Berlin-Pankow - Demonstranten fordern lückenlose Aufklärung nach Mord an Sechsfach-Mutter

So 29.05.22 | 18:21 Uhr
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Bei einer Demonstration gegen Gewalt an Frauen halten Teilnehmer ein Transparent mit der Aufschrift "Stoppt Femizide". Die Demonstration bezieht sich auf die Ermordung einer Frau aus Afghanistan durch ihren Ehemann am 29. April in Pankow. (Foto: Christophe Gateau/dpa)
Video: rbb|24 | 29.05.2022 | Material: rbb24 Abendschau | Bild: Christophe Gateau/dpa

Einen Monat nach der Ermordung einer sechsfachen Mutter aus Afghanistan mutmaßlich durch ihren Ehemann haben zahlreiche Menschen mit einer Demonstration in Berlin-Pankow an das Opfer erinnert. Gleichzeitig forderten die laut Polizei rund 300 Teilnehmer eine lückenlose Aufklärung des Verbrechens und mehr Maßnahmen gegen Gewalt an Frauen. Auch mögliche Fehler der Polizei müssten untersucht werden.

Der Gedenkmarsch führte vom U- und S-Bahnhof Pankow in die Maximilianstraße, wo die Demonstranten nahe dem Tatort eine Kundgebung abhielten. Organisiert wurde die Veranstaltung von einem Bündnis verschiedener Initiativen. Sie sprachen schon im Vorfeld in einer Erklärung von einer "gehörigen Mitschuld staatlicher Organe" an dem Verbrechen, weil die Frau vor dem Mann nicht ausreichend geschützt worden sei.

Die 31-Jährige war am 29. April nahe einem Spielplatz im Beisein ihrer Kinder brutal mit einem Messer getötet worden. Ihr 42-jähriger Ehemann, von dem sie sich getrennt hatte, sitzt als mutmaßlicher Täter in Untersuchungshaft. Zwei Monate vor der Tat hatte die Frau ihren Mann zum ersten Mal bei der Polizei angezeigt. Danach suchte sie Hilfe bei den Wachleuten des Flüchtlingsheims, in dem sie wohnte. Zwei weitere Anzeigen gegen den Mann nahm die Polizei in den nächsten Wochen auf, und er erhielt Hausverbot in dem Heim seiner Frau.

Die Berliner Polizei untersucht derzeit, ob sie Fehler gemacht und die Frau nicht ausreichend geschützt hat. Geprüft wird, ob interne disziplinarrechtliche Maßnahmen gegen Beamte eingeleitet werden.

Sendung: rbb24 Abendschau, 29.05.2022, 19.30 Uhr

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19 Kommentare

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  1. 19.

    Zwischen „Omas gegen Rechts“ und dem „Netzwerk gegen Femizide“ demonstrieren kommunistische Frauenorganisationen und Privatleute mit selbstgemalten Schildern. Die Rednerinnen der Organisationen werfen nicht nur der Polizei vor, “Blut an den Händen“ zu haben, sondern geben auch der „kapitalistisch-patriarchalen Gesellschaftsordnung“ die Schuld für den Tod von Zohra G. Der Sprecher des „Afghanischen Kommunikations- und Kulturzentrums“ verurteilt ebenfalls Gewalt an Frauen, sieht eine der Hauptursache aber in der verfehlten deutschen Flüchtlings- und Sicherheitspolitik.
    Finde ich etwas einseitig.
    In Afghanistan waren Frauen immer schon Opfer häuslicher Gewalt.

    https://www.zeit.de/kultur/2022-05/femizide-afghanistan-taliban-frauen-gewalt-10nach8/seite-2

  2. 18.

    Zitat: "Das ist ein schwieriges Thema . . ."

    Das ist überhaupt kein "schwieriges Thema". Schusswaffen gehören, von bestimmten Ausnahmefällen abgesehen, nicht in private Hände. Und es ist ja in Deutschland anders als in den USA nicht so, dass man sein Leben oder meinetwegen auch sein Eigentum häufig gegen mit Schusswaffen bewehrte Angreifer verteidigen müsste. Umso weniger Waffen, umso besser sollte die Maxime sein.

  3. 17.

    Wir leben aber in einem Rechtsstaat und nicht in einer Diktatur nach ihren Vorstellungen.

  4. 16.

    Hier sind ein paar Zahlen für die NRA Freunde und Rambo Fans: Allein im Jahr 2021 wurden mehr als 20.000 Menschen getötet - Suizide herausgerechnet. Waffen töten hauptsächlich Unschuldige und machen das Leben grundsätzlich unsicherer!

    https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/usa-schusswaffengewalt-tote-101.html

    Merke: Erst denken, dann tippen!

  5. 15.

    Die Ausweisung des Täters vor der Tat war möglich? Das wäre ein Schutz gewesen, wenn man so auslegen kann... und will/muss.

  6. 14.

    Vielleicht kann man sich drauf einigen das der Täter die alleinige Schuld trägt - Alle anderen Schuldzuweisungen sind völlig fehl am Platze

  7. 13.

