Bewässerung von Parkanlagen - "Eigentlich ist es Wahnsinn, Trinkwasser zum Gießen zu nutzen"

Di 03.05.22 | 14:42 Uhr | Von Anna Bordel
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Szenerie im Treptower Park (Quelle: Anna Bordel)
Bild: Anna Bordel

Grünflächenämter müssen immer früher im Jahr mit dem Sprengen der Parkanlagen beginnen. Gießen kann allerdings nicht die einzige Antwort auf zunehmende Trockenheit sein, sagt der Nabu Berlin. Ein Berliner Bezirk sieht das genauso. Von Anna Bordel

Früh morgens um vier Uhr fahren sich die versenkten Sprinkler aus dem Rasen nach oben, sprengen für eine halbe Stunde das Gras und verschwinden dann wieder. So werden drei Rasenflächen im Treptower Park rund um den Rosengarten die komplette frostfreie Zeit über grün gehalten.

"Die anderen Grünflächen werden allerdings nicht gesprengt", sagt eine Gartenpflegerin auf Nachfrage, "die werden dann im Sommer braun". Die Rosen im Rosengarten selber seien Tiefwurzler und kämen ohne Bewässerung zurecht. Staudengewächse allerdings nicht, die müssten jeden Tag gegossen werden, sagt die Gartenpflegerin und zeigt auf mehrere Beete, in denen noch nicht sehr hohe, grünblättrige Pflanzen ohne Blüten stehen.

Trockenrasen könnte die Zukunft sein

Der Frühling in Berlin und Brandenburg ist bis auf die erste April-Hälfte wieder einmal sehr trocken. Auch die nächsten Tage versprechen keine größeren Regenmengen zu bringen. Berliner und Brandenburger Grünflächenämter geraten zunehmend unter Druck, um die Stadtbegrünungen nach mehreren Trockenjahren instand zu halten.

Frisch grün wirkt der Rasen an diesem sonnigen Mittag Anfang Mai im gesamten Treptower Park dennoch, Löwenzahn und Gänseblümchen blühen überall. In einigen Wochen sieht es vermutlich anders aus. Die Rasenfläche wird von Sonne und Trockenheit verbeichen und blass braun-gelb werden, Blüten wird es dann keine mehr geben.

"Der grüne Rasen ist kein Zukunftsmodell", sagt Alexandra Rigos, Sprecherin des Nabu Berlin. Große Rasenflächen grün zu halten, sei unheimlich bewässerungsintensiv. Beim Sprengen an einem warmen Sommertag verdunste außerdem mindestens 20 bis 30 Prozent des Wassers, bevor es in die Erde eindringe.

"Eigentlich ist es Wahnsinn, Trinkwasser zum Gießen zu nutzen", sagt Rigos weiter. "Irgendwann wird Rasensprengen und Pools mit Wasser befüllen im Sommer nicht mehr möglich sein. Eine Alternative könnte Rigos zufolge Trockenrasen sein, bestehend aus Gräsern und Wildblumen, der an trockenen Standorten sehr gut wachse. Er blühe und biete vielen Insekten Lebensraum, "aber es ist halt kein schöner grüner Teppich", wirft Rigos ein.

Treptower Park noch ohne Trockenschäden

Oder braune Sommerwiesen werden eben in Kauf genommen, so wie im Treptower Park. Vor ein paar Tagen wurde Autorin Elisabeth Rank auf mehrere Tankautos dort aufmerksam. "Es ist so trocken in Berlin, dass der Treptower Park gerade händisch mit einem Riesenschlauch bewässert wird", twitterte sie.

Das Bezirksamt Treptow-Köpenick teilte auf Nachfrage mit, dass zwischen dem Sowjetischen Ehrenmal und der Straße Am Treptower Park circa 10.000 Efeus und etwa weitere 8.000 Gehölze neu gepflanzt würden.

"Es ist üblich, dass Neupflanzungen zu Anfang häufiger bewässert werden, damit die Wurzeln besser anwachsen", so Sabrina Kirmse, Sprecherin des Bezirksamtes. Dafür seien derzeit die besagten Tankautos unterwegs. Auch andere Teile des Parks würden regelmäßig bewässert, allerdings eher mit Sprinkleranlagen. Insgesamt sei der Treptower Park gerade in einem guten Zustand und Schäden durch Trockenheit seien in diesem Jahr noch nicht aufgetreten.

Der Tierpark und weitere Parks in Mitte werden laut dem zuständigen Bezirksamt sofern technisch möglich mit automatischen Beregnungsanlagen bewässert und zwar seit Anfang April. "Aufgrund der klimatischen Veränderungen und der damit verbundenen Trockenheit (…) hat sich der Beginn der Bewässerungssaison immer weiter ins Frühjahr verschoben", so Stephanie Engmann vom Bezirksamt Mitte. Besonders besorgt sei man um die Straßenbäume, die in einem noch schlechteren Zustand seien als Park- oder Waldbäume.

Straßenbäume besonders arm dran

"Straßenbäume haben das schwerste Leben, das ein Baum haben kann", sagt Nabu-Sprecherin Rigos. Das bestätigt auch Umweltexperte des Berliner Senats, Derk Ehlert. "Klimastress, Abgase und Hunde-Urin setzen den Bäumen zu", sagt er. Junge Bäumen würden meist von den Grünflächenämtern der Bezirke bewässert, da sie besonders pflegeintensiv seien.

Altbäume hingegen hätten meist Wurzeln, die lang genug seien, um sich selbst mit Grundwasser zu versorgen, so Ehlert weiter. Problematisch sei es vor allem mit mittelalten Bäumen zwischen 15 und 40 Jahren, die nicht mehr vom Bezirk bewässert würden, aber häufig auch noch nicht weit genug entwickelt seien, um sich selbst mit Wasser zu versorgen.

Über das Portal "Gieß den Kiez" können Berliner:innen jeden Stadtbaum in ihrer Umgebung virtuell sehen, anklicken und durch die Infos herausfinden, ob und wieviel Wasser er benötigt und wo die nächste Pumpe wäre, um ihn zu versorgen. Über eine Winterlinde der Sorte Tilia in der Jonasstraße ist auf dem Portal zum Beispiel zu erfahren, dass sie in ihren Dreißigern ist und gerne ein Mal in der Woche 100 Litern Wasser hätte.

Die nächste öffentliche Pumpe ist laut Karte nur einen halben Häuserblock entfernt. Wenn man sich allerdings vorstellt, dass in einen gewöhnlichen Eimer fünf Liter passen, müsste man trotzdem 20 Mal hin und her laufen, um die Winterlinde angemessen zu wässern. Trotzdem finde er die Initiative gut, sagt Ehlert, allein schon um ein Bewusstsein für das Wohlergehen der Bäume in der Bevölkerung zu stärken. Stadtbäume seien wichtig für das Klima, die Luftfeuchtigkeit, Schatten und Artenvielfalt.

Sanssouci wird mit Havelwasser gegossen

Nicht überall scheint das Bewässern von Parks und Pflanzen allein durch das Grundwasser sicher gestellt zu werden. So hat die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg für die Bewässerung und die Wasseranlagen des Parks Sanssouci in Potsdam von April bis Oktober 600.000 Kubikmeter Wasser zur Verfügung - und zwar Havelwasser. Das Wasser werde in Hochbecken aus der Havel abgepumpt und dann für die Bewässerung genutzt, Grundwasser hingegen gar keines, so Frank Kallensee, Sprecher der Stiftung.

Das klingt viel, trotzdem habe der Park unter der zunehmenden Trockenheit zu leiden. "Großflächig wird nicht gewässert. Neben den Nachpflanzungen benötigen vor allem ältere Pflanzungen sowie Strauch-, Blumen- und Staudenpflanzungen in extremen Trockenphasen Wassergaben", so Kallensee.

Ausreichend ist das nicht. Im Jahr 2019 wurde Kallensee zufolge ermittelt, dass im Park Sanssouci 750 Bäume, vor allem Buchen und Eichen, "abgängig" sind, das heißt, dabei sind, abzusterben. Dadurch entstünden jedes Jahr mehr Kosten für die Beseitigung von Totholz, was notwendig sei, damit der Park sicher bleibe. Im Neuen Garten in Potsdam musste laut Kallensee an mehr als 1.000 Bäumen Totholz entfernt werden.

Straßenbäume haben das schwerste Leben, das ein Baum überhaupt haben kann.

Alexandra Rigos, Nabu Berlin

Hasenheide goes Klimaresilienz

Allein bei Schadensbegrenzung möchte man es im Bezirk Neukölln nicht belassen. Die Planung im Bezirk geht in Richtung Zukunft. "Im Zuge heißer werdender Sommer und ungleich verteilter Regenmengen muss der langfristige Umbau der Grünanlagen angegangen werden, damit die Parks besser mit den sich verändernden Bedingungen zurecht kommen", sagt Christopher Dathe vom Büro des Umwelststadtrats Neukölln. Speziell sei man im Bezirk gerade mit dem Projekt "Klimaresiliente Hasenheide" beschäftigt.

Ein Teil sei etwa die Nutzungsspuren durch viele Menschen zu regulieren. "Wenn zum Beispiel ein Trampelpfad im Gebüsch entsteht, wo eigentlich keiner sein soll, dann könnte man das Gebüsch durch eine Hecke schützen" so Dathe. Außerdem wolle man die Bepflanzung anpassen: Einerseits solle überlegt werden, wie bestehende Baum- und Pflanzenbestände erhalten könne. Andererseits solle über die Pflanzung neuer, klimaresistentere Arten nachgedacht werden.

Einheimische Arten beliebt bei Insekten

Das ist laut Nabu-Sprecherin Rigos genau der richtige Ansatz. Der in Berliner Parks weit verbreitete Rhododendron beispielsweise benötige unheimlich viel Wasser, genau wie Hortensien. Pflegeleichter wären da beispielsweise Wildrosen, Weißdorn oder Kornellkirschen. Der Nabu bevorzuge außerdem heimische Arten, da viele Insekten auf sie spezialisiert seien. "Zum Beispiel im aus Asien stammenden Ginkobaum ist kein Insekt drin. Da könnte genauso gut ein Gummibaum stehen", sagt Rigos.

Mit den Grünflächenämtern sei man da nicht immer einer Meinung, da sie auch mal Bäume aus anderen Regionen pflanzen wollten, die trockenes Klima besser gewohnt seien, so Rigos weiter. Sogenannte "Zukunftsbäume", auf die man sich geeinigt habe, seien zum Beispiel Feld- und Spitzahorn, Hainbuche sowie Stiel- und Traubeneiche.

Im Treptower Park sieht man viele dieser Baumsorten neben und auf den Rasenflächen wachsen. Manche davon sind riesig und dürften die 40 Jahre und damit die Fähigkeit, sich selbst zu versorgen, längst erreicht haben.

Sendung: Fritz, 02.05.2022, 15:49 Uhr

Beitrag von Anna Bordel

69 Kommentare

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  1. 69.

    Wenn sie auf Tesla anspielen, das waren 3-5 Liter. Auch nicht schön, aber bei weiten ganz weit von ihrem Lügenmärchen entfernt.

  2. 68.

    ... der das Wasser irgenwie automatisch selbst tankt und den ich dann mangels Fahrstuhl gut gefüllt die Treppen herunterschubse, um ihn am entsprechenden Baum umzukippen?
    Mir zu brutal.
    Aber danke für den Tipp. ;-)
    PS: Was Sie für tolle Wörter kennen... *staun*

  3. 66.

    Zehn Liter im Eimer und zwanzig pro Arm. Ja, das ist schweres Wasser ;-).

  4. 65.

    "Wenn man sich allerdings vorstellt, dass in einen gewöhnlichen Eimer fünf Liter passen,...."
    Der vom Kinderspielplatz oder was? 10 Liter sind normal, pro Arm sind es schon zwanzig und die Muckibude fällt aus....

  5. 64.

    :-)
    Okay, ich präzisiere:
    Ich kann mich nicht entsinnen, in den letzten Jahren beobachtet zu haben, dass irgendwer auch nur VERSUCHT hätte, eine Straßenpumpe zu benutzen.
    Und ich habe schlicht keinen Grund, das auszuprobieren.
    Die hiesigen (= an der Bärensiedlung befindlichen) "Straßenbäume" stehen tatsächlich auf den Rasenflächen, die zu den Mietshäusern gehören. Für deren Hege und Pflege wäre also die Hausverwaltung zuständig.
    Und selbst wenn nicht, würde mir ein Rückenproblem z. Zt. unmöglich machen, eimerweise Wasser zu schleppen.

  6. 63.

    Wahnsinn ist es, wenn man 15.000 Liter Farbe im Trinkwasserschutzgebiet auslaufen lässt. Aber das Leben mit sauberen Wasser zu versorgen, Bäume, Tiere, Menschen, Pflanzen allg., das sollte selbstverständlich sein.

  7. 62.

    Warum eigentlich immer nur Rasen? Der ist grün und, äh, grün, aber sonst nix. Ein schöner Trockenrasen, etwas Wildblumen oder -kräuter mit aussähen, wächst auch mit sehr wenig Wasser, ist wiederstandsfähig, die Insekten finden die "Blümchen" toll und relativ bunt ist es auch. Nach einem schönen Regenguß staunt dann der Stadtmensch auch noch über die plötzlich entstandenen Farbspiele und die, wenn auch nicht unbedingt langsfristige, Blütenvielfalt.

  8. 61.

    Naja, einige dieser Pumpen werden das zeitliche gesegnet haben, andere sind schlicht nur ausgetrocknet. Könnte man durch einfaches "Angießen" testen. Bei einer Pumphöhe von rd. sechs bis acht Meter wird in vielen Stellen Berlin und Brandenburgs aber trotzdem nur noch warmer Sand rauskommen ;-).

  9. 60.

    Die Entwicklung geht ganz klar in Richtung Wüstenbildung. Bei mir vor dem Block, ist schon eine totale Betonwüste, da hilft auch kein Wässern mehr.

  10. 59.

    Also wir haben uns gerade einen Pool mit 14m3 Wasserinhalt gekauft. Prima Teil!
    Wir gießen jeden Tag unseren Rasen und die Beete und das ist gut so. Wir fördern das Wasser selber aus 10m Tiefe.
    So lange es durch die Wasserverbände untersagt wird, Wasser aus einem solchen Brunnen zum Herunterspülen von Fäkalien und zum Waschen zu verwenden, sprich eine extra Leitung für diesen Zweck ins Haus zu legen, ist das für mich ok.

  11. 58.

    geht die Entwicklung womöglich Richtung Wüstenbildug ?

    Gletscher schmelzen weltweit, sogar Arktis und Antarktis melden ständig gewaltige Eisabbrüche und steigende Temperaturen, ebenso sinken die Grundwasserspiegel.... ohne Wasser kein Leben
    der Golfsport hat eine dunkle Zukunft, da bleiben dann nur die Löcher, aber kein Golfrasen ; besser Umsatteln auf Boule

  12. 57.

    Ein sehr großes Problem ist doch nicht nur das Bewässern sondern das fast jede Rasenfläche als Liegewiese oder Spielplatz täglich benutzt wird. Es wird doch nicht mal vor Schlossparks halt gemacht.

  13. 56.

    Wir haben uns jetzt ein Trocken-Klo angeschafft, auch danach verzichten Wir natürlich auf das Hände waschen.

  14. 55.

    Nein, das sollten Sie hier nicht behaupten. Es ist verboten und strafbar! Niemals darf desinfiziertes Poolwasser in den Boden entlassen werden, sondern muss per Tankwagen abgefahren werden. Das ist jetzt aber nichts Neues.

  15. 54.

    Trinkwasser würde ich auch nie zum Gießen verwenden. Wir haben schon drei Jahre Trockenrasen und nutzen sonst eine Grundwasserpumpe.

  16. 53.

    Hundekot, Kippen, Masken, Müll, alles ein Problem für unsere Natur

  17. 52.

    Also ich weiß nicht wo sie wohnen, bei mir in der Umgebung sind die Wiesen noch grün.
    Der Hundekot ist ein Problem, da haben sie Recht!!!

  18. 51.

    Wir nehmen Wasser aus der Spree, zur Toilettenspülung. Muss man nur öfters das WC wechseln, da es sehr schnell braun wird. Manchmal nehmen Wir auch das Wasser, aus den Regentonnen.

  19. 50.

    Die meisten Rasenflächen in Berlin, sind voll Hundedreck und anderem Müll - am Besten ist zubetonieren und danach Grün anmalen.

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