Virus in Berlin nachgewiesen - Lauterbach will mit Affenpocken Infizierte mindestens 21 Tage lang isolieren

Di 24.05.22 | 16:59 Uhr
  29
Karl Lauterbach (SPD), Bundesminister für Gesundheit
Audio: Inforadio | 24.05.2022 | Statement Karl Lauterbach | Bild: dpa/ Bernd von Jutrczenka

Das Affenpocken-Virus breitet sich gerade aus, auch in Berlin wurden erste Fälle gemeldet. Nun soll es Regeln für den Umgang mit Betroffenen geben, wie der Bundesgesundheitsminister am Rande des Ärztetags sagte.

Mit Affenpocken Infizierte sollen in Deutschland für mindestens 21 Tage in Isolation. Zudem müssten die Symptome ausgeheilt sein, bevor die Isolation beendet werden könne, sagte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) am Dienstag am Rande des Ärztetags in Bremen.

Auch für Kontaktpersonen von Infizierten gelte die "dringende Empfehlung", sich für 21 Tage in Quarantäne zu begeben. Die Empfehlung sei zusammen mit dem Robert-Koch-Institut (RKI) entwickelt worden. "In den frühen Phasen einer Epidemie muss hart und früh reagiert werden", so Lauterbach.

40.000 Dosen Impfstoff bereits bestellt

Es gehe darum, ein frühes Ausbruchsgeschehen "in den Griff" zu bekommen. Zugleich betonte Lauterbach, es handle sich nicht um den Beginn einer neuen Pandemie. Ausbrüche dieser Viruserkrankung habe es schon sehr häufig gegeben. Die Infektion sei durch gute Kontaktnachverfolgung gut in den Griff zu bekommen, sagte der Minister.

Deutschland bestellte Lauterbach zufolge "bis zu 40.000 Dosen" eines Impfstoffs, der in den USA gegen Affenpocken zugelassen sei und auch in Deutschland wirken würde. Der Impfstoff könne einen Ausbruch bei Ansteckung verhindern oder verzögern, sagte Lauterbach. Es sei aber noch nicht klar, ob der Impfstoff eingesetzt werden müsse, etwa bei Kindern.

Giffey geht von mehr Fällen aus als bislang bekannt

Derzeit sind laut Bundesgesundheitsministerium vier Fälle von Affenpocken in Deutschland nachgewiesen, drei davon in Berlin. Die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) geht allerdings nach eigene Angaben davon aus, dass es mehr Fälle gibt als bisher bekannt sind. Im Moment sei nicht absehbar, wie groß die Fallzahl wirklich ist, sagte Giffey. Man gehe von einer Hemmschwelle aus, sich bei einer Erkrankung zu melden.

Eine Übertragung der Krankheit ist generell bei engem Kontakt und über kontaminierte Materialien möglich. Die Weitergabe über die Luft spielt - anders als etwa bei Corona - hingegen kaum eine Rolle.

Gote: Virus nicht mit Coronavirus vergleichbar

Die Berliner Gesundheitssenatorin Ulrike Gote (Grüne) betonte im rbb, dass das Virus nicht mit dem Coronavirus vergleichbar sei. Es handele sich um eine ganz andere Art von Virus, sagte sie Radioeins. Solange man aber nicht genau wisse, wie die Infektionslage ist und ob eine Ansteckung wirklich nur über engen Hautkontakt erfolgen kann, müsse man vorsichtig sein, so die Senatorin.

Das Virus verursacht nach Angaben von Gesundheitsbehörden meist nur milde Symptome wie Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen und Hautausschlag. Affenpocken können aber auch schwere Verläufe nach sich ziehen, in Einzelfällen sind tödliche Erkrankungen möglich. Folgen einer überstandenen Infektion können Narbenbildung und selten auch Erblindung sein.

Sendung: rbb24 Inforadio, 24.05.2022, 13:40 Uhr

29 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 29.

    Schön, dass immer wieder so viele Menschen mehr Ahnung haben als Wissenschaftler oder Fachpolitiker, die sich mit dem Thema sehr genau auseinander gesetzt haben. Aber die machen das bestimmt um uns zu ärgern.

  2. 28.

    Das Ganze ist doch immer wieder das Selbe...egal ob Aids, Corona, Affenpocken....jeder weiß wie man sich schützen kann und darf selbst entscheiden! Warum ewig diese Panikmache?

  3. 27.

    "Wäre es nicht sinnvoll, dass man schwule Lokalitäten (Clubs, Saunen etc.) zunächst schließt, wenn hier offenbar eine Verbreitung erfolgt?"
    Ist doch wohl nicht ernst gemeint, oder?
    Wenn doch: Ein Infektionsgeschehen wurde beim einem Pride-Festival festgestellt.
    Was passiert, wenn jetzt plötzlich ein Ausbruch beim Schlager-Festival auf Mallorca passiert ist?
    Gibt es zur Übertragung irgendwelche gesicherten Daten? (Müsste doch aus Afrika bekannt sein)

    P.S. Aus dem Artikel: "... Eine Übertragung der Krankheit ist generell bei engem Kontakt und über kontaminierte Materialien möglich. ..."
    Wäre doch dann sicherer, wenn alle Schwulen in Quarantäne gehen. (traurige Ironie)

  4. 26.

    Bitte nicht wieder Panik bekommen und Lockdown usw. Beschließen
    Bei Lauterbach weiß man ja nie

  5. 25.

    Anstatt sich über eine sporadisch auftretende harmlose Viruserkrankung aufzuregen, lieber mal den echten Problemen widmen. Da wäre die massive Zunahme multiresistenter TBC Fälle. Durch die massive Zuwanderung aus dem Osten wird diese Erkrankung immer mehr zum Problem.

    Übrigens haben Affenpocken, Kuhpocken und Windpocken nichts mit den inzwischen ausgerotteten echten Pocken zutun.

    Gerade in Berlin geht ja Quarantäne gar nicht. Bisher ist kein Gesundheitsamt der Versorgungspflicht nachgekommen

  6. 24.

    Warum nimmt man nicht den eingelagerten Pockenimpfstoff? Es heißt doch, daß der auch gut dagegen wirkt und damit gibt es schon Erfahrungen und nebenbei ein lebenslange Immunität.

  7. 23.

    Zoonosen haben nichts mit Umweltzerstörung zutun.

    Zoonosen gab es schon immer und wird es auch immer geben. Affenpocken sind harmlos und haben nichts mit den ausgerotteten Pocken zutun.

    Affenpocken sind in Europa kein neues Phänomen. Sie werden seit Jahren in Nagetieren nachgewiesen. Genau wie Hunter und Dengue

  8. 22.

    Allem Anschein nach sind die vor 1980 Geimpften geschützt. Mal etwas, bei dem wir Alten im Vorteil sind. Auch wenn es nicht so gefährlich ist, sicher ist sicher.

  9. 21.

    Dieser Verbreitungsweg ist keineswegs gesichert. Diese Viren können auch in anderen Einrichtungen mit Körperkontakt verbreitet werden. Dazu gehören auch Kitas und Schulen.

    Übrigens macht die Schließung von Clubs keinen Sinn, wenn nicht auch alle privaten Sex Dates vermieden werden.

    Also locker bleiben und nicht übertreiben. Affenpocken haben nichts mit den ausgerotteten Pocken zutun

  10. 20.

    Letztlich muss zur Infektionsvermeidung jeglicher Körperkontakt und jeglicher Kontakt mit Hautläsionen vermieden werden. Dazu gehören neben Clubs aber auch Kitas und Schulen. Das Virus kann sich überall ausbreiten.

  11. 19.

    Sie haben nicht Fakten benannt, sondern eine Forderung aufgestellt. Das ist nicht das gleiche. Und Ihre Forderung würde Schwulen schaden - niemand sonst. Das kann natürlich Zufall sein...

    "Selbstredend gehören auch alle Lokalitäten zunächst geschlossen, bei denen promiskuitiv heterosexueller Geschlechtsverkehr betrieben wird."

    ZB Betten

  12. 18.

    Danke für diesen Kommentar, Sie haben es auf den Punkt gebracht.

  13. 17.

    Na wenn am Herd stehen als Liebesbeweis für meine Kinder gilt, sollte das Jugendamt schnellstmöglich kommen und meine Kinder in Obhut nehmen. Gibt wohl nicht genug andere Möglichkeiten für seine Kinder da zu sein, wa? Na ja, jedem das seine ;)

  14. 16.

    Erst Corona und jetzt die Affenpocken... was kommt als nächstes. Hört denn diese Panikmacherei von der Regierung gar nicht mehr auf. Die Menschen wollen und können nicht mehr......

  15. 15.

    @ Sabine, am besten verbieten. Oder noch besser gleich die gleichgeschlechtlichen Beziehungen unter Strafe stellen.
    Nein, ich unterstelle Ihnen nicht Homophobie aber vor dem schreiben ein bisschen überlegen schadet nicht. Clubs haben nicht unbedingt etwas mit Sex zu tun.

  16. 14.

    "Daheim am Herd". Natürlich kann man den Liebesbeweis den eigenen Kinden gegenüber auch schlecht machen. Wievielen Kindern fehlt genau diese Aufmerksamkeit durch die eigenen Eltern? Das nur so am Rande.

  17. 13.

    Es ist also homophob, wenn man Fakten benennt? Mit Ihrer Weltsicht dürften sinnvolle Gegenmaßnahmen schwer werden. Selbstredend gehören auch alle Lokalitäten zunächst geschlossen, bei denen promiskuitiv heterosexueller Geschlechtsverkehr betrieben wird.

  18. 12.

    Schulen und Kitas vor einem neuen Lockdown! Bei Handmundfuß oder Masern, Röteln oder Windpocken, Scharlach oder Keuchhusten könnte man das auch einführen. Dann hat man keinen Personalmangel mehr, und die Frauen wären wieder daheim am Herd. Wow.

  19. 11.

    „Kann es sein, dass Sie ein Beispiel für extreme Homophobie sind?“

    Könnte es auch sein, dass es sich ganz einfach um einen pragmatischen Gedanken handelt und es vielleicht ein reiner Beißreflex ist, da sofort Homophobie hineinzuinterpretieren?

  20. 10.

    ...Freitag hieß es noch ... auch bei Corona dauerte es zu lange bis klar war was kommt.
    Und...es wird viel zu lange dauern bis das angeblich intelligenteste Wesen auf diesem Planeten begreift das etwas geändert werden muss. Stichwort Umweltzerstörung/Raubbau an der Natur.
    Nicht nur vor den Folgen des Klimawandels warnt die Wissenschaft seit Jahrzehnten, auch das sich Zoonosen weiter ausbreiten werden.

Nächster Artikel