    Bin ich ganz bei Ihnen, aus juristischer Sicht wird das in diesem Land allerdings nichts werden. Oder die Gesetze müssen geändert werden. Deswegen sind disziplinarische Ermittlungen gegen Polizisten ziemlicher Quatsch, da sie wie oben geschrieben keine Handhabe hatten. Das ist nur wieder Aktionismus der Politik und vom eigenen Versagen abzulenken.

  8. 12.

    Das ist ein schwieriges Thema: kann man sich nicht verteidigen und wird durch den Angreifer getötet hat man die A....karte. Verteidigt man sich mit einer illegalen Waffe und der Angreifer stirbt dabei wird man dafür bestraft....aber man lebt dafür länger! Was ist nun richtig?

  9. 11.

    Darin dürften wir uns hier ja durchaus alle einig sein. Leider sieht die deutsche Rechtsprechung das anders. Solange die Politik hier keine Abhilfe schafft, sind Polizei und Justiz die Hände gebunden. Das ganze Verfahren wäre mit einem enormen Prüfaufwand verbunden, um Männer nicht unberechtigt von ihren Kindern zu trennen, deshalb lässt es die Politik wohl lieber, etwas zu ändern.

  10. 10.

    Es ist leider davon auszugehen, dass die Polizei alles richtig gemacht hat. Mehr lässt das deutsche Recht schlichtweg ja nicht zu. Das einzige, was diese Tat wohl verhindert hätte, wäre ein Opferschutzprogramm, bei dem die Frau mit ihren Kindern mit neuer Identität an einen unbekannten neuen Ort gebracht worden wäre.

  11. 9.

    Solange die Politik jenseits der Pseudo-Maßnahmen keine echten Maßnahmen gegen andauernde Bedrohungen schafft und die Drohenden sämtliche Rechte behalten, die ein ständiges Aufeinandertreffen unumgänglich machen, ist die Polizei vollkommen machtlos. Täteransprache und ähnliche Pseudo-Maßnahmen halten diese Täter nicht zurück. Die Schuld hier wieder der Polizei unterschieben zu wollen, ist das übliche Schwarze-Peter-Spiel.

  12. 8.

    Die Zahl der Tötungsdelikte pro 100.000 Einwohner ist in den USA mehr als zehn Mal so hoch wie in Deutschland.

  13. 7.

    "die Rechte des Vaters" hat so ein Mensch m. E. verwirkt! Wer die Mutter seiner Kinder misshandelt, misshandelt auch die Kinder, und sei es "nur" seelisch, weil sie es miterleben müssen. Ohne mich politisch platzieren zu wollen...: der Mann hatte spätestens beim zweiten Vorfall ausgewiesen gehört!

  14. 6.

    Da ist es in Amerika anders, wo jeder legal eine Schusswaffe besitzen darf, um sein Leben und Eigentum notfalls zu verteidigen. Hier wird man dafür bestraft, wenn man sich mit einer (illegalen) Schusswaffe verteidigt.
    Also muss man sich demütig umbringen lassen!

  15. 5.

    Vielleicht mal von der Seite gefragt. Man hört es immer wieder, fast jede Frau (meine nicht) wird in ihrem Leben misshandelt, geschlagen. Dann müßten alle Partner vorsorglich eingesperrt werden? So einfach ist das nicht. Entscheidungen zu treffen und letztlich Polizei und Justiz Untätigkeit zu unterstellen, ist hingegen sehr einfach. Hinzu kommt, soll in jede Verbindung einErmittler gestellt werden? Jede Attacke ist zu viel, aber wie sie sich, wie sie dargestellt wird...

  16. 4.

    Zwei Monate vor der Tat hatte die Frau ihren Mann zum ersten Mal bei der Polizei angezeigt. Der Täter erhielt Hausverbot in dem Heim seiner Frau. Den Täter vorsorglich einsperren, dafür gibt es bei dem bis dato bekannten Sachverhalt keine Rechtsgrundlage.

  17. 3.

    Bei aller Wut und Trauer bleibt die Frage, was hätte getan werden müssen? Den Täter vorsorglich einsperren, wie lange, weswegen? Frauenhaus, wie lange soll eine sechsköpfige Familie da drin wohnen? Irgendwann muss sie auch mal raus! Also bietet ein Frauenhaus wirklich einen nötigen allumfassenden Schutz? Wenn dann müsste es den Frauen möglich gemacht werden, vollständig unterzutauchen, welches sicherlich wieder die Rechte des Vaters verletzen würde.
    Von einem strukturellen Problem zu reden, halte ich für falsch, dafür arbeiten zuviele Frauen in diesen Behörden. Zudem unterstellt es eine Tolerierung der Männer.

  18. 2.

    Die Polizei untersucht, ob sie einen Fehler gemacht hat.....Ach was! Würde Loriot sagen. Anzeige aufgenommen, du, du, du gemacht und bitte nicht näher kommen. Alles richtig gemacht. Wie immer in solchen Fällen.

  19. 1.

    Was soll die Polizei bei einer Anzeige wegen Bedrohung schon machen? Personenschutz gibt es nur für Politiker (sogar ohne konkrete Bedrohung), den Drohenden vorsorglich festnehmen geht nicht und einen Waffenschein für eine Waffe erhält der Bedrohte auch nicht! So traurig es ist, bevor keine Tat begangen wurde, kann in Deutschland niemandem geholfen werden.

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