Entwurf vorgestellt - Neue Pläne für RAW-Gelände sehen massiven Umbau vor

Di 17.05.22 | 20:36 Uhr
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Visualisierungen RAW-Gelände in Berlin. (Quelle: Holzer Kobler Architekten/Atelier Loidl)
Video: rbb24 Abendschau | 18.05.2022 | A. Breitfeld | Bild: Holzer Kobler Architekten/ Atelier Loidl)

Wo derzeit Berliner und Touristen Party machen, sollen viele schicke Neubauten entstehen: Investor und Architekten haben am Dienstag die Pläne für die Umgestaltung des RAW-Geländes in Friedrichshain vorgestellt. Einiges soll aber erhalten bleiben.

Die Pläne für die Neugestaltung des RAW-Geländes in Berlin-Friedrichshain sind konkreter geworden.

Am Dienstagabend wurde ein überarbeiteter Entwurf des Architekturbüros Holzer Kobler (Zürich/Berlin) zusammen mit dem Atelier Loidl Landschaftsarchitekten vorgestellt. Mit dabei waren auch Vertreter der Göttinger Kurth Gruppe als Eigentümerin und der Bezirksstadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, Florian Schmidt (Bündnis 90/Grüne).

Baustadtrat spricht von Vielfalt an Nutzungen

Auf dem Gelände des ehemaligen Berliner Reichsbahn-Ausbesserungs-Werks an der Warschauer Straße soll laut Entwurf zum Beispiel ein Bürokomplex mit rund 100 Metern Höhe entstehen. Mehrere bestehende Gebäude sollen den Plänen zufolge abgerissen und durch Neubauten ersetzt werden. Andere stehen unter Denkmalschutz und sollen saniert werden.

Der ausgewählte Entwurf habe überzeugt, weil er eine Vielfalt an Nutzungen ausweise, sagte Schmidt dem rbb. Er wies Kritik zurück, wonach der Charme des RAW-Geländes verloren gehen könnte. Man hoffe, dass die Neubauten mit der bestehenden Nutzung zusammenpassten, so Schmidt. Dabei komme es aber auch auf die Akteure an, die sich dort später einmieten würden. Es sei noch ein langer Weg, aber auf den wolle man sich nun begeben.

Visualisierungen RAW-Gelände in Berlin. (Quelle: Holzer Kobler Architekten/Atelier Loidl)Auf dem RAW-Gelände soll ein Hochhaus gebaut werden.

"Die Herausforderung wird nun sein, ein Miteinander zu finden"

Auch der Betreiber des Cassiopeia-Clubs auf dem RAW-Gelände, Florian Falkenhagen, sieht die Herausforderung darin, ein Miteinander zu finden - er zeigte sich aber auch erleichtert: "Ich glaube, wir können auf der einen Seite glücklich sein, dass wir überhaupt bestehen können", sagte er rbb24 Abendschau. Man habe über die Jahre einen Kompromiss gefunden, so dass es für die Subkultur weitergehen könne. "In Berlin sieht man es oft, dass das nicht der Fall ist."

Bereits seit Jahrzehnten gibt es Pläne für eine Bebauung des Geländes. Das Ausbesserungswerk der Bahn wurde 1994 geschlossen. Die Deutsche Bahn hatte zunächst selbst geplant, das Areal zu bebauen. Stattdessen verkaufte sie es an eine Entwicklungsgesellschaft. Nach Streitigkeiten erwarben mehrere neue Eigentümer das Gelände. 2015 kaufte die Kurth-Gruppe aus Göttingen drei Viertel des Geländes: rund 50.000 Quadratmeter.

Visualisierungen RAW-Gelände in Berlin. (Quelle: Holzer Kobler Architekten/Atelier Loidl)

Sendung: Abendschau, 17.05.2022, 19:30 Uhr

21 Kommentare

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  1. 21.

    Nix dagegen wird in die Höhe gebaut. Nur bitte sind die heutigen Architekten alle zufrieden mit der einfallslosen Architektur? Nur Glas und Schießscharten Fassaden, wegen der achso tollen optimalem Raumaufteilung? Geht's nicht etwas besser die Außen- und Innenwelt der Gebäude miteinander zu verbinden? Sandstein assoziiert mit dem Standboden auf dem Berlin mehrheitlich steht und macht interessante individuelle Fassaden möglich. Genauso aufgekockerte Fassaden mit Grünbewuchs drin, ist was fürs Auge und sorgt für bessere Luft. Der Senat sollte nur langsam aufpassen, dass die Viertel, Kieze nicht immer mehr zerfledert werden. Gerade auch wenn die ach so tolle Mobilitätswende kommen soll(te). Fahrradstellplätze können gut unter der Erde verschwinden und stattdessen Plätze mit Aufenthaltsqualität entstehen. Bäume und Sitzbänke drunter, dazwischen Wiesenstreifen die die Luft abkühlen, statt versiegelte Flächen für die Fahrräder.

  2. 20.

    Was für ein Miteinander denn bitte?!

  3. 19.

    Naja, als echte Berlinerin mit Familie zieht man hier nicht weg nur wegen Hedonismus. Gut das meine Feierzeit schon seit 20 Jahren vorüber ist und ich das nicht mehr brauche.

  4. 18.

    Keiner zwingt dazu das auszuhalten. Eisenhüttenstadt soll sehr cool und voll krass sein. Techno in alten Stahlgießereien und so, kein Spießer und Drogen ohne Ende. Das geht‘s richtig ab!

  5. 17.

