GEW sieht bis zu 1.000 fehlende Lehrkräfte - Busse schließt Kürzungen der Stundentafel trotz Lehrermangel aus

Sa 14.05.22 | 17:18 Uhr
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Schülerinnen und Schüler sitzen im Klassenzimmer. (Quelle: dpa/Nicolas Armer)
dpa/Nicolas Armer
Audio: rbb24 Inforadio | 14.05.2022 | Jan Menzel | Bild: dpa/Nicolas Armer

Nach wie vor herrscht Lehrermangel an Berliner Schulen. Laut der Gewerkschaft GEW könnten zu Beginn des neuen Schuljahres 1.000 Lehrkräfte fehlen. Die Stundentafel soll deshalb aber nicht zusammengestrichen werden, sagt die Bildungssenatorin.

Berlin wird auch in das kommende Schuljahr mit zu wenig Lehrerinnen und Lehrern starten. "Den Mangel kann ich nicht wegdiskutieren, das ist ein deutschlandweiter Trend", sagte Bildungssenatorin Astrid-Sabine Busse (SPD) dem rbb am Rande der Bildungsmesse Berlin-Tag am Samstag.

Wie viel Personal zum Schuljahresanfang fehlen wird, wollte die Senatorin zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht sagen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) rechnet damit, dass zum neuen Schuljahr bis zu 1.000 Lehrerinnen und Lehrer an Berliner Schulen fehlen. Der Landesvorsitzende der GEW Berlin, Tom Erdmann, sprach gegenüber dem rbb von einem "großen Mangel" und kritisierte, dass die Bildungsverwaltung "keine Strategie" habe, um gegenzusteuern. Besonders dramatisch sei die Personalsituation an den Grundschulen.

Zuvor hatte der "Tagesspiegel" [Bezahlinhalt] darüber berichtet, dass die neu gegründete Vereinigung Berliner Grundschulleitungen von einem noch nie dagewesenen Szenario für das kommende Schuljahr ausgeht. Ihr Vorsitzender Stephan Witzke befürchtet demnach, dass auch Pflichtstunden wegfallen könnten, weil nicht genug neue Lehrer eingestellt werden können. "Wir müssen an die Stundentafel ran", sagte Witzke der Zeitung.

Erdmann: "Das ist kein Nice-to-have"

Bildungssenatorin Busse widersprach dieser Darstellung. "Das ist auf keinen Fall geplant", betonte die SPD-Politikerin. Es sei sichergestellt, dass die Stundentafel abgedeckt werde. Auch GEW-Landeschef Erdmann geht nicht davon aus, dass in Berlin flächendeckend die Stundentafel an den Grundschulen zusammengestrichen werden muss. Dass dies an einzelnen Schulen passiere, könne er aber nicht ausschließen. Was schon jetzt und künftig verstärkt unter die Räder komme, seien Teilungsstunden und der Förderunterricht. "Das ist kein nice-to-have sondern ganz elementar für die Berliner Schule und die Inklusion", warnte Erdmann.

Die GEW habe schon seit Langem eine echte Ausbildungsoffensive gefordert. "Das Geld dafür fehlt aber", bemängelt Erdmann. Die Ansätze im Doppelhaushalt, über den gerade beraten wird, seien genauso niedrig wie in den Vorjahren.

Nach Angaben eines Sprechers der Senatsfinanzverwaltung von vor wenigen Wochen sind im Entwurf für den Haushaltsplan 2022/23 insgesamt 770 neue Stellen für Lehrkräfte vorgesehen und 700 für sonstiges pädagogisches Personal an den Schulen.

Zweifel äußerte Erdmann daran, dass die von der Bildungsverwaltung angestrebte Wiedereinführung der Verbeamtung von Lehrkräften die Lage grundsätzlich verbessern wird. "Angeblich sitzen ja Hunderte Lehrer auf gepackten Koffern." Tatsächlich gebe es aber keine Zahlen, wie viele Pädagogen aus anderen Bundesländern nach Berlin wechseln wollen. Busse nannte die Verbeamtung dagegen einen "Mosaikstein", um mehr Lehrer nach Berlin zu holen und für den Beruf zu gewinnen.

Diesem Ziel diene auch der Berlin-Tag, der am Samstag in der Station Berlin stattfand, betonte die Senatorin. Auf der Berufs- und Informationsmesse stellen sich Kitas, Schulen und Jugendämter als Arbeitgeber vor. Für die Schulen geht es insbesondere darum, Quereinsteiger davon zu überzeugen, in den Schuldienst zu gehen.

