gestank sind manche Kommentare hier.... etwas mehr Respekt vor der Natur, bitte! Jeder Baum verliert irgendwann Blätter und / oder Blüten und je nach Wetter wird es dann mal rutschig und / oder "stinkig" ! In meiner Umgebung gibt es viele Kastanien, die ja bekanntlich von schädlichen Larven befallen werden, da ist die BSR immer zeitnah bei der Entfernung des abgefallenen Laubes!
    Für die Ginkgos gibt es ja eine Lösung, wie im Artikel zu lesen ist: "Die Chancen stehen also gut, dass es an der Berliner Straße in Tegel im Herbst endlich nicht mehr stinkt."

  7. 29.

    Einfach alles weibliche hinten anstellen. Hat ja schon immer funktioniert, warum nicht auch bei Bäumen?
    Oder Spaß beiseite: wenn weniger Betrunkene und Junkies alles vollreihern wird die Geruchsbelästigung auch weniger

  8. 28.

    Im Tiergarten stehen auch schon lange prächtige weibliche Exemplare. An deren Geruch im Herbst stört sich niemand. Von den 6 "Fahr"spuren (inklusive ruhendem Verkehr) im Bild oben vier Spuren für den Umweltverbund freimachen. Mehr Platz für die Baumscheiben einplanen, wo jetzt noch Autos geparkt werden. Könnte die Aufenthaltsqualität vor Ort deutlich erhöhen, zum gesunden Wachstum der Bäume beitragen und die Straßenreinigung erleichtern.

  9. 27.

    Einige haben es schon hier geschrieben: es gibt einen Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Gingko-Bäumen. Die Geruchsbelästigung kommt nur von den weiblichen. Wer also damals die falschen Bäume gepflanzt hat, hat offenbar wenig Ahnung von Gingkos. Sich vorher zu informieren kann nicht schaden. Das passiert leider immer wieder, obwohl das Phänomen seit Jahrzehnten bekannt ist.

  10. 26.

    Bei der schwäbischen Kehrwoche wird lediglich das Treppenhaus (kleine Kehrwoche) bzw. zum Treppenhaus nach Abholung auch die Mülltonne*) (große Kehrwoche) geputzt. Wenn es hoch kommt, wird vielleicht noch der Weg von der Haustür bis zum Gehweg gefegt.

    *) und das auch nur, w Limit Schwabenländle die Müllabfuhr nach gleicht berechnet.

  11. 25.

    Haben Sie einen Brotkasten?
    Mit mindestens einem Brot darin?
    Wenn ja: Seit wann befindet es sich dort?
    Vielleicht ist es längst von üppigem Pflanzenbewuchs befallen.
    Damit hätten Sie dann also schön viel Natur in der Stadt und was den Gestank betrifft, werden Sie sich sicher nicht so haben, hm?

  12. 24.

    Können Sie Ihre Behauptung nachweisen, oder ist das reine "Streitlust"?

  13. 23.

    Die Allee ist toll und ich habe aus einem der Samen (botanisch gesehen sind es keine "Früchte"!) selbst schon Ginkgo-Bäumchen gezogen. Immerhin wird nicht darüber diskutiert, die Bäume zu fällen. Das wäre völlig daneben. Ein bisschen Natur in der Stadt darf sein und der Gestank gehört dazu. Die Leute sollen sich mal nicht so haben.

  14. 22.

    Da durfte ein Künstler aus eigener Kunst -
    Deutungshoheit eine fremde Pflanzenart in
    die Natur der deutschen Hauptstadt
    einschleppen ! Politiker, Kulturschaffende
    und Wissenschaftler waren glücklich !
    Nun, abschneiden und Einheimische Arten
    anpflanzen ! Ach nö, wir sindja nicht
    Galapagos, die Serengeti und liegen auch
    nicht an der Oder ! ?

  15. 21.

    So ein Blödsinn!
    Natürlich gibt es auf einer so großen Straße Abgase. Aber zu behaupten diese Früchte würden nicht stinken ist einfach die Unwahrheit! Dabei ist es völlig unrelevant ob vereinzelt Menschen etwas gegen Hunde, Lärm oder Parkplatzprobleme haben.

  16. 20.

    Ja und sie stinken da seit gut 30 Jahren... wunderschöne Bäume in der Tat, aber die Früchte riechen tatsächlich übelst nach "Kotze". Da hilft kein schönreden.

  17. 18.

    Von einem Tempelhofer zum anderen möchte ich mir als Brillenträger den Hinweis erlauben, dass es nicht nur die Bürgersteige sind, die dann kleben.

  18. 17.

    Die notwendige Reinigung lässt sich dann bestimmt über die verteilten Knöllchen finanzieren.... :-)

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