Interview | Mutter mit Alkoholproblem - "Ohne meine Kinder würde ich wahrscheinlich immer noch trinken"

Sa 14.05.22 | 08:09 Uhr
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Symbolbild: Eine junge Frau trinkt am 19.03.2022 auf dem Tempelhofer Feld, im Licht der Abendsonne, Bier im Gehen aus der Flasche. (Quelle: dpa/Wolfram Steinberg)
Bild: dpa/Wolfram Steinberg

Alkohol war schon immer ein Thema für Katrin L. aus Brandenburg. Stress im Job, zwei Kinder und die Corona-Krise ließen die Situation eskalieren: Die 41-Jährige trank regelmäßig - meist heimlich. Bis zum Filmriss. Dann fand sie aus der Sucht.

Katrin L. (Name von der Redaktion geändert) aus Brandenburg entspricht nicht der vermeintlich typischen Vorstellung einer Alkoholikerin. Die 41-Jährige ist Akademikerin, wuppt einen anspruchsvollen Vollzeitjob und hat zwei kleine Kinder. Getrunken bis zum Filmriss hat sie trotzdem - und das meist heimlich. Bis vor elf Monaten. Im Interview erzählt sie, wie sie anfing, was sie triggert(e) und wie sie es geschafft hat, mit dem Trinken aufzuhören.

Aktionswoche Alkohol

rbb|24: Hallo Frau L., erinnern Sie sich noch an den Moment, als Sie bemerkt haben, dass Sie ein Alkoholproblem haben?

Katrin L.: Darüber habe ich viel nachgedacht in den letzten Monaten. Vor etwa zehn Jahren, gegen Ende des Studiums, hatte ich einen lichten Moment. Da hatte ich viel Stress und gleichzeitig einen Freund und einen Freundeskreis in dem relativ viel getrunken wurde. Eines Morgens bin ich aufgewacht und habe mich richtig schlecht gefühlt. Da hatte ich wirklich einen Filmriss, ich wusste nicht mehr, wie ich nach Hause gekommen bin, was ich gesagt und gemacht habe am Abend zuvor. Das war schlimm. Das vorherrschende Gefühl war Scham.

Und das ist dann immer mal wieder passiert, sodass ich mich gefragt habe, was da los ist. Ich habe dann mit meinem damaligen Freund gesprochen und gefragt, ob er denkt, dass ich ein Problem habe. Er war Arzt und hat das abgetan. Dann habe ich gegoogelt und geschaut, ob ich Alkoholikerin sein könnte. Aber da kam auch immer raus: Eigentlich nicht. Ich habe auch die Infos der Anonymen Alkoholiker gelesen, aber die haben so einen christlichen Ansatz, das hat mich abgeschreckt. Der typische Alkoholiker, sagte ich mir, ist ja wer anders. Jemand, der täglich trinkt und der in der Gosse liegt mit seiner Schnapspulle. Das war bei mir nicht so. Ich habe damals auch nicht täglich getrunken.

Es gibt den Begriff der hochfunktionalen Alkoholiker. Der passt vielleicht ganz gut zu mir: Ich habe studiert, hatte einen Job, aber ich hatte schon lange das Gefühl, da stimmt was nicht.

Wie hat der Alkohol Sie in Ihrem Leben begleitet?

Ich habe mit 14, 15 Jahren mit dem Trinken angefangen. Bei der Dorfjugend trank jeder, da musste man sich nicht verstecken. Ich habe lange immer nur auf Partys und nur am Wochenende getrunken. Während meines Studiums habe ich mal vier Monate nichts getrunken. Meine Freunde konnten das nicht verstehen, sie versuchten mich unter Druck zu setzen, damit ich weiter mittrinke. Das fand ich damals schockierend. Dass die Gesellschaft eher akzeptiert, dass du total besoffen bist, als dass du nüchtern bleibst. Und dann habe ich auch irgendwann wieder mitgetrunken.

Als ich dann meinen ersten, sehr stressigen Job hatte, habe ich angefangen, heimlich allein zu trinken, da dachte ich dann schon: Das ist vielleicht nicht so gut. Doch ich hatte das Gefühl, ich könnte so runterkommen. Ich denke, da habe ich angefangen, Alkohol als Betäubungsmittel zu nutzen.

Die Gesellschaft akzeptiert eher, dass du total besoffen bist, als dass du nüchtern bleibst.

Katrin L., trocken seit elf Monaten

Was hat Ihnen Alkohol bedeutet?

Alkohol wurde von etwas, was dazugehörte und nebenbei mitlief zu etwas, das eine Hauptrolle in meinem Leben spielte. Ich wollte dann auch allein zuhause trinken, ich wollte mich mit niemandem treffen. Ich war dabei nie sturzbetrunken, sondern habe ein bis zwei Gläser getrunken, bis ich einen leichten Pegel hatte.

Wie ging es dann weiter?

Ich habe dann meinen Ex-Mann kennengelernt, mit dem ich auch meine Kinder zusammen habe. Ab dann habe ich dann nicht mehr allein getrunken, weil ich viel Zeit mit ihm verbracht habe - das war eine Art soziale Kontrolle. Ich bin nach unserem Kennenlernen recht schnell schwanger geworden, habe direkt komplett aufgehört zu trinken und habe auch während der relativ langen Stillzeit nicht getrunken.

Doch danach ist das alles eskaliert. Der ganze Stress durch die Arbeit, das erste Kind war anstrengend, das zweite bald unterwegs – und die Partnerschaft lief auch nicht mehr so gut. Nachdem mein zweites Kind abgestillt war, habe ich angefangen, wieder abends zu trinken. Mein Partner hat das auch gemacht. Das fühlte sich okay an. Ich fand, dass der Stress mit den Kindern dann nicht mehr so schlimm war, ich konnte sie dann auch viel entspannter trösten.

Naja, und dann kam Corona. Da wurde der Stress noch größer, weil die Kinder nicht in die Kita konnten, und mein Alkoholkonsum nahm zu. Da habe ich mich richtig auf die Abende gefreut, weil ich dann endlich anfangen konnte zu trinken. Dann kamen die Filmrisse zurück. Ich wusste teilweise nicht mehr, wie ich meine Kinder ins Bett gebracht habe. Ich habe inzwischen dann getrunken, bis die Flasche leer war. Das war ein großes Alarmsignal. Da wurde mir klar, dass ja auch irgendwas mit den Kindern sein könnte und ich wäre dann in so einem Zustand. Ich wohne im Speckgürtel von Berlin, da kann man sich nicht so leicht mit den Öffentlichen irgendwohin bewegen. Da wusste ich: Jetzt ist es ein Problem.

Dann habe ich erstmal aufgehört, in Gegenwart meines Mannes zu trinken und habe wieder heimlich getrunken. Ich bin nach der Arbeit zum Supermarkt gefahren, habe eine kleine Flasche Bier gekauft und ausgetrunken, mir einen Kaugummi in den Mund geschoben und bin zurück nach Hause. Obwohl wir Alkohol längst als Problem identifiziert und die Abmachung getroffen hatten, beide nicht mehr zu trinken. Aber ich konnte mich nicht daran halten. Meine Gedanken begannen, sich immer mehr um den Alkohol zu drehen.

Wie haben Sie da rausgefunden?

Ich habe erstmal eine Pause von drei Monaten gemacht mit dem heimlichen Trinken. Das ging, denn ich musste zu einem ärztlichen Check-up. Da war alles in Ordnung. Da dachte ich: Ok, ich kann ja mäßig trinken. Dann habe ich auf einer Party nur wenig getrunken, hatte aber trotzdem einen Filmriss.

Daraufhin habe ich erneut gegoogelt und bin auf einen Podcast einer Frau gestoßen, die selbst Alkoholikerin war. Sie berichtet über ihre Erfahrungen und davon, wie sie nüchtern geworden ist. Dazu hat sie ein 30-Tage-Programm entwickelt. Das hat mich voll abgeholt, ich habe das Programm gleich gebucht. Man bekommt dann jeden Tag ein Video per Email, in dem man angesprochen wird. Seitdem bin ich nüchtern. Elf Monate sind das nun.

Welche Hindernisse gab und gibt es auf Ihrem Weg, nüchtern zu bleiben?

Am schwierigsten sind Events. Egal, wo man hingeht, es wird überall getrunken. Freunde und Bekannte, die kein Alkohol-Problem haben, verstehen es nicht. Es gibt ja Leute, die unangenehm werden, wenn sie trinken. Ich werde lustig. Wahrscheinlich sogar lustiger als nüchtern - und die Freunde vermissen die alte Katrin. "Oh immer noch nicht?", fragen sie mich manchmal enttäuscht, wenn ich den angebotenen Alkohol ablehne. Die Leute, die selbst ein Problem haben, erkennt man plötzlich auch. Denen hält man einen Spiegel vor und die versuchen einen dann auch zu überreden. Damit komme ich inzwischen klar, aber am Anfang war das schwierig. Alkohol ist einfach allgegenwärtig.

Ich bin anfangs im Supermarkt an den Weinregalen vorbeigelaufen und dachte nur: nein, nein, nein. Inzwischen ist mir das egal. Ich fände es schön, wenn ich in Maßen trinken könnte. Doch ich kann nur an oder aus - und ich habe mich für aus entschieden. Ich habe an meinen Vater mit seinem Alkoholproblem gedacht und gewusst, das will ich nicht. Nicht für mich und vor allem nicht für meine Kinder. Ohne meine Kinder würde ich wahrscheinlich immer noch trinken.

Mein Vater war manchmal so sturzbetrunken, dass er im Haus irgendwo hingespuckt hat. Er war auch kein freundlicher Betrunkener, auch für uns Kinder nicht, und meine Mutter hat unter den Folgen seines Alkoholkonsums sehr gelitten. Ihn hat das gesundheitlich schwer geschädigt, er ist aber inzwischen trocken. Da er sehr unreflektiert ist, können wir über das Thema aber leider nicht reden.

Wenn man funktioniert und arbeiten geht, dann denken alle, dass man kein Problem haben kann.

Katrin L., trocken seit elf Monaten

Wie sieht Ihr Leben ohne Alkohol aus?

Am Anfang habe ich alkoholfreie Getränke getrunken, alkoholfreies Bier beispielsweise. Das wird aber nicht empfohlen, weil das wieder triggert. Ich trinke jetzt Cola - das reicht mir. Bei medizinischen Produkten, Hustensaft zum Beispiel, bin ich tiefenentspannt, das macht mir nichts. Kürzlich habe ich mal versehentlich an einem alkoholischen Getränk genippt. Das habe ich dann weggestellt.

Inzwischen geht es auch bei Geburtstagen und Partys: Je länger das geht, desto weniger Kommentare bekommt man. Auf der Arbeit ist es allerdings manchmal komisch. Da merke ich schon, wenn man abends gemeinsam essen geht, dass die Kollegen komisch gucken. Aber ich sage dann, dass ich zu Corona-Zeiten viel getrunken habe und jetzt gerade keinen Alkohol mehr mag. Outen würde ich mich nie dort. Ich weiß, dass es viele gibt, die da einen offeneren Umgang haben, aber ich habe Angst, dass das auf mich oder meine Kinder zurückfällt. Ich will auch nicht, dass das mal zur Sprache kommt, wenn sie dabei sind.

Ich nenne mich auch nicht so gerne Alkoholiker, Raucher nennt man ja auch nicht Nikotiniker.

Der Klischee-Alkoholiker ist männlich, Frauen hat man dabei seltener im Blick. Glauben Sie, das Problem wird bei Frauen unterschätzt?

Oh ja. Weil Frauen oft heimlich trinken. In einer Facebook-Gruppe, in der ich zu dem Thema bin, sind schätzungsweise 75 Prozent Frauen. Und ich habe jetzt auch einen besseren Blick auf die Frauen in meinem Umfeld. Frauen trinken sich nicht so in die Gosse, sie trinken eher im Stillen. Ich denke, dass das unterschätzt wird. Auch mein Ex-Freund, der Arzt, hat das ja verharmlost. Es ist oft Thema in der FB-Gruppe: Dass Ärzte und Therapeuten das Problem runterspielen. Wenn man funktioniert und arbeiten geht, dann denken alle, dass man kein Problem haben kann.

Haben Sie Angst vor Rückfällen?

Manchmal habe ich noch Phasen, in denen es mir nicht so gut geht. Inzwischen habe ich mich vom Vater meiner Kinder getrennt und wohne, wenn die Kinder bei ihm sind, allein. Manchmal fehlt mir da die soziale Kontrolle. Dann habe ich Angst. Am 1. Mai habe ich so viele Leute mit Alkoholflaschen gesehen. Dann denke ich schon, dass ich Lust hätte, normal zu trinken. Aber weil ich das nicht kann, habe ich dann meine Tools aus dem Programm: Split Screen zum Beispiel. Ich erinnere mich dann, wie es mir geht, wenn ich getrunken habe. Stelle mir vor, wie es wäre, wenn einem meiner Kinder was passiert und ich nicht helfen kann. Ich muss sicher aufpassen, wenn die Kinder älter sind und mich nicht mehr so brauchen. Ich vermute, dass es mir dann schwerer fällt.

Was würden Sie anderen Frauen raten?

Ich würde ihnen raten, dass sie auf sich selbst hören. Ich habe mal gelesen: Wenn du googelst: Habe ich ein Alkoholproblem – dann hast du eins. Dann muss man einen Weg finden, das Problem zu anzugehen. Manche Leute hören einfach auf, andere gehen zu den Anonymen Alkoholikern – außerdem gibt es Lektüre. Ich habe meine im Schrank versteckt, damit sie keiner sieht. Wichtig ist zu lernen, wie man sich ablenken kann und was einen triggert.

Was hilft ist Gemeinschaft. Zu dem Programm, mit dem ich aufgehört habe, gibt es auch die Facebook-Gruppe, die ich schon erwähnt habe, da sind wir über 2.000 Mitglieder. Ich dachte am Anfang, oh Gott, eine FB-Gruppe! Aber das tut total gut. Man kann da jederzeit schreiben und kriegt sofort Rückmeldungen. Wir haben jetzt sogar ein Treffen organisiert. Allein schafft man es schwerer.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Jenny Barke, rbb|24.

Sendung: rbb24 Abendschau, 13.05.2022, 19:30 Uhr

21 Kommentare

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  1. 21.

    Wer sagt denn, dass der Entzug zuerst kommen muss? Bei Menschen, die eine Sucht praktizieren, um Gefühle zu dämpfen, muss man auch die Gefühle und ihre Ursachen so schnell wie möglich angehen. Andernfalls zäumt man leicht das Pferd von hinten auf - was dann einer der Gründe sein dürfte, warum viele Süchtige große Schwierigkeiten haben, stabil zu bleiben.

  2. 20.

    Ich weiß nicht, ob sie selbst betroffen sind, aber der Weg ist nun mal erst der Entzug, dann die Aufarbeitung. Und der Entzug, sollte er von einer Einrichtung oder Gruppe begleitet werden, beinhaltet schon ein gewisses Maß an Aufarbeitung. Und ich stimme Ihnen zu, Therapeuten zu bekommen, ist nicht einfach. Aber keine Grundvoraussetzung für den Beginn der Abstinenz.

  3. 19.

    Gar nicht förderlich ist es jedenfalls, Probleme klein zu reden. Und somit jenen Leuten, die von ihren Süchten nicht selbsttätig loskommen, das Gefühl des Versagens zu geben, weil es doch angeblich eigentlich recht einfach ist. - Wie gesagt: Eine Menge Leute kompensieren mit ihrer jeweiligen Sucht nur tiefer liegende Probleme. Und an diese tiefer liegenden Probleme müssen sie ran - im Idealfall mit professioneller Hilfe. Aber hier kommt eben das Problem der "Endlostherapien" zu Tage: Eine Anzahl von Therapeut*n, z.B. jene mit tiefenpsychologischer Ausrichtung, gehen pauschal davon aus, dass ihre Klienten mindestens 140 Therapiestunden brauchen. Das führt zu oftmals unnötig langen Therapien, und somit für andere potenzielle Klient*n zu monatelangen Wartelisten, die auch hier bei rbb24 schon thematisiert wurden.

  4. 18.

    Es ist garantiert nicht förderlich Menschen die nach einer Lösung suchen, mit allem zu belegen, was den Weg schwer bis aussichtslos erscheinen lässt. Wie kommen sie auf Endlostherapien? Wichtig ist erst einmal, vor sich selbst das Problem klar zu benennen. Der Rest ist eine Entwicklung. A braucht eine Entgiftung, B eine Gruppe, bei C reicht ein unterstützendes Umfeld. D zieht es alleine durch. Der Anfang liegt in der Ehrlichkeit sich selbst gegenüber. Dann kommt auch der Rest.

  5. 17.

    Freut mich, dass Sie das so gut im Griff haben. Ich kenne persönlich aber zwei Frauen die trinken, weil sie so ihre Angst vor Begegnung mit Anderen dämpfen wollen. Und einen Mann der trinkt um zu vermeiden, dass seine beruflichen Sorgen ihm den Schlaf rauben. Eine Verwandte von mir ist esssüchtig: Aus Angst vor Emotionen greift sie permanent zu Leckereien, und ist mittlerweile laut eigener Aussage in Gesundheit und Lebensqualität stark eingeschränkt. Natürlich sind weder Drinks noch Leckereien eine Lösung - bringen jedoch kurzzeitig Linderung negativer Gefühle. - Auf Dauer helfen in allen solchen Fällen nur gute psychologische Beratungsangebote, die wirklich an die Ursachen gehen. Doch die sind leider dünn gesät und mit recht hohen Schwellen (z.B. ewige Wartezeiten, Endlos-Therapien) verbunden.

  6. 16.

    Ich habe dann irgendwann gemerkt dass ich täglich trinke. Selten so viel, dass ich betrunken war. Aber ich hatte immer was da. Als ich dann aber zweimal sturzbetrumken war, bei zwei Gläsern Wein, hatte ich Angyt weil ich die Kontrolle verloren hatte. Habe dann erst mal aufgehört. Ist jetzt 6 Jahre her. Seitdem bin ich klar. Das ist schön

  7. 15.

    Ich bin seit 35 Jahren trocken, mir hat eine Weisheit geholfen, die ich damals im Krankenhaus lernte: Es gibt keinen Grund, zu trinken. - Seit 35 Jahren suche ich immer wieder mal, ob es nicht doch einen gäbe. Es gibt ihn nicht: Alkohol ändert gar nichts. Also trinke ich nicht.

  8. 14.

    Auch hier ist zeigt sich: Alkohol ist oft nur das sekundäre Problem. Die primären Probleme sind Überforderung, Dauerstress, Unzufriedenheit, Einsamkeit, mangelndes Selbstwertgefühl und Ähnliches. Wer solche Grundursachen nicht angeht, hat ein hohes Risiko für einen Rückfall - oder einen Wechsel in eine andere Sucht: Koksen, Kaufen, Zocken, ...

  9. 13.

    Halte durch !!!!

  10. 12.

    Interessant ist doch eher, dass alle immer erwarten, dass ich begründe, warum ich keinen Alkohol möchte. Bin seit 22 Jahren trocken, niemandem Rechenschaft schuldig und sage stets „Nein, danke“ Punkt. Wer da was drüber denkt. ist mir völlig wurscht.

  11. 11.

    Hut ab vor der Betreffenden. Ich erwähnte es früher schon mal; ICH MÖCHTE MICH NICHT DAFÜR RECHTFERTIGEN MÜSSEN, DAS ICH AUS ANDEREN GRÜNDEN AUSSERHALB DER GESUNDHEIT KEINSp ALKOHOL TRINKE ! PUNKT ! BASTA ! Wem das nicht passt, muß ja nicht mit mir ! Deswegen ich noch lange keine "Spaßbremse"(auch so eine Diffamierung)! Alkoholsucht/-Mißbrauch kann erhebliche Folgen für Familie,Freunde, Beruf usw. haben. Wer mittelbar oder unmittelbar betroffen ist, weiß was ich meine... Viel Kraft weiterhin

  12. 10.

    Vielen Dank!
    Meine Schwester hat übrigens nach einigen zaghaften Mittrink-Aktionen al teenager auch beschlossen, keinen Alkohol mehr zu trinken. Unsere Eltern haben beide viel Alkohol getrunkenund Kette geraucht und sich beide damit die Gesundheit und uns die Kindheit zum Teil ruiniert. Das hat nachhaltig geprägt. Ich habe Hochachtung vor allen, die es schaffen, davon loszukommen und standhaft bleiben. Ich kenne mehrere, die es geschafft haben und berichten, wie unglaublic schwer das oft ist, wie froh sie aber für den Zugewinn an Lebensqualität sind - und das ist es, was letztlich zählt. Wer meint, Alkohol (Drogen) würde(n) Probleme lösen, belügt sich selbst, denn der Konsum schafft mit der Zeit nur weitere.

  13. 9.

    Lehnt mein Gegenüber angebotenen Alkohol mit der Begründung, er ist trockener Alkoholiker, ab, so hat das bei mir nur eine Reaktion: Respekt und Hochachtung.

    Schwammige Ausreden sind so durchschaubar. Z.B.: Aber ich sage dann, dass ich zu Corona-Zeiten viel getrunken habe und jetzt gerade keinen Alkohol mehr mag. Wer soll das eigentlich glauben.
    Übrigens: Die anonymen Alkoholiker sind nicht christlich ausgerichtet, sondern helfen allen und immer. So habe ich es im Familienkreis erlebt.

  14. 8.

    Ich ziehe meinen Hut vor dieser Frau... bin selbst seit 10 Jahren trocken. Es ist und bleibt ein harter und steiniger Weg .

  15. 7.

    @CD (1.): Ich finde es toll, dass Sie dann immer stark geblieben sind und ich finde es furchtbar, wenn das persönliche Umfeld Druck auf die Enthaltsamen aus der Gruppe ausübt.

    @ Elisabeth: Von der Beschreibung her könnte es das Programm von Nathalie Stüben sein, das passt von der Beschreibung. Einfach mal den Namen in die Suchmaschine Ihrer Wahl eingeben, dann finden Sie das schnell.

    Es wäre in der Tat schön und hilfreich, wenn man nach der Lektüre einer solchen Reportage nicht selber auf die Suche gehen müsste (nicht jede/r ist gut darin), sondern wenn dann auch entsprechende Links oder Namen aufgeführt würden. Es wird im Idealfall einige geben, die für sich oder Nahestehende auch gerne mal in dieses Angebot hineinschauen möchten.
    Vielleicht besteht diesbezüglich aber auch die Problematik, dass der rbb keine "Werbung" für ein bestimmtes Entwöhnungsprogramm machen darf, ohne die anderen Programme dadurch zu verprellen.

  16. 6.

    Guten Tag,

    wie heisst denn den Podcast und das 30-Tage Programm?

    Mit freundlichen Grüßen

  17. 5.

    "Die Gesellschaft akzeptiert eher, dass du total besoffen bist, als dass du nüchtern bleibst."
    Das finde ich auch äußerst bedenklich. Als Kind eines Alkoholikers und weil mir das gärige an Alkohol einfach nicht scmeckt, hab ich nie Alkohol getrunken, und musste früher regelmäßig erleben, dass andere mich dazu drängten, doch mitzutrinken. Das fand ich übergriffig und daneben, zumal ich auch nüchtern Spaß hatte und Party gemacht habe, also nicht etwa ne Spaßbremse war. Aber dass es sehr oft einfach nicht akzeptiert wird, wenn jemand sich nicht (auch) berauschen möchte, ist ein großes geselschaftliches Problem. Dass man sich erklären muss, warum man nicht trinken/kiffen etc. möchte. Da läuft was gewaltig schief. Inzwischen geht mein Umfeld damit entspannter um, wir sind halt alle älter geworden und es gibt auch ein paar die nach einm Alkoholproblem die Reißleine zogen.

  18. 4.

    Was für eine starke Frau. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass trockene Alkoholiker oft eine sehr weise Lebenseinstellung entwickelt haben. Bis dahin ist es ein langer Weg - also: Hut ab und weiterhin viel Kraft!

  19. 3.

    Ich finde es so wichtig über so ein Thema zu reden und das diese Frau es geschafft hat. Alkohol ist eine Droge, dass sollte nie vergessen werden. Schon früh sollten Jugendliche sensibilisiert werden.

    Ich selber habe nie Alkohol getrunken. Mit Absicht. Das Problem war, dass ich als Jugendliche schon gesehen habe, dass der Umgang damit nicht richtig ist. Trinken um zu vergessen oder um lustiger zu sein. Sry wenn man mich nicht mag wie ich bin, dann kann der Mensch mir auch gestohlen bleiben. Ich kenne die Sprüche, dass man dann eine Spielverderberin ist. Es ist sehr hart da durch zu halten. Langfristig gesehen die richtige Entscheidung auch weil ich bei anderen mitbekommen habe, was Alkohol alles kaputt macht.

  20. 2.

    Vielen Dank für den ehrlichen Bericht, kann mich - auch wenn männlich - oft wiedererkennen.

    > dass ich Lust hätte, normal zu trinken. Aber weil ich das nicht kann ...
    Jetzt noch den letzten mentalen Schritt von "nicht können" zu "nicht wollen" schaffen, dann ist Karin L. endgültig durch mit dem Mist. Denn was man nicht will, darauf hat man auch keine Lust.

    Was ist denn normales Trinken? Löscht Alkohol den Durst besser als alles andere? Nein? Was ist es dann, was man vermisst?

    Ist es gar vorstellbar, dass Alkoholkonsum *unnormales* Trinken ist, weil er über die Funktion des reinen Durstlöschens hinausgeht? Was viele andere machen, muss ja nicht zwangsläufig gut für alle sein. Vielleicht ist normales Trinken alkoholfrei und als Abstinenzler haben wir uns lediglich aus einer Massenpsychose befreit. Manchmal, so beim Morgenkaffee, habe ich Mitleid mit den noch unnormal Trinkenden. ;-)

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