Rabbiner-Hochschule - Direktor der School of Jewish Theology in Potsdam zurückgetreten

Di 17.05.22 | 15:07 Uhr
Während eines Festaktes an der Universität Potsdam (Brandenburg) zur Eröffnung des bundesweit ersten Universitätsstudiengang für Jüdische Theologie am 19.11.2013 sitzen Besucher der Veranstaltung im Audimax der Universität. (Quelle: Ralf Hirschberger/dpa)
Audio: Inforadio | 17.05.2022 | D. Löschmann | Bild: Ralf Hirschberger/dpa

Vorwürfe sexueller Belästigung an Deutschlands bekanntester Rabbiner-Hochschule, dem Potsdamer Abraham-Geiger-Kolleg (AGK), haben zu weiteren personellen Konsequenzen geführt. Eine Sprecherin der Universität in Potsdam bestätigte dem rbb am Dienstag den Rücktritt des Geschäftsführenden Direktors der School of Jewish Theology, Daniel Krochmalnik.

Das Abraham-Geiger-Kolleg ist als sogenanntes An-Institut der Universität Potsdam unter anderem für die religiöse Ausbildung von Rabbinerinnen und Rabbinern zuständig. Die School of Jewish Theology gehört zur Philosophischen Fakultät der Uni und kümmert sich um die akademische Ausbildung.

Krochmalnik: Personeller Neuanfang notwendig

In einem Schreiben an Universität und Studierende begründete der emeritierte Professor Krochmalnik seinen Rücktritt mit der Notwendigkeit eines personellen Neuanfangs nach den Belästigungsvorwürfen am Abraham-Geiger-Kolleg. Zudem habe er wegen eines medizinischen Eingriffs "nicht die Kraft für diese Schlammschlacht".

In seinem Brief schreibt Krochmalnik laut Agenturberichten, es sei ihm nicht gelungen, seinen Kollegen klarzumachen, dass eine öffentliche Beschädigung des Geiger-Kollegs und seines Direktors "zwangsläufig eine Selbstbeschädigung der School ist". Alle seine Appelle, "den unsittlichen Mailverkehr eines Mitarbeiters niedriger zu hängen", hätten nicht gefruchtet. "Nun haben wir ein herrliches Gebäude und ein ruiniertes öffentliches Ansehen", schreibt der Professor, der seit Anfang April im Ruhestand ist und die Geschäfte kommissarisch weiterführte. Über den Rücktritt Krochmalniks berichtete zuerst der "Tagesspiegel".

Vorwürfe sexualisierter Belästigung

Medienberichte hatten Anfang Mai Sexismus-Vorwürfe gegen einen langjährigen Mitarbeiter des Geiger-Kollegs offenbart.

Homolka gilt als Führungsfigur im liberalen Judentum in Deutschland. Ihm selbst wird vorgeworfen, die Aufklärung der Belästigungsvorwürfe behindert zu haben. Er lässt aktuell seine Aufgaben ruhen.

Der Präsident der Univerität Potsdam, Oliver Günther, hatte bereits zuvor eine Untersuchungskommission eingerichtet, um den Vorwurf der sexuellen Belästigung am Abraham-Geiger-Kolleg aufzuklären.

Sendung: Inforadio, 17.05.2022, 9:00 Uhr

Nächster Artikel