Einrichtung der Uni Potsdam - Anwaltskanzlei soll Belästigungsvorwürfe am Geiger-Kolleg prüfen

Di 10.05.22 | 19:17 Uhr
Archivbild: Das frühere Königliche Hofgärtnerhaus auf dem Areal des neu eröffneten "Europäischen Zentrums für Jüdische Gelehrsamkeit" an der Universität Potsdam. Mit der Eröffnung erhielten das Abraham Geiger Kolleg und das Zacharias Frankel College ein neues Domizil auf dem Potsdamer Campus. (Quelle: dpa/S. Stache)
Bild: dpa/S. Stache

Nach Vorwürfen sexueller Belästigung am Potsdamer Abraham-Geiger-Kolleg (AGK) hat der Zentralrat der Juden eine umfassende Prüfung der Vorgänge angekündigt. Dazu werde zeitnah eine Anwaltskanzlei beauftragt, erklärte Zentralrats-Präsident Josef Schuster am Dienstag in Berlin.

Die "Welt" hatte Ende vergangener Woche von Vorwürfen sexueller Belästigung eines Studenten durch einen Mitarbeiter des Abraham-Geiger-Kollegs berichtet. Dieser soll 2019 ein pornografisches Bild verschickt haben. Daraufhin hatte der Rektor des Kollegs, Walter Homolka, am Freitag angekündigt, seine Ämter vorerst ruhen zu lassen.

Am Abraham-Geiger-Kolleg werden Rabbiner für jüdische Gemeinden in Deutschland und in anderen Ländern ausgebildet. Inzwischen ist die Institution Teil der Universität Potsdam.

Langjähriger Mitarbeiter der Ausbildungsstätte im Mittelpunkt

Nach den zuerst erhobenen Vorwürfen hatte die AGK-Geschäftsführung am Montagabend weitere Vorkommnisse eingeräumt. So habe es gegen einen Mitarbeiter bereits im Dezember 2020 und im Februar 2022 Vorwürfe wegen sexueller Belästigung gegeben. Daraufhin sei das Arbeitsverhältnis Ende Februar beendet worden.

Zentralrats-Präsident Josef Schuster betonte, eine vorbehaltslose, lückenlose und völlig unabhängige Untersuchung und Aufklärung sei zwingend geboten. Es gehe hier nicht nur um eine strafrechtliche Dimension der Taten, sondern auch um das moralische Verhalten von Mitarbeitern in jüdischen Einrichtungen sowie den Schutz und die Rechte der Betroffenen.

Der Zentralrat der Juden werde deshalb zeitnah eine Anwaltskanzlei mit einer umfassenden Prüfung beauftragen, hieß es weiter. Die Ergebnisse der Untersuchung sollten in anonymisierter Form veröffentlicht werden.

Uni Potsdam hat Untersuchungskommission eingerichtet

Die Uni Potsdam hatte mitgeteilt, sie habe bereits vor Wochen eine sechsköpfige Untersuchungskommission eingerichtet, die bis August einen Bericht vorlegen soll. Nach Angaben der Hochschule ist die Untersuchungskommission beauftragt, "diverse Vorwürfe" gegen Homolka und einen wissenschaftlichen Mitarbeiter zu prüfen. Die Kommission werde konkrete Empfehlungen und Vorschläge zum weiteren Vorgehen vorlegen.

Sendung: Brandenburg Aktuell, 10.05.2022, 19:30 Uhr

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