    In der Tat. So auch die Rigarerstraße kein Kuschelnest darstellt, also wenn die Zugehörigkeit nicht dem Dogma: Berlin muss dreckig bleiben! und überhaupt bleibt alles! Eigentlich ziemlich konservativ, also eher AFD oder CDU.

  6. 16.

    Das wird den Anrainern gefallen: kein Gebrüll, kein Vandalismus, keine Dealer, keine Kleinkriminalität, keine Schlägereien, keine vollgekotzten und berußtes Hausflure.

  7. 15.

    Berlin wird immer langweiliger.

  8. 14.

    Fast nicht mutig genug! Dieser Ort der Stadt könnte noch mehr Dichte vertragen. Das Zusammenspiel aus (SUB-)KULTUR, Wohnen und Büro muss langfristig gesichert sein - das ist klar. Aber wenn wir an das Wachstum der Stadt und unsere Mobilitätswende denken, sollten wir den Platz an Knotenpunkten wie diesen bestmöglich nutzen.

  9. 13.

    "der Charme des RAW-Geländes" ist nicht jedermanns Sache. Manche sehen eher dort die inzwischen herunter gekommenden Überbleibsel eines aus der Zeit gefallenden Industriestandortes, wo ein verschwindende Minderheit sich der Nutzung bemächtigt hat. Unabhängig von der Wertung des vorgestellten Entwurfs ist doch aus allgemeiner Sicht die Frage des mangelnden Wohnraums zu lösen, die hier in bester Stadtlage angeboten wird..

  10. 12.

    Oberbaumcity nebenan massiver Leerstand, Büros...

  11. 10.

    Durch die Baumaßnahmen wird es den dort ansässigen Dealern natürlich sehr schwer gemacht, ihre Qualitätsware an den Mann/Frau/Divers/Noch-nicht-sicher zu bringen. Ich bin gespannt, wie sich die Dealergewerkschaft zum Bauprojekt äußern wird.

  12. 9.

    Moin Gemeinde, Was soll man als Berliner dazu sagen, meine Güte nur noch Fremdschämen und unser unfähige Senat segnet mal wieder alles ab. Dieser Klotz wie so viele andere Protzkisten nur häßlich, keine Architektur, niemand der auch nur den Hauch von irgendwas hat. In wenigen Jahren steht nur noch Stahl, Glas und Beton rum und unser Berlin Tot. Symbolisch erhebe ich beide Mittelfinger.

  13. 8.

    Die Leute bekommen, was Sie gewählt haben!

  14. 7.

    An diesem Beispiel kann man Fragen der Stadtentwicklung trefflich und auch entlarvend diskutieren:
    Wer hat Angst vor Entwicklung?
    Wer will Stillstand?
    Wer sonst Vielfalt will, will nun „aussperren“?
    Wenn die Nutzer mit berücksichtigt und befragt werden, ist es diesmal auch nicht recht?
    Ganz normale Entwicklungsvorgänge, die man so oder so angehen kann, sind nun „anrüchig“, dass eigene Verhalten aber nicht?
    Wer bezahlt hat gar nichts zu sagen? Was für eine Moral ist das denn?

  15. 6.

    Der Leerstand bei Büros ist in Berlin gleich Null, und das bei gestiegener Home-Office-Quote. Es werden weiterhin neue Büros in Berlin gebraucht, auch ein Teil der 100.000 Neuberliner:innen aus der Ukraine wird in Büros arbeiten. Der Flächenverbrauch lässt sich in Berlin nur verringern, wenn wir in die Höhe bauen!

  16. 5.

    Leider ist es nicht so eindimensional.
    Stadt verändert sich. Mit einer festgelegten Geschoossflächenzahl kann ich die Fläche zupflastern oder in die Höhe bauen. Dann kann ich in der Fläche gestalten.
    Wenn ich Clubs möchte, kann ich kein Wohnen daneben setzen. Dann habe ich einen Nutzugskonflikt, der immer zu Gunsten der Bewohnenden ausgehen muß.
    Mit dem RAW gibt es die einmalige Chance, Stadt kooperativ zu gestalten.
    Zugestanden, als Nutzer*in im soziokulturellen L unterliege ich weniger dem Druck des Eigentümers, als vielmehr dem Erwartungsdruck der Mitarbeiter*innen, Nachbar*innen und Familien zum Fortbestand. Insofern ist die eindimensional Kritik nicht zielführend.
    Danke an den Bezirk, alle ernstzunehmenden Parteien, danke an Florian Schmidt.

  17. 4.

    Geht es nur mir so, aber diese Entwürfe versprühen den Charme eines hochglanzpolierten Eisschrankes.
    ... und nachts spielen da nicht mal die Toten Hosen.

  18. 3.

    Dieses häßliche Hochhäuser leider will das die Politik. Und ich stimme dem Vorredner zu, weshalb wird ein Bürokomplex nach dem anderen gebaut. Corona hat doch gezeigt das man diese Masse an Büros nicht braucht. Aber vermutlich leistet die Lobby eben starke Arbeit

  19. 2.

    Nun-ja, von Subkultur kann man hier wohl nicht mehr reden. Off/Subkultur wurde in dieser Stadt begraben. Das war der Magnet wodurch sich diese Stadt von anderen unterschied. Das ist lange vorbei. Jetzt ist Berlin zum Heiligen Gral der Vor-und Kleinstadtflüchtlinge geworden. Bald wird Berlin so tot sein wie jede andere Kleinstadt im Rest dieses Landes. Sauber, aufgeräumt, langweilig. DURCHSCHNITT!
    R.I.P

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