Klimafreundliche Bahn - Akku statt Diesel im Prignitz-Express

Do 21.04.22 | 11:14 Uhr | Von Marcus Latton
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Bettina Jarasch (Bündnis90/Die Grünen), Berlins Mobilitätssenatorin, und Guido Beermann (CDU), Brandenburgs Infrastrukturminister, stehen zu Beginn einer Sonderfahrt des Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) vor einem Akku-Zug der Firma Stadler. (Quelle: dpa/W. Kumm)
Video: rbb|24 | 21.04.2022 | Material: rbb24 Abendschau, rbb24 Brandenburg aktuell | Bild: dpa/W. Kumm

Der VBB will loskommen von seinen alten Dieselzügen und langfristig komplett auf Elektroantriebe umrüsten. Ein neues Gutachten kommt zu dem Schluss, dass Batterie-Bahnen für die Strecke des Prignitz-Express besser wären als Wasserstoff. Von Marcus Latton

Noch fährt auf der RE6-Bahnstrecke zwischen Berlin-Gesundbrunnen und Wittenberge ein Fahrzeugtyp, den der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) lieber früher als später ausrangieren möchte. Zwar fahren die meisten Züge inzwischen mit Elektroantrieb, doch knapp ein Viertel der Flotte in Berlin und Brandenburg wird mit Diesel angetrieben – so auch der Prignitz-Express.

Das könnte sich ab frühestens 2028 ändern. Am Mittwoch hat der VBB gemeinsam mit Berlins Mobilitätssenatorin Bettina Jarasch (Grüne) und Brandenburgs Infrastrukturminister Guido Beermann (CDU) auf einer Demonstrationsfahrt mit einem Batteriezug der Firma Stadler die Ergebnisse eines neuen Gutachtens vorgestellt. Es empfiehlt: Der Prignitz-Express soll mit Batterie betrieben werden.

"Die Wahrscheinlichkeit, dass Batteriezüge auf dieser Strecke fahren werden, ist sehr hoch", sagt Thomas Dill, Bereichsleiter beim VBB. Dies sei im günstigsten Fall beim Verkehrsvertragswechsel ab 2028 möglich. Die Ausschreibung für die Neuvergabe soll nächstes Jahr beginnen. Jetzt gehe es für den VBB darum, gemeinsam mit der DB Netz, dem Schienenbetreiber der Deutschen Bahn, und den Ländern auszuloten, wie man die Elektrifizierung am besten vorantreiben kann.

Batterie gegen Wasserstoff-Zelle?

Für die Entscheider der regionalen ÖPNV-Anbieter beim Umstieg auf Elektro-Antriebe steht vor allem die Frage "Wasserstoff oder Batterie?" im Vordergrund. Während die Niederbarnimer Eisenbahn auf der Strecke RB27 ab 2024 Wasserstoff-Züge einsetzen will, kommen die Gutachter des Beratungsunternehmens Ramboll für den Prignitz-Express zu dem Ergebnis, das Batterie-Bahnen sinnvoller wären.

Beide Technologien benötigen neue Infrastruktur: Wasserstoff-Tankstellen einerseits, neue Oberleitungen andererseits. Der VBB und die Länder müssen also nicht nur Investitionskosten für die Züge einkalkulieren.

Berlin erwartet Hilfe vom Bund

Brandenburgs Infrastrukturminister Guido Beermann zeigt sich optimistisch, dass die neue Batterie-Bahn ab 2028 auf der RE6-Strecke zum Einsatz kommen kann. "Was wichtig ist: Das ist keine neue Technologie. Es wird schon seit Jahren getestet und ist zum Teil schon auf dem Markt." Unternehmen wie Stadler oder Siemens produzieren bereits Batteriezüge - und könnten sich bei der Ausschreibung bewerben.

Berlins Mobilitätssenatorin Bettina Jarasch fordert vom Bund, die Elektrifizierung der Bahnstrecken in Berlin und Brandenburg finanziell zu unterstützen. "Die Beschaffung der Züge übernehmen wir, aber bei den Oberleitungen erwarten wir mehr vom Bund." Schließlich habe das Bundesverkehrsministerium angekündigt, die Klimaziele auch im Schienenverkehr zu erreichen.

Sendung: rbb24, 20.04.2022, 21:45 Uhr

Beitrag von Marcus Latton

17 Kommentare

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  1. 17.

    Das wird wohl noch dauern. Selbst größere Kunden warten auf Second-Life-Batterien:
    https://www.rbb24.de/sport/beitrag/2022/01/olympiastadion-berlin-dach-photovoltaik-energieversorgung.html

  2. 16.

    DAS ist ja TOLL
    dann kann ich ja mit 100 Jahren mal ne Probefahrt machen 2037
    DAS wäre doch was !!

  3. 15.

