Interview | Pop-Up-Hochzeitsfestival in Neukölln - Segenshochzeiten für die, die ihre Liebe feiern wollen

Sa 21.05.22 | 07:32 Uhr
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Symbolbild: Frisch vermähltes Ehepaar (Quelle: imago/ Panthermedia/ Petra Wenzel))
Bild: imago/ Panthermedia / Petra Wenzel

Wer am Samstag in Berlin-Neukölln ist und sich in romantischer Stimmung befindet, kann spontan heiraten. Wie das? Die Genezarethkirche bietet Pop-Up-Hochzeiten an. Wie der Tag abläuft und was Paare mitbringen müssen, erklärt Pfarrerin Susanne Kachel.

rbb|24: Liebe Frau Kachel, mal ketzerisch gefragt: Warum um Himmels Willen bieten Sie Pop-up-Hochzeiten an?

Susann Kachel: Wir bieten Pop-Up-Hochzeiten an, weil ein Riesenbedarf da ist und es das noch nicht gibt. Wir wollen einfach mal ausprobieren, wen das anspricht. Kirchliche Trauungen sind normalerweise mit einer großen Hürde verbunden. Man muss nämlich standesamtlich verheiratet sein und auch noch Kirchenmitglied.

Zur Person

Wir haben gedacht, dass es viele Menschen gibt, die gar nicht zivilrechtlich verheiratet sein, aber trotzdem eine Segenszeremonie feiern wollen. Oder aber Menschen, die aus finanziellen Gründen nicht noch einmal heiraten wollen, sich aber trotzdem den Segen der Kirche für ihre Partnerschaft wünschen. Es gibt ja viel mehr Lebensparterschaften als die klassische Ehe. Wir wollen nun rausfinden, wer Lust und Freude hat, an unserer Segenszeremonie, unserem Hochzeitsfestival, teilzunehmen.

Ist das Ihr erstes Mal oder gab es das schon vorher - und wird es bei Erfolg wiederholt?

Es ist das allererste Mal. Das gab es, glaube ich, auch so noch nicht. Das wird jetzt unser Prototyp, wir probieren das jetzt ein Mal aus. Und wir merken schon, dass sich viele Paare angemeldet haben und noch immer anmelden. Man konnte vorher Slots buchen, kann aber auch ganz spontan zum Hochzeitsbogen kommen. Ich denke, das können wir immer mal wieder anbieten.

Wie läuft das dann überhaupt ab? Sie sagten, man konnte sich vorher anmelden, kann aber am Samstag auch einfach vorbeikommen?

Man konnte sich vorher für seinen Wunschtermin bei uns anmelden und tatsächlich sind wir da ausgebucht. Aber weil es ja auch spontan gehen soll, haben wir auf dem Platz vor der Kirche einen Hochzeitsbogen – und da führen wir die Segenszeremonie für alle durch, die dann ganz spontan vorbeikommen.

Und das geht komplett ohne Dokumente? Man sagt einfach, wir sind Lieschen Müller und Max Mustermann und wir wollen gern spontan heiraten?

Einen Personalausweis, Reisepass oder irgendwas anhand dessen wir die Identität der Person feststellen können und sehen, dass sie volljährig sind, muss man schon mitbringen. Falls jemand Kirchenmitglied und schon standesamtlich verheiratet ist, und das in den Kirchenbüchern als kirchliche Trauung eingetragen haben möchte, geht das im Nachgang. Am Tag selbst wollen wir ganz niedrigschwellig sein, was die Formalitäten angeht.

Man heiratet dann also in oder vor der Kirche zu festgelegter Musik vom Band und sie als Pfarrerin sagen zu allen den gleichen Spruch?