Sendung: Fritz, Nachrichten, 14.05.2022, 15:30 Uhr

36 Kommentare

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  1. 36.

    Ihnen scheint entgangen zu sein,dass alle Gehaltssteigerungen, die bislang von den streikenden Lehrern bzw. vom streikenden Personal im Bildungswesen erkämpft wurden, ohne Murren auf die Beamtengehälter übertragen wurden. Das ist aber kein Naturgesetz, gerade in Zeiten knapper Kassen. Der Beamtenstatus kann von daher auch eine Falle sein.

  2. 35.

    Da holen Sie leider wieder alle alten Eisen aus dem Feuer.
    Lehrer in Berlin haben absolut das Recht, die Verbeamtung zu fordern, solange alle anderen deutschen Bubdesländer dies auch tun. Was heißt hier den Beruf verfehlt? Haben Sie das zu entscheiden wer welche Berufswahl aus welchen Gründen auch immer vornimmt.
    Natürlich könnte man über den Sinn und Zweck des Beamtentums diskutieren, solange dies aber in Deutschland nicht einheitlich geregelt ist, braucht man hierrüber aber nicht weiter sprechen.
    Und das immer wieder von Kritikern der Verbeamtung vorgenrachte Argument des Streikrechts ist auch nur noch lächerlich. Hat nichts wesentliches bewirkt in den letzten Jahrzehnten dank der GEW als Scheingewerkschaft.

  3. 33.

    Hallo Ein Lehrer,
    vorbildlich von Ihnen.
    Kinder zu unterrichten ist eine sehr schöne Aufgabe aber eben keine hoheitliche.

  4. 32.

    Hallo Nurso,
    an Ihrer Stelle würde ich mich erst einmal informieren bevor ich Kritik übe.

  5. 30.

    Ich bin dankbar für Ihren Kommentar. Aus Erfahrung weiß ich, dass im Referendariat in Berlin die abenteuerlichsten Dinge geschehen können. Wenn jeder alles vorher gewusst hätte, wären viele diesen Weg niemals gegangen. Von Hauen und Stechen zu reden, wäre da noch eine Untertreibung ...

  6. 29.

    Die Verbeamtung ist nicht notwendig,
    1.) weil sie auf Kosten der zukünf. Generationen geht: Verbeamtung ist - gerade für das finanzschwache Berlin - eine massive finanzielle Hypothek für die Zukunft. Dieser Aspekt bleibt in der ganzen Debatte VÖLLIG außen vor. Die jetzige Regierung sollte nicht wohkfeil etwas beschließen, was zukünftige Generationen extrem belasten wird. Sie sollte sich vielmehr darum bemühen, die Situation der angestellten Lehrer zu verbessern.
    2.) weil sie das Recht auf Streiks aufhebt, um damit das Recht, selbstbestimmt die Arbeitsbedingungen an der Schule zu verbessern bzw. auf eine Verbesserung hinzuwirken. Das ganze System stammt aus dem Wilhelmismus. Angesagt wäre eine Stärkung der Rentenkasse, nicht der Ausbau eines antiquierten Systems, das statusrechtlich eine Zweiklassengesellschaft befördert und zementiert.
    3.) weil derjenige, der nur deshalb als Lehrer arbeiten will, weil er verbeamtet wird, womöglich etwas grundsätzlich falsch verstanden hat.

  7. 28.

    Da ist "Verbeamtung" sicher die beste Antwort, um dieses Phänomen einzudämmen. (Der Leser erkenne die Ironie)

  8. 27.

    Eine Verbeamtung ist eben nicht notwendig. Wer nur Lehrer wird, weil er diesen Satus anstrebt oder sonst nicht als Lehrer arbeiten will, jedenfalls nicht in Berlin, ist hingegen womöglich grundsätzlich die falsche Wahl. In anderen Ländern gibt es das überhaupt nicht: verbeamtete Lehrer. Ein Relikt des Obrigkeitsstaates. Eine Zweiklassengesellschaft in den Berliner Lehrerkollegien ist im Übrigen auch nicht wünschenswert, nicht mal zeitweilig. Und wenn zeitweilig, dann bitte mit einem ordentlichen Nachteilsausgleich, der diesen Namen auch verdient. Die Verbeamtung ist eine Hypothek für die Zukunft. Zukünftige Generationen werden das finanzieren. Das geht hier in der ganzen Debatte VÖLLIG unter. Die Rentenkasse hingegen wird geschwächt, ebenso das Recht auf Mitbestimmung und das Recht, durch Arbeitskämpfe für seine Rechte einzutreten.

  9. 26.

    Hauptgrund ist die zweite Ausbildungsphase, der Vorbereitungsdienst (Referendariat). Ich habe das nach einem Bachelor- und Masterstudium schließlich auch hinter mich gebracht. Es war mit Abstand die schlechteste Ausbildung, die ich bisher absolviert habe. (Habe sowohl eine Erzieherausbildung, als auch eine gewerblich-technische Ausbildung in der Industrie) Seminarleiter Innen, die nach Gutsherrenart handeln, immer wieder wird darauf hingewiesen, dass man beratend den Lernenden zur Seite steht, aber leider durch die unstrukturiert wirkenden Seminare und -anforderungen Angst und Schrecken verbreitet, weil bei aller scheinheiligen Freundlichkeit alles in einer unzeitgemäßen Prüfung, dem Staatsexamen mündet. Da gehört Mal durchgefegt, ansonsten werden sich nicht mehr Menschen für das Lehramt entscheiden.

  10. 25.

    Und wenn Sie es noch hundertmal wiederholen, die Verbeamtung ist notwendig. Keiner hat je erzählt, dass die Verbeamtung alle Probleme löst. Sie ist dennoch ein elementarer Bestandteil um Lehrkräfte in Berlin zu halten. Das ist ein Fakt den Sie leider außer Acht lassen! Nur zu schreiben Verbeamtung ist ist blöd hilft da auch keinem weiter!

  11. 24.

    Nocheinmal: SOLANGE SICH IM BERLINER SCHULSYSTEM DIE RAHMENBEDINGUNGEN NICHT ÄNDERN (technische und personelle Infrastruktur,flexiblere Stundentafel,Weiterbildung auch für Nichtpädagogen*,Schulung im Umgang mit "besonderen" Eltern(!)usw) NÜTZT KEINE VERBEAMTUNG DES LEHRPERSONALS ! Genau diesen Aspekt hatte doch unsere aktuelle Schulsenatorin in ihre aktiven Dienstzeit als Schulleiterin immer und immer wieder kritisiert. Und jetzt ?! Macht sie es eigentlich nicht besser als ihre Vorgänger* !

  12. 22.

    Die sich im Vorruhestand befindenden Lehrkräfte würde ich mit den Feldjägern aus ihrer Komfortzone holen. In meinem Umfeld gibt es so einige die kein Bock mehr haben und keine 60 sind.

  13. 21.

    Welcher Idiot will heutzutage noch Lehrer:in werden? Der Beruf des Lehrers ist nicht mehr angesehen und wird als Babysitterdienst betrachtet. Oder undankbare Eltern beschweren sich ständig, dass die Schule ihr Kind nicht richtig erzieht, was eigentlich ihre Aufgabe ist. Für den eigentlichen Unterricht bleibt kaum noch Zeit, weil die Lehrer jede Stunde damit verbringen müssen, sich mit dem äußerst schlechten Verhalten und den emotionalen Problemen der Schüler zu befassen.

  14. 20.

    Hallo Björn,
    das tut mir leid für Sie.
    Dann kann es mit dem Lehrermangel in Berlin ja nicht so schlimm sein, wenn Sie abgelehnt wurden

  15. 19.

    Der Bildungsautrag der Schulen beinhaltet die Heranwachsenden zu mündigen Bürgern zu machen, die informiert an unseren Demokratie teilnehmen können. Viel hoheitlicher geht's gar nicht mehr.

  16. 18.

    Hallo Twilke,
    es ist zwar lobenswert den Kindern das ABC beizubringen aber hat mit hoheitlichen Aufgaben nicht das geringste zu tun.

  17. 17.

    Ich habe selten so viel Unsinn in so wenigen Worten gelesen!
    Wenn die allgemeine Schulbildung der Kinder und Jugendlichen keine hoheitliche Aufgabe ist, was ist es dann für eine Aufgabe?
    Durchdenken Sie das bitte mal bis zum bitteren Ende, bevor Sie solche merkwürdigen Ansätze vertreten.
    Beste Grüße

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