    Vielleicht fragen Sie sie einfach bei nächster Gelegenheit.
    Ansonsten erfolgt in Batterien keine Umwandlung von Materie in Energie. Das heißt das Ausgangsmaterial ist auch nach etlichen Jahren vorhanden, leicht verändert aber vorhanden, so dass ein Recycling ein vergleichsweise einfacher Prozess im Vergleich zur Erstherstellung ist. In wenigen Jahren wird sich dieser Markt etabliert haben.
    Sollte nur die Kapazität aus irgendwelchen Gründen nicht mehr ausreichen, wäre ich jemand der gern einen billigen Speicher für den überschüssigen PV Strom aufbauen würde. Neue Batterien sind mir noch zu teuer. Ich rede nicht von zu Hause, sondern im größeren Maßstab, wo es wirtschaftlich passen muss. Wenn ich 1/4 des Preises bei halbierter Kapazität bezahle, wäre das super.
    Nachfrage für Weiterverwertung gibt es also.

  4. 14.

    Mit den Traktionsbatterien der Züge passiert das gleiche wie mit denen von E-Autos. Die sind zu groß als dass die ähnlich einem Handyakku im Hausmüll landen können und lassen sich recyclen. Nicht nur der ADAC hatte darüber bereits vor Jahren berichtet. Es mangelt jedoch weiterhin an alten Akkus. Die bisher angefallenen führen bisher oft ein "Second-Life"
    https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/elektromobilitaet/info/elektroauto-akku-recycling/

  5. 13.

    Toll, ein Projekt, an dem Frau Senatorin Jarrasch nichts aber auch rein garnichts beitragen musste, wird gefeiert.
    DAs Projekt ist o.k. - aber die Grinsebacke....kommt nur zum Ablichten. Toll, ganz Toll, Supertoll...

    Grüne Politik - bravo.

  6. 12.

    Was passiert mit den so „umweltfreundlichen Batterien „ später ? Das hätte ich so gern von Frau Jarasch gewusst. Bei solchen Aktionen lässt Sie sich gerne ablichten

  7. 11.

    BEMU und HMU sind für den Einsatz auf wenig befahrenen Nebenstrecken gedacht. Auf Hauptstrecken fahren aber auch schnellere und schwerere Züge über lange Strecken. Die Lehrter Stammbahn soll dabei auch deshalb elektrifiziert werden, um zum einem mehr Kapazität für den GV zu schaffen, aber auch, um eine Ausweichstrecke bei Bauarbeiten und Störungen auf der Schnellfahrstrecke B-WOB zu haben.

  8. 10.

    Auf Hauptstrecken ist die Oberleitung wirtschaftlicher, zumal da auch andere Züge fahren als nur eher kurze und leichte Nahverkehrstriebwagen

  9. 9.

    Da muss man dann aber schon ganz tief in der Pampa stehen. So furchtbar lang ist fast keine Nebenbahnstrecke. Der Alstom iLint muss demgegenüber ggf. aus den täglichen Umlauf herausgenommen werden, weil H2 zur Neige geht.

  10. 8.

    "kommen die Gutachter des Beratungsunternehmens Ramboll für den Prignitz-Express zu dem Ergebnis, das Batterie-Bahnen sinnvoller wären."
    Lesen bildet.

  11. 7.

    Von wem wurde dieses neue Gutachten erstellt?

  12. 6.

    >"Schauen Sie mal bei i2030 vorbei"
    Ja ja... sie meinen so als reale Zeitschiene das Projekt i2050??

  13. 5.

    Ja Jürgen.. hier kommt die Maus:
    Bei Wasserstoffantrieb brauchts keine Oberleitung.
    Bei Batterieantrieb brauchts für zumindest ein paar Kilometer oder an den Endbahnhöfen die Oberleitung zum Aufladen der Akkus. Ganz leer fahren kann man Akkus bei solchen Antrieben nicht. Deshalb müssen die immer mal zwischendurch wieder nachgeladen werden. Schon wegen der flexiblen Einsatzmöglichkeiten.
    Sonst steht das Teil irgendwo in der Pampa ohne Strom im Akku, Sie sitzen drin und beschweren sich... ;-))

  14. 4.

    Wenn die Züge mit Batterie oder Wasserstoff fahren wozu braucht man dann ein teures oberleitungssystem? Kann mir das mal einer erklären?

  15. 3.

    Schauen Sie mal bei i2030 vorbei. Auch die Fernbahngleise von Hennigsdorf über Tegel bis Schönholz sind zur Fahrzeitverkürzung des Prignitz-Express Teil dieses Projektes.

  16. 2.

    Infrastruktur ist das eine, gerade beim Wasserstoff die energieintensive Gewinnung eine andere. Moderne Akkuzüge (BEMU)haben ein von den Herstellern garantierte Reichweite von um die 100 km und mehr. Akku-Flirt von Stadler sind z.B. deshalb für Meck-Pom bestellt wie auch in anderen Bundesländern Test bisher erfolgreich verlaufen. H2-Züge sind z.B: in Frankfurt/M. ein Thema, weil in Hoechst Wasserstoff vorhanden ist. Der Aufwand in Bezug auf die Infrastruktur ist bei BEMU überschaubar. Ggf. muss an den Endbahnhöhen eine Möglichkeit zum Nachladen geschaffen werden und dafür u.U. ausreichende Wendezeit eingeplant werden.

  17. 1.

    Und jetzt noch die Strecke des RE6 verkürzen, dass er ab Hennigsdorf geradeaus gleich nach Berlin weiter reinfährt statt wie bisher diesen ega weiten Umweg auf dem Außenring.
    Die lange Strecke nach Berlin ist beim RE6 das größere Problem, nicht der Dieselmotor!

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