Nein! Es ist ja keine Massenveranstaltung. Wir sind ganz individuell mit den Paaren unterwegs. Wir haben uns eine Segenszeremonie mit Segensbändern ausgedacht und führen mit den Paaren Kurzgespräche, um sie kennenzulernen. Um das wichtigste über sie zu erfahren. Es gibt dann spontane Ansprachen zu dem jeweiligen Paar, zur Geschichte des Paares. Sie können außerdem aus einer goldenen Schale einen Segensvers ziehen, der mit in die Ansprache eingeflochten wurde. Wir haben zudem Bands, bei denen man sich aus einer kleinen Playlist ein Liebeslied aussuchen kann, das gespielt wird.

Führen Sie alle diese Hochzeiten wie am Fließband durch?

Das würde ich gar nicht schaffen! Wir sind ein Team von elf oder zwölf Kolleg:innen, die Lust haben, Neues auszuprobieren und gesagt haben, dass sie mitmachen möchten. Wir kümmern uns dann immer zu zweit um ein Paar.

Gibt es einen Dresscode oder kann man auch im Barbie und Ken-Kostüm zum Heiraten vorbeikommen?

Wir haben gar keinen Dresscode und auch sonst keine Vorschriften. Die Paare kommen in dem Outfit, in dem sie gern kommen möchten und in dem sie sich wohlfühlen. Wir stellen da keine Anforderungen.

Die Paare kommen in dem Outfit, in dem sie gern kommen möchten und in dem sie sich wohlfühlen.

Susann Kachel, Pfarrerin

Wen sprechen Sie damit an? Gibt es Konstellationen, die Sie nicht verheiraten an diesem Tag?

Man darf nicht minderjährig sein und wir segnen keine Dreier- und mehr Konstellationen an diesem Tag. Ansonsten sind alle Menschen, die zu zweit eine Beziehung haben, herzlich eingeladen. Natürlich auch homosexuelle Paare, denn das ist ja für die evangelische Kirche sowieso gar kein Thema.

Ist die Pop-Up-Hochzeit denn dann amtlich gültig?

Nein, es ist eine Segenshochzeit. Gerade für Paare, die die normalen Erfordernisse für eine kirchliche Trauung vielleicht nicht erfüllen, die aber die Liebe und ihre Beziehung trotzdem feiern wollen.

Was muss ein Paar hinterher tun, um auch vor dem Amtsschimmel verheiratet zu sein?

Dann muss man sich ans Standesamt wenden und den klassischen Weg einschlagen. Wir haben tatsächlich anfangs überlegt, ob wir nicht gleich einen Standesbeamten dazuholen. Aber jetzt haben wir uns erst einmal für die Variante ohne entschieden.

Warum finden die Pop-Up-Hochzeiten ausgerechnet an diesem 21. Mai statt?

Da war uns, was den Termin betrifft, vor allen Dingen der Monat Mai wichtig. Da heiraten ja sowieso viele Menschen, und es ist so schön, wieder rauszugehen bei Sonnenschein. Außerdem ist Markttag. Das ist wichtig für die Atmosphäre. Da ist viel los. Und wir werden auf dem Markt auch Stände mit herzförmigen Luftballons markieren – an denen kann man Blumen oder Schmuck dazukaufen. Außerdem sind professionelle Fotograf:innen da, die man auch spontan buchen kann, falls man ein Foto-Shooting machen möchte.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Das Interview führte Sabine Prieß, rbb|24

Sendung: rbb24 Abendschau, 21.05.2022, 19:30 Uhr

3 Kommentare

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  1. 3.

    Da bin ich ganz Ihrer Meinung....tolle Sache. Hoffentlich übernehmen viele andere Kirchen diese Idee.

  2. 2.

    Ich bin seit '86 DDR-rechtlicht und "trotzdem" glücklich verheraitet, Mit "meiner" Frau.

    Was bitte soll eine Segenshochzeit sein? Ich versteh ehrlich die Nachricht nicht.
    Ist das was für "konfessionelle"?

    Liebe Redaktion: Denkt mal dran, daß hier nicht Bayern ist. Die Mehrheit in Brandenburg braucht keinen "Segen".



  3. 1.

    Idee finde ich super. Für die evangelische Kirche ein innovativer Schritt in die Zukunft. Für mich auch in die richtige Richtung. Weiter